45 Kilometer: Diese Fahrradwege will Hamburg bis 2020 ausbauen

Seit einem Jahr gibt es in Hamburg das "Bündnis für den Radverkehr". Bislang wurde hauptsächlich nur geplant – jetzt beginnt der Bau. Es geht um mindestens 45 Kilometer.
Christian Hinkelmann
Die letzten Arbeiten am "neuen alten" Radweg an der Hoheluftbrücke laufen
Radwege-Bau in Hamburg

Seit knapp einem Jahr gibt es in Hamburg ein “Bündnis für den Radverkehr”, also einen Pakt zwischen Senat, Bezirken und Behörden, den Radverkehr in der Stadt deutlich zu fördern.

Jetzt hat die federführende Verkehrsbehörde eine erste Zwischenbilanz gezogen und die zeigt: Bis jetzt wurde hauptsächlich nur geplant. Zum Beispiel das Veloroutennetz – ein 280 Kilometer langes System von Fahrrad-Hauptrouten, die auf dem Papier zwar schon seit den 1990er Jahren bestehen, aber in der Realität bislang nur in homöopathischen Dosen umgesetzt wurden.

Inzwischen sind laut Verkehrsbehörde die meisten Planungen für den richtigen Ausbau dieser Velorouten abgeschlossen. Bis 2020 sollen mindestens 9,5 Kilometer Strecke radverkehrsgerecht ausgebaut werden – was angesichts der Gesamtlänge des Velorutennetzes allerdings nicht gerade üppig ist.

Auch das “normale” Radwegenetz soll in den nächsten drei Jahren ausgebaut und modernisiert werden. Konkrete Pläne gibt es für rund 35 Streckenkilometer in den Bezirken Altona, Eimsbüttel, Mitte, Nord, Wandsbek und Harburg. Dazu gehören zum beispiel ein 900 Meter langer Abschnitt in der Schanzenstraße und in der Weidenallee in Eimsbüttel, sowie ein knapp 1,2 Kilometer langer Bereich im Leeschenblick und der Fabriciusstraße in Steilshoop.

Auch der marode und stark belastete Zweirichtungs-Radweg in der Edmund-Siemers-Allee an der Hamburger Uni soll modernisiert und nur noch in einer Fahrtrichtung benutzt werden. Zusätzlich soll auf der Südseite der Straße, an den Gleisen der Verbindungsbahn, ein ganz neuer …

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Die Leichtigkeit des 9-Euro-Tickets ist vorbei - der komplizierte ÖPNV-Alltag ist zurück: Lange Warteschlange am vergangenen Mittwoch vor dem HVV-Kundenzentrum am Hamburger Hauptbahnhof.

Online-Fahrkartenverkauf im HVV steigt nach 9-Euro-Ticket um 16 Prozent

Nach dem Ende des 9-Euro-Tickets wurden die Ticketschalter und der Onlineshop im Hamburger Verkehrsverbund regelrecht überrannt. Die HVV-App ging zeitweise in die Knie. Neue Zahlen zeigen, wie sehr der Online-Fahrkartenverkauf direkt nach Ablauf des Günstig-Tickets durch die Decke ging.

Menschenmassen warten im Sommer auf S-Bahn im Hamburger Hauptbahnhof

Jahresabo-Verlosung und weitere Sonder-Angebote: HVV will Erfolg des 9-Euro-Tickets fortsetzen

Der HVV hat gestern zusammen mit Hamburgs Verkehrsbehörde eine sehr positive Zwischenbilanz zum 9-Euro-Ticket gezogen und zwei eigene neue Marketing-Maßnahmen vorgestellt – die Verlosung von 999 Jahresabos zum Monatspreis von 9 Euro bis zum 21. August und ein 36 Euro-Profi-Monatsticket für Neukunden bis Ende des Jahres. Verschwiegen obwohl schon beschlossen: Weitere Ticket-Sonderangebote hat NAHVERKEHR HAMBURG auf der HVV-Website versteckt gefunden.

Wenn es aktuelle und unvorhersehbare Störungen im HVV gibt, müssen sich Fahrgäste die Infos mühsam selbst im Internet zusammensammeln - wie beispielsweise bei Twitter.

HVV-Störungen: Wer meldet was? Und wo?

Die aktuelle Großstörung bei der S-Bahn an den Elbbrücken macht deutlich: Im HVV fehlt eine klare und zentrale Kommunikationsstrategie, wenn es bei Bahn und Bus nicht rund läuft. Stattdessen köchelt jedes Unternehmen sein eigenes Süppchen. Fahrgäste müssen sich die Informationen im Netz mühsam selbst zusammensuchen. Eine Übersicht, wer was wo meldet.

5 Antworten auf „45 Kilometer: Diese Fahrradwege will Hamburg bis 2020 ausbauen“

Schon das Titelbild macht deutlich, dass der bisherige Ansatz nicht taugt, Hamburg zur Fahrradstadt zu avancieren.
Wenn Hamburg Fahrradstadt will, sollen nicht die Fahrradwege mit großen Piktogrammen bemalt werden (denn damit geraten sie in einen Sonderstatus), sondern die Kfz-Spuren mit den entsprechenden Piktogrammen.
Wege für Fahrräder sollten zur Normalität werden, und Wege für Kfz sollten einen Sonderstatus bekommen.

Woher und von wann stammt die Liste mit den “ausgewählten geplanten Maßnahmen zur Verbesserung und Förderung des Radverkehrs”? Und wie verlässlich ist sie?

In der Auflistung ist z.B. die Elbchaussee verzeichnet – obwohl dort noch bis Anfang/ Mitte der 20er Jahre Tiefbau durchgeführt wird. Dort wird also wohl kaum bis 2020 eine bauliche “Maßnahme zur Verbesserung und Förderung des Radverkehrs” durchgeführt…

Die Liste stammt von der Hamburger Verkehrsbehörde und ist vom vergangenen Donnerstag.

“Zu den geplanten Radschnellwegen zwischen der Hamburger Innenstadt und dem Umland gibt es dagegen wenig Neuigkeiten.”

Da gibt’s andere Informationen.

“Presseinformation
Wo Radschnellwege sinnvoll sind

Auch in Hamburg werden große Potenziale in der Anbindung des Umlands durch Radschnellwege gesehen. Diese sollten so weit wie möglich in das Stadtgebiet geführt und dann in das Veloroutennetz, das städtische Rückgrat für den Alltagsradverkehr, überführt werden. Stets im Blick ist dabei in der dicht bebauten Stadt eine umsichtige städtebauliche Integration der Infrastruktur, die die Bedürfnisse der verschiedenen Verkehrsträger berücksichtigt.”
http://metropolregion.hamburg.de/presse/8256168/analyse-radschnellwege/

Das soll wohl heißen, dass es die zu Beginn der Legislatur und im Koalitionsvertrag versprochenen Radschnellwege für Hamburg gestrichen sind. An Hamburgs Landesgrenzen bzw kurz darüber hinaus soll Schluss sein.

Das Veloroutennetz wurde das auf Basis des Radverkehrs in den 90ern geplant. Man fragte sich schon vor 10 Jahren, während der seinerzeit ebenfalls von Rot-Grün ausgerufenen ” großen Fahrrad-Offensive”, damals auch “Rad-Revolution” genannt, wie das alte Veloroutenkonzept den damals angepeilten Rad-Modal-Split von 18% bewältigen solle.
Nun gut, das 18% Ziel wurde unter Protest vom ADFC aufgegeben bzw weit in die Zukunft verschoben (Ende der 20er), das Veloroutennetz nicht gebaut.

Jetzt also die ‘Fahrradstadt’. Neues Ziel: 25%. Wir haben jetzt ca 13 %. Das bedeutet ein Wachstum von über 100% statt eines Wachstums von ca 50% beim alten 18% Ziel.
Leider gibt es keine Aufarbeitung des vergangenen Misserfolgs. Es gibt immer noch keine auch nur in Ansätzen professionell zu nennende Datenerhebung für den Radverkehr und somit auch keine bedarfsorientierte Planungsgrundlage.
Das neue Ziel soll stattdessen mit dem Veloroutenkonzept aus den 90ern erreicht werden. Zusätzlich soll auch der über moderne Radschnellwege (so zumindest die Planung) in die Stadt geführte Pendler-Radverkehr von diesem Veloroutennetz aufgenommen werden.

Flaschen leer? Was erlauben Rot-Grün?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie finden Sie eigentlich unsere Wochenrückblicke?

Lesen Sie diese Rubrik regelmäßig? Was finden Sie daran gut oder schlecht? Ihre Meinung interessiert uns! Wir haben fünf kurze Fragen an Sie. Es dauert nur wenige Sekunden.