Seit einer Woche befindet sich Deutschland im Teil-Lockdown, doch im öffentlichen Nahverkehr hat man davon bisweilen wenig bemerkt: Bahnen und Busse waren vergangene Woche im Berufsverkehr meist voll wie eh und je. Auf Social-Media Plattformen kursieren etliche Fotos und Berichte davon. Mindestabstand? Oft unmöglich.
Und die ÖPNV-Branche wirbt in diesen Tagen mit einer groß angelegten Marketing-Kampagne sogar dafür, dass noch mehr Menschen mit Bahnen und Bussen fahren.
Die Werbeaktion mit prominenten Gesichtern, die sich als „Wiedereinsteiger“ bekennen, wurde nur wenige Tage vor dem aktuellen Lockdown gestartet (siehe hier) – zu einer Zeit, als die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bereits neue Rekorde brach (Infografik hier).
ÖPNV-Branche wirbt in Lockdown für mehr Fahrgäste
„Bund, Länder, Kommunen sowie Verkehrsunternehmen und -verbünde werben (…) gezielt für die Rückkehr der Fahrgäste“, heißt es in einem Pressetext des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zum Hintergrund dieser Kampagne. „Auch in Zeiten von Corona gibt es zum Wiedereinstieg in Bus und Bahn viele gute Gründe und objektiv betrachtet auch keinen Anlass zur Sorge.“ (siehe hier).
Einerseits ist die Kampagne verständlich: Der öffentliche Nahverkehr hat in der Corona-Krise so viele Fahrgäste wie noch nie verloren und reißt riesige finanzielle Löcher in die kommunalen Kassen (Zahlen für Hamburg finden Sie hier).
Studien deuten darauf hin, dass sich viele Menschen in Bahnen und Bussen unwohl fühlen (DLR) und den ÖPNV auch nach der Corona-Krise weniger nutzen wollen (PwC Strategy&). Der ÖPNV muss aus Sicht von Forschern dringend etwas tun, um das Vertrauen der Kundschaft zurückzugewinnen (Wissenschaftszentrum Berlin).
Werbekampagne stößt im Internet auf Unverständnis
Andererseits stößt das Timing der „Wiedereinsteiger“- Kampagne auf Kritik.
In den sozialen Netzwerken wird die Marketingaktion unter anderem als „zynisch“ und „völlig widersinnig“ bezeichnet. „Der absolut falsche Zeitpunkt, für den meist überfüllten ÖPNV zu werben“, schrieb beispielsweise die Twitter-Nutzerin „schokomint“.
Der Twitter-User „Robert Wehrheim“ kommentierte „Das ist doch alles völlig widersinnig, ich darf meine Kinder nicht treffen, da wir mehr als 2 Haushalte wären, anderseits soll ich um das Klima zu retten mit 50 Personen dichtgedrängt in der Bahn fahren.“
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Eine Antwort auf „Corona-Ansteckungsrisiko: Wie sich der ÖPNV in Stellung bringt“
Lieber Christian Hinkelmann,
eine konkrete Nachfrage-/Rechercheempfehlung zu dieser Problematik hätte ich für Sie, da für mich die meiner Meinung nach unbegründet lange Aufenthaltsdauer der RB81 in Hasselbrook in Fahrtrichtung Hauptbahnhof unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen unverantwortlich ist.
Bis zur letzten Septemberwoche wurde bei dem eingleisigen Betrieb am Berliner Tor stets mit dem Zug Richtung Hbf vor dem Weichentrapez gehalten. Sobald der Gegenzug den eingleisigen Abschnitt passiert hatte, wurde sofort bei Signal „Freie Fahrt“ weitergefahren. Dadurch hatte es maximal eine zusätzliche Wartezeit von 2 Minuten gegeben. Seit der Umstellung des eingleisigen Betriebs auf das Gegengleis müssen nun alle diese Züge 6 bis 7 Minuten an der Station Hasselbrook halten, einige sogar noch länger, obwohl der eingleisige Abschnitt schon längst frei ist. Die RB81 Richtung Hbf fährt meist erst ab, wenn der Gegenzug in Hasselbrook gerade einfährt.
Es wird sonst immer darauf gedrungen, sich möglichst nur kurze Zeit im gleichen Luftumfeld aufzuhalten. Wieso werden die Fahrgäste der RB81 gezwungen, sich unnötig lang im undurchlüfteten Zug aufzuhalten und sich der Gefahr auszusetzen, sich mit Covid-19 zu infizieren?