21 Kilometer Busspur existierten bis zum Rückbau der letzten Straßenbahnanlagen im Jahr 1980. Innerhalb weniger Monate sollten vier weitere Kilometer hinzukommen. In den Folgejahren wollte der HVV das Busspurnetz auf über 40 Kilometer anwachsen lassen.
"Mit diesem Programm gilt Hamburg in Deutschland als führend", jubelte das Hamburger Abendblatt am 24.7.1980. "Vorbild ist Paris, wo weit über 100 Kilometer Busspuren bis weit in die Vororte reichen."
Doch komplett verwirklicht wurden diese Pläne nie.
1989 musste die damalige SDP/FDP-Koalition in der Antwort auf eine große Anfrage der GAL-Fraktion eingestehen, dass die Länge der Busspuren bis 1987 nur um einen Kilometer angewachsen ist auf insgesamt 22 Kilometer.
Bemerkenswert: Nur zwei Kilometer davon verliefen nicht auf schon früher vorhandenen ehemaligen Straßenbahnspuren.
"Busbeschleunigung durch Umverteilung von Verkehrsraum: Weitgehend Fehlanzeige", bemerkte der damalige Leiter des GAL-Arbeitskreises Verkehr, Michael Wendt, Jahre später in einem Interview (Stadtverkehr 4/09, Seite 43).
Gleichzeitig räumte der Senat ein, dass bei 65 Prozent der Buslinien in Hamburg während der Hauptverkehrszeiten ein Maximalquerschnitt von 90 Prozent Sitzplatzauslastung erreicht wurde – bei 18 Linien sogar auch in den Nebenzeiten.
Zudem mahnten zwei Gutachten im Auftrag des FDP-Wirtschaftssenators den dringenden Bau von zusätzlichen Busspuren und Ampelvorrangschaltungen an, um den Busverkehr schneller und kostengünstiger zu machen (Abendblatt, 19.9.1989).
Tatsächlich beschloss die Rathaus-Regierung am 22. Mai 1990 ein Busbeschleunigungsprogramm. Für rund eine Million Euro sollten noch im selben Jahr mehrere Busspuren entlang der Strecken Altona-Ohlsdorf und Jenfeld-Wandsbek eingerichtet werden, von denen 15 Linien profitieren würden. Genaue Maßnahmen wurden nicht benannt.
Rund ein Jahr später - inzwischen regierte die SPD allein in Hamburg - kündigte der HVV im Abendblatt an: "Wir planen bereits die Einführung eines weitreichenden Busspurnetzes. Spätestens nächstes Jahr werden die Linien 102 (heute M5), 106 (heute M25) und 113 (heute M20) auf einer eigenen Spur fahren".
In den Folgejahren kam es tatsächlich zu einem kleinen Busspur-Boom. So bekam unter anderem die Stresemannstraße 1991 zwei jeweils ein Kilometer lange Sonderspuren für Busse. Ursache hierfür war allerdings ein tödlicher Verkehrsunfall eines Kindes. 1995 wurde die Busspur am Eppendorfer Marktplatz um 80 Meter verdoppelt und an der Deelböge eine Busspur von und nach Groß Borstel eingerichtet. Die fahrgastreichste Buslinie Hamburgs, die heutige M5, wurde dagegen nicht weiter beschleunigt.
Dieser "Boom" währte allerdings nicht lang. Im Jahr 2002 kassierte die damalige Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP die Busspuren in der Streesemannstraße, zwei Jahre später legte die inzwischen allein regierende CDU dann ein "Programm zur Verbesserung des Verkehrsflusses" vor, das unter anderem den Rückbau der erst zehn Jahre alten Busspuren im Bereich Alsterkrugchaussee/Deelböge und rund um den U-Bahnhof Mundsburg (Winterhuder Weg) im Jahr 2005 vorsah.
Bei der letzten – und laut Senatsangaben einzigen – Zählung von Busspurkilometern im Jahr 2009 kam Hamburg auf insgesamt 31,2 Kilometer Busspur (Drucksache 20/492 und 20/1241). Gerade einmal sechs Kilometer mehr als kurz nach Einstellung der Straßenbahn.
