Blick ins Ausland: Madrid verbannt ab Ende kommenden Jahres alle Dieselbusse

Hamburg will bis zum Jahr 2030 alle Dieselbusse durch lokal emissionsfreie Fahrzeuge ersetzen. Die spanische Hauptstadt Madrid beweist, dass so etwas auch deutlich früher gehen kann. So geht die Metropole dabei vor.
Ein Bericht von Christian Hinkelmann
Ein Batteriebus vom Typ Irizar i2e in der spanischen Hauptstadt Madrid
Ein Batteriebus vom Typ Irizar i2e in der spanischen Hauptstadt Madrid
Foto: Budach

Vor zehn Jahren hatte Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erstmals die Parole ausgegeben, dass die Hansestadt ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anschaffen wird. Damit hatte er bei den beiden großen städtischen Verkehrsbetrieben, Hochbahn und VHH, Hektik ausgelöst.

Experten hielten die Idee damals sogar für völlig unrealistisch (siehe hier), denn auf dem europäischen Markt gab es damals noch gar keine serienreifen Elektro- oder Wasserstoffbusse. Und die wenigen Prototypen, die damals in Hamburg und vielen Großstädten fuhren, waren noch weit von der Serienreife entfernt und extrem teuer.

Inzwischen liegt das Jahr 2020 hinter uns, serienreife Elektrobusse sind inzwischen Realität und die ersten Auslieferungen – wenn auch in überschaubarer Stückzahl – sind angelaufen. Bis 2030 soll der Transformationsprozess vom Diesel zu Elektro- oder Wasserstoffantrieb abgeschlossen sein. So sieht es ein Bürgerschaftsbeschluss vor (siehe hier).

Dass so ein Prozess auch deutlich schneller und früher umgesetzt werden kann, beweist gerade die spanische Hauptstadt Madrid. Die Empresa Municipal de Transporte (EMT) in Madrid als zweitgrößter europäischer, städtischer Busbetreiber will nämlich bis Ende 2022 alle reinen Dieselbusse ausmustern. Danach werden nur noch Gas-, Hybrid- oder rein elektrische Busse auf den Stadtbuslinien der spanischen Hauptstadt zu finden sein.

Dafür wurden Ausschreibungen über den Kauf von insgesamt 626 Neuwagen zur Lieferung im Laufe der nächsten drei Jahre veröffentlicht, die für eine weitere Verjüngung der rund 2100 Fahrzeuge starken Flotte der EMT sorgen werden. Schon jetzt beträgt das Durchschnittsalter der Busse nur 5,3 Jahre – deutlich weniger als noch in den Jahren 2011-2016, in denen als Konsequenz der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise im Land die Nutzungsdauer der Wagen von zuvor 9 Jahren auf bis zu 16 Jahre verlängert worden war.

520 Gas- und 106 Elektrobusse werden beschafft. Der Kauf der 520 CNG-…

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5 Antworten auf „Blick ins Ausland: Madrid verbannt ab Ende kommenden Jahres alle Dieselbusse“

Und eine im Schnitt 5 Jahre alte Flotte mit CNG Bussen zu verjüngen klingt nicht gerade nachhaltig. CNG ist eben auch nicht die Lösung, und emissionsfrei schon gar nicht. Wenn man heute einen neuen CNG Bus beschafft, wird dieser noch zu einem Zeitpunkt fahren, wo wir längst klimaneutral sein müssen. Warum also nicht noch stärker auf E-Busse setzen, und die noch jungen Diesel-Busse nicht sofort aus dem Verkehr ziehen?

Die einfachste, technologisch sicherste und bewährteste Variante den Busverkehr emissionsfrei zu machen ist die Beschaaffung von O-Bussen, wie sie im Busnetzt vieler schweizer Städte, aber auch in Wien, Innsbruck, in Osteuropa und in China anzutreffen sind. O-Busse haben eine lange Lebensdauer, können von der Stange beschafft werden sind wartungsarm, können 24 Std./Tag im Einsatz sein und fahren voll mit grünem Strom, wenn er denn vorhanden ist. Insoweit sind CNG-Busse nur die drittbeste Lösung!

Lokal-Emissionsfreie O-Busse sind in Hamburg jedoch nur sinnvoll einsetzbar, wenn sie über einen Akku verfügen um kleinere Strecken unabhängig von der Oberleitung zu absolvieren. In Hamburg ist die Oberleitung im übrigen wahrscheinlich nicht mehrheitsfähig. Insofern doch lieber noch ein paar Jahre abwarten und die volle Flexibilität im Busnetz aufrecht erhalten.

Also irgendwie wundere ich mich in letzter Zeit manchmal doch ein bisschen über die Qualität der Artikel hier.
“Hamburg will bis zum Jahr 2030 alle Dieselbusse durch lokal emissionsfreie Fahrzeuge ersetzen. Die spanische Hauptstadt Madrid beweist, dass so etwas auch deutlich früher gehen kann. So geht die Metropole dabei vor. ”

Im Artikel steht dann, dass Madrid das hauptsächlich über die Beschaffung und den Betrieb von mit Erdgas betriebenen Bussen bewerkstelligt. Nun, was hat das denn der Austausch von Diesel- mit Erdgasbussen mit lokaler Emissionsfreiheit zu tun, wie sie in Hamburg im Busverkehr angestrebt wird? Das ist ja nicht nur irreführend, sondern auch sachlich grob falsch. Madrid taugt überhaupt nicht als Beispiel, dass “so etwas auch deutlich früher gehen kann”.
Was die Stadt Hamburg vorhat, und was Madrid gerade tut, sind zwei ziemlich verschiedene Dinge.

Herr Jung, woher haben Sie die Information, dass in Wien O-Busse verkehren? Das ist mir unbekannt und würde mich interessieren.
Den O-Bus als einfach und bewährt zu bezeichnen ist, finde ich, recht gewagt. Spätestens mit der zunehmenden Marktdurchdringung von batterieelektrischen Bussen werden sich O-Bus-Netze vermutlich sehr bald verabschieden.
Was Hamburg mit der Busflotte tut, ist meiner Meinung nach technologisch schon die absolut richtige Entscheidung.

Das Hamburg jetzt plötzlich in O-Busse investiert, ist wirklich sehr unrealistisch. Ich persönlich habe mir da auch keine Meinung gebildet, ob es wirklich eine gute Alternative wäre. Was ich aber überhaupt nicht verstehe, ist diese Blut-Hirn-Schranke bei allem was Straßenbahn oder straßenbahnähnliche Verkehrsmittel angeht. Man sollte nicht immer dem Marketing bestimmter Konzerne erlegen oder der Propaganda von einigen Politikern folgen: Natürlich sind auch O-Busse so wie S- und U-Bahnen Teil von Elektromobilität. Natürlich sind sie nicht neu und fancy. Da macht man nun mal keine großen Hochglanzprospekte drüber, da sprechen nicht die “coolen Jungs” drüber, da wartet auch kein neues Geld. Und natürlich sind auch die tollen Busse nicht unbeschränkt flexibel. Davon abgesehen, dass die nicht durch jede Straße passen, ist die Verlauf einer Buslinie das Ergebnis eines oft ziemlich langen Prozesses mit vielen Beteiligten. Und ja, O-Busse haben für gewöhnlich einen Zweitantrieb, um Lücken im Netz zu überbrücken.

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