"Wir freuen uns sehr über das Ergebnis, das uns seit kurzem mündlich vorliegt. Bis Ende August erwarten wir schriftliche Einzelheiten", so Minga. Die geplante Elektrifizierung habe mit dem positiven Untersuchungsergebnis eine erste wichtige Hürde genommen. Im nächsten Schritt stehe nun eine standardisierte Bewertung des Projektes an, in dem das Kosten-Nutzen-Verhältnis ermittelt werden müsse, so Minga weiter.
Nach ersten Schätzungen soll die Modernisierung der 30 Kilometer langen AKN-Strecke rund 50 Millionen Euro kosten. Mit dem Geld soll eine Oberleitung bis nach Kaltenkirchen gezogen werden, außerdem müssen die Bahnsteige entlang der Strecke verlängert und um 20 Zentimeter erhöht werden, damit dort künftig S-Bahnen halten können.
Nach Untersuchungen des Landes Schleswig-Holstein ist die Umstellung auf einen modernen S-Bahn-Betrieb nötig um das Fahrgastpotential entlang der Strecke besser auszuschöpfen. Demnach haben im Jahr 2009 nur 9 Prozent aller Pendler zwischen Kaltenkirchen und Hamburg die AKN genutzt. Zum Vergleich: Auf der Strecke Elmshorn-Hamburg lag der Marktanteil der Bahn bei 30 Prozent und zwischen Bad Oldesloe und Hamburg bei 15 Prozent.
Die Zeit für den Umbau der AKN-Strecke drängt: Spätestens im Jahr 2017 müssen die betagten Dieseltriebwagen durch neue Züge ersetzt werden. Rund zwei Jahre vorher müssten entsprechende Bauaufträge an die Fahrzeugindustrie vergeben werden. Sollte bis dahin keine endgültige Entscheidung über die Elektrifizierung der Strecke gefallen sein, müsste die AKN zwangsweise neue Diesel-Züge anschaffen. Damit wäre die Chance auf eine S-Bahn nach Kaltenkirchen für mindestens 30 Jahre vertan.
Trotz dieser Zwänge tut sich Hamburg mit einer Entscheidung schwer. Obwohl sich die Hansestadt vermutlich nur mit einem einstelligen Millionenbetrag an dem Streckenausbau beteiligen müsste, hatte sich der ehemalige schwarz-grüne Senat kaum mit der AKN befasst und auch die amtierende SPD-Regierung schiebt das Thema vor sich her. "Für eine inhaltliche Bewertung liegen noch keine ausreichenden Prüfungsergebnisse vor", teilte der Senat Ende April in einer Antwort auf eine schriftliche kleine Anfrage des GAL-Verkehrsexperten Till Steffen mit (Drucksache 20/312). Erst nach Vorlage der Ergebnisse werde man "zeitnah entsprechende Entscheidungen" treffen. Dabei erwähnt der Senat allerdings nicht, auf welche Prüfungsergebnisse man genau warte.
Der Landesregierung in Schleswig-Holstein ist das Tempo offenbar zu langsam. Sie geht eigene Wege und hat das Projekt bereits – ohne Absprache mit Hamburg – für das Förderprogramm des Bundes (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) vorgeschlagen.
