BahnCard 100: Ich geh’ dann mal auf Deutschland-Tour – Teil 1

Tagelang kreuz und quer durch Deutschland reisen und endlich einmal alle Städte sehen, die man noch nicht kennt? Mit der BahnCard 100 habe ich diesen Traum wahr gemacht.
Bodensee, Deutschland, Schiffe
Der Bodensee mit seiner Alpenkulisse

Träumt ihr auch davon? Bei bestem Sommerwetter mehrere Tage lang kreuz und quer durch ganz Deutschland zu reisen, neue Städte und Regionen zu entdecken, die man bisher nur vom Namen her kannte  – und das alles, ohne auf die Reisekosten zu gucken? Einfach spontan einsteigen und losfahren?

Das ist möglich – und ich habe es getan!

Mich wurmte es nämlich schon seit längerer Zeit, dass ich zwar europäische Metropolen, wie Barcelona, London, Kopenhagen und Rom gut kenne, aber zum Beispiel noch nie am Bodensee war.

Die große Runde durch Deutschland mit der BahnCard 100

Deswegen wollte ich meine BahnCard 100 nicht nur für berufliche Fahrten nutzen sondern in diesem Sommer ganz privat auf große Deutschland-Tour gehen und meine Wissenslücken schließen.

Dank meiner BahnCard 100, mit der ich alle DB-Züge, die meisten Privatbahnen, Verkehrsverbünde und Busse in Deutschland jederzeit benutzen kann, sollte mich diese Entdeckungsreise keinen Cent extra kosten (Hier lesen, wie die BahnCard 100 funktioniert, wo sie gilt und ab wann sie sich lohnt)!

Anfang August ergaben sich tatsächlich ein paar freie Tage für dieses Experiment. Einen festen Plan hatte ich absichtlich nicht im Kopf. Ich wollte mich treiben lassen: Da, wo es schön ist, bleibe ich länger, wo es mir nicht gefällt, steige ich in den nächsten Zug.

Von Hamburg zum Bodensee und über Dresden zurück

Ganz grob sollte es von Hamburg über das Ruhrgebiet entlang der wunderschönen Rheinstrecke nach Koblenz gehen. Von dort dann weiter zum Bodensee, nach Straßburg und Freiburg. Anschließend wollte ich dann über Stuttgart, München, Weimar, Dresden, Leipzig und Halle weiter nach Berlin und von dort dann zurück nach Hamburg. Kurz gesagt: Ein großer Kreisverkehr durch die Bundesrepublik.

Die Bahnreise begann….mit Verspätung

Los ging’s an einem frühen Sonntagmorgen am Hamburger Hauptbahnhof. Ich stand pünktlich am Bahnsteig – der ICE leider nicht: 40 Minuten Verspätung! – “Gut, ich hab Urlaub, was soll’s! Wenn die Verspätung noch mehr wird, kann ich mir ja Geld zurück erstatten lassen” (hier lesen, wie das funktioniert), dachte ich mir.

Ich setzte mich für einen kostenlosen Kaffee in die DB Lounge und klappte meinen Laptop an einem der Schreibtische dort auf. Glücklicherweise aktualisierte ich nebenbei immer die Verspätungsanzeige in der DB-Navigator-App, denn urplötzlich schrumpfte die Verspätung auf nur noch 25 Minuten zusammen.

Jetzt wurde es hektisch. Erst stürzte ich den Kaffee und dann mich runter – zum Bahnsteig. Im Zug wurde dann das Rätsel um die ominöse Verspätung aufgelöst: Fehlendes Personal. Na, wer hat denn da am Sonntagmorgen um acht Uhr verschlafen? 😉

Erstes Etappenziel: Die Schwebebahn in Wuppertal

Nach ein paar Stunden Fahrt und einer Mütze Schlaf erreichte ich in wenigen Stunden mein erstes Etappenziel: Wuppertal! Hier wollte ich schon immer mal mit der berühmten Schwebebahn fahren. Bisher hatten das berühmte Wahrzeichen und ich ein schlechtes Timing: Ich war bisher erst zweimal in dieser Stadt und jedes Mal fuhr sie wegen Bauarbeiten nicht.

Dieses Mal hatte ich Glück: Kaum war ich aus dem frisch umgebauten Hauptbahnhof raus, kam auch schon die erste Hängebahn angeschaukelt. Übrigens: “Angeschaukelt” ist kein Scherz, denn die Bahnen schwingen während der Fahrt und in den Bahnhöfen ganz schön hin und her. Eine Seefahrt in der Luft! Doll, was der deutsche Nahverkehr so alles kann!

Deutschland, Schwebebahn, Wuppertal
Die Schwebebahn in Wuppertal – ein kurioses Verkehrsmittel Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

Kleiner Fun-Fact: Weil die Schwebebahnen in den Stationen teilweise so stark hin- und her schaukeln, gibt es dort auch keine richtigen Bahnsteigkanten, denn die Wagen würden ständig dagegen schlagen. Stattdessen sind die Bahnsteige Richtung Bahn-Gondel mit einem Gefälle abgeschrägt.

Nach einer Runde von Endstation zu Endstation hatte ich dann auch genug von der Schwebebahn und traf mich noch mit einem alten Wuppertaler Freund, der mir als Reiseführer die geheimen schönen Ecken (ja, die gibt es tatsächlich!) der Stadt zeigte.

Deutschland, Schwebebahn, Wuppertal
Da die Schwebebahnen in Wuppertal teilweise stark schwingen, gibt es in den Stationen keine festen Bahnsteigkanten Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

Die schönste Bahnstrecke Deutschlands: Das Rheintal

Kurz danach saß ich dann wieder im Zug und wollte Richtung Köln. Nicht, weil ich Köln nicht kenne, sondern weil ich dort eine Freundin einsammeln und auf ihrer Fahrt Richtung Mannheim begleiten wollte.

Weil wir Zeit hatten, nahmen wir nicht die ICE-Schnellfahrstrecke sondern gönnten uns eine der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands: Am Rhein entlang durch das mittlere Rheintal mit seinen Burgen, Felsen und Weinbergen!

Ich sag mal so: Atemberaubend! Wir saßen im Bordbistro, vor uns zwei frisch gezapfte kühle Bier (bei 3,80 Euro für einen halben Liter kann man echt nicht meckern) und ließen die monumentale Landschaft vor dem Fenster an uns vorbeiziehen. Besser als Netflix!

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Die Bahnstrecke durch das mittlere Rheintal gilt als eine der schönsten Bahnstrecken Deutschlands Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

Mit frisch gezapftem Bier durch atemberaubende Landschaften

„Wie schön, dass ich jetzt nicht selbst am Steuer sitzen und auf die Straße starren muss, sondern stattdessen gemütlich ein Kaltgetränk zu mir nehmen kann“, dachte ich mir dabei.

Gern hätten wir im Intercity auch gut gegessen, aber das Speiseangebot im Bordbistro war leider unterirdisch, bzw. quasi nicht vorhanden. Ich verstehe nicht, wie die Deutsche Bahn dieses riesige Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Auto so stiefmütterlich behandelt (aber das ist ein anderes Thema).

Notgedrungen und ausgehungert legten wir also in Koblenz einen Zwischenstopp in einer örtlichen Pizzaria ein. Danach gab’s dann noch etwas Kultur: Mangels Bus und aus Bequemlichkeitsgründen fuhren wir per Taxi zum “Deutschen Eck”.

Nein, das ist keine Bratwurstbude, sondern eine künstliche Landzunge, an der die Mosel in den Rhein läuft, was gerade bei Abendlicht hübsch anzusehen ist.

Warum gibt es keine All-Inklusive-Mobilitätskarte?

In diesem Moment fragte ich mich, warum es eigentlich noch keine allumfassende Mobilitätskarte in Deutschland gibt? Eine Flatrate, mit der ich neben Bahnen, Bussen und Fähren auch alle Taxis, Mietwagen und Carsharing-Wagen im Land nutzen könnte. Ich wäre der Erste, der seinen eigenen PKW dafür sofort verkaufen würde!

Von Koblenz ging es dann über Mannheim weiter nach Baden-Baden und am nächsten Tag durch den Schwarzwald Richtung Bodensee. Was für eine Kulisse! Ich fühlte mich beim Aussteigen in Konstanz wie in einem Bilderbuch!

Bauernhof, Deutschland, Haus, Schwarzwald
Wie im Bilderbuch zieht die Schwarzwaldkulisse am Zug vorbei. Wo wohnt Prof. Brinkmann? Christian Hinkelmann | Dieses Foto hier kaufen: Bahn-Bus-Bilder.de

Wie im Bilderbuch: Endlich am Bodensee

Der Bahnhof liegt direkt am Seeufer – dazwischen nur eine große Promenade, auf der es sich bei 34 Grad und Sonne ganz gut flanieren ließ. Schöner Ort, spannende Stadt! Wer will, kann hier zu Fuß über die Grenze in die Schweiz spazieren. Ich wollte nicht.

Stattdessen hätte ich gern mein Reisegepäck irgendwo deponiert. In meiner Naivität dachte ich, dies wäre am Bahnhof eine Sache von Minuten – aber Pustekuchen!

Nach längerer unbeholfener Suche fragte ich irgendwann am Schalter im Reisezentrum nach. Der DB-Mitarbeiter seufzte: “Ach ja, die Schließfächer. Die finden Sie hier nicht so einfach!”

Er erklärte mir einen Weg, der so kompliziert schien, dass ich nach 15 Sekunden innerlich ausstieg: Rechts, links, wieder scharf rechts, am Bäcker vorbei, über die Terrasse, zwischen den Pavillons durch, naja…irgendwie so.

Wer ein Schließfach braucht, ist in Konstanz verloren

Tatsächlich führte mich seine Beschreibung erst einmal vom Bahnhof weg, um dann irgendwie zwischen zwei Verkaufsbuden hindurch wieder zurück auf einen Bahnsteig zu kommen, auf dem tatsächlich Schließfächer standen. Wegen Bauarbeiten war dieser Bahnsteigteil wohl nur auf diesem abenteuerlichen Weg zu erreichen. Danke für den Service, Deutsche Bahn. Sagen wir mal so: Gegen ein paar Hinweisschilder hätte ich nicht protestiert!

Per Schiff über den Bodensee

Am Abend sollte es dann per Schiff von Konstanz nach Meersburg gehen. Die Personenfähren fahren direkt neben dem Bahnhof ab, die Abfahrten werden, wie an Bahnhöfen, automatisch per Lautsprecher im gesamten Hafen zweisprachig durchgesagt. Was für ein Service! Minuten später stand ich an Deck!

Ich muss als Norddeutscher zugeben: Mit unserer Nord- und Ostsee ist der Bodensee natürlich nicht vergleichbar – aber er kann was! Das Alpenpanorama am Horizont hat mich beeindruckt.

Los ging die Seefahrt. Ein herrliches Urlaubsgefühl machte sich breit. Wie schön es hier ist!

Was ich zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht wusste: Am anderen Ufer würde mich eine böse Nachricht erwarten.

Mehr dazu lest ihr in den kommenden Tagen hier in Teil 2. Darin auch: Meine Reise auf der wohl kürzesten Bahnstrecke Deutschlands und wie es aussieht, wenn in der deutschen Grenzstadt Kehl plötzlich eine französische Straßenbahnhaltestelle steht.

Welche schönen Orte habt ihr schon mit der BahnCard 100 besucht und welche sollte man unbedingt gesehen haben? Postet gern unten in die Kommentare.

Über den Autor:
NahverkehrHAMBURG-Redakteur Christian Hinkelmann besitzt seit Juli 2018 eine BahnCard 100 und hat sich damit (neben der beruflichen Notwendigkeit) einen Lebenstraum erfüllt: Ein Jahr lang freie Fahrt in allen Zügen der Deutschen Bahn und in vielen Verkehrsverbünden! Nie wieder Tickets kaufen, am Fahrkartenautomaten stehen oder sich durch Online-Schnäppchen wühlen. Über seine Erfahrungen und Eindrücke schreibt er in diesem Blog – meist direkt aus dem Zug.

Hinweis: Dieser Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen verfasst worden und spiegelt allein die persönliche Meinung des Autors wider. Er ist ausdrücklich nicht durch versteckte Werbung, Sponsoring, o.ä. finanziert.

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9 Antworten auf „BahnCard 100: Ich geh’ dann mal auf Deutschland-Tour – Teil 1“

Steht auch noch auf meiner Liste. Aus verschiedenen Gründen trotz Bahncard 100 noch nicht gemacht.

Aber Deutschland ist durchaus kleiner geworden. Auf eine Veranstaltung mal eben nach Hannover oder Berlin? Kein Problem, der ICE ist meine S-Bahn.

Ich will die BC100 ehrlich gesagt nicht mehr missen müssen. 🙂 Durch mein Hobby mit dem Reiseblog, auf dem ich nur über deutsche Reiseziele schreibe, ist die 100er quasi eine logische Konsequenz. Die Freiheit, ohne festes Ticket spontan ein- und auszusteigen und irgendwo länger zu bleiben, wo es schön ist, empfinde ich als meine persönliche individuelle Freieheit! 🙂

Weiter so, Christian!

LG
Jan

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