Bürgerschaft streitet über Ausbau von Radwegen

Kümmert sich Hamburg zu wenig um den Radwegeausbau, oder übertreibt es der Senat mit der Radverkehrsförderung? In der Bürgerschaft haben die Parteien darum gestritten.
Christian Hinkelmann
Gefährlich: Mehrere Falschparker blockieren den Fahrrad-Schutzstreifen in der Osterstraße. Radfahrer werden zwischen Linienbussen und parkenden Autos regelrecht eingezwängt. Bei einer sich öffnenden Autotür könnten Radfahrer nicht ausweichen (2.12.2017, 16.12 Uhr)
Gefährlich: Mehrere Falschparker blockieren den Fahrrad-Schutzstreifen in der Osterstraße. Radfahrer werden zwischen Linienbussen und parkenden Autos regelrecht eingezwängt. Bei einer sich öffnenden Autotür könnten Radfahrer nicht ausweichen (2.12.2017, 16.12 Uhr)

Den Einen ist es zu wenig, den Anderen zu viel: Der Ausbau des Radverkehrs, den der rot-grüne Senat derzeit vorantreibt, um den Radverkehrsanteil in der Stadt bis Mitte des nächsten Jahrzehnts zu verdoppeln.

In der Bürgerschaftssitzung im Rathaus haben Senat und Opposition gestern leidenschaftlich um das Thema Radverkehr in Hamburg gestritten. Während SPD, Grüne und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) ihre bisher erreichten Erfolge in der Radverkehrspolitik aufzählten, sprach die CDU von einer Verkehrspolitik mit der „Brechstange“. Der Senat würde die Menschen auf das Fahrrad zwingen wollen, so der Abgeordnete Dennis Thering.

Der LINKEN geht es mit der Radverkehrsförderung wiederum nicht schnell genug. Verkehrspolitikerin Heike Sudmann warf der Rot-Grün vor, zwar immer wieder von der Fahrradstadt zu reden aber zu wenig für die Umsetzung zu tun. „150 Kilometer des Velorouten-Netzes müssen dringend verbessert werden, nur acht davon hat Rot-Grün seit 2015 geschafft“, so Sudmann.

FDP und AfD warfen dem Senat wiederum vor, Rad- und Autoverkehr gegeneinander auszuspielen.

Horch: Ausbau des Radverkehr hat nichts mit Ideologie zu tun

Dem widersprach Verkehrssenator Horch deutlich: Die Frage sei nicht Auto, Rad oder Bahn, sondern alles zusammen, denn die meisten Menschen würden alle Verkehrsmittel im Wechsel nutzen. Der Radverkehr sei ein Baustein für die Gestaltung der Mobilität in einer modernen Metropole und habe nichts mit Ideologie zu tun, so der Senator.

Grünen-Verkehrsexperte Martin Bill bemerkte anschließend: „Von links kommt die Kritik, wir machen zu wenig, von rechts der Vorwurf, wir machen zu …

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Ein S-Bahn-Zug der Baureihe 490 am Bahnhof Elbbrücken in Hamburg (Foto: Christian Hinkelmann)

Easy Peasy? S-Bahn so unzuverlässig wie seit Jahren nicht mehr

Die Pünktlichkeit bei Hamburgs S-Bahn stürzt deutlich ab. Unsere Analyse zeigt, warum das Netz aktuell so instabil ist, welche Linien besonders betroffen sind – und was Fahrgäste in den kommenden Monaten realistisch erwartet.

Ein zugeparkter Radfahrstreifen zwingt Radfahrende zum Ausweichen auf die Fahrbahn. Solche Alltagssituationen sieht die Initiative als Beispiel dafür, dass Hamburg bei der Verkehrswende zu wenig Fortschritte macht. (Foto: Christian Hinkelmann)

„Die Zeit der Diplomatie ist vorbei“

Eine Initiative wirft dem Senat vor, die Verkehrswende auszubremsen und neue rechtliche Spielräume bewusst nicht zu nutzen. Ihre Vertreter:innen kündigen eine härtere Gangart an, erklären, welche Behörde aus ihrer Sicht blockiert und wollen kommende Woche mehr als 11.900 Unterschriften im Rathaus übergeben.

Endstation: Mecklenburgische Seenplatte. Die letzten Vertreter der Hamburger U-Bahn-Baureihe DT3 warten auf einem Güterbahnhof in Malchow auf ihre Verschrottung.

Best-of: Hier enden Hamburgs alte U-Bahnen in Mecklenburg

Seltener Anblick: Mehrere alte Hamburger U-Bahn-Züge waren vor zwei Jahren auf eigenen Rädern an die Mecklenburgische Seenplatte gerollt – durch Wiesen und Felder. Es war ihre letzte Reise. Sie wurden dort verschrottet. NAHVERKEHR HAMBURG zeigt 30 einzigartige Bilder von der Aktion und vom Transport dorthin.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner