Doch zwei Männer bringen diese Pläne gerade gehörig ins Wanken: David McAllister, Ministerpräsident von Niedersachsen und Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg.
Beide plädieren seit einigen Wochen auffallend laut für eine ganz andere Elbquerung – und zwar östlich von Hamburg. Dabei soll die A21 von Bargteheide aus im Verlauf der B 404 verlängert werden, bei Geesthacht die Elbe überqueren und könnte dann entweder bei Wolfsburg auf die A39 oder bei Egestorf auf die A7 treffen.
Tatsächlich hat der Vorschlag Charme. Die neue Autobahn würde zum Bypass für die chronisch überlastete A1 im Bereich Hamburg werden und könnte den gesamten Skandinavienverkehr, der nicht gezielt in den Hamburger Hafen muss, wirkungsvoll an der Hansestadt vorbeileiten. Gerade mit Hinblick auf die feste Fehmarnbeltquerung und dem damit verbundenen Anstieg des Skandinavien-Güterverkehrs scheint dies eine attraktive Lösung, um die bestehenden Autobahnen in Hamburg vor einem Kollaps zu bewahren. Kein Wunder, dass die Hamburger Handelskammer diese Pläne forciert.
Aber auch Niedersachsen verspricht sich von der Hamburger Ostumfahrung große Vorteile: Sie bietet deutlich mehr Nutzungspotential als die A20, die gerade im Bereich Glückstadt durch sehr dünn besiedeltes und strukturschwaches Gebiet führt, sie kostet mit rund 400 Millionen Euro nur halb so viel, wie der geplante Elbtunnel bei Glückstadt und entlastet auch noch im großen Maße die Autobahnen A1 und A7 im nördlichen Niedersachsen. Dies wiederum würde dem Land möglicherweise teure Ausbauprogramme ersparen.
Doch während sich Niedersachsen auf den dreifachen Befreiungsschlag freut, reagiert Schleswig-Holstein außerordentlich verstimmt. "Für uns hat der Bau der A20 mit der westlichen Umgehung Hamburgs weiterhin absolute Priorität", ließ Verkehrsminister Jost de Jager (CDU) über die "Lübecker Nachrichten" verlauten. Und Ernst-Dieter Rossmann, Sprecher der schleswig-holsteinischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, warnt in dem Blatt davor, gleichzeitig zu viel zu wollen. „Das Land muss sich an Prioritäten halten, sonst geht am Ende alles den Bach runter.“
Klingt nervös. Zu Recht. Schleswig-Holstein weiß nur zu gut, dass der Bund nicht genügend Geld für beide Bauprojekte hat. Könnte er zwischen den beiden Vorhaben frei wählen, würde er sich vermutlich für die günstigere Ostumgehung entscheiden und damit Schleswig-Holsteins Autobahnpläne der letzten 15 Jahre über den Haufen werfen.
Der zusätzliche Verkehr nach Fertigstellung der festen Fehmarnbeltquerung wird den Druck auf Schleswig-Holstein noch verstärken. Dazu kommt, dass das Land noch immer verzweifelt nach einem privaten Investor für den A20-Elbtunnel bei Glückstadt sucht, der das Bauwerk finanzieren und betreiben soll.
Hamburgs Handelskammerchef Schmidt-Trenz steht bereits in Lauerstellung und reibt sich die Hände: "Findet man mittelfristig keinen privaten Investor für einen Tunnel im Westen Hamburgs, müssen wir der Realität ins Auge sehen und erst mal mit dem Bau einer Ostquerung beginnen", sagte er der WELT. Die Konkurrenz schläft nicht.
