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Bürgerschaftsbeschluss: Bus- und Bahnfahren in Hamburg wird ab Januar teurer

Der HVV wird ab Januar teurer. Die Fahrkartenpreise für Bahnen und Busse steigen im Schnitt um 2,1 Prozent. Das hat die Hamburgische Bürgerschaft gestern beschlossen. So sehen die neuen Preise aus.
Christian Hinkelmann
Menschen drängen sich am U-Bahnhof Elbbrücken in Hamburg auf dem Bahnsteig
Menschen drängen sich am U-Bahnhof Elbbrücken in Hamburg auf dem Bahnsteig

Während in Berlin, München, Stuttgart, Frankfurt, Wiesbaden und Mainz die Fahrkartenpreise zum Jahreswechsel stabil bleiben und teilweise sogar günstiger werden, geht Hamburg den umgekehrten Weg: Bahn- und Busfahren wird ab Januar 2019 teurer.

Die Bürgerschaft hat gestern einen entsprechenden Antrag des rot-grünen Senats mehrheitlich angenommen. Damit steigen die Fahrkartenpreise im HVV zum 1.1.2019 im Schnitt um 2,1 Prozent.  Dieser Wert liegt knapp über der für dieses Jahr prognostizierten Inflationsrate von 2 Prozent und ist die kräftigste Fahrpreiserhöhung in Hamburg seit vier Jahren!

Zuvor hatten der Verkehrs- und der Haushaltsausschuss der Bürgerschaft bereits der Tariferhöhung zugestimmt.

Ticketpreise steigen teilweise um bis zu 9 Prozent

Einige Fahrkarten im HVV-Sortiment werden sich sogar um bis zu 9 Prozent verteuern. Darunter fallen zum Beispiel 9-Uhr-Tageskarten für Kinder, die sich im HVV-Großbereich von 2,30 auf 2,50 Euro, bzw. im Gesamtbereich von 4,60 auf 5,00 Euro erhöhen.

Einzelfahrscheine für Kinder im Großbereich werden um 8 Prozent teurer; der Preis steigt von 1,20 auf 1,30 Euro im Großbereich und von 2,40 auf 2,60 Euro im Gesamtbereich.

HVV will bei Berufspendlern kräftig zulangen

Auch Berufspendler, die über ihr Unternehmen ein Jobticket („Großkundenabonnement“) beziehen, werden kräftig zur Kasse gebeten werden, wenn sie weiterhin den öffentlichen Nahverkehr nutzen: Die Tickets für drei Tarifringe verteuern sich pauschal um 5 Euro pro Monat, was einem Preisaufschlag zwischen 6 und 8 Prozent entspricht.

Im Tarif GKA I (Großkunden…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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21 Antworten auf „Bürgerschaftsbeschluss: Bus- und Bahnfahren in Hamburg wird ab Januar teurer“

„Ein gutes Angebot sei wichtiger als die Preisgestaltung.“ So ein Blödsinn – als ob das Gegensätze wären. Gut und günstig sind zwei Merkmale eines attraktiven, öffentlichen Nahverkehrs. Brauchen wir in Hamburg erstmal starke Grüne mit 25 Prozent bis die SPD das auch bemerkt?
Statt die Fahrpreise für Kinder zu erhöhen, sollte Hamburg lieber den Einstieg für einen kostenfreien HVV für Schüler_innen finden. Elterntaxi war gestern!

Kostenfrei gibt es nicht (egal ob nur für Schüler oder gleich alle). Keine Fahrpreise bedeutet mehr Nachfrage, bedeutet mehr notwendiges Angebot, bedeutet massiv steigende Kosten. Bisher nehmen die Verkehrsunternehmen allein aus Fahrgeldern fast 1 Mrd. Euro ein. Dazu noch diverse andere Einnahmen. Die Kosten müssten dann schon fast gegen 2 Mrd. Euro im HVV p.a. für das Gesamtsystem laufen. Bei deutlicher Ausweitung des Angebots entsprechend mehr. Bisher zahl der Hamburger Senat wie viel Millionen den Verkehrsunternehmen zu? Vielleicht 50, 70 oder 100 Millionen als Verlustausgleich und noch einige Millionen als Ausgleich für Schwerbinderten- und Schülerbeförderung. Dazu kommen noch die Aufgabenträger in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Insgesamt dürfte das ÖPNV-System dem Steuerzahler irgendwas zwischen 150 Mio. und vielleicht 400 Mio. Euro p.a. kosten (wirklich ganz grob geschätzt). So lobenswert eine deutlich Angebotsausweitung auch ist, es muss grundsätzlicher Konsens in der Gesellschaft erzeugt werden, wie das bezahlt werden soll. Wenn aus den 150 Mio. bis 400 Mio. Euro p.a. dann vielleicht 2 Mrd. oder 3 Mrd. werden, was das HVV-ÖPNV-System p.a. kostet und das auf alle Bürger (auch die Nichtnutzer) durch besondere Abgaben und Steuern umgelegt wird, dann freue ich mich schon auf die Diskussion.

Das ist in Hamburg schon ziemlich frech. Tatsache ist doch das sowohl HVV-Geschäftsführer Aigner als auch SPD-Verkehrspolitikerin Martin bewusst irreleiten. Denn es stimmt einfach nicht dass „die jährliche Tarifanpassung gleicht die Kostensteigerungen bei den Verkehrsunternehmen aus“ (Aigner) – die Preiserhöhung ist (mal wieder) höher als die (vom HVV berechneten!) kostensteigerungen der Betreiber.

Auch „Sie trägt dazu bei, die hohe Qualität und den ständigen Ausbau des Angebots im HVV zu sichern“ (Aigner) und stimmt einfach nicht, genauso wenig wie die Behauptung „und darum [Angebotsausbau] kümmern wir uns“ (Martin). ‚Trägt dazu bei‘ und ‚darum kümmern wir uns‘ suggeriert dass die Stadt da irgendwas tut / bezahlt, wenn in Wahrheit die Fahrgäste die Kosten für den Angebotsausbau zu 100% übernehmen – d.h. der Senat zahlen keine Cent mehr und der durchschnittliche Zuschussquote sinkt sogar,

Auch „die Annahme mit der Reduzierung von Ticketpreisen mehr Menschen in den ÖPNV zu bekommen, zieht einfach nicht“ ist erstens ein Strohmannargument (wie wäre es mal mit einer Nullrunde?) und zweitens einfach falsch – mit der Reduzierung von Ticketpreisen bekommt man wirklich mehr Menschen in den ÖPNV. Ob das der richtige Einsatz der Mittel ist, ist eine andere Frage, aber so einfach zu behaupten das ‚zieht einfach nicht‘ ist entweder bewusste Irreführung und zeugt von Dummhaupt und Arroganz.

Woher wissen Sie, dass die Aussage von Herrn Aigner im ersten Absatz nicht stimmt? Sie können Ihre Aussage nicht untermauern. Wie hoch sind denn die Kostensteigerung der Betreiber?

Außerdem berechnet nicht der HVV die Kostensteigerung der Betreiber. Das machen die Verkehrsunternehmen schon selbst. Der HVV fasst nur die von den Unternehmen testiert gemeldeten Daten über alle Verkehrsunternehmen zusammen und berechnet daraus die durchschnittliche Steigerung der Kosten.

Es ist übrigens nicht grundsätzlich falsch zu behaupten, dass Preisreduktion nicht gleich zu mehr Fahrgästen führt. Die Frage ist eher wie hoch die Preissenkung ausfallen muss, damit die Elastizität der Nachfrage spürbar wird. Bei 1% Preisreduktion ist da kein spürbarer Fahrgastzuwachs, zumindest keiner der nur auf die Preisreduktion zurückzuführen wäre. Dazu reagieren Menschen zu träge. Bei 1% höheren Spritkosten fährt auch keiner weniger Auto. Bei 10%, 20% oder 50% sieht das schon deutlich anders aus.

Dass der Senat keine Cent mehr zahlt, woher wissen sie das? Bei der insgesamt massiven Angebotsausweitung zum Fahrplanwechsel wird auch der Kostendeckungsgrad einiger Verkehrsunternehmen vermutlich wieder leiden (zumindest am Anfang), wodurch automatisch der Verlustausgleichsbedarf und somit der Zuschuss des Senates steigen wird. ÖPNV finanzieren die Fahrgäste nur zum Teil. Die Fahrgeldeinnahmen betragen auch bei Verkehrsunternehmen wie der Hochbahn nur so ca. 60% (siehe Geschäftsberichte). Und diese Fahrgeldeinnahmen sind z.T. sogar noch durch den Senat subventioniert, wie z.B. bei den Sozialkarten. D.h. der Steuerzahler zahlt generell ebenfalls seine 40%-50% an den Gesamtkosten des ÖPNVs, also auch die Radler, penetranten zu Fuß Gehenden, die ständig zu Hause Bleibenden und die notorischen Pkw-Fahrer.

Ihre Aussagen zur bewussten Irreführung, Dummheit und Arroganz sind schon recht starker Tobak. Es wäre schön, wenn die Aussagen nicht nur kritisiert, sondern dann auch rein sachlich widerlegt werden.

Der Hammer sind ja die Erhöhungen für die Profitickets ABC. Die im Beipackzettel gegebene Erklärung, damit würde die besondere Leistung für Fahrgäste im Ring C (z.B. ab Elmshorn …) abgegolten, ist ausgerechnet im Herbst 2018 das stärkste mir bekannte Brechmittel. So etwas darf sonst nur ein Apotheker gegen Rezept aushändigen. Die Hanse-Macrons haben in ihrer Verblendung diese Erhöhung ausgerechnet in dem Zeitpunkt durchgezogen, in dem die Regioalexpresszüge regelmäßig nicht vollständig oder unpünktlich z.B. den Bahnhof Elmshorn verlassen oder erreichen. Dabei wäre die Preiserhöhung für die meisten Kunden vielleicht noch nicht mal das Problem. Aber die Leistungsverweigerung der DB, die derart penetrant ist, dass der Warnstreik letzte Woche nicht einmal auffiel, weil die Züge kaum noch unpünktlicher werden können, macht daraus einen Schlag ins Gesicht ehrlich arbeitender Menschen.

Für mich ist mit dieser Erhöhung der Fahrpreise eine Schmerzgrenze erreicht mit knapp 90 Euro für das Abo. Die Bahnen werden immer voller. Immer mehr generve durch rücksichtslose Mitmenschen. (Lautes Musikhören, sie stinken entweder nach Knoblauch oder nach Parfümerie Douglas. Gebettel, auch agressiv. usw.) Dann die latente gefahr durch Selbstmordattentäter. Seit über drei Jahrzehnten habe ich ein Abo. Aber nun ist schluss. Ab April nur noch Fahrrad oder Auto. Schade. Es lebe Wien!

Im Sinne von Brent Toderian ist dieser Beschluss leider Unsinn:
(1) „Nicht ausbalancieren, sondern die Alternativen priorisieren!“ und
(2) „Die Wahrheit über die Ziele einer Stadt findet man nicht in ihrer Vision. Sondern in ihrem Budget.“ https://www.zukunft-mobilitaet.net/166207/urbane-mobilitaet/brent-toderian-nachhaltige-mobilitaet-lebensqualitaet-kostenwahrheit-vancouver/

Doch priorisiert der Senat nicht den Umweltverbund gegenüber dem MIV. Es wird die Vision U-Bahn 2035 (Leuchtturmprojekt!) als Lösung aktueller Fragen verkauft und diese wird dabei großteils von den ÖPNV-Nutzern finanziert, obwohl die Kfz-Nutzer die Kfz-Kosten nicht anteilig finanzieren (externalisieren) und dennoch deutlich von der Umweltverbund-Verwendung der anderen profitieren.

Also keine Kostenwahrheit: Sonst müsste man durch Bepreisen und Einschränken des ruhenden und fahrenden Kfz-Verkehrs gleichzeitig Anreize setzen, weniger Kfz-Wege zu machen, und die Mittel in die Attraktivität (Ausbau ÖPNV, Spurumwidmung Fahrspur Busspur ODER Fahrradspur, niedrigere Ticketpreise) des Umweltverbunds gemacht.

Bei „Einschränkung“ zuckt sofort jeder „(Durch)Fahr(t)verbot“; Einschränkung finge aber mit so einfachen Dingen, wie der Umsetzung des geltenden Regelwerks an. Regelbreiten, Querungszeiten usw. werden für den Kfz-Verkehr noch immer verletzt. Aktuell geplante Radinfrastruktur wird etwa an der Habichtstraße im Interesse von Kfz-Fahrspuren gegen das Regelwerk (Radfahrer auf Gehweg) umgesetzt oder Fußgängerampelschaltungen werden statt der max. erlaubten 80 Sekunden Rotphase nach Grün-Anforderung auf >120 Sekunden ausgedehnt, usw.

2,1% bei 2% Inflation und das sei schon die höchste Anpassung seit mehreren Jahren. Kein Wunder, dass bei solchen Spottpreisen (genau genommen subventionierten Dumpingpreisen) die Busse und Bahnen vielerorts aus allen Nähten platzen, obwohl das vorzügliche Angebot regelmäßig erweitert wird. Man denke nur an die letzte Offensive. Dass die Fahrgastzahlen zurückgehen werden, bezweifle ich jedenfalls stark, aber die „Geiz ist geil“-Generation der Babyboomer sieht das sicherlich anders und wird etwas schnaufen und Hutschnüre platzen lassen. Nun denn. Meine Proficard kostet mich weiterhin 54 Euro und bleibt trotz regelmäßigen Radfahrens erstmal im Portemonnaie. Dass man nun nicht mehr den unsinnigen C-Bereich hat, lässt sie gleich schöner erscheinen. Als wenn das irgendein Hamburger freiwillig mitbuchen würde.

2 Prozent Inflation bedeutet aber nicht, dass die Einkommen der Bürger auch jedes Jahr um diesen Betrag anwachsen. Viele Leute erleben schon seit Jahren nur Nullrunden. Oder Minimal-Erhöhungen auf Allmosen-Niveau. Da laufen die Lebenshaltungskosten weg. Auch der HVV leistet einen seinen Beitrag dazu. Jahr für Jahr.

Wenn denn wenigstens mal das Schnellbahn-Netz auf ein Niveau ausgebaut werden würde, dass einer Großstadt in dieser Größe würdig ist. Aber sowas wird in Hamburg ja nur kaputt diskutiert, bis rein gar nichts mehr passiert. Andere Metropolen wie Berlin und München haben ein viel besseres Netz und günstigere Fahrpreise. Dazu dann noch in Hamburg viel zu kleine Beförderungs-Einheiten im Berufsverkehr, die echtes Sardinenbüchen-Feeling bieten. Jeden Tag auf’s Neue, z.B. in der U3 von Kellinghusenstraße nach Sternschanze. Aber jährlich die Preise erhöhen ….

Dem kann ich nur beipflichten – das sieht der Herr Lokstedter etwas zu lo(c)ker. Und nicht jeder bekommt die Proficard zu so einem Preis wie eben jener Lokstedter – mein Arbeitgeber sponsort nicht so großzügig. Ich berappe dafür fast € 90,–. Und das für Transport-Bedingungen bei denen eigentlich die Tierschützer auf den Plan treten müssten. Ebenfall U3, 173, etc…
Wenn das Netz wirklich schnell und stark ausgebaut werden würde – okay. Ich sehe zwar erste zarte Bemühungen, aber das reicht bei weitem noch nicht.

Berlin und München sind nicht per se billiger, ob nun bei Tageskarten oder Abos. Aber natürlich hat es ein junges Netz wie in München weniger Probleme als eines aus dem Kaiserreich, das Siedlungsveränderungen durch zwei Weltkriege, Motorisierung und Wirtschaftskrisen durchgemacht hat, während das U- und S-Bahnsystem in Ostberlin prekär ist, da man lieber auf eine Rumpelbahn setzte. Lissabon lässt grüßen. Über zwei Dutzend Verletzte, darunter Kleinkinder und Babys. Wehret den Anfängen!

Und selbst im schlecht zahlenden ÖD gibt es dieses und nächstes Jahr über 3%, für Einsteiger in niedriger Entwicklungsstufe über 4%. Da wird auf hohem Niveau gejammert. Und dass kurzsichtige Gerontokraten über vernünftige Lösungen wie die U5 klagen und sie aus niederen Beweggründen kaputt diskutieren wollen, ist nun wirklich nicht meine Schuld. Gerne auch U4 bis nach Harburg und eine U6 als Alsterhalbring.

Wenn ich mich richtig erinnere liegen alle in den letzten Jahren getätigte Preiserhöhungen über dem Niveau der Inflation.

Im Jahr 2015 z.B. lag der Prozentsatz der Erhöhung im Schnitt bei 2,6% und dazu noch ein Auszug aus der dazugehörigen Meldung.

Seit Jahren steigen die Ticketpreise im HVV. Die Erhöhungen liegen weit über der allgemeinen Inflation. Was sind die Gründe dafür? Schiebt die Stadt Hamburg immer mehr Kosten auf die Fahrgäste ab? Und inwieweit bremsen die Preisanstiege die Fahrgastzuwächse? NahverkehrHAMBURG macht den großen Finanzcheck und analysiert die Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre.

Nachprüfbare Fakten sind meistens sinnvoller als „Erinnerungen“. Davon mal abgesehen: 0,1 Punkte sind nicht „weit über der Inflation“, sondern quasi nix, zumal es den Verkehrsbetrieben nichts nützt, wenn Flugzeugteile im Warenkorb zur Berechnung der Inflation billiger werden, aber Löhne und Energiekosten überdurchschnittlich steigen. Und an einer vernünftigen Vergütung sollten doch alle Kunden Interesse haben.

Abo-Vollzeit/Teilzeit für Hamburg AB nach Senaten:

Senat von Beust (CDU/SCHILL/FDP) 2001-2004:
Preis zu Amtsantritt: 59,46 €/30,27 €
Preis zu Amtsende: 61,90 €/31,90 €
Preissteigerung: +4,1 %/+5,3 %
Inflation: +3,5 %

Senat von Beust (CDU) 2004-2008:
Preis zu Amtsantritt: 61,90 €/31,90 €
Preis zu Amtsende: 69,00 €/38,40 €
Preissteigerung: +11,5 %/+20,4 %
Inflation: +8,5 %

Senat von Beust/Ahlhaus (CDU/GAL) 2008-2011:
Preis zu Amtsantritt: 69,00 €/38,40 €
Preis zu Amtsende: 74,90 €/41,90 €
Preissteigerung: +8,9 %/+9,1 %
Inflation: +3,7 %

Senat Scholz (SPD) 2011-2015
Preis zu Amtsantritt: 74,90 €/41,90 €
Preis zu Amtsende: 84,00 €/48,50 €
Preissteigerung: +12,1 %/+15,8 %
Inflation: +5,0 %

Senat Scholz/Tschentscher (SPD/GAL) 2015-2019
Preis zu Amtsantritt: 84,00 €/48,50 €
Preis Jan 2019: 89,50 €/52,50 €
Preissteigerung: +6,5 %/+8,2 %
Inflation: +5,3 % (vorauss.)

Insgesamt Oktober 2001-Januar 2019:

Renten: +26,6 %
Inflation: +28,9 %
Mieten (Mietspiegel-Mittelwert, 50 m², Baujahr 1955, mit Bad/Zentralheizung, normale Lage): +52,8 %

HVV Vollzeit-Karte Hamburg AB: +50,5 %
HVV Teilzeitkarte Hamburg AB: +73,4 %

Der HVV ermittelt anhand eines Indexes wie sich die Preise für bestimmte Ressourcen bei den Verkehrsunternehmen entwickeln. Dies geschieht aber immer rückwärtsbetrachtet. D.h. wenn in der Vergangenheit deutliche Steigerung bei den Kosten eingetreten sind, wird die nächste Preisrunde im HVV-Tarif entsprechend ausfallen, umgekehrt ebenfalls. Der HVV läuft also den Konjunkturzyklen immer hinterher. Es werden aber auch niedrigere Preissteigerungen weitergegeben, wenn bereits die Inflation wieder anzieht. Dies war z.B. in den Jahren 2017 und 2018 der Fall. In 2017 und besonders in 2018 sind aber folglich auch für die Verkehrsunternehmen die Kosten wieder schneller als der HVV-Tarif gestiegen, was wiederum Auswirkungen auf die nächste Preisrunde im HVV für 2019 hat.

Beispiel:

Jahr // Inflation (DeStatis) // Tarifanpassung
2015 // 0,3% // 2,6%
2016 // 0,5% // 1,9%
2017 // 1,8% // 1,4%
2018 // 1,9% // 1,2%
2019 // 2,0% (Prognose) // 2,1%

Hintergrund ist auch das Ziel der Aufgabenträger, dass ein möglichst hoher Kostendeckungsgrad bei den Verkehrsunternehmen erreicht werden soll, damit der Zuschuss der Aufgabenträger als Verlustausgleich möglichst klein ist. Solange sich an dieser Politik des Senat nichts ändert sind dem HVV und seinen Verkehrsunternehmen bei den jährlichen Preisrunden die Hände gebunden. Am Ende ist immer die Frage wer es bezahlen soll. Schaut man nach Wien, sieht man ganz andere Finanzierungsmodelle (Arbeitgeberabgabe für U-Bahn-Ausbau, Umlenkung der Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung) sowie höhere Verlustausgleiche des einerseits größeren ÖPNV Angebots bei andererseits gleichzeitig für den Kunden geringeren Preisen.

Die HVV Preiserhöhungen zeigen aufs Neue, dass die SPD und leider auch die Grünen in Hamburg gar keine Verkehrswende wollen. Stockender Ausbau/Sanierung des Fahrradwegenetzes, keine Wiedereinführung der Straßenbahn, überteuerte U-Bahnprojekte an Stellen, wo sie keiner braucht, verschleppte Anbindung der Großwohnsiedlungen an ein Schnellbahnnetz, Zerschlagung von funktoinierenden Verkehrsknoten, wie es gewaltsam in Altona durchgeführt werden soll… Die Aufzählung ließe sich beliebig weiter fortführen. SPD und Grüne sollten mal eine Reise in das ebenfalls sozialdemokratisch regierte Wien machen und dort in die Lehre gehen, wie man einen vernünftigen und bezahlbaren ÖPNV gestaltet. Aber dazu braucht es einen Blick über den Tellerrand!

Da gebe ich Ihnen vollkommen recht: Hamburg will einfach keinen attraktiven ÖPNV. Dazu passt diese Sendung des NDR vom 25.10.2018 „Wie der Norden den Nahverkehr vernachlässigt | Panorama 3 | NDR“: https://www.youtube.com/watch?v=aJZL7TRo1Y8 (u.a. darin die Sprecherin der Behörde für Wirtschaft im O-Ton (nach Minute 9:20): „…Wir wollen den Autoverkehr nicht zurückdrängen…“)

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