Bürgermeister Scholz: “Stadtbahn ist nicht realistisch”

Knapp zwei Monate vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die von Grünen und CDU geforderte Wiedereinführung der Straßenbahn deutlich abgelehnt.
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Fotomontage: Eine Stadtbahn vor der Großwohnsiedlung Steilshoop in Hamburg
Foto: Bahn-Bus-Bilder.de

“Die Stadtbahn ist nicht realistisch. Das bedeutet 100 oder 200 Kilometer Fahrbahn zu beseitigen. Dauerstau für Jahrzehnte – für keine wesentliche Verbesserung der Verkehrssituation. Das kann man nur mit S-Bahn und U-Bahn erreichen und um die kümmern wir uns”, sagte Scholz im Interview mit dem Radiosender NDR 90,3.

Demzufolge müssten sich die Grünen – falls es nach der Bürgerschaftswahl im Februar 2015 tatsächlich zu gemeinsamen Koalitionsverhandlungen kommen sollte –  von der Stadtbahn verabschieden.

Möglich wäre allerdings, dass sich die derzeit allein regierende SPD auf den Grünen-Vorschlag einlässt, die Bürger in Hamburg über den Bau einer Stadtbahn abstimmen zu lassen.

Laut einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR könnte die SPD bei der anstehenden Bürgerschaftswahl ihre absolute Mehrheit verlieren (Details hier). Als Koalitionspartner kämen laut Scholz die Grünen infrage. Es gebe quasi auch keine andere Option, sagte er im NDR.

Die SPD hatte nach der Bürgerschaftswahl 2011 konkrete Pläne des damaligen schwarz-grünen Senats fü…

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28 Antworten auf „Bürgermeister Scholz: “Stadtbahn ist nicht realistisch”“

Die SPD sitzt das brisante Thema ÖV einfach vor der Wahl mit der Scheinlösung U5 aus. Sie wird dieses Projekt nach der Wahl fallen lassen und, wie in den letzten Jahren, durch Passivität glänzen.
Die Stadtbahn ist die vernünftigste Lösung, wie uns die die französischen Nachbarn seit Jahren in vielen Städten beweisen.

Ein Volksentscheid über die Stadtbahnfrage hätte so oder so eine klare Berechtigung. Die Senatswahlen sind dafür der ideale Zeitpunkt-danach wäre man für 5 Jahre diesbezüglich praktisch handlungsunfähig. Alle anderen Verfahren würden viel zu lange dauern. Wenn die SPD wider Erwarten doch die absolute Mehrheit holen sollte, müssten sie die ganze Thematik wieder durch die gesamte Legislaturperiode diskutieren und verteidigen.
Die jetzigen und mittelfristig noch bevorstehenden Beförderungsengpässe müssen auch bewältigt werden. Eigentlich sind sich alle verkehrspolitischen Sprecher darüber einig, dass Busse und ein paar Taktverdichtungen bei den Schnellbahnen nicht ausreichen, um die Probleme der nächsten 5-10 Jahre zu lösen.
Herr Scholz sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Grünen sich nach den Wahlen bewegen werden. Insofern kann das ins Auge gehen und zu sehr zähen Koalitionsverhandlungen führen. Wenn er das vorher gleich von der Bevölkerung klären lässt, ist das -so der so-ein für alle mal vom Tisch.
Befürchtet die SPD etwa am Ende doch, dass sie beim Thema ÖPNV gegen die Mehrheit regieren?..

Netter Wahlkampf, aber die Stadtbahn-Pläne wurden von der CDU bzw. Ahlhaus’ Minderheitenregierung umgehend eingestampft, so wie von Beust es 2001 bereits getan hat. Die SPD hat sie lediglich erneut aufgenommen, weil man wohl nicht wieder ein Jahrzehnt Stillstand wünscht. Wenn man sieht, wie die Bürger beim Busbeschleunigungsprogramm wettern, obwohl es nur ein Zehntel kostet und deutlich höhere Kapazitätssteigerungen als eine Stadtbahn bringt, dann kann sich jeder denken, wie der Bau einer Straßenbahn aussehen würde.

Mir scheint, je näher der Wahltermin rückt, desto heftiger treten die Stadtbahnlobbyisten auf, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie setzen haltlose Unterstellungen in die Welt, ohne wirklich etwas bewegen zu können. Früher wurde in der Tat das Thema U-Bahn-Bau öfters vertagt, und das gilt auch für die Stadtbahnprojekte, die immer wie Phönix aus der Asche auftauchten, um wieder zu verschwinden. Aber das kann man nicht für die Zukunft weiterhin annehmen. Hamburg wird sich das nicht mehr leisten können. In den 70er und 80er Jahren schrumpfte die Bevölkerung. Heute haben wir das Gegenteil. Die Politik schaufelt ihr eigenes Grab, wenn sie weiterhin so leichtfertig den öffentlichen Nahverkehr “aussitzt”. Ernster sollte man die Bemühungen der letzten Zeit schon nehmen. Wie das ausgestaltet wird, zeigt sich am Ende. Die U-Bahn ist seit langem im Hintertreffen. Und sie scheint notwendiger zu sein als eine Stadtbahn, die m.E. durchaus sinnvoll für Querverbindungen sein kann, für Hauptachsen ist sie untauglich.

Das letzte, was Hamburg braucht, ist eine Bummelbahn nach französischem Vorbild.
Allerdings interessiert mich, inwiefern man mit beschleunigten Bussen eine Kapazitätssteigerung erreichen will?

Die Diskussion Stadtbahn oder nicht ist 65 Jahre alt. Allerdings wurde sie nie so absurd geführt, wie heute. Sowohl die pro, als auch die contra-Argumente sind bisweilen unqualifiziert, ideologisch und teilweise sogar perfide.
Vor allem gilt in Deutschland immer mehr das Motto: wer am lautesten Schreit (sich am stärksten präsentiert) findet Aufmerksamkeit und bildet quasi eine künstliche Mehrheit (gefühlte Mehrheit)
Das muss mal aufhören und man muß mal endlich vernünftig, offen und ausführlich darüber diskutieren. Das halten unsere Politiker aber nicht für nötig und so überlässt man das den Medien und zieht einfach alles durch, was man selber will. Wozu die Leute abstimmen lassen? Sie konnten ja zur Wahl gehen…
Ich erinnere nochmal daran, dass Scholz die Stadtbahn aus Kostengründen abgelehnt hat. Jetzt, nachdem die Opposition bereits 2 Jahre erheblichen Druck macht, wo er gezwungen ist eine (“echte”) Alternative zum Busbeschleunigungsprogramm aufzulegen, kommt er mit U-Bahnlösungen, die NUR langfristig Abhilfe schaffen und locker das 3-fache an Kosten verursachen. Mir geht es weniger um richtig oder falsch, sondern um logisch/unlogisch und vor allem um EHRLICHKEIT. Herr Scholz, lassen Sie dir Bürger entscheiden, was gemacht werden soll. Kommen Sie zurück zur Demokratie.

@Günter Wolter:

Richtig ist, dass die U-Bahn auf einigen Radialen klar im Vorteil ist. Den Bedarf für die aktuellen Ideen kann man aber schwerlich mit steigenden Einwohnerzahlen begründen:

Zur Erinnering – der erste Abschnitt wird in eine Gegend gehen, in der keine Verdichtung geplant ist, die bereits heute unterdurchschnittliche MIV-Nutzung hat: Steilshoop. Das gesamte Projekt ist vorerst bis 2040 terminiert. In 26 Jahren also würde es seine Wirkung voll entfalten. Überlegen Sie mal kurz, was vor 26 Jahren war. Da stand noch eine Mauer 40 km hinter Hamburg, Deutschland und Europa waren geteilt. Hamburg war eine Stadt von 1,57 Millionen Einwohnern, weniger Menschen lebten nie hier. Die Prognosen waren düster.

Wieder 26 Jahre zuvor wollte Hamburg 200 km U-Bahn errichten, Ottensen, St. Georg und Co durch Plattenbauviertel ersetzen, auf den Kanälen und quer durch Häuserschluchten Stadtautobahnen errichten, Weltstadt werden.

Halten wir einfach mal fest: Mit heutigen Problemen zu argumentieren, wenn man 2040 für eine Lösung anpeilt, ist nicht hochgradig unseriös. Es ist einfach völliger Unfug.

@ WW
Die Busbeschleunigung ist lediglich eine Übergangslösung. Sie steht im Zusammenhang mit den Straßensanierungen, die ohnehin anstanden. Die Kapazitätssteigerungen sollen insofern entstehen, als die Ampelschaltungen den Bussen Vorrang geben und so in einer dichteren Taktflolge gefahren werden kann, ohne zukünftig zu den bisherigen Pulkbildungen zu führen, die immer Verspätungen nach sich gezogen haben. Die Verlegung der Haltestellen hinter die Kreuzungen tut ein Übriges, dass Fahrgastwechsel und Halten bei Rot sich nicht gegenseitig beeinflusst und dadurch eine Weiterfahrt verzögert wird. Mit einer Stadtbahn wäre das nicht anders, nur kann sie wegen ihrer Schienengebundenheit nicht ausweichen bzw. nicht kurzfristig durch eine andere Straße umgeleitet werden.
Und das scheint alles im Zusammenhang damit zu stehen, dass langfristig das Schnellbahnnetz ausgebaut werden soll.

@ HVV-Kennxperter
Ihre Ausführungen sind nicht überzeugend. Sie verschweigen wesentliche Ausgangsfakten. Einerseits die Tatsache, dass Hamburg über ein relativ gut ausgebautes U-Bahnnetz bereits verfügt, andererseits wird die Tatsache nicht in den Blick genommen, dass die sog. Stadtbahn bzw. ihre Vorgängerform – die Straßenbahn – mit der Einstellung der Linie 2 im Jahre 1978 komplett abgeschafft wurde.
Daraus folgt, dass gegenüberzustellen ist, die Anfügung weiterer U-Bahnlinien mit (dem schrittweisen Ausbau und der Hinzufügung weiterer Stationen BIS 2040) und die Schaffung eines komplett neuen Verkehrssystems. M. E. ist eindeutig der ersten Variante der Vorzug zu geben:
1. Hamburg kann bei der U-Bahn auf ein vorhandenes System aufbauen und es Schritt für Schritt (!) komplettieren.
2. vorhandener Verkehrsraum wird nicht okkupiert: Stellen Sie sich den Protest der Uhlenhorster und Winterhuder Bürger vor, die weitere Parkplätze dauerhaft opfern müssten. Ich mag mir das Lamento dieser Bürger, die sich bereits über die Busbeschleunigung echauffieren, gar nicht vorstellen.
3. Letztlich wage ich die Behauptung, dass kostenmäßig der schrittweise Weiterbau der U-Bahn die Stadt angesichts der Schuldenbremse weniger stark über die Jahre belastet als das einmalige enorme Stemmen der Kosten für eine Stadtbahn.
Ich gehe davon aus, dass Alstom der Stadt sicherlich keine Vorzugsrabatte gewähren wird.
Abschließend sollte hier nicht über vergossene Milch nach dem Motto debattiert werden, was hätte auch in der Zeit von 2001 bis 2011 passieren können, als Hamburg z. T. von einem schwarz-grünen Senat regiert wurde, sondern es sind realisierbare Perspektiven gefragt, die Schritt für Schritt den ÖPNV in der Stadt den wachsenden Bedürfnissen in der Bevölkerung gerecht werden.
Nicht zuletzt sind da noch die S-Bahn-Projekte 4 und 21 zu berücksichtigen, die natürlich auch zu spät kommen. Da gehen nicht alle Vorhaben auf einmal, sondern nur nach und nach. Aber wichtig ist hauptsächlich, dass es endlich angepackt wird.
Meine Bedenken bleiben, dass ein Senat immer wieder auch Baustellen fürchtet, die den Straßenraum beeinträchtigen, und dass eben nicht nur finanzielle Gründe eine Rolle spielen. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass die Politik mit “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass” nicht weiter gehen wird.

@Günther Wolter:
Der wichtigste Vorteil einer Stadtbahn ist die größere mögliche Länge der Einheiten. Egal, wie man es dreht und wendet, viel länger als 24,75 m wird ein Bus schwerlich werden. Somit transportiert man damit auch mehr Fahrgäste pro Einheit und braucht weniger Ampelphasen, um Kreuzungen zu überqueren. Genau das ist doch der Vorteil von Straßenbahnen. Gucken Sie sich bspw. die Straßenbahnlinie 3 in Paris an, dort gibt’s stark frequentierte Kreuzungen und trotzdem transportiert man deutlich mehr Fahrgäste als mit dem Bus.
Ach im Übrigen: Die DT5 sind von Alstom / Bombardier. Wie war das noch einmal mit den Vorzugsrabatten? Straßenbahnen gibt’s auch von Duewag oder anderen Herstellern.
Und zu den Baukosten: Wenn man 100 km Straßenbahn auf einen Mal baut, so mag das vllt stimmen – hat aber auch niemand gesagt, dass man das so machen muss. Natürlich baut man die Straßenbahnlinien nach und nach, die Kosten werden nicht alle auf einmal fällig. Beim U-Bahnausbau ist es auch nicht anders, da plant man ja auch die schrittweise Erweiterung.

@ Günter Wolter

Richtig, es geht um realisierbare Perspektiven. Und ja, die Stadt wächst. Bauen wir die U-Bahn aus heißt das nichts anderes, als dass diese erst in 20-26 Jahren ihre volle Wirkung entfaltet. In die City Nord fährt frühestens, wenn überhaupt, 2027 eine Bahn, also in 13 Jahren! Mit anderen Worten, das Fahrgastwachstum in diesen 13-26 Jahren müssen wir dann mit Bussen abdecken. Das bedeutet letztendlich noch mehr Busbeschleunigung, die am Ende für Hamburg ähnlich viel wie eine Stadtbahn kostet, da der Bund nicht mit finanziert. Auch mit Anliegerprotesten wäre eine Straßenbahn deutlich schneller gebaut. Sie befördert zwar nicht ganz so viele Menschen wie die U-Bahn, aber so viel Leistung wird auch gar nicht gebraucht, und sie ist langsamer, aber wie Sie bereits schreiben hat Hamburg auf den Radialen bereits ein recht gut ausgebautes U-Bahn Netz. Was die Kostenfrage angeht ist natürlich wahr, dass man zu Beginn einen Betriebshof und Fahrzeuge braucht ABER: Bei einem U-Bahn Ausbau bräuchte man ebenso neue Fahrzeuge und neue Abstellkapazitäten. Somit bleibt der Preis pro km. Und da schneidet die Straßenbahn deutlich besser ab.
Und was die Busbeschleunigung angeht: Ja, die Stadtbahn könnte nicht ausweichen. Kann die U-Bahn übrigens auch nicht. Allerdings befördert die Stadtbahn bis zu doppelt so viele Fahrgäste wie ein Doppelgelenkbus mit nur einem Fahrer und ist schneller. Somit deutlich wirtschaftlicher zu betreiben.

Ich sage nicht, das der U-Bahn Ausbau schlecht ist. Aber wenn man vor nur zwei Jahren mit dien hohen Kosten einer Tram argumentiert hat, dann muss ich annehmen das Hamburg sich keine U-Bahn leisten kann. Oder aber Scholz hat gelogen. Aber das kann ja unmöglich wahr sein, der Mann ist schließlich Politiker…

Eine Stadtbahn über die Champs-Elysées ist nur schwerlich vorstellbar. In Paris bin ich selbst schon mit der Tram 3 gefahren. Und das ist sicherlich ein sinnvolles Projekt. Aber die Franzosen denken im Traum nicht daran, eine solche Trasse mitten durch die Stadt zu bauen, sondern eben entlang der äußeren Stadt-Boulevards, dort, wo sie sich ohne großen Verkehrsraum zu nehmen, schnell und einfach einpassen lässt. Innerstädtisch steht nämlich ein in Jahrzehnten ausgebautes Métro- und Bussystem für die Bürger zur Verfügung. Hamburg hat demgegenüber keinen Stadtring.

Dass Alstom die DT5 konstruiert hat, ist mir durchaus bekannt. Es ging nur um den Bau von Stadtbahnzügen, die ein zusätzliches System bedienen sollen. Und dafür gibt es leider auch keinen Rabatt. … Sprich: Hamburg kann sich neben der U-Bahn nicht auch noch ein weiteres System leisten. Mit dem U-Bahnbau darf aber nicht zugunsten einer Stadtbahn aufgehört werden.

@Stefan1200
“Also nicht lange reden, sondern fertig planen und bauen!”
Diesen Satz kann ich uneingschränkt unterschreiben.

Den ersten Satz möchte ich unbedingt widersprechen. Es wurde in den letzten Jahrzehnten nie eine neutrale Abwägung zwischen beiden Systemen vorgenommen (zumindest gibt es keine öffentliche Darlegung).

Wenn ich mir die Argumente beider Seiten anhöre so konnte mich bisher keine Seite davon überzeugen dass sie allein “den Stein der Weisen” besitzt.
Im inneren Bereich der Stadt (etwa Ring 2) besitzt hamburg ein gutes U- und S-Bahn-System. In den äußeren Stadtteilen ist das System eher mangelhaft. Es gibt nur einige Stichlinien in die Innenstadt aber keinerlei Querverbindungen. Genau dort könnte eine Stadtbahn ihre Stärken ausspielen.
Eine U5 würde nur zwei Großsiedlungen an die Innenstadt anbinden, aber wieder keine Querverbindungen schaffen. Wenn eine Stadtbahn zunächst in den äußeren Stadtteilen mit Anbindungen an U- und S-Bahn-Stationen gebaut würde dürfte kaum mit großen Widerständen gerechnet werden. Falls die Stadtbahn später auch durch engere Stadtteile Richtung Innenstadt erweitert wird ist eine Führung im Tunnel nicht unmöglich. Mit gutem Willen wäre auch ein Bahnsteiggleicher Umstieg zwischen den Bahnen möglich.

@G. Wolter:

Meine Kernaussage ist:
Wo heute oder bald Bedarf für ein neues Verkehrsmittel ist, bringt die U5 es nicht. Weil sie weder heute noch morgen, sondern erst um 2030 realistisch auf die stark belasteten innenstadtnahen Radialen vorstoßen wird.

Anstelle dessen, fast “zum Ausgleich”, mit der langfristigen Planung zu argumentieren, als sei sie festgemeißelt, ist unseriös – weil diese auf solch lange Zeiträume Prognosen regelmäßig schiefgehen. Ich führte Ihnen dazu aus, welche Vorstellungen in Hamburg vor etwa 26 bzw. vor etwa 52 Jahren herrschten. Die Realität hatte die Prognosen bereits nach weit weniger als 26 Jahren eines Besseren belehrt.

Ganz natürlich stellt sich da die Frage, ob ein Projekt gut ist, dass die Lösung banaler Probleme von heute! für in 26 Jahren in Aussicht stellt. Banal übrigens deshalb, weil weltweit dieser Hamburger Projekthorizont nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis mit links überall geschlagen würde.

Was Hamburg da macht, ist einfach nur irre komisch. Wäre Scholz noch jünger und in 3 Monaten absehbar Vater von Drillingen, würde er sich für seine Familie auch möglichst bald enen schnellen Ersatz für seine 2-Zimmer-Wohnung suchen. Stattdessen soll es für die Hamburger Verkehrspolitik direkt ins Einfamilienhäuschen gehen, das aber finanziell erst 2040 drin ist. Bis dahin muss die kleine Bude ausreichen, weil man den Nachbarn den Umzugslärm sparen will. Irre.

es ist schön, herr scholz liefert immer wieder neue argumente, um ihn abzuwählen. sein erster contra-stadtbahn-argument war: Die Stadtbahn ist zwar eine schöne Idee, wir können uns die aber leider nicht leisten. Jetzt kommt er mit U-Bahn-Lösungen, die uns ein Vielfaches kosten und hat vorher die Elphi mal so eben mit 200 Millionen subventioniert. Dann kam das Argument, die Stadtbahn würde die Stadt zerschneiden. Das Argument ist so blöd, das hat auch der König mittlerweile verstanden. Jetzt wirde argumentiert, man könne die jetzige Verkehrssituation mit Plänen in 30 Jahren lösen (die eh nichtrealisiert werden). Was kommt denn noch alles? Nebenbei bemerkt, ist Hamburg serh weit davin entfernt, dass modernste Bussystem europas zu haben, allerdings schließt sich das auch schon gegenseitig aus: Bus und modern …
… andesr Thema: Scholzi meinte, den Rückkauf der Energienetze können wir uns nicht leisten, mittlerweile wird deutlich, dass sich das für die Stadt sehr wohl lohnen wird. … genauso ist es mit der Stadtbahn …. Herr Scholz, drehen Sie doch aus Ihrer Sackgasse um!!! Ihre Argumente werden wirklich immer abstruser, da hilft auch die Unterstützung Ihrer Parteifreunde des HVV wenig.

Dieses “Bis 2040er warten” ist doch auch albern, wenn doch jeder weiß, dass die U5 schrittweise gebaut und in Betrieb genommen werden soll. Dadurch entlastet sie die Situation bereits. Sicherlich kann man argumentieren, dass das ja alles (zu) lange dauere. Aber noch ein verschenktes Jahrzehnt kann doch auch niemand wollen. Auch ist es albern darauf zu verweisen, dass früher mal eine ähnliche Bahn (alte U4) geplant und dann nicht gebaut wurde, aber man gleichzeitig jeden SPNV-Ausbau (z.B. U2-Verlängerungen sowie U4-Neubau) leugnet, nur damit man ein “Damals kam nichts, also diesmal per Naturgesetz auch nicht”. Das sind Stilmittel für den Wahlkampf, aber nicht für eine seriöse Verkehrsplanung, die diesen Namen auch verdient. Abgesehen davon war die Ausgangslage damals eine andere. In dem Zeitraum verlor Hamburg über 300.000 Einwohner, die Motorisierung schlug zu (HVV-Zahlen sanken also sogar noch überproportional zu den bereits sinkenden Einwohnerzahlen; heute ist es exakt gegenteilig) und die Öl-Krise hat ein riesiges Loch in den öffentlichen Haushalt gehauen. Die haben die Pläne schon nicht aus Langeweile wieder eingestampft und sich auf jene Gebiete konzentriert, wo es noch Bedarf gab bzw. gibt.

Und natürlich kann man die Einstellung der Straßenbahn damals als Fehler bezeichnen. Aber was ändert es? Mit dem Finger auf Menschen zeigen, die nicht 50 Jahre in die Zukunft schauen konnten und heute alle nicht mehr leben? Hamburg wächst derzeit halt und soll es weiterhin tun. Jetzt nicht bis 2030 oder 2050 zu denken, wo Hamburg voraussichtlich (!) die 2-Mio.-Marke knacken wird, wäre auch verantwortungslos gegenüber zukünftigen Generationen. Ansonsten hätten wir heute gar kein Schienennetz, wenn jeder wegen möglichen Risiken oder längeren Bauzeiten automatisch alles ablehnt. Genau das wäre das, was man Politikern gerne vorwirft: Sie denken nur in Legislaturperioden. Aber machen sie das Gegenteil, ist es anscheinend auch wieder falsch.

Zu den erwähnten Kapazitätssteigerungen des Busbeschleunigungsprogramms: Da hat jemand netterweise schon das meiste gesagt. Zudem ist ein dichterer Umlauf mit der gleichen Zahl an Fahrzeugen möglich. Das ist nichts für die Ewigkeit, sondern soll eben kurzfristig die Straße spürbar entlasten, damit man mittel- bis langfristig das U- und S-Bahn-Netz ausbauen kann. Und nochmal: Eine Stadtbahn wäre natürlich nett, wenn sie jetzt da wäre. Aber deshalb heißt es nicht, dass Milliarden in dieses Verkehrssystem nun für immer und ewig ausreichen. So viel mehr Fahrgäste als XXL-Busse nehmen die auch nicht auf, dem sie deutlich näher sind als einer U-Bahn wie dem DT4, in den über 400 Fahrgäste passen. Sowas kriegt man auf der Straße oberirdisch nicht hin. Und schaut man sich die Buslinien M5 und M6 an und berücksichtigt, wie a) die HVV-Zahlen allgemein steigen und b) speziell diese Gebiete (u.a. Lokstedt/Stellingen sowie City Nord) große Wohnungsbaupotentiale haben bzw. im Fokus der Bezirke stehen, dann sollte auch jedem klar sein, dass eine langsame Straßenbahn keine langfristige Lösung ist. Das wäre es vielleicht auf einigen Tangentialverbindungen und vielleicht gibt es ja einen Kompromiss im Falle von Rot-Grün.

Irgendwie ist es schon sonderbar, dass der ADAC, dem man nun wirklich nicht unterstellen kann, Autofahrer mit Schikanen behindern zu wollen, die Stadtbahn als einzige realistische Lösung der Verkehrsprobleme in Hamburg sieht. Nur die SPD mit ihrem Chef Scholz sieht es anders. Wer einmal den Verkehr in Istanbul erlebt hat und weiß, dass es selbst dort möglich war Straßenbahnen zu bauen, weiß wie absurd die Scholzschen Behauptungen sind. Man kann trefflich darüber spekulieren warum die SPD und insbesondere Herr Scholz keine Stadtbahn will, die von ihm vorgebrachten Gründe sind allerdings weltweit problemlos zu widerlegen. Und dass einst DB erklärte keine Ersatzteile mehr zu liefern, falls die Hochbahn noch einen IUkarus Bus beschafft, dürfte unter diesen Umständen wohl kein Gerücht, sondern Tatsache sein und läßt sich nahtlos auf die Stadtbahn Ablehnung übertragen., denn wirklich nachvollziehbare Gründe gibt es sachlich nicht.

@Verkehrsfritze:

Die U-Bahnen werden natürlich etappenweise gebaut und nicht erst alle 2040 fertig. Richtig. Und die Strecken sorgen vorher schon für “Entlastung” – Sie haben Recht. Leider findet diese Entlastung an Stellen statt, die einer Überlastung gar nicht verdächtigt werden. Oldenfelde oder Hohe Geest sind nicht eben die Brennpunkte des Hamburger ÖV-Netzes. Steilshoop zugegeben schon eher, aber auch dort ist es mehr eine Komfortfrage.

Mit dem Netzrückkauf ist es ja nicht unbedingt vergleichbar, aber es gibt da ja immer Konsequenzen, wenn man sich entscheidet. Eine Stadtbahn kann nur kurzfristig Probleme lösen. Langfristig ist sie auf Hauptstrecken zu kurz gegriffen. Bei Querverbindungen hat sie eher einen Sinn, wenn wenn sie denn überhaupt durchsetzbar ist und es der Oberflächenverkehr zulässt, ein zusätzliches Verkehrsmittel, das nicht jederzeit in andere Straßen ausweichen kann, einzuführen. Ein zusätzliches System kann sich Hamburg jedoch nur leisten, wenn auf den U- und S-Bahnausbau weitgehend verzichtet wird. Nun steht der Ausbau S21 und S4 an. Mehr geht erst einmal nicht. Danach kann man weitersehen. Eine Stadtbahn wäre dann auch nicht eher auf den Weg gebracht als eine U-Bahn. Und nun hat sich die Politik für den langfristigen, aber effizienteren Weg entschieden. (Auch beim Netzrückkauf muss man eine andere Seite berücksichtigen: Die mittlerweile eingeführte Wahlfreiheit bei den Stromanbietern ermöglicht es den Nutzern, den jeweils günstigsten auszusuchen. Wenn eine Stadt die Netze betreibt, nimmt sie genauso Gebühren von den Anbietern wie der bisherige Inhaber. Und die Kosten werden weitergegeben. Vorteil liegt allenfalls bei den städtischen Einnahmen. Aber der Rückkauf kostet weitaus mehr, als der Verkauf seinerzeit eingebracht hat … Öffentliche Anbieter könnten ein Weg sein, sind aber noch nicht ausreichend wieder da und ggf teurer. Die Nutzer interessiert nur billiger Strom und die Fahrgäste wollen schnell und bequem von A nach B).
Man muss also immer abwägen. Wir haben leider kein Schlaraffenland, in dem alles möglich ist. Es gibt zudem die Schuldenbremse. Es soll nicht mehr wie früher auf Pump in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden.

Wie schnell es gehen kann, wenn ein, aus welchen Gründen auch immer, straßenbahnunwilliger regierender Bürgermeister in den Ruhestand geht oder anderswie abhanden kommt, zeigte sich gerade in Berlin. Mit 13 Jahren Verspätung aber immer noch ein Jahr vor der letzten Planung zur Eröffnung, ging am 14. Dez. 2014 nach dem Bürgermeisterwechsel die Straßenbahn zum Hbf. in Berlin in Betrieb, die dritte Straßenbahnlinie nach Westberlin.
Sicher wird es in Hamburg nicht so schnell gehen, aber eine Möglichkeit wenigstens in vier Jahren die erste Straßenbahn in Hamburg wiederzueröffnen ergibt sich mit der nächsten Wahl durchaus.
Und bemerkenswert finde ich einige Komentare zu den Scholzschen Ankündigungen doch. In vielen Städten Westdeutschlands und sogar der DDR standen die Straßenbahnsysteme noch bis zu Beginn der siebziger Jahre auf der Kippe, aber außer im Norden der BRD wurde keine Straßenbahn mehr tatsächlich abgeschafft . Alle anderen Städte sind froh noch rechtzeitig die Kurve gekriegt zu haben. Nur SH und Hamburg, übrigens die einzigen Bundesländer ohne Straßenbahnbetrieb, sind nicht in der Lage ihre Fehler zu korrigieren, entweder durch Unfähigkeit (Kiel) oder durch schlichtes Leugnen der Realitäten (Hamburg).

Nur weil man 50 Jahre später feststellt, daß eine Entscheidung damals falsch war, heißt es nicht, daß unageachtet heutiger Rahmenbedingungen eine Wiedereinführung das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis hatte. Es nützt auch wenig Hamburg mit Städten zu vergleichen, die gar kein U- und S-Bahn-System haben und dort alles über Straßenbahnen abgewickelt wird. Die hätten sicherlich auch lieber eine schnelle U-Bahn ohne Lärm, die oberirdisch nicht stört, aber mangels Aufkommen können sie es sich nicht leisten. Berlin ist da auch ein schlechtes Beispiel, weil die Straßenbahn zugunsten eines U-Bahn-Ausbaus in Westberlin abgeschafft wurde, während der Osten der Stadt kein Geld hatte. Von der neuen Hbf-Linie und dem Stummel zur Seestraße im Wedding abgesehen, gibt es nur in kleineren Ostteil der Stadt eine Straßenbahn. Im Westen gibt es ein dichtes, engmaschiges U-Bahn-Netz. Ebenso darf nicht vergessen werden, daß in Ostberlin die U- und S-Bahn ausgebaut wurde und wird. Gegen den SPNV bräuchte man also andere Beispiele. Danach kann man noch immer fragen, ob in jeder Ecke Hamburgs genau jenes Verkehrssystem am besten ist, das man auch in Mühlheim nutzt.

Kurzum: Stadtbahn gerne, ob auf der Straße oder mit eigener Trasse. Aber bitte es nicht als Allheilmittel verkaufen. Für S4, U4-Verlängerung und U5-Neubau wär eine Stadtbahn einfach kein Ersatz. Sie wäre anderswo sinnvoll, wo das Aufkommen für Busse zu hoch und für den SPNV zu niedrig ist und beides voraussichtlich die nächsten Jahrzehnte auch bleibt. Denkbar wäre ja eine Zu- und Abbringer-Tangentialverbindung auf dem früher mal geplanten Alsterhalbring. Aber nicht vom Siemersplatz über Hoheluft und Uni/Dammtor als Radiale zum Hbf und hoch durch die Uhlenhorst nach Winterhude und City Nord. Da wäre eine Stadtbahn in zehn, 15 Jahren fertig und so an ihrem Limit, wie es die XXL-Busse ohne Busbeschleunigung schon waren. Und dann? Dann erst überlegen, ob man nicht doch auch auf U-Bahnen setzen möchte aufgrund ihrer deutlich höheren Leistungsfähigkeit (Kapazität, Geschwindigkeit und Unabhängigkeit)? Kann doch auch keiner wollen, egal wie schön nostalgische Erinnerungen an die Straßenbahn sind, die mit den letzten Stadtbahnplänen herzlich wenig gemeint hatten. Wenn die Grünen clever sind, setzen sie auf eine Kompromißlösung für so ein neues Verkehrssystem, das man später Schritt für Schritt ausbauen könnte. Mit ihrem verbalen Kampf gegen U- und S-Bahn, ohne irgendwelche sachlichen Argumente, haben sie das leider nicht wahrscheinlicher gemacht. Und das “leider” betone ich gerne.

@verkehrsfritze Man hat nicht 50 Jahre später festgestellt, dass die Stillegung der Straßenbahn ein Fehler war, man wußte es bereits, als sie noch fuhr, wie der damalige Bürgermeister treffend feststellte.
Wenn man in Hamburg dann wenigstens U Bahn gebaut und nicht immer nur angekündigt hätte, wären die Verkehrsprobleme auch geringer. Die einzige U Bahnlinie seit vielen Jahren ist die statt einer Stadtbahn gebaute U 4 mit einer durchaus sinnvollen Linienführung unter der Innenstadt, am Baumwall und der Elbphilharmonie vorbei in die Hafencity. Nur leider hat man aus Kostengründen die notwendigen Bahnhöfe entfallen lassen. Das wäre mit der Stadtbahn sicher nicht passiert. Niemand will die Stadtbahn gegen die U Bahn ausspielen, aber gerade die U 4 zeigt, wie jetzt die plötzlich aufgetauchte U 5 zur Verbindung seit Jahrzehnten ungenutzter U Bahnhöfe und als Ersatz geplanter Stadtbahnstrecken, dass es eben doch um Ideologie gewisser SPD Fürsten und ihres Parteigefolges geht, Berlin ist ein gutes Beispiel. Wo ist der ÖPNV besser, im U Bahn/Bus Westberlin oder im Osten mit Straßenbahn? Und warum will man in Westberlin trotz dichten U Bahnnetzes durchaus weitere Straßenbahnstrecken bauen, wenn auch hier dank der Vorlieben eines SPD Bürgermeisters mit starker Verzögerung., weil es sinnvoll ist. Will Hamburg lieber eine Stadtautobahn entlang der Alster, wie sie Herr Wowereit in Treptow durchsetzen wollte, statt den ÖPNV auszubauen? Man sollte endlich etwas weniger Ideologie einsetzen, sondern nach praktikablen Lösungen suchen. Vielleicht wäre die Stadtbahn nach Wilhelmsburg als Verlängerung der U Bahn tatsächlich ein erster Schritt. Dank moderner Technik mit gekröpften Wagenrahmen, ließen sich die Bahnfahrzeuge für den Stadtbahnteil sogar zumindest mittelflurig bauen. Man hätte nur in der U Bahn andere Türen zu nutzen, als im Stadtbahnbereich. Das wäre sicher ein vertretbarer Kompromiß für die im Mischbetrieb eingesetzten Fahrzeuge. Übrigens hätte man das auch billiger haben können. Die Vorschläge gab es schließlich bereits als man damals noch vorhandene Straßenbahnstrecken nur hätte an die U Bahn anschließen müssen. Dann hätte Hamburg heute ein System wie Hannover, und das ist ja wohl nicht als mißlungen zu bezeichnen, aber die Zeit ist eben weitergegangen, so dass es heute wenig sinnvoll ist ein neues hochfluriges System zu installieren.
Übrigens zum Berliner Hbf wurden eine U Bahn und eine Stadtbahn auf verschiedenen Wegen gebaut. Beide Verkehrsmittel schließen sich also nicht aus. Und wenn inzwischen selbst der ADAC, früher ein erbitterter Gegner jeder Schiene bereits in der Nähe von Straßen, für die Stadtbahn plädiert, sollte das doch einigen Politikern und seien sie noch so ideologisch gebunden, zu denken geben, von den weltweiten Beispielen ganz abgesehen.

Bloß ist dabei nie geklärt, wo die Stadtbahn in Hamburg (fiktiv) fahren soll und ob sie ein eigenes Gleisbett bekommt. Ein “Stadtbahn ist modern und deshalb brauchen wir’s… und sogar Hannover hat eine” ist eher ideologisch. Städte haben andere Strukturen und Rahmenbedingungen. Und nochmal: Ich bin nicht gegen eine Stadtbahn. Ich halte sie nur für unwahrscheinlich und auf einigen Strecken für unzureichend. Sollte sich die Stimmung von Bürgern und Politik wandeln und sinnvolle Strecken ausgearbeitet werden, spricht aus meiner Sicht rein gar nichts gegen eine Stadtbahn. Aber a) sehe ich diese Stimmung nicht und b) sind die Zeichnungen von Schwarz-Grün eher unbrauchbar. Mir ging es doch nur darum zu schauen, wie die Verkehrssituation in Teilen der Stadt heute ist und wie sie sich laut Prognosen wohl entwickeln wird. Und da ist ein “Stadtbahn um jeden Preis, weil wir das wollen und so einen politischen Erfolg verbuchen können” nicht zwangsläufig das sinnvollste Verkehrssystem. Es kann dies sein, aber muss es eben nicht. Da ist manch einer schnell dort, was er anderen vorwirft: Ideologie gefesselt.

Übrigens: Die Verkehrssituation ist in Westberlin deutlich angenehmer durch das enge U-Bahnnetz als in Ostberlin, wo die Straßenbahn stets restlos überfüllt ist und sich die Menschen in die wenigen S-Bahnlinien quetschen. Die Ringbahn ist im Osten restlos überlastet. U-Bahnen gibt es dort bekanntlich keine außer Teile von U2 und U5. Und in denen sieht’s nicht angenehmer aus als in den anderen U-Bahnlinien, im Gegenteil. Einfach mal einen Blick hierauf werfen: http://www.cnb-online.de/typo3temp/pics/806a9cb176.jpg

Eine Straßen- statt U-Bahn könnte das in Westberlin nicht leisten. Deshalb verlängert man nicht nur die Tram mal ein paar Kilometer gen Westen, sondern will auch U-Bahnen im Osten ausbauen, u.a. die U1 zum Ostkreuz statt auf die Straßenbahn zu setzen, die nicht ausreicht. Und da gilt, wofür ich plädierte und was leider bei SPD und FDP so wenig zu finden ist wie bei CDU und GAL: Konkrete Räume analysieren und schauen, welches Verkehrssystem sinnvoll ist. Eine U-Bahn braucht man nicht, wenn für die nächsten Jahrzehnte Busse und ggf. eine Stadtbahn ausreichen. Genauso tut’s aber eine Stadtbahn nicht dort, wo die Aufkommen eine U- oder S-Bahn sinnvoll machen.

“U-Bahnen gibt es dort bekanntlich keine außer Teile von U2 und U5.”

Richtig, nur bescheidene 47 U-Bahnhöfe liegen im ehemaligen Ostteil.

“Die Ringbahn ist im Osten restlos überlastet.”

Richtig, über den heutigen 2,5-Minuten-Takt auf dem Ostring wird es nicht gehen. Dieses Angebot liegt aber auch einfach daran, dass man mit S8 und S9 auf dem Ostring Außenstrecken durchbindet.

“Übrigens: Die Verkehrssituation ist in Westberlin deutlich angenehmer durch das enge U-Bahnnetz als in Ostberlin, wo die Straßenbahn stets restlos überfüllt ist und sich die Menschen in die wenigen S-Bahnlinien quetschen.”

In “Ostberlin” gibt es mehr S-Bahnhöfe als in Hamburg – bei 25 % weniger Einwohnern.

Davon abgesehen: Waren Sie mal länger als eine Woche in Berlin? Würde man dort “konkrete Räume analysieren”, hätte nach Ihren Ausführungen längst der Baustart für die U10 sein müssen, damit das völlig überlastete Ostberliner ÖV-Netz endlich adäquat aufgewertet würde. Tut es aber nicht. Seit der Wende wurden im ehemaligen West-Berlin 8 neue U-Bahnstationen eröffnet, die keine bloßen Re-Aktivierungen waren. Der Ostteil kommt auf gerade mal 2 neue Stationen seit 1990.

@ Verkehrsfritze:
Vielen Dank für Ihre sachliche, ideologie-freie und zielführende Argumentation.

@ alle anderen:
So sollten wir in HH über den ÖPNV diskutieren. Und die Ergebnisse daraus dann natürlich auch umsetzen.

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