Bahn will Probleme auf Sylt-Strecke mit Sofortprogramm lösen

Die Bahn will die jahrelangen massiven Probleme auf der Strecke zwischen Hamburg und Sylt mit einem 16-Millionen-Euro-Sofortprogramm lindern. Diese Maßnahmen sind geplant.
Von Christian Hinkelmann
Gleisvorfeld im Abendlicht im Bahnhof Hamburg-Altona
Gleisvorfeld im Abendlicht im Bahnhof Hamburg-Altona
Foto: Christian Hinkelmann

Seit zwei Jahren ist der Bahnverkehr zwischen Hamburg und Sylt massiv gestört: Verspätungen, Ausfälle und veraltete Züge nerven Pendler und Touristen.

Nachdem die schleswig-holsteinische Landesregierung in den vergangenen Monaten mit Strafzahlungen und harscher Kritik zunehmend Druck aufgebaut hat, reagiert die Deutsche Bahn nun mit einem Sofortprogramm:

16 Millionen Euro will der Staatskonzern zusätzlich in die Hand nehmen, um die Qualität auf der Strecke zu verbessern.

Bei den eingesetzten störanfälligen Lokomotiven auf der Marschbahn sollen wichtige Komponenten vorsorglich ausgetauscht werden, bei den Personenwagen sollen die Klimaanlagen vorgezogene Revisionen bekommen, außerdem sollen Komponenten an den Türen vorsorglich getauscht werden.

Mehr Werkstatt-Mitarbeiter und zusätzliche Lokführer

Außerdem will die DB 23 zusätzliche Werkstatt-Mitarbeiter einsetzen um schrittweise eine Rund-um-die-Uhr-Instandhaltung zu ermöglichen. Bordtechniker sollen außerdem die fahrenden Züge nach Westerland begleiten und unterwegs kleinere Reparaturen erledigen. Zudem sollen künftig auch in Westerland kleinere Schäden an abgestellten Zügen repariert werden.

Darüber hinaus will die DB ab Mitte Oktober neun zusätzliche Lokführer auf der Marschbahn einsetzen. Die Mitarbeiter sollen aus anderen Teilen Deutschlands zusammengezogen werden. Bis Jahresend…

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Das Personalproblem und die unzureichenden Werkstattkapazitäten sind das eine, das andere ist die abgenutzte Infrastruktur. Was hier genau gebaut/reparaiert werden soll, dazu ist in den vollmundigen Ankündigungen nichts enthalten. Dabei gäbe es auch hier klare Prioritäten: Herstellung der vollen Zweigleisigkeit auf der gesamten Strecke nach Westerland, (Streckenabschnitte zwischen Hattstedt und Bredstedt, zwischen Niebüll und Klanxbüll, und zwischen Morsum und Westerland sind immer noch eingleisig), ein drites Gleis zwischen Hamburg-Eidelstedt und Elmshorn, sowie den Ausbau des Bahnhofs Elmshorn. Ferner sollte durchaus eine Elektrifizierung der Strecke Elmshorn nach Westerland in Erwägung gezogen werden, denn die Strecke nach Sylt ist eine der längsten rein dieselbetriebenen Hauptstrecken im Netz der DB AG, und Windstrom gibt es in Schleswig-Holstein im Überfluss. Geld dafür wäre sogar da, wenn die DB AG auf die überflüssige und betriebstechnisch unsinnige Schließung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona und seine Verlagerung nach Diebsteich verzichten würde.

Dass die störanfälligen Lokomotiven und Wagen vom Land gestellt werden und laut Verkehrsvertrag eingesetzt werden müssen, hat Herr Buchholz wohl vergessen zu erwähnen. Sein Ministerium ist dadurch auch nicht komplett unschuldig an den Problemen (wobei Ausschreibung und Lokomotov-Beschaffung ja noch unter Buchholz’ Vorgänger erfolgt sind).

Einerseits schön, das die DB reagiert, aber wann greift das? Schade, das wir Wählerinnen und Wähler immer wieder Politiker wählen, denen das System Bahn am A… vorbei geht und den Managern, die heute in Zement, morgen im Flugverkehr und dann auch mal bei der Bahn rumfuhrwerken und im Quartalsdenken verhaftet sind, erlauben oder gar vorgeben, die volkseigene Infrastruktur nieder zu machen.

In den Schienennetz-Benutzungsbedingungen 2016 der DB Netz AG (gültig ab 14.05.2015), Kap. 4.3.1 „Überlastungserklärungen“, ist der Streckenabschnitt der „Strecke 1210 Niebüll-Westerland (Sylt)“ für überlastet erklärt. Lt. § 16 „Überlastete Schienenwege“ EIBV (Eisenbahninfrastrukturbenutzungsverordnung) hat der Betreiber der Schienenwege dies unverzüglich der zuständigen Eisenbahnaufsichtsbehörde (Eisenbahn-Bundesamt / EBA) und der Regulierungsbehörde mitzuteilen und damit den betreffenden Schienenweg für überlastet zu erklären.

Nach § 17 EIBV „Kapazitätsanalyse“ hat der Betreiber der Schienenwege sodann eine Kapazitätsanalyse durchzuführen, sofern nicht bereits ein Plan zur Erhöhung der Schienenwegekapazität nach § 18 umgesetzt wird. Die Kapazitätsanalyse dient der Untersuchung der Engpässe der Schienenwegekapazität, die verhindern, dass Anträgen auf Zuweisung von Zugtrassen in angemessener Weise stattgegeben werden kann. Gegenstand der Analyse sind der Schienenweg, die Betriebsverfahren, die Benutzung und deren Auswirkungen auf die Schienenwegekapazität. Die Kapazitätsanalyse ist innerhalb von sechs Monaten abzuschließen, nachdem ein Schienenweg als überlastet ausgewiesen wurde.

§ 18 EIBV „Plan zur Erhöhung der Schienenwegekapazität schreibt vor: „Innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss einer Kapazitätsanalyse hat der Betreiber der Schienenwege nach vorheriger Beteiligung der Nutzer der betreffenden überlasteten Schienenwege sowie des betroffenen Landes einen Plan zur Erhöhung der Schienenwegekapazität zu erstellen und der zuständigen Eisenbahnaufsichtsbehörde (EBA), der Regulierungsbehörde sowie den betroffenen Ländern vorzulegen.

Nun will uns die DB Netz AG weißmachen, Personalengpässe und anfällige Lokomotiven seien die Ursache, dass die zwischen Westerland (Sylt) und Morsum sowie zwischen Klanxbüll und Niebüll eingleisige Strecke überlastet ist und deshalb alle Zugarten (Intercity Express, Regionalexpress RE 6, Sylt Shuttle und Sylt Autozug) mit Durchschnittsgeschwindigkeit 70 km/h und i.d.R. 2 Zugkreuzungen in den Kreuzungsbahnhöfen Keitum und Lehnshallig (davon ein Zug mit 5-Minuten-Halt) vornehmen müssen. Welche Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung (EBWU) hat die Beseitigung von Personalengpässen und eine vorbeugende Instandhaltung als Ergebnis zur Engpassbeseitigung hervorgebracht?

Eine fundierte Kapazitätsanalyse zeigt:

1. Die abschnittsweise Eingleisigkeit der Strecke führt zu deren Überlastung.
2. Ein Rail/Road-Terminal für eine Autoverladung im ½ h-Takt in der Inselhauptstadt Westland ist weder verkehrsgerecht und raumordnungspolitisch gerechtfertigt.

Die Konsequenzen aus der Überlastungserklärung können deshalb nur sein:

1. Verlagerung des Rail/Road-Terminals von Westerland nach Keitum.
2. 2-gl. Ausbau der Strecke zwischen Keitum und Morsum sowie zwischen Klanxbüll und Niebüll.
3. Elektrifizierung der Marschbahn zwischen Westerland(Sylt) und Itzehoe.

Dann werden die Züge nicht nur schneller; vielmehr müssen die Intercityzüge nicht mehr 16 Minuten in Itzehoe halten, um einen Lokswechsel durchzuführen, sondern lediglich 2 Minuten. Unter Einsatz von Elektro-Triebzügen (ET) könnten diese in Niebüll geflügelt bzw. gekoppelt werden, so dass ein Zugteil nach Dagebüll Hafen und der andere nach Westerland (Sylt) verkehrt. Damit ließe sich die IC-Haltezeit in Niebüll ebenfalls um 14 Minuten verkürzen. Mit anderen Worten: Allein durch Elektrifizierung der Marschbahn ließe sich die IC-Reisezeit Hamburg – Sylt um eine halbe Stunde verkürzen! Eine Zweigleisigkeit der Strecke Westerland – Niebüll würde beim IC zu einer weiteren Fahrzeitersparnis von 15 Minuten führen!

Wie wird es helfen, noch mehr von den absolut nutzlosen Br245 zu bekommen? Das Problem ist, dass diese offensichtlich nicht für den Job geeignet sind und sofort durch etwas geeigneteres ersetzt werden sollten – wie die Br218, die dieser Tat ersetzen sollte!

Das mit den alten Fahrzeugen ist mehr als unfair, da diese vom Land erworben wurden und die Wartung auch fremdvergeben. Für ein Eisenbahnfahrzeug sind selbst heute, bei guter Pflege 10 bzw jetzt 12 Jahre kein Alter. Die Schraubenkupplungen sind nun mal das bewährte System, wenn natürlich umständlich. Aber wann nimmt man einen Wagenpark schon mal auseinander? Diese Form der Kupplung ist geschmeidiger bei Unebenheiten im Oberbau, als eine starre Kupplungen. Außer man nimmt die russisch/ finnische Variante. Ich glaube der Oberbau ist nicht ganz unschuldig an den Brüchen.

Es ist schön, das Herr Buchholz sich über das Notprogramm freut. Das geht aber zu Lasten von Zugausfällen im anderen Bereich Schleswig-Holsteins. Naja man hat sich ja ab 2022 schon die Vogelfluglinie abschnacken lasssen. Kleiner Tipp : Fehmarn ist auch eine Insel und weit weg von Hamburg.

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