Verläuft die Testphase erfolgreich, soll die neue Einsteige-Regelung auf das gesamte HVV-Gebiet ausgeweitet werden. Dabei ist dem Verkehrsverbund durchaus bewusst, dass die Erfahrungen aus dem beschaulichen Bergedorf nicht 1:1 auf die teils hochbelasteten Buslinien in der Innenstadt übertragen werden können. Vor allem auf der verspätungsanfälligen Metrobuslinie 5 entlang der Grindelallee wäre das "Nur-noch-vorn-Einsteigen-System" ein gefährliches Geduldsspiel mit den Nerven der Kunden. HVV-Sprecherin Becker beruhigt: Man habe sich aus diesem Grund bereits dazu entschlossen, die Metrobuslinie 5 von dieser Regelung auszunehmen, sollte das System tatsächlich stadtweit eingeführt werden. Damit wolle man ein Chaos auf dieser Linie verhindern. Weitere Ausnahmen auf anderen Metrobuslinien würde man von den Erfahrungswerten in Bergedorf und Harburg abhängig machen, so Becker.
Ein weiterer Argumentationspfeiler für die neue HVV-Maßnahme ist das Gerechtigkeitsempfinden der Fahrgäste. Unternehmenssprecherin Becker formuliert es so: "Wir wollen dem ehrlichen Fahrgast das Gefühl nehmen, neben den Schwarzfahrern der einzig 'Dumme' mit Fahrkarte zu sein."
Aber hat der ehrliche Fahrgast durch die neuen Kontroll-Methoden tatsächlich Vorteile?
Führen diese nicht eher dazu, dass der ohnehin schon langsame Busverkehr weiter ausgebremst wird und seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auto noch mehr schwächt?
Führt die neue Bus-Hemmschwelle im Zweifel nicht eher dazu, dass langjährige Pendler doch wieder entnervt auf den eigenen, schnelleren Wagen umsteigen und potentielle Neukunden abgeschreckt werden?
Kurz: Ist die lückenlose und zeitraubende Fahrkartenkontrolle im Bus wirklich das Rezept für einen attraktiven, bequemen und schnellen Nahverkehr?
Mit Pech könnte die neue Einsteige-Regelung somit unter dem Strich zum betriebswirtschaftlichen Nullsummenspiel oder gar zum Minusgeschäft werden. Dann wäre der ehrliche Fahrgast irgendwie doch wieder der Dumme.
