Bauarbeiten: S-Bahnhof Diebsteich wird ein Jahr lang geschlossen

Für den Bau des neuen Fernbahnhofs Altona soll die S-Bahnstation Diebsteich ab Juli 2019 ein Jahr lang geschlossen werden. Es sind noch weitere Sperrungen geplant.
Von Christian Hinkelmann
S-Bahn im Bahnhof Diebsteich in Hamburg
S-Bahn im Bahnhof Diebsteich in Hamburg

Der geplante Bau des neuen Fernbahnhofs Altona wird für tausende Pendler im Hamburger Nordwesten viele Einschränkungen mit sich bringen. Unter anderem soll der S-Bahnhof Diebsteich ein Jahr lang komplett geschlossen werden.

Das schreibt das Hamburger Abendblatt und beruft sich dabei auf den Bahn-Projektleiter Azzeddine Brahimi, der für den Umzug des Altonaer Fernbahnhofs vom bisherigen Standort zum Diebsteich verantwortlich ist.

Demnach soll die S-Bahn-Haltestelle von Juli 2019 bis Juli 2020 nicht angefahren werden. In diesem Zeitraum soll es laut Zeitungsbericht einen “bedarfsgerechten Schienenersatzverkehr” geben. Einzelheiten sollen demnach erst sechs Monate vor Beginn der Baumaßnahme bekannt gegeben werden.

Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Langenfelde wird mehrfach gesperrt

Und es wird noch weitere Einschränkungen geben. Laut Abendblatt sollen ab Ende dieses Jahres bis 2023 jeweils ab dem 25. Dezember sämtliche Regional- und Fernbahngleise zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof und Langenfelde für bis zu zehn Tage gesperrt werden. Grund sind umfangreiche Anpassungsarbeiten an den Stellwerken. Der S-Bahn-Verkehr soll davon nicht betroffen sein.

Regional- und Fernzüge aus dem Norden enden dann laut Zeitung in Pinneberg. Fahrgäste müssen dort in die S-Bahn nach Hamburg umsteigen.

Der Neubau des Fernbahnhofs Altona am Diebsteich soll noch in diesem September beginnen, die vorbereitenden Bauarbeiten laufen…

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15 Antworten auf „Bauarbeiten: S-Bahnhof Diebsteich wird ein Jahr lang geschlossen“

Bin mal gespannt, ob wir nun das erleben, was wir vom Hartzloh und Olympia (U4-Südverlängerung) kennen: ein paar Geronten schießen gegen ein Projekt für Generationen, weil sie kurzfristige, temporäre Einschränkungen für eine überschaubare Zeit nicht wollen. Da kann man schon froh sein, dass das heutige U- und S-Bahn-Netz schon existiert.

Die “Geronten” denken langfristig! Wo soll der Vorteil bei einem Regional- und Fernbahnhof Diebsteich sein?

Auch ohne Geront zu sein, die Konfliktlinie verläuft grundsätzlich nicht über die Generationen, sondern über Partikularinteressen vs. Interessen der Allgemeinheit. Ganz besonders hat man das bei der Stadbahndiskussion gesehen, z.B. in Winterhude:

Ein paar Anwohner wollten keine kurzfristige Baustelle und von der Allgemeinheit für die Allgemeinheit finanzierten KFZ-Stellplätze nicht aufgeben und haben deswegen ein Projekt blockiert, von dem über Jahrzehnte viele Millionen Fahrgäste profitiert hätten. (Sprecher der Gegeninitiative war damals eine Person, die – obwohl in einer dich besiedelten Region lebend – nicht einmal sagen konnte, welche ÖPNV-Stationen es in der Nähe gab. So groß war die KFZ-Bindung.)

Ähnlich: Das größte Hindernis für den Ausbau bedarfsgerechter und sicherer Infrastruktur für Radverkehr: Der KFZ-Stellplatz. (Die ‚Einschränkung‘ ist hier natürlich nicht temporär, allerdings ist der Wegfall eines kostenlos zur Verfügung gestellten und öffentlich finanzierten KFZ-Stellplatzes wohl auch keine Einschränkung, im juristischen Sinne.)

Ist ja richtig. Und an dem Beispiel sieht jeder, dass es in den nächsten Jahrzehnten keine Stadtbahn in Hamburg geben wird, weil der Widerstand zu groß ist — unabhängig davon, ob das Verkehrssystem sinnvoll ist oder nicht. Das Thema ist vom Tisch. Wenn schon politische Kritzeleien mit Fahrplänchen zu solchem Protest führen, kann man sich ja denken, wie es erst aussieht, wenn mal Bagger rollen sollten. Gegen 80% der Wähler stellt sich keine Regierung, die wiedergewählt werden will.

Dass 80 % der Hamburger gegen würde ich stark bezweifeln. “Partikularinteressen vs. Interessen der Allgemeinheit” sagt jedenfalls etwas anderes. Die Umfrage der Handelskammer von 2014 ebenfalls:
Die Stadbahn ist:
– sehr wichtig: 21,8 %
– wichtig: 26,5, %
– neutral ~33 %
– eher unwichtig: 9,5 %
– unwichtig 12,4 %
Quelle: https://www.mopo.de/3714984

Ich sehe hier maximal 20 % Gegnerschaft.

Wenn man sich die damaligen Argumente der (ernstzunehmenden) Stadtbahn-Gegner (die Anti-ÖPNV-Winterhuder können nicht einmal ansatzweise erklären, wo die ganzen Autos fahren und parken sollen) ansieht, wird jedenfalls etwas anderes deutlich. Die Handelskammer war dagegen, solange die Übernahme der Kosten durch den Bund nicht geklärt sei. Dass ist kein prinzipieller Widerstand. Selbst das autoaffine Abendblatt (“Die Pkw sind nicht mehr das große Problem”) stellte in einem Leitartikel “Zeit für die Stadtbahn” von Matthias Iken Ende 2013 fest, dass Scholz ein Gefangener seines eigenen Wahlversprechens ‘keine Stadtbahn’ sei, dass das Buschbeschleunigungsprogramm Irrsinn sei, dass keine andere europäische Metropole auf die Idee käme, Linien wie die M5 mit einem Bus abwickeln zu wollen, etc. etc.

Scholz ist nun weg und von daher sollte man ernsthaft darüber nachdenken, auf großen Magistralen Stadtbahnen einzuführen. (Ich denke z.B. an die Ahrensburger Str. bis Wandsbek Markt, über Holstenhofweg bis Jenfeld oder sogar Billstedt.) Die Wirtschaft/Handelskammer ist dafür, wenn absehbar die Straßen für die Wirtschaft leistungsfähiger werden. Wenn die Handelskammer erkannt hat, dass Stadtbahnen deutlich mehr private Autofahrten ersetzen als Busse, wird die Handelskammer Stadtbahnen auf den Magistralen fordern.

Ich zitiere mal aus der dazugehörigen Handelskammer-Studie von 2014.

„Ein Ausbau des (Schienenverkehrs) über unterirdische Trassen ist zwar deutlich teurer, hat aber mit Blick auf die Akzeptanz der Projekte vor Ort deutliche Vorteile gegenüber einer oberirdisch geführten Stadtbahn und ist unabhängig von Verkehrsstörungen im Straßenraum. (…) Ein anforderungsgerechter Netzausbau setzt also auf die intelligente Verknüpfung von ober- und unterirdischen Trassen, die in der Abwägung auch die möglichen Konflikte mit anderen Verkehrsträgern mit einbezieht. (…) Vor dem Hintergrund der bestehenden Netzdichte und der eingesetzten Fahrzeugsysteme schlägt unsere Handelskammer eine Erweiterung des bestehenden U-Bahnnetzes vor, die unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation vor Ort teilweise ebenerdig im Straßenraum, teilweise aufgeständert auf Viadukten oder teilweise auf eigenem Bahndamm und teilweise unterirdisch geführt wird. Dabei sollte von dem Grund- satz ausgegangen werden: So viel unterirdisch wie (aus Akzeptanzgründen) nötig, so viel (aus Kostengründen) oberirdisch wie möglich.“
(Seite 95)

Die Handelskammer wollte definitiv KEINE NEIDERFLURSTADTBAHN sondern sowas wie die 2008 von der Hochbahn entwickelte U-Stadtbahn. Die Handelskammer nannte das „Metrobahn“ mit nur drei oberirdischen Abschnitten von U-Hagenbeck bis S-Othmarschen, Dammtor – Siemersplatz und U-Sengelmannstraße – S-Rahlstedt. Das System sollte Hochflurbahnsteige wie in Hannover oder Köln erhalten und eine Stromzuführung wie in Nizza mit einer Mittelschiene. Außerdem wollte die Handelskammer eine echte U-Bahn (U4) bis Harburg und eine Linie, die der U5 schon sehr ähnlich sah.

Bürgermeister Tschentscher sprach in einer Diskussion am Montag übrigens ein Machtwort: “Wenn sie eine Straßenbahn in eine bebaute Stadt legen wollen, sind Sie verloren.”

Durch das Herstellen von Radinfrastruktur werden doch wunderbare Kfz-Stellplätze erst bereit gestellt! Die Radwege oder -streifen lassen sich doch – sogar ohne Konsequenzen für den Parker – herrlich zuparken. Das kann man jeden Tag überall in der Stadt betrachten.

Wo liegt denn nur der Vorteil von einmal zusätzlichem Umsteigen?
Behinderte, mit Kinderwagen, ältere Leute usw. haben wesentlich längerer Wege.
Jeder möchte normallerweise so schnell wie möglich von A nach B kommen, und wenn das auch nur von Bahrenfeld nach Elmshorn ist, will man so Autofahrer in die Züge bekommen?
Um den Hbf zu entlasten, braucht Hamburg möglichst viele größere moderne Umsteigepunkte wie in München oder Berlin, Hamburg hat nur Zwei, den Harburger und ausgerechnet den alten Bahnhof Altona, auch wenn der nicht mehr der Modernste ist, und den will man kappen, das ist eine absolut schlechte Planung. Bei diesen Planungen kann ich gut verstehen das in Hamburg so viele Menschen das Auto benutzen.
Weiter so, so kriegt man die Leute ins Auto, so sie eins haben.

Wen es betrifft:

Juli 2019 bis Juli 2020 SEV im Bereich Diebsteich. Dezember 2019 Sperrung Fernbahn; alles aus Norden endet in Pinneberg.
Mit anderen Worten:
In diesem Zeitraum werden (zehn)tausende Reisende aus Sylt, Kiel, Flensburg, Neumünster, Elmshorn […] in Pinneberg aussteigen und sich in die S-Bahn quetschen, um dann in Langenfelde die SEV Busse zu sprengen. Mein Beileid.

(Ich weiß sowieso nicht wo man etliche Regional- und Fernzüge in Pinneberg abstellen will; es gibt dort 3 Fernbahnsteige und 1 Abstellgleis [Für 3 Nordbahnen, RE6, RE7, RE70 pro Stunde + IC, ICE…])

Wo steht denn, dass die Pendler in den SEV steigen müssen?

“Laut Abendblatt sollen ab Ende dieses Jahres bis 2023 jeweils ab dem 25. Dezember sämtliche Regional- und Fernbahngleise zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof und Langenfelde für bis zu zehn Tage gesperrt werden. Grund sind umfangreiche Anpassungsarbeiten an den Stellwerken. Der S-Bahn-Verkehr soll davon nicht betroffen sein.”

Während der Bauzeit ist die S3/S21 nicht zwischen Langenfelde und Altona/Holstenstraße unterbrochen. Nur Diebsteich wird nicht angefahren.

Hier steht’s;
“Demnach soll die S-Bahn-Haltestelle von Juli 2019 bis Juli 2020 nicht angefahren werden. In diesem Zeitraum soll es laut Zeitungsbericht einen „bedarfsgerechten Schienenersatzverkehr“ geben. Einzelheiten sollen demnach erst sechs Monate vor Beginn der Baumaßnahme bekannt gegeben werden.”

Ja, das bedeutet, dass die Züge der S3 und S21 ohne Halt durch den Bf. Diebsteich fahren. Von einer Unterbrechung des kompletten Astes ist nirgends die Rede. Kein Reisender, der aus Pinneberg zum Hbf will, muss ein Jahr durchgängig den SEV nehmen.

Wieso in Pinneberg abstellen? Es gibt südlich von Pinneberg zwei Bahnbetriebswerke mit gewaltigen Abstellanlagen. Und was die Reisenden aus Kiel, Flensburg und Neumünster betrifft: denen ist nur zu wünschen, dass die Nordbahn auf der RB82 längere Züge einsetzt, damit diese Passagiere über Bad Oldesloe nach Hamburg fahren können.

Und ich freue mich schon auf die ganzen Reisenden mit Koffern, Kinderwagen, Senioren etc. die zur Weihnacht-Rückreise in Pinneberg stranden ohne Fahrstuhl und ohne Rolltreppe die Gleise wechseln müssen.
DIe drei IC’s aus Westerland werden ja schon je einige 100 Passagiere auswerfen, dazu die RB/RE aus Kiel und Flensburg, das wird im chaos enden.
Der Bahnhof ist ja schon seit Jahren total heruntergewirtschaftet und eigentlich nur noch ein kleiner Haltepunkt der Nordbahn. Und ja, ich nutze ihn fast täglich und bin der Meinung, Denkmalschutz und Geschichte hin oder her, eigentlich müsste alles abgerissen werden und komplett neu erbau werden.

Wer glaubt denn, dass in dieser Zeit dann alle Züge wie sonst fahren werden? Da werden schon mit Sicherheit die ganzen Nordbahnen wieder bis Elmshorn zurück genommen, nur die ach so wichtigen RE’s der DB dürfen dann bis Pinneberg fahren. Wie neulich.

Da sieht man, wie dumm es ist, in Eidelstedt / Elbgaustraße keine Regionalbahnsteige zu haben. Hamburg denkt schon immer klein klein – ebenso DB Netz… 

Service ist bei denen schon lange nicht mehr vorhanden.

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