49-Euro-Ticket: HVV-Kunden könnten bis zu 2.000 Euro im Jahr sparen

Datenauswertung zeigt: 75 Prozent der heutigen Abo-Karten im HVV würden durch das geplante 49-Euro-Ticket mit einem Schlag günstiger werden. So viel Geld könnten Abo-Kunden in den verschiedenen Tarifen sparen, für diese Kundengruppen wird sich das 49-Euro-Ticket dagegen nicht lohnen und das haben finanziell Ärmere vom geplanten Angebot.
Christian Hinkelmann
Menschen kaufen Tickets an einem Fahrkartenautomaten in Hamburg
Menschen kaufen Tickets an einem Fahrkartenautomaten in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

Das 9-Euro-Ticket hat im vergangenen Sommer das geschafft, was jahrzehntelang an Kleinstaaterei scheiterte: Quasi über Nacht hat es die Grenzen der mehr als 60 deutschen Verkehrsverbünde mit ihrem aberwitzigen Tarifdschungel aus Verbundgrenzen, Waben, Zonen und Ringen weggewischt und den deutschen Nahverkehr so einfach gemacht wie noch nie: Ein Ticket, ein Preis, ein ganzes Land. Aus Expertensicht eine Revolution, die Millionen von Menschen in Bahnen und Busse lockte.

Dementsprechend hoch war in den vergangenen Wochen der öffentliche Druck auf die Politik, eine attraktive Anschlusslösung zu finden. Nach langem Ringen ist sie nun greifbar: Ein 49-Euro-Ticket soll das beliebte 9-Euro-Ticket ab Januar beerben, haben die Verkehrsminister von Bund und Ländern am vergangenen Donnerstag beschlossen. Über dessen Finanzierung müssen zwar noch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidenten verhandeln, aber ein Scheitern gilt als unwahrscheinlich. Der HVV hat beispielsweise auf seiner Website schon angekündigt, mit den Vorbereitungen für das neue Ticket begonnen zu haben.

Übersicht: Für wen sich ein 49-Euro-Ticket im HVV lohnt

Viel ist in den vergangenen Tagen in Medien und Sozialen Netzwerken darüber diskutiert worden, wie attraktiv und sozial gerechnet dieses 49-Euro-Ticket denn nun sein wird, wie sehr es finanziell ärmeren Menschen hilft, das Klima schützt und den Inflationsschmerz lindert. Die einen kritisieren, dass der fünffach höhere Preis gegenüber dem 9-Euro-Ticket für viele Menschen immer noch zu teuer sei und der geplante rein digitale Verkauf der Karte ältere Menschen ausschließe. Die anderen argumentieren mit wegfallenden Tarif-Hürden und teils deutlich günstigeren Preisen im Vergleich zu heute.

Wie sieht es speziell beim HVV aus? Für wen lohnt sich das 49-Euro-Ticket und für wen nicht? Wie viel Geld können Abo-Fahrgäste in den verschiedenen HVV-Tarifen konkret sparen? Welche Fahrkarten werden in Zukunft überflüssig? Und: Was haben finanziell ärmere Menschen in Hamburg davon? 

NAHVERKEHR HAMBURG hat die rund 130 verschiedenen Fahrkartenangebote im HVV-Sortiment durchleuchtet und zeigt in einer großen Tabelle, wie viel Sie mit dem 49-Euro-Ticket konkret sparen können. Es geht um jährlich bis zu 2.000 Euro.

65 Prozent der Abo-Tarife im HVV würden günstiger werden

In der Auswertung haben wir im gesamten HVV-Angebot nur die 98 Tarife berücksichtigt, die der Verkehrsverbund im Abo anbietet, um eine Vergleichbarkeit zum 49-Euro-Ticket zu haben, das ebenfalls nur im Abonnement erhältlich sein soll.

Die Tarifanalyse zeigt: Ein Großteil der rund 680.000 Abo-Kundinnen und -kunden im HVV würde von einem 49-Euro-Ticket wohl profitieren, denn wenn es käme, würden 75 Prozent aller Abo-Tarife im HVV auf einen Schlag günstiger werden.

73 Abo-Tarife liegen beim Monatspreis über 49 Euro und würden bei Einführung des neuen Klimatickets entsprechend günstiger. Bei 25 HVV-Tarifen würde sich das 49-Euro-TIcket dagegen nicht lohnen, weil sie preislich günstiger sind. Das betrifft vor allem Schüler-Tickets oder Monatskarten mit einem sehr kleinen Geltungsbereich.

Größte Spareffekte bei Vollzeit-Abos

Die größte Ersparnis ergibt sich demnach für alle, die eine Vollzeit-Abokarte f…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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16 Antworten auf „49-Euro-Ticket: HVV-Kunden könnten bis zu 2.000 Euro im Jahr sparen“

@Jens Ruge:

Was haben Sie eigentlich konkret gegen die 1.Klasse? Ich fahre mit der Bahn nur noch 1.Klasse, egal ob Fern- oder Nahverkehr, und genieße jedes Mal die Ruhe. Man zahlt ja auch mehr für das erweiterte bzw. frei Platzangebot und insbesondere für die Ruhe. Wenn da ständig in der RB81 2 Wagen fehlen, dann sind nicht die 1.Klasse-Fahrer daran Schuld.

Ich habe persönlich überhaupt nichts gegen die 1.Klasse. Im Fernverkehr und z.B. beim MV-Ticket nehme ich auch immer die 1.Klasse und hatte in der Coronazeit vor meinem Homeoffice mein ProfiTicket zur 1.Klasse aufgewertet.
Wenn Sie meinen Post richtig gelesen haben (Thema des Artikels ist der >hvv), dann geht doch klar daraus hervor, dass es mir um die RB-Einpendelstrecken nach HH geht, die bei denen bei einem 49-Euro-Ticket und zu wenigen Wagen in der 2.Klasse eine Überlastung droht. Außerdem ist zufällig noch Corona, das auch nie mehr verschwinden wird.

PS: Wenn ich mit der RB81 heute fahre, dann mit der 2.Klasse. Übrigens wird irgendwann auf der RB81 die 1.Klasse wegfallen, da die Verhältnisse an die künftige S4 angepasst werden.

PPS: 1.Klasse ist auch nicht unbedingt Garantie, nur mit den wenigen “Bezahl-Ersteklasslern” zu fahren. Da werden bei den immer wieder hochgelobten “Privatbahnen”, wie bei der ODEG, schon mal alle Augen zugedrückt. Da war die oft gescholtene DB mit ihren Zügen zwischen HRO und HST/RÜG, auch in der Abtrennung der Bereiche um einiges besser.

Was man auch bei den HVV Profi Tickets nicht vergessen sollte ist, dass man seine Familie / Freunde am Wochenende ohne extra Kosten mitnehmen darf. Das ist für MICH der ausschlaggebende Grund gewesen doch ein Ticket zu abonnieren, seitdem ich so viel im HomeOffice bin.

Bin gespannt wie der HVV das hinterher lässt.

Die Spaltenberschrift “Ersparnis” in der Tabelle kann nicht oft genug den Hinweis enthalten, dass das 49-Euro Ticket neben der “Bar-Ersparnis” auch noch den Vorteil der bundesweiten Gültigkeit bietet. Diese zusätzliche Gültigkeit würde man zwar sonst nicht abonnieren aber trotzdem wird man sie ja hin und wieder auf längeren oder kürzerten Strecken nutzen.

Sehr guter Artikel!

Ich glaube aber dass das mit dem Sozialtickets nicht gilt – wenn ich Tjarks richtig verstehe wird die 23 Euro Ermäßigung auch auf das 49-Euro-Ticket geben – siehe hier https://twitter.com/anjes_tjarks/status/1580923871967907840

(Wobei “in dieser Logik” nicht dasselbe wie genau so ist, ich könnte mir gut vorstellen dass die Ermäßigung in Zukunft weniger als 23 Euro beträgt und die Stadt das ersparte für andere soziale Sachen ausgibt. 20 Euro Ermäßigung würde z.B. ein 29-Euro-Sozialticket bedeuten…)

Was ich jetzt weiß ist das wie das bei den Schülerkarten zur Zeit läuft. Sind das einfach nur billigere Angebote des HVV, oder sonst wie von der Stadt bezuschusste Angebote. Bei ersterem bleibt es für die meisten wohl so wie jetzt, bei letzterem würde es, wenn die Stadt zumindest Teile der Zuschüsse beibehält, billiger.

Auch würde ich mal annehmen dass viele Profi-Ticket mehr sparen wenn die Firmen weiterhin einen Zuschuss zahlen. Wobei ich mir gut vorstellen könnten dass viele Firmen ihren Zuschuss ab 1. Januar verringern…

Das Semesterticket war zumindest als ein eingeführt wurde eine reine Verhandlungssache zwischen AStA und HVV. Das Problem ist hier das es ein Pflicht-Ticket ist, d.h. Studierende müssen im allgemeinen dafür bezahlen (es gibt Ausnahmen). Da Studenten aber eine Gruppe sind wo ich mir schon vorstellen könnte dass viele lieber ein deutschlandweites 49-Euro-Ticket haben als ein Hamburger 30-Euro-Ticket muss da wohl auch eine Lösung gefunden werden.

Aber da wie sie zeigen der HVV ja sowieso das ganze Sortiment überprüfen muss, und Studenten selbst mit einem digitalen Ticket mit Auswahl eher keine Problem haben sollten, dürfte das wohl eins der kleineren Probleme sein.

Was mich interessieren würde ob bei der Tarifüberprüfung auch über die Tarifzonen an sich nachgedacht wird. Wenn ich das richtig lese würden die nur noch bei kürzeren Strecken im Umland, bei Wochenkarten, und bei Teilzeit-Monatskarten eine Rolle spielen. Ist das den ganzen Aufwand wert?

Im Prinzip eine verdienstvolle Aufstellung. Jetzt weiß man womit sich die teilweise hochbezahlten Ticketexperten jahrelang beschäftigt haben. Die werden nun überflüssig, ebenwo wie die Programmierer des Ticketwirrwarrs für die Fahrkartenautomaten. Hier tun sich gigantische Einsparmöglcihkeiten auf. Alles hätte man schon ab 1.September haben können, wenn man sich gleich auf das 365 Euro-Jahresticket konzentriert hätte. Würde zudem noch die Kleinstaaterei der Aufgabenträger beseitigt, dann fielen auch gleichzeitig viele hochbezahlte Vorstands- und Aufsichtsratsposten weg. Auch ein veritabler Einspareffekt, der den Kunden zu Gute käme. Gleiches gilt für die Marketingabteilungen, deren Aufgabe es war die überteuerten Tickets den Kunden schmackhaft zu machen.
Lediglich an eine Sozialvariante für Regelleistungsbezieher muss noch gearbeitet werden.

Herr Jung, ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie Ihre populistischen Phrasen “gigantische Einsparmöglichkeiten” einmal mit faktenbasierten Eurobeträgen untermauern könnten. Außerdem wäre ich interessiert, wie eine Alternative zu der Kleinstaaterei der Aufgabenträger aussieht. Statt Nah.SH blieben dann ja nur noch das BMVD, das festlegen müsste, wie oft jetzt zwischen Büsum und Heide ein Zug verkehren soll.

Sie sind für Entlassungen? Interessant. Lassen Sie das mal nicht Frau Sudmann lesen.
Also ich habe in Erinnerung, dass der damals noch HVV – als es dort noch die Broschüren mit den Jahresberichten gab – wenig Personal hat. Die haben wohl nur ein oder zwei Etagen im Steindamm. Das wird wohl beim >hvv nicht anders sein.
Das mal nur so zur Realität.
Außerdem, so leid mir’s tut: S4, Altona Neu, U4-Verlängerung, U5, Sternschanzenbrücke und VET werden gebaut.
Aber vielleicht gibt’s ja doch noch für Sie eine Nostalgie-Straßenbahn im Schellfischtunnel. Stralsund hat in der Altstadt noch paar alte Wandrosetten. Vielleicht verschenken sie die ja nach Altona. ?

Dann muss natürlich aber auch die erste Klasse in den Regionalzügen aufgehoben werden.

Ich stelle mir gerade die RB81 in der kommenden Fahrplanperiode vor:
Alle Verstärkerfahrten fallen wegen den Bauarbeiten am Berliner Tor aus, bei Bahn.de steht als Dauerhinweis “zwei Wagen fehlen” (von jetzt eigentlich 6 versprochenen Wagen), von den vier Wagen im Zug hat mindestens einer ein 1.-Klasse-Teil, und dann gilt das bundesweite 49-Euro-Ticket.?
Herr Buschhüter, übernehmen Sie!??

Mir stellt sich bei dem 49-Euro-Ticket ja die Frage, wie der HVV das in sein Fahrkartenangebot einbinden wird. Viele Profitickets werden sich ja nicht mehr lohnen, da sie dann teurer sind und können wegfallen. Besteht dann nicht auch eine Chance, dass es Arbeitgeberzuschüsse zu dem 49-Euro-Ticket gibt?

1. Der Artikel bezieht sich (mal wieder) nur auf das Hamburger Stadtgebiet, HVV ist aber in der gesamten Metropolregion vertreten.
2. Es fehlt, und zwar direkt am Anfang, der Hinweis: “Rentner / Pensionäre lest nicht weiter, das Ticket ist NICHT für Euch gedacht”.

Hallo Herr Marks, der Artikel und die Auswertungen beziehen sich selbstverständlich auf das gesamte HVV-Gebiet.

Beste Grüße, Christian Hinkelmann

Hallo,

ich habe mal einen allgemeinen Kommentar. Leider muss ich immer mal wieder feststellen, dass in den Berichten Hamburg und hvv synonym verwendet werden. Das ist mit Nichten so!

Ach schade finde ich, dass die Strukturen der ÖPNV-Organisation den Leserinnen und Lesern hier nicht so klar dargestellt werden. Oft heißt es, dass der hvv etwas entschieden hat und die hvv-Geschäftsführung zitiert wird. Dabei werden die meisten Entscheidungen von den Ländern und Kreisen getroffen.

Hallo Herr Yomi, danke für den Hinweis. Wir achten darauf eigentlich sehr genau. Können Sie konkrete Beispiele nennen? Gern per Mail an: info@nahverkehrhamburg.de. Wir gehen der Sache dann nach.

Beste Grüße,

Christian Hinkelmann

also zunächst einmal ist nicht jeder in Deutschland Rentner; dann geht es bei dem Ticket nicht ausschliesslich darum, die Freizeitgestaltung zu vereinfachen bzw. zu verbilligen, sondern denjenigen, die auf den ÖPNV angewiesen sind, um z.b. zur Arbeit zu kommen, eine finanzielle Erleichterung zu bringen. Zusätzlich sollen auch Autofahrer zum Umsteigen animiert werden (again, um zur Arbeit zu kommen). Im übrigen kenne ich kein Rentnerticket im Moment, mit dem man bundesweit mit dem Zug (RE) fahren kann für 49 EURO.
Ansonsten würde ich es gut finden, wenn man z.b. in Hamburg allen Alg2 Empfängern das Ticket automatisch zu dem Mindestsatz von 500 EURO hinzugeben würde. (das betreffe dann auch Rentner, die von H4 leben müssen.

Danke für die Klarstellung . Ich bin Rentnerin und sogar ist spare einige € pro Monat und kann Regional meine Karte nutzen. Das ist doch toll. Einfach mal freuen über Entscheidungen die ganz viele Menschen betreffen scheint uncool zu sein.

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