NahverkehrHAMBURG

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S-Bahn nach Kaltenkirchen

Ministerium hält Bürgerinitiativen-Gutachten für nicht plausibel

Die S-Bahn soll die AKN auf der Strecke nach Kaltenkirchen ersetzen Die S-Bahn soll die AKN auf der Strecke nach Kaltenkirchen ersetzen Foto: Christian Hinkelmann
"Nicht plausibel": Das Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein sieht das kürzlich präsentierte Gegengutachten einer Bürgerinitiative zur geplanten S-Bahn nach Kaltenkirchen mit Skepsis. Nach erster grober Durchsicht sei das negative Ergebnis nicht nachvollziehbar. Die Planungen sollen wie bisher weitergehen.
Das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium hält bislang nicht viel von dem negativ ausgefallenen Gegengutachten einer Bürgerinitiative zur geplanten S-Bahn nach Kaltenkirchen. Eine fundierte Aussage zu den Inhalten sei knapp eine Woche nach der Präsentation zwar noch nicht möglich - "nach erster grober Durchsicht halten wir die von den Gutachtern getroffenen Rückschlüsse jedoch nicht für plausibel", so Pressesprecher Harald Haase zu NahverkehrHAMBURG.

Auch der Kosten-Nutzen-Faktor, der in dem Gutachten der Initiative aus Ellerau deutlich negativer ausfällt als in der offiziellen Analyse der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, sei bislang "nicht nachvollziehbar", so Haase weiter.

Aus diesem Grund will das Ministerium die Planungen für die S-Bahn-Strecke mit den bisherigen Annahmen weiterführen. Gleichzeitig soll die Analyse der Initiative ausgewertet werden.

Die "Bürgerinitiative Bahnstrasse" aus Ellerau hatte Ende vergangener Woche ein eigenes Gutachten des Planungsbüros Vieregg-Rösler präsentiert, in dem die offizielle Kosten-Nutzen-Analyse für die geplante S-Bahn nach Kaltenkirchen kritisch hinterfragt wurde (siehe hier). Dieses Gutachten geht von höheren laufenden  Betriebskosten und einer schlechteren Klimabilanz aus, sodass der Kosten-Nutzen-Faktor nicht mehr bei 1,12 sondern bei -0,16 liegt. Damit wäre das Projekt unwirtschaftlich und nicht mehr für Fördergelder des Bundes qualifiziert.

Nach den Plänen von Hamburg und Schleswig-Holstein soll die S-Bahnlinie S21 künftig von Aumühle aus nicht mehr zur Elbgaustraße, sondern ab Eidelstedt auf der bisherigen AKN-Strecke bis nach Kaltenkirchen fahren. Die Fahrzeiten würden sich durch diesen Schritt zwar nur geringfügig verbessern, allerdings würde der Umsteigezwang zwischen AKN und S-Bahn in Eidelstedt wegfallen. Damit würde eine neue Direktverbindung vom Umland direkt in die Hamburger Innenstadt entstehen.

Kostenpunkt: Rund 90 Millionen Euro. Geplante Realisierung: Rund um das Jahr 2020.

Vorbild ist die vor acht Jahren verlängerte S-Bahnlinie S3 nach Stade. Obwohl die S-Bahnen auch dort kaum schneller sind als die vormaligen Regionalzüge, wurden die prognostizierten Fahrgastzahlen weit übertroffen.

9 Kommentare

  • Hohenfelder Jung

    Die neue S-Bahn bedeutet doch: Umstellung von Diesel- auf Elektrobetrieb sowie Wegfall des Umsteigens auf dem Weg nach Hamburg. Wie kann eine sogenannte "Bürgerinitiative" dagegen sein? Irgendwie ist es doch nicht normal, wenn heute die Leute gegen alles meckern und gegen jedwede Veränderung sind. Warum machen die nicht gleich eine Petition für die Einstellung der AKN? Meine Prognose ist, dass man sich nach der Umstellung auf S-Bahn-Betrieb noch über die Fahrgastanstiege wundern wird. Auf der S 3 nach Stade sind heute auch sehr viel mehr Fahrgäste unterwegs, als in der ursprünglichen Kosten-Nutzen-Bereichung eingeflossen sind. Die einzige negative Auswirkung der neuen S-Bahn werden höhere Immobilienpreise und Mieten entlang der Strecke sein. Dies kann man nämlich auch in Neu Wulmsdorf oder Horneburg feststellen.

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  • Carom

    Aus dem ersten Artikel zum "Gegengutachten: "Dazu gehört auch ein zweites Gleis in Ellerau – direkt an den Grundstücken von Mitgliedern der 'Bürgerinitiative Bahnstrasse'."

    Es geht beim "Gegengutachten" also nicht um die S-Bahn, sondern um den Grundstückswert einiger Anlieger. Das sagt im öffentlichen Raum niemand, deshalb steht es hier und in den Kommentaren zum ersten Artikel.

    Wieso wird um den heißen Brei geredet? "Butter bei die Fische" ist bewährte Art im norddeutschen Raum, das würde ich mir von den Beteiligten hier auch wünschen.

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  • Jan

    Das ist so, als wenn ich direkt an den Flughafen ziehe und mich dann darüber "wundere",
    dass die Anzahl der Flugbewegungen dann steigt....

    Achja, der Makler sagte mir ja, hier starten die Flugzeuge ganz selten.....lach...

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  • WW

    Wenn durch die S-Bahn die Immobilienpreise fallen, klagen die Hausbesitzer. Wenn die Immobilienpreise steigen, klagen die Mieter. Man kann es nicht richtig machen.

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  • Jan F.

    @Jan: Nein, es ist so, als wenn Du schon lange am Flughafen wohnst und nun eine zusätzliche Landebahn gebaut werden soll. (Ich bin übrigens weder Anlieger der AKN noch Mitglied der BI.)

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  • Jan

    @Jan F.

    Meine ich ja....Oder soll die zusätzliche Landebahn dann lieber in Bergedorf gebaut werden, damit es dann gerechter verteilt ist ?

    Wer in eine Großstadt bzw. in der unmittelbaren Perepherie so verkehrsnah an der Infrastruktur lebt, der muss auch mit einer Weiterentwicklung bzw. einem Ausbau rechnen....

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  • kuddel

    Naja, anzunehmen, die Leute seien erst hingezogen, halte ich auch für falsch. So wie am Flughafen wohnen in Ellerau viele Familien seit Generationen. Und natürlich dürfen sie bei Veränderungen ihre Meinung kundtun. Zieht man an eine einspurige Landstraße, die nach Jahrzehnten zu einer dreispurigen Autobahn ausgebaut werden soll, gilt das genau so.

    Trotzdem ist es ja offensichtlich, was die Interessen der BI sind. Für wenige Euro beauftragen sie ein kleines Büro, dass auf nicht einmal 20 Seiten einige Vermutungen anstellt, nach denen -- wenn sie stimmen -- ein anderer Wert herauskommen müsste. Wer sich das Gutachten (ist auf der BI-Seite downloadbar) ansieht, wird sich auch wundern, warum der CO2-Ausstoß der S-Bahn berechnet wird, aber sie nicht zugleich die aktuellen Werte der Dieselloks der AKN entgegenrechnen. Und CO2 ist der Hauptpunkt, wie man trickreich ein Ergebnis bekam, welches das Vorhaben als nicht-förderungswürdig darstellt.

    In einer NDR-Reportage sagten die Anlieger ja, worum es ihnen geht. Sie finden Oberleitungen unschön und fürchten, dass sie eine Handvoll Quadratmeter von ihren Vorgärten verlieren könnten, die aus ihrer Sicht schon nicht besonders groß seien. Weil das Allgemeinwohl aber über Partikularinteressen liegt, können sie dagegen nicht angehen. Also versuchen sie die Wirtschaftlichkeit zu diskreditieren und schlagen alternativ vor, dass die S21 nur bis Quickborn fahren soll. Warum es für Quickborner Anlieger "zumutbar" sei und für sie hingegen nicht, wird nicht verraten.

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  • spm9153

    Die fürchten also um den Wert ihrer Grundstücke. Aha ?! Dann spiel ich mal den Immobilienmakler. Bei einer Elektrifizierung der Strecke könnte ich schreiben: "Wenige hundert Meter vom Haus befindet sich der S-Bahnhof XXX, von dem Sie ohne Umsteigen in großzügigen, leisen S-Bahnen direkt bis ins Herz der Hansestadt Hamburg gelangen...". Ohne den Umbau müßte ich schreiben: "Nicht zu überhören sind die kleinen, dröhnenden Dieseltriebwagen der eingleisigen Vorortbahn, mit der Sie bis an die Randgebiete Hamburgs gelangen, um von dort in bereits überfüllten S-Bahnen bis in die Stadt weiterzufahren...".
    Welche Aussage hört sich besser an, ich laß Euch mal raten:
    Die zweite natürlich, denn sie betont den ländlichen Charakter der Region, in der die Kinder so schön frei bei natürlichen Düften wie Kuhmist und Diesel aufwachsen können.
    Zahlen kann man drehen wie man Lust hat, die Elektrifizierung der AKN und Durchbindung der Züge wäre eine Aufwertung des gesamten nordwestlichen Raums von Hamburg und große Verbesserung des ÖPNV-Netzes.

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  • Holger

    @Jan F.
    Es ist mitnichten so als würde eine weitere Landebahn gebaut. Von der Belastung scheint es mir gleichgültig ob die Bahn auf einem oder zwei Gleisen fährt, bei einem festen Takt bleibt die Zahl der Fahrten gleich. Der Vorteil liegt darin, dass sich Verspätungen nicht auf die Gegenrichtung auswirken.

    @apm6153
    Ich bin genau bei Ihnen. Das Argument der Umsteigefreiheit wurde in der Vergangenheit auch genutzt, als die AKN wesentlich mehr Fahrten bis und vom Hauptbahnhof angeboten hatte.
    Mehrere meiner Kollegen fanden das Angebot über die Verbindungsbahn so gut, dass sie vom Auto auf die Bahn umgestiegen sind. Ihr Argument war die geringe Zugfolge der AKN und der zugige Bahnhof Eidelstedt.

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