Bis 2017 fast 100 zusätzliche Züge aber kein Ausbau

Die Deutsche Bahn rechnet bis 2017 mit deutlich mehr Zügen im Hamburger Hauptbahnhof. Trotzdem soll das Nadelöhr in den nächsten Jahren nicht erweitert werden. Alle Ausbauvorschläge wurden in einem neu vorgelegten Dokument verworfen.
Christian Hinkelmann
Menschen warten am Hamburger Hauptbahnhof auf eine S-Bahn.
Menschen warten am Hamburger Hauptbahnhof auf eine S-Bahn.

Im hochbelasteten Hauptbahnhof wird es in den kommenden Jahren offenbar noch enger. Die Deutsche Bahn rechnet bis 2017 mit bis zu 98 zusätzlichen Zügen pro Tag.

Das geht aus einem neuen Plan der Bahn hervor, der NahverkehrHAMBURG vorliegt („Plan zur Erhöhung der Schienenwegkapazität (PEK) für den als voraussichtlich in naher Zukunft überlastet erklärten Schienenweg Bahnhof Hamburg Hauptbahnhof“) und aus dem der Hamburger Senat aufgrund einer Kleinen Anfrage des SPD-Verkehrspolitikers Ole Thorben Buschhüter zitiert (Drucksache 20/3030).

Demnach wurde der Hauptbahnhof im vergangenen Jahr von bis zu 769 Zügen pro Tag angefahren. Bis 2017 sollen es bis zu 867 Bahnen sein, die den Bahnhof passieren.

Die größten Steigerungsraten werden laut DB im Nahverkehr erwartet. So sollen in Zukunft möglichst alle Regionalzüge aus Westerland nicht mehr in Altona, sondern im Hauptbahnhof enden (17 Zugpaare). Im Zuge der geplanten Taktverdichtung auf der Strecke Hamburg-Kiel/Flensburg ab 2014 rechnen die Planer mit elf zusätzlichen Zugpaaren. Außerdem will das Land Niedersachsen ab 2013 sechs weitere Zugpaare zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof und Lüneburg fahren lassen.

Im Fernverkehr kalkuliert die Deutsche Bahn mit bis zu zehn zusätzlichen Zugpaaren zwischen Hamburg und Hannover, sowie fünf weiteren Zugpaaren zwischen Hamburg und Berlin – jeweils gefahren von privaten Bahnunternehmen.

Zugfahrten im Hauptbahnhof 2011 Zugfahrten im Hauptbahnhof 2017
Fernvk. Nahvk.

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

"Jede Minute, die der Bus außerhalb der Haltestellen nicht fährt, ist eine verlorene Minute, in denen die Fahrerinnen und Fahrer Geld kosten, keine Leistung erbringen können und an anderer Stelle fehlen", meint der Hamburger Verkerhsplaner Arne Witte.

Best-of: Busverkehr in Hamburg: „Rote Ampeln verschärfen den Personalmangel“

Zu langsam, zu teuer, zu unattraktiv: Hamburg verschwendet mit seinem derzeitigen Bussystem viel Steuergeld und wertvolles Personal, meint der Verkehrsplaner Arne Witte im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview und glaubt, dass die vorhandenen Ressourcen viel effizienter für die Verkehrswende eingesetzt werden könnten. Das sind seine Ideen und Vorschläge.

Abgeschaltet wegen Erfolglosigkeit: HVV Any. (Foto: Christian Hinkelmann)

HVV Any: Warum das automatische Ticket wirklich sterben musste

Der HVV nennt das Deutschlandticket als Grund. Doch Daten zeigen: Woanders boomen ähnliche Systeme. Das waren die eigentlichen Hintergründe für das Ende von HVV Any und deswegen wurden durch eine bestimmte Technik-Wahl möglicherweise Millionen verschwendet.

Ein zugeparkter Radfahrstreifen zwingt Radfahrende zum Ausweichen auf die Fahrbahn. Solche Alltagssituationen sieht die Initiative als Beispiel dafür, dass Hamburg bei der Verkehrswende zu wenig Fortschritte macht. (Foto: Christian Hinkelmann)

„Die Zeit der Diplomatie ist vorbei“

Eine Initiative wirft dem Senat vor, die Verkehrswende auszubremsen und neue rechtliche Spielräume bewusst nicht zu nutzen. Ihre Vertreter:innen kündigen eine härtere Gangart an, erklären, welche Behörde aus ihrer Sicht blockiert und wollen kommende Woche mehr als 11.900 Unterschriften im Rathaus übergeben.

Eine Antwort auf „Bis 2017 fast 100 zusätzliche Züge aber kein Ausbau“

Mich verwundert, dass es bei den beschriebenen Engpässen immer nur um die Züge geht. Es gibt doch aber sicher auch Untersuchungen zum Fußgängerverkehr und zum Gedrängel auf den Bahnsteigen. Immerhin ist es in den Bereichen der Treppen sehr eng – auch auf den S-Bahnsteigen.

Ich war vor einiger Zeit mal dabei, als sich ein Fußgänger-Pfropf auf dem Südsteg gebildet hatte. Es ging nicht vor und nicht zurück. Alle drängelten weiter, natürlich ohne Erfolg. Nach einer Minute war es vorbei, es machte merklich Plopp! und die Leute konnten weiterhetzen. Das war gruselig! Seit einiger Zeit gibt es zwar Richtungspfeile dort, aber keiner hält sich wirklich dran.

An so manchen Freitagen mit brechend vollen Bahnsteigen erwarte ich fast, dass es eine Panik gibt oder jemand aufs Gleis gedrückt wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner