„Halt doch mal an, Süße“ oder „Geiler Arsch“ – Sprüche wie diese gehören für viele junge Frauen und Mädchen in Hamburg zum Alltag. Sie zählen noch zu den vermeintlich „harmloseren“ Formen obszöner Belästigung, denen die Betroffenen im öffentlichen Raum, in Bussen, Bahnen und an den Haltestellen von HVV und Co. ausgesetzt sind.
Dass solche Erfahrungen kein Einzelfall sind, machten Initiativen wie „catcalls.hamburg“ bereits vor Jahren sichtbar. Mit Kreide schrieben sie damals die anzüglichen Kommentare an die Orte, an denen sie gefallen waren, fotografierten sie und veröffentlichten die Bilder online. Die beiläufige Beleidigung von Frauen im Alltag, wird so als strukturelles Problem Hamburgs erkennbar.
In Ländern wie Portugal, Spanien, Belgien oder den Niederlanden ist dieses sogenannte Catcalling inzwischen strafbar. In Deutschland hingegen nicht. Zwar kann eine Beleidigung wie „Arschloch“ nach § 185 Strafgesetzbuch geahndet werden, anzügliche Bemerkungen über den Körper von Frauen bleiben jedoch meist folgenlos.
Dabei zeigen Studien, etwa des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), dass Catcalling den Alltag der Betroffenen deutlich beeinflusst: Rund 40 Prozent meiden bestimmte Orte oder Routen oder passen ihr Verhalten an und teils auch ihre Kleidung.
Mali-Janice Paede (31) berichtet im Interview, wie Catcalling sie seit ihrem 14. Lebensjahr begleitet, wie es ihre Mobilität jeden Tag prägt – und wie Entscheidungsträger vom HVV bis zur S-Bahn, ihre Handlungsspielräume nutzen sollten, um Betroffene besser vor diesen Belästigungen zu schützen.
NAHVERKEHR HAMBURG: Was verstehen Sie konkret unter Catcalling – und wo ziehen Sie die Grenze zwischen Kompliment und Belästigung?
Mali-Janice Paede: Catcalling beginnt für mich dort, wo Fremde ungefragt meinen Körper oder mein Aussehen kommentieren. Dazu gehören auch anzügliche Blicke, Kussgeräusche, Hinterherrufen oder Anhupen.
Für mich ist Catcalling eine verbale Grenzüberschreitung, die oft als Kompliment getarnt wird. In Wirklichkeit ist es eine Machtdemonstration: Männer nehmen sich heraus, eine fremde Person in der U-Bahn oder im Vorbeigehen öffentlich zu beurteilen.
Ein echtes Kompliment ist respektvoll und lässt mir eine Wahl, wie ich darauf reagiere. Wenn mich jemand in der Bahn freundlich anspricht und sagt: „Hey, dein Mantel steht dir gut“, kann ich das als Kompliment annehmen.
NAHVERKEHR HAMBURG: Warum fällt es manchen Männern schwer, den Unterschied zu erkennen?
Mali-Janice …









2 Antworten auf „Catcalling in Hamburg: Es passiert auf dem Rad, in der Bahn und mal eben im Vorbeigehen“
Sicherheitsempfinden und Wohlbefinden im ÖPNV – ganz wichtiges Thema, und wirklich traurig zu lesen, dass die Teams, die für die Sicherheit da sind, nicht so wahrgenommen werden.
So ein toll geführtes, wichtiges Interview zu einem traurigen Thema. Dass frau/man bestimmte Uhrzeiten, Linien, Abteile und Haltestellen meidet, kann ich absolut nachvollziehen. Gerade große Männergruppen mit Alkohol sind immer für unangenehme und gefährliche Überraschungen gut… Die Beobachtung, dass die Security eher einschüchternd als ansprechbar wirkt, finde ich sehr treffend. Da sind viele Veranstalter:innen von Konzerten mit gemischten Teams und einem anderem Auftreten viel weiter als der ÖPNV.