Suche
Close this search box.
Suche
Close this search box.

Stadtbahn ist keine Elbphilharmonie auf Schienen

Der Bund der Steuerzahler hat die Diskussion um die Stadtbahn auf eine neue Ebene gehoben. Bei einer Bürgerveranstaltung im Winterhuder Fährhaus kam es erstmals zu einer sachlichen und ausgewogenen Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern.
Christian Hinkelmann
Visualisierung: Eine moderne Stadtbahn der Hochbahn am Winterhuder Fährhaus in Hamburg
Visualisierung: Eine moderne Stadtbahn der Hochbahn am Winterhuder Fährhaus in Hamburg
Foto: Hochbahn

Der entscheidende Satz des Abends fiel in der 86. Minute: „Die Stadtbahn wird sich nicht zu einer Elbphilharmonie auf Schienen entwickeln – wir haben die Kostenkalkulation für den 1. Streckenabschnitt geprüft und sie ist seriös“, stellte Sabine Glawe vom Bund der Steuerzahler klar. Rums – das saß!
Weder die Bauverantwortlichen, noch ein Großteil des Publikums hatten mit so einer Überraschung gerechnet, war der Steuerzahlerbund doch bisher eher für stadtbahnkritische Töne bekannt.

Es blieb nicht bei der dieser einen Überraschung. Neben dem ungewöhnlichen Veranstaltungsort – er glich einer Großraumtoilette – zeichnete sich der Abend vor allem durch seine überraschend hohe Sachlichkeit aus – ein Novum in der bisherigen Stadtbahn-Debatte. Sachlich, seriös und scheuklappenfrei war das Motto, das sich der Steuerzahlerbund selbst und dem Publikum verordnet hatte.

Vor allem Prof. Dr. Arnd Stephan (Prof. für elektrische Bahnen an der TU Dresden) sorgte für frischen Wind in der festgefahrenen Debatte. Mit seiner trockenen Art („Versuchen Sie mal, Busse im 2 Minutentakt durch Winterhude fahren zu lassen. Das ist wie ein waagerechter Paternoster – da passt kein Auto mehr dazwischen“) und einfachen Faustformeln („Ein PKW benötigt etwa 10 m² Verkehrsfläche – eine nur zur Hälfte gefüllte Stadtbahn dagegen nur 0,8 m² pro Person. Die Staus, vor denen Sie Angst haben kommen von den Autos – nicht von der Bahn!“) schaffte er es sogar, den einen oder anderen Stadtbahn-Kritiker zum Nachdenken zu bewegen.

Gelegentliche laute Zwischenrufe aus dem Publikum parierte Moderator Marcel Schweitzer vom Bund der Steuerzahler gekonnt („Es ist auffällig, dass Einige offenbar nicht an einer sachlichen Debatte interessiert sind – das gibt uns zu denken“) und lenkte die Debatte immer wieder auf die zwei zentrale Themen …

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Emsiges Arbeiten im Gleisdreieck am S-Bahnhof Hasselbrook. Hier soll die S4 aus der S1-Strecke ausfädeln und Richtung Bad Oldesloe führen.

So weit sind die Bauarbeiten an der neuen S4 in Hamburg

Seit Tagen ist die S-Bahnlinie S1 im Hamburger Nordosten voll gesperrt, weil dort an der künftigen S4 gebaut wird. Was passiert da genau? Wir waren vor Ort und zeigen aktuelle Bilder vom S4-Baufortschritt. Langsam wird der Zeitplan sportlich.

Chinatown in San Francisco: Selbstfahrende Shuttles des Anbieters Cruise sind hier inzwischen Alltag - gegen den Willen der örtlichen Verkehrsbetriebe.

Fahrerlose HVV-Shuttles: Ab wann die ersten Fahrgäste mitfahren können

Hamburg treibt den Einsatz von Robotaxis im HVV massiv voran. So viele Testfahrzeuge sollen in den kommenden beiden Jahren auf den Straßen unterwegs sein, so unterscheiden sich die Projekte von Hochbahn, VHH und Moia und das ist der Zeitplan, bis die ersten Fahrgäste einsteigen können.

Die HVV-App an einem U-Bahnhof in Hamburg.

Der App-Dschungel des HVV: Holzweg oder richtige Lösung?

Sechs verschiedene Apps bietet der HVV inzwischen an. Für fast jeden Bedarf eine eigene. Trotzdem fehlen darin bis heute teils wichtige Funktionen, die in anderen Städten längst Standard und bei Fahrgästen sehr beliebt sind. Und sind so viele Apps überhaupt der richtige Weg?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert