Weder die Bauverantwortlichen, noch ein Großteil des Publikums hatten mit so einer Überraschung gerechnet, war der Steuerzahlerbund doch bisher eher für stadtbahnkritische Töne bekannt.
Es blieb nicht bei der dieser einen Überraschung. Neben dem ungewöhnlichen Veranstaltungsort – er glich einer Großraumtoilette – zeichnete sich der Abend vor allem durch seine überraschend hohe Sachlichkeit aus – ein Novum in der bisherigen Stadtbahn-Debatte. Sachlich, seriös und scheuklappenfrei war das Motto, das sich der Steuerzahlerbund selbst und dem Publikum verordnet hatte.
Vor allem Prof. Dr. Arnd Stephan (Prof. für elektrische Bahnen an der TU Dresden) sorgte für frischen Wind in der festgefahrenen Debatte. Mit seiner trockenen Art ("Versuchen Sie mal, Busse im 2 Minutentakt durch Winterhude fahren zu lassen. Das ist wie ein waagerechter Paternoster – da passt kein Auto mehr dazwischen") und einfachen Faustformeln ("Ein PKW benötigt etwa 10 m² Verkehrsfläche - eine nur zur Hälfte gefüllte Stadtbahn dagegen nur 0,8 m² pro Person. Die Staus, vor denen Sie Angst haben kommen von den Autos – nicht von der Bahn!") schaffte er es sogar, den einen oder anderen Stadtbahn-Kritiker zum Nachdenken zu bewegen.
Gelegentliche laute Zwischenrufe aus dem Publikum parierte Moderator Marcel Schweitzer vom Bund der Steuerzahler gekonnt ("Es ist auffällig, dass Einige offenbar nicht an einer sachlichen Debatte interessiert sind – das gibt uns zu denken") und lenkte die Debatte immer wieder auf die zwei zentrale Themen "Kosten" und "Gibt es genug Fahrgäste für die Stadtbahn".
Der Steuerzahlerbund bat noch einmal eindringlich darum, die Kostenschätzung für die nächsten Bauabschnitte schnellstmöglich zu konkretisieren – bevor die Hamburgische Bürgerschaft grundsätzlich grünes Licht für die Stadtbahn gibt. Außerdem kündigte der Verband an, die möglichen Zuschüsse aus Berlin noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Grundsätzlich sei man aber mit der bisher vorliegenden Finanzierungsplanung zufrieden und sehe die Investition auch als eine Art Konjunkturprogramm für die Bauwirtschaft in Hamburg.
Unterstützung kam von Prof. Dr. Stephan, der darum bat, den langfristigen Nutzen der Stadtbahn mit den Kosten abzuwägen. Er verdeutlichte, dass man heutzutage gar keine Eisenbahnen mehr bauen dürfe, wenn man nur auf den kurzfristigen Gewinn achten würde. Viele Brücken, die bei Erfindung der Eisenbahn gebaut wurden und bis heute im Einsatz sind, hätten damals viel Geld gekostet. Umgelegt auf die Nutzungsdauer von 150 Jahren sei diese Investition allerdings lächerlich gering.
Ein weiteres Thema, welches vor allem die Anwohner in der Ohlsdorfer Straße bewegte, war der Schallschutz. Eine Anwohnerin fürchtete, dass der Lärm vor ihrer Haustür mit der Stadtbahn zunehmen würde und sie deswegen einen Anspruch auf passiven Schallschutz habe. Diese Angst konnte ihr Stadtbahn-Chefplaner Michael Heidrich (Hochbahn) nicht ganz nehmen.
Eine einfache Erklärung, dass die Verkehrsgeräusche mit der Stadtbahn zwar insgesamt leiser werden, aber immer noch über dem gesetzlichen Höchstwert liegen und die Anwohner deswegen Anspruch auf Schallschutz hätten, wäre wünschenswert gewesen. Immerhin profitieren die Anlieger hier doppelt von der Stadtbahn: Durch die Verbannung der Busse wird der Verkehrslärm insgesamt leiser und obendrauf bekommen die Anwohner noch einen zusätzlichen Schallschutz geschenkt.
Pluspunkte konnte Stadtbahnplaner Heidrich dagegen mit seinem Versprechen sammeln, dass die Hochbahn demnächst genaue Protokolle von Busfahrern vorlegen werde, aus denen klar hervorgehe, wie oft die Busse in Hamburg tatsächlich überfüllt sind.
Dies markiert einen weiteren großen Schritt zu mehr Transparenz und dürfte bei vielen skeptischen Bürgern positiv angekommen sein. Bleibt zu wünschen, dass der künftige Bürger-Dialog auf dieser neuen sachlich-konstruktiven Ebene fortgesetzt wird. Dies würde beiden Seiten gut tun – egal, ob die Stadtbahn am Ende kommt, oder nicht.
Die Veranstaltung im Qualitäts-Check |
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| Zuschauer: | ca. 100 |
| Verhältnis Befürworter / Gegner: | ausgeglichen |
| Seriösität / Qualität der Veranstaltung: | 4 von 5 Sterne |
