Amsterdam: Das passiert, wenn man in einer Großstadt Tempo 30 auf Hauptstraßen einführt

Führt Tempo 30 auf Hauptstraßen tatsächlich zu mehr Staus, langsameren Bussen und vollen Schleichwegen in Wohngebieten? Amsterdam hat es ausprobiert. Nach anderthalb Jahren liegen jetzt die ersten Ergebnisse vor. Sie sind erstaunlich. Das kann Hamburg davon lernen.
Christian Hinkelmann

Wenn Hamburgerinnen und Hamburger beim Thema Verkehr emotional werden, dann geht es meist um Parkplätze oder Tempo 30. Zwei Reizwörter, die ihre Wirkung nicht verfehlen – und meist leidenschaftliche, aber wenig faktenbasierte Diskussionen nach sich ziehen. Die Argumente sind bekannt: Mehr Verkehrssicherheit und weniger Lärm, sagen die Befürworter. Mehr Staus und langsamere Busse, meinen die Kritiker. Was davon wirklich eintritt, wusste bisher niemand so genau.

Die niederländische Hauptstadt Amsterdam hat es dagegen getan. Seit dem 8. Dezember 2023 gilt dort auf einem Großteil der innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen Tempo 30. Nun, gut eineinhalb Jahre später, liegen die offiziellen Evaluationsergebnisse vor. Sie sind ungewöhnlich deutlich und könnten die alte Diskussion in Hamburg auf eine neue Grundlage stellen kann.

NAHVERKEHR HAMBURG hat den Bericht analysiert und fasst die Kernergebnisse zusammen.

Wie eine Stadt über Nacht das Tempo drosselte

Um die Ergebnisse aus Amsterdam richtig einordnen zu können, muss man zwei Dinge verstehen:

Erstens: Hamburg und Amsterdam sind zwei sehr unterschiedliche Städte. Hamburg hat mit rund 1,9 Millionen Menschen doppelt so viele Einwohner wie Amsterdam und ist flächenmäßig dreimal so groß, während Amsterdam wiederum fast doppelt so dicht besiedelt ist wie Hamburg und damit sehr eng und kompakt ist.

Zweitens: Die Einführung von Tempo 30 auf fast allen Hauptstraßen in Amsterdam war keine ideologische Entscheidung, sondern die Antwort auf ein konkretes verkehrsplanerisches Problem: die sogenannten „grauen Straßen“. Damit sind Hauptverkehrsstraßen (niederländisch: Gebiedsontsluitingswegen, GOW) gemeint, auf denen Tempo 50 gilt, aber der Platz für sichere, baulich getrennte Radwege fehlt. Um diese gefährlichen Abschnitte zu entschärfen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, schufen die Planer…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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Eine Antwort auf „Amsterdam: Das passiert, wenn man in einer Großstadt Tempo 30 auf Hauptstraßen einführt“

Hamburg will sich gerne als Fahrradstadt präsentieren, aber über eine konsequente Einführung von Tempo 30 wagt man hier nicht einmal nachzudenken. Ein erster Schritt wäre doch, in allen Wohnstraßen und sonstigen Straßen auf denen keine Busse verkehren, Tempo 20 einzuführen. Das wäre der erste zentrale Schritt. Dann müssten, soweit es geht, Radrouten durch die Wohngebiete geschaffen werden, was der Holländer „Fietsstraat“ nennt, wo Radfahrer quasi Vorfahrt vor den Autos haben. Ferner sind die Radwege, besonders die Zweirichtungsradwege, klar zu markieren, damit sich auch die Radler an bestimmte Regeln halten. Ein asphaltierter Radstreifen auf Kopfsteinpflasterstraßen würde helfen, das Ausweichen der Radler auf diesen Straßen auf die Gehwege zu unterbinden. Viele kleine Maßnahmen., sicher allemal billiger als der teure Umbau ganzer Kreuzungen.
Spannend wäre noch zu wissen, was die offensichtlich gut vorbereitet Aktion in Amsterdam gekostet hat.

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