Busbeschleunigung bremst Metrobus 5 auf kurzem Teilabschnitt

Seit gut einem Jahr fahren die Busse auf der hochbelasteten Metrobuslinie 5 insgesamt sechs Minuten schneller. Dafür wurden Kreuzungen umgebaut und alle Ampeln mit Vorrangschaltungen ausgerüstet. Zwischen zwei einzelnen Haltestellen hat sich die Fahrzeit dadurch aber verlängert. Warum? Die Erklärung ist simpel.
Christian Hinkelmann
Pulkbildung: Zwei Metrobusse der Linie M5 hintereinander in der Hoheluftchaussee in Hamburg
Zwei Busse der hochbelasteten Metrobuslinie M5 treffen im Pulk in der Haltestelle Gärtnerstraße ein. Im Rahmen eines Busbeschleunigungsprogramms soll diese Pulkbildung, die meist durch lange Wartezeiten an Ampeln entsteht, künftig vermieden werden. Die Busse sollen dann gleichmäßiger fahren.

Auf den ersten Blick klingt es paradox: Zwei Jahre sind auf der wichtigen und hochbelasteten Metrobuslinie 5 zahlreiche Kreuzungen und alle Ampeln so umgebaut worden, dass die Busse jetzt sechs Minuten schneller von der Innenstadt zum Niendorfer Markt kommen. Doch ein Bericht des Verkehrsausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft zeigt: Auf einem kleinen Teilabschnitt dauert die Fahrt jetzt länger als vorher. Es geht um eine zusätzliche Minute zwischen den Haltestellen Eppendorfer Weg und Gärtnerstraße.

Warum?

Der Grund ist einfach. Und zwar ist im Rahmen der Umbauarbeiten der Abstand zwischen den beiden Haltestellen in Richtung stadteinwärts um rund 210 Meter gewachsen, weil die Haltestelle Gärtnerstraße Richtung Norden verschoben wurde. Außerdem liegt jetzt die Kreuzung Gärtnerstraße/Hoheluftchaussee zwischen den beiden Stationen. So erklärt es die Verkehrsbehörde auf NahverkehrHAMBURG-Anfrage. Allerdings hat sich die Fahrzeit auf der nun entsprechend kürzeren Strecke zwischen den Stationen Veilchenweg und Gärtnerstraße nicht verkürzt, obwohl dort ja nun eine Kreuzung weniger auf dem Weg liegt.

Behördensprecher Richard Lemloh führt noch einen weiteren Grund an: Fahrgastkomfort! Demnach sei die Fahrzeit zwischen Eppendorfer Weg und Gärtnerstraße heute in beiden Richtungen großzügiger bemessen als vorher, um den Umstieg zwischen den Metrobuslinien 5, 20 und 25 an der Gärtnerstraße zu verbessern. “Die großzügigere Fahrzeitvorgabe zwischen den Haltestellen Eppendorfer Weg (Ost) und GärtnerstraÃ…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

Ein Eelektrobus der VHH am Bahnhof Bergedorf.

Mehr als 200 Elektrobusse auf Hamburgs Straßen unterwegs

Ende August hatten Hochbahn und VHH insgesamt 204 batteriebetriebene Linienbusse in der Hansestadt im Einsatz. Doch die Umstellung von Diesel- auf Elektroantrieb ist mühsam. Ein Langfristvergleich zeigt: Das Wachstum der E-Flotte kommt nur langsam voran.

Tarifgdschungel adé: HVV-Chefin Anna-Theresa Korbutt will nach Einführung des 49-Euro-Tickets Zonen und Ringe möglichst abschaffen. Das soll in mehreren Stufen passieren.

„Ich will im HVV keine Tarifzonen und Ringe mehr haben“

HVV-Chefin Anna-Theresa Korbutt im Interview darüber, welche radikalen Vereinfachungen sie im HVV-Tarif mithilfe des 49-Euro-Ticket anschieben will, was sich für Abo-Kunden alles ändern soll und warum es aus ihrer Sicht viele Verkehrsverbünde in Deutschland bald nicht mehr braucht.

Die historische Halle des überfüllten Hamburger Hauptbahnhofs soll in den nächsten Jahren durch einen Anbau bis über die Steintorbrücke verlängert werden. Der Pariser Architekt Hans-Michael Földeak sieht darin wenig Nutzen für die Fahrgäste und zeigt im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview Grafiken eines Alternativ-Entwurfs, der schneller und günstiger mehr Kapazitäten schaffen soll.

Treppen-Posse am Hamburger Hauptbahnhof geht weiter

Seit zwei Jahren baut die Deutsche Bahn an fünf zusätzlichen Bahnsteigtreppen, um den überfüllten Hauptbahnhof zu entlasten. Doch das Projekt wird einfach nicht fertig. Jetzt wurde bekannt, dass sich der Bau weiter verzögert. Das ist der aktuelle Zeitplan, das sind die Gründe und so reagiert die Verkehrsbehörde.

3 Antworten auf „Busbeschleunigung bremst Metrobus 5 auf kurzem Teilabschnitt“

Die Vorrangschaltung verdient ihren Namen nicht einmal. Man muss trotzdem an jeder dritten Ampel halten. Teilweise wird der Vorrang komplett abgestellt. Wäre ich Fahrgast auf der 5, würde ich meine Abokarte verbrennen. Mich wundert schon sehr, dass es noch keine größeren Beschwerden seitens der Oppositionsparteien gibt. Wahrscheinlich sind die nächsten Wahlen noch zu weit weg

Die minimale Fahrzeitverlängerung zwischen Eppendorfer weg und Gärtnerstraße ringt mir nur ein müdes Lächeln ab. Umgekehrt kann ich bestätigen, dass das Umsteigen an der Haltestelle Gärtnerstraße von der M5 (aus Richtung Lokstedt kommend) in Richtung Eppendorf bequemer geworden ist.

Aus Schnelsener Sicht hat die Fahrzeitverkürzung der M5 bis Niendorf Markt leider wenig gebracht, denn das dicke Ende zwischen Niendorf und Schnelsen wurde (noch) nicht berücksichtigt. Um die Verschlechterung der Anbindung des nordwestlichen HHer Stadtteils zu begreifen, muss man allerdings zeitlich etwas zurückgehen.

Bis 1978 fuhr die Straßenbahnlinie 2 (nicht jede aber doch wohl jede zweite Bahn) bis zur Endhaltestelle in Schnelsen durch. Sie hielt an der Haltestelle Niendorf Markt, die sich auch noch am gleichnamigen Platz befand, d, h. die Bahn fuhr auf kürzestem Weg bis Schnelsen. Diese letzte Straßenbahnlinie wurde eingestellt, noch bevor die U2 ihren Betrieb bis zur Haltestelle Niendorf Markt aufnahm, die sich aber am Tibarg, der heutugen Niendorfer Fußgängerzone, befindet (wenige jahre später wurde die U2 bekanntlich bis ins damalige Neubaugebiet Niendorf Nord verlängert).

Die neue “Straßenbahnersatz-Buslinie” M5 hält am parallel zum U-Bahnausbau angelegten Niendorfer Busbahnhof – abseits des Niendorfer Markts. Durch diesen Umweg – mit aufwändigem Aus- und Einsteigen der vielen U-Bahn-Fahrgäste – verlängert sich die mögliche Fahrzeit in Richtung Schnelsen um ca. 5 MInuten.

Weiter geht es in Richtung Schnelsen mit der Bedarfsampelschaltung für den Bau des Autobahndeckels an der A7: Hier wartet jeder Bus während der Hauptverkehrszeit mindestens 2 Ampelphasen ab, bevor es weitergeht.. Hier ist, nach Abschluss der Bauarbeiten in hoffentlich 2,5 Jahren, Besserung in Sicht – immerhin!

Schnelsens Anbindung an Lokstedt, Hoheluft, Eppendorf, Harvestehude und Rotherbaum hat sich jedenfalls seit Einstellung der Straßenbahnlinie, die heutzutage konsequenterweise zum Neubuaugebiet im nördlichen Quartier Burgwesel verlänget werden müsste, deutlich verschlechtert. Um schneller in die Innenstadt zu kommen als mit dem M5, lohnt ein Umstieg in die U2 an “Niendorf Markt” – mit Umstiegs-/Wartezeit.

Die Alternative, von Schnelsen aus über Altona (Nord) schnell in die Innenstadt zu gelangen, ist die A1, die zweimal im Stadtteil hält – wenn auch peripher vom Stadtteilzentrum. Leider gibt es bislang nur eine einzige durchfahrende Zugverbindung am Tag bis zum Hauptbahnhof (über Dammtor). So gesehen ist aus Schnelsener Sicht, was auch für alle anderen A1-Anrainer gilt, eine durchgehende elektrifizierte SPNV-Verbindung zum Hauptbahnhof dringend geboten, denn am S-Bahnhof Eidelstedt umzusteigen, ist ziemlich unattraktiv – und kostet Zeit!

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde aber eine durchgehend oberirdische, weitestgehend die M5-Trasse nutzende Stadtbahnlinie aus der Innenstadt bis zum Burgwedel gebaut werden (mit Umstiegsmöglichkeit zur A1). Aber dazu wird es wohl zu meinen Lebzeiten kaum kommen – und so kann ich diesem Tagtraum nur weiterhin nachtrauern, während ich im M5-XXL-Bus mal wieder so richtig durchgerüttelt werde – ein wahrer Fahrgenuss …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert