Corona: Moia fährt künftig nachts zum HVV-Preis – unter diesen Bedingungen

Trotz stark zurückgehender Fahrgastzahlen hat der HVV bisher sein Angebot voll aufrechterhalten. Ab dem 1. April ist damit Schluss. Der Fahrdienst Moia spielt dabei eine wichtige Rolle.
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Ein selbstfahrender Bus der Hochbahn und ein Wagen des Fahrdienstes Moia

Während in anderen Städten wegen der Corona-Krise und ausbleibenden Fahrgästen (siehe hier) bereits seit Wochen ausgedünnte Fahrpläne im öffentlichen Nahverkehr gelten, hat der HVV in Hamburg bisher weitgehend an seinem Angebot festgehalten.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Ab Mittwoch, den 1. April, werden auch in der Hansestadt die Fahrpläne umfassend an die Corona-bedingte Fahrgastflaute angepasst. Das teilte die Verkehrsbehörde am Sonntagnachmittag mit.

S3 fährt im Berufsverkehr mit kürzeren Zügen

Auf den S-Bahnlinien S3 und S31 werden ab Mittwoch keine Langzüge (9 Wagen) mehr im Berufsverkehr eingesetzt. Stattdessen sollen auf beiden Linien durchgehend nur noch Vollzüge (6 Wagen) fahren.

Die S-Bahnlinie S11, die nur zu den Hauptverkehrszeiten fährt, soll bis auf Weiteres eingestellt werden, bestätigte ein Behördensprecher auf NahverkehrHAMBURG-Nachfrage. Die Verstärkerlinie S2 soll demnach aber weiterhin fahren.

Auf den S-Bahnlinien S1 und S21 sollen ab dem 1. April nur noch durchgängig begehbare Fahrzeuge eingesetzt werden (neue Baureihe 490 und modernisierte Baureihe 474), damit sich die Fahrgäste in den Zügen besser verteilen können.

Außerdem erlaubt die Verkehrsbehörde den Betreibern von U-Bahn, S-Bahn und AKN, in den Spitzenstunden die Verstärkerfahrten zu reduzieren, die nachweislich nicht benötigt werden.

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8 Antworten auf „Corona: Moia fährt künftig nachts zum HVV-Preis – unter diesen Bedingungen“

Das mit den kuerzeren Zuegen bei der S3 verstehe ich nicht. Gerade in Zeiten von social distancing sollte doch eher weniger haeufig mit laengeren Zuegen gefahren werden…

Die Langzüge gab es fast nur auf dem Papier. Ich habe sie keine einzige Woche am Stück gesehen, manchmal kamen sie monatelang gar nicht. Eher fuhren frühmorgens noch Kurzzüge auf der S3, weil mal wieder ein Zug spontan kaputt ging.

Bei uns im Team sehen wir die S3-Langzüge als heimliche Bewerbung der BWVI auf den Vaporware-Award (https://de.wikipedia.org/wiki/Vaporware). Der “beste” Preisträger bislang war ein Computerspiel, das 14 Jahre nach der ersten Ankündigung wirklich erschien. Da hat die S-Bahn noch Zeit, die Langzüge waren erst für Dezember 2018 versprochen.

Diese Kürzungen finde ich überwiegend kontra-produktiv. Gerade auf der U3 und S1 habe ich die letzten Tage eine Auslastung erlebt, die gerade den nötigen Abstand erlaubte. Reduziert man nun das Angebot müssen die Menschen notgedrungen wieder dichter zusammenrücken. Manchmal versteh ich diese Politik nicht – da stehen ganze Wirtschaftszweige vor dem Ruin weil “Social distancing” wichtig ist, es werden 156 Milliarden herausgehauen – aber beim ÖPNV drängt man die Menschen wieder zusammen um ein Paar Euros Betriebskosten zu sparen.

Ich muss täglich die S3 oder S31 zur Arbeit nutzen. Ich habe bereits letzte Woche keine S3 als Langzug mehr gesehen. Ich habe einge Male die S3 fahren lassen ohne zuzusteigen, da teils mehr als 2 Personen pro 4er Gruppe im Zug gewesen wären. Die Langzüge sind ja nie zuverlässig gefahren.
Gleichzeitig ist die Veloroute 11 zwischen Wilhelmsburg und Altem Elbtunnel derzeit kaum legal befahrbar. Faktisch ist das Durchfahren der Baustellen kein Problem nur die Verkehrszeichen sind dagegen. Völlig unverständlich, wieso BWVI und die Behörde für Inneres gerade jetzt die Alternative Fahrrad zermürben.

Pandemieplanung im ÖPNV.

Ich bin im Internet auf eine interessante Lektüre gestoßen, die „VDV-Mitteilungen Nr. 9040 / Influenza – Pandemieplanung in Verkehrsunternehmen“ vom 20. August 2010 (https://www.vdv.de/200227-pm-anlage-coronavirus-bus-und-bahnunternehmen-unterstuetzen-praeventionsmassnahmen-pandemieschutzplanung-in-verkehrsunternehmen.pdfx ).

Von allgemeinem Interesse ist vielleicht die Annahme, von der die Autoren ausgehen: „Eine Pandemie verläuft voraussichtlich in mehreren (2-3) Wellen von jeweils ca. 8 Wochen Dauer. Bis zum ersten Gipfel in der 4. – 5. Woche steht mit großer Wahrscheinlichkeit kein Impfstoff zur Verfügung, so dass es zunächst ungebremst zu einer Erkrankungsausbreitung kommen wird.

Beispielhaft rechnet man für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl von ca. 600.000 mit etwa 140.000 Erkrankten – davon ca. 2.300 Menschen krankenhauspflichtig – und ca. 500 Todesfällen. Zusätzlich zu den 25 % der Erkrankten werden weitere ca. 10 bis 15 % der Bevölkerung nicht zur Arbeit erscheinen, weil sie erkrankte Angehörige pflegen oder aus Angst zu Hause bleiben. Damit könnten auf dem Höhepunkt einer Pandemiewelle 40 bis 50 % der Mitarbeiter eines Unternehmens ausfallen.“ (S. 4 / 5)

In diesem Sinne geht es in dem 18-seitigen Papier ausschließlich um die Aufrechterhaltung des Betriebs und den Schutz der Mitarbeiter, doch nirgendwo um den Schutz der Fahrgäste!

Nur an einer Stelle wird die problematische (Zwangs-)Lage der Fahrgäste beiläufig erwähnt: „Meiden überfüllter öffentlicher Verkehrsmittel:− Fordern Sie Ihre Mitarbeiter dazu auf, zu Fuß zur Arbeit zu kommen, Fahrrad zu fahren, das Privatauto zu benutzen oder sehr früh oder spät zu kommen, um so überfüllte öffentliche Verkehrsmittel während der Rush Hour zu umgehen.“ Der VDV rät seinen Kollegen ferner zur Schaffung „fahrgastfreier Zonen“ und empfiehlt: „Halten Sie Ihre Bürotür geschlossen!“

Das ist unter’m Strich eine relativ magere Ausbeute, wenn man auf der Suche nach pragmatischen Schutzmaßnahmen für die Fahrgäste ist. Doch der VDV gibt immerhin eine besondere Empfehlung mit einem Link (der aber nicht funktioniert!) auf das „Handbuch Betriebliche Pandemieplanung“, ebenfalls von 2010 und satte 179 Seiten schwer. (Mit ein wenig rumgegoogle findet man das Dokument z.B. unter
https://www.dguv.de/medien/inhalt/praevention/themen_a_z/biologisch/pandemieplanung/handbuch-betriebl_pandemieplanung.pdf ) – Fast 200 Seiten sind eindeutig zu viel, um sie mal so eben durchzulesen, also mit > Wortsuche im Dokument >> https://www.spiegel.de/auto/corona-krise-so-werden-bus-und-bahn-zur-virenschleuder-a-97898f5b-e3f3-4154-91ce-111383f03226#kommentare .

Bleiben Sie gesund!

Da ging was schief. Hier der Rest:

Fast 200 Seiten sind eindeutig zu viel, um sie mal so eben durchzulesen, also mit „Wortsuche im Dokument“ nach „Fahrgast“ und „Fahrgäste“ gesucht. – Und siehe da: 0 Treffer! Eine fürwahr „fahrgastfreie Zone“.


Natürlich ist es ein richtiger Schritt, Fahrpläne da auszudünnen, wo kaum noch Nachfrage herrscht und die so entstandenen Lücken durch MOIAs und Taxis zu schließen. Doch auch dabei steht immer noch der Betrieb und die Betriebskosten im Mittelpunkt und nicht der Schutz der Fahrgäste vor Infektionen. – Immerhin, es ist ein Schritt in die richtige Richtung und der drohende Aprilscherz, dass sich ausgerechnet das hygienischste ÖPNV-Mittel mit Beginn der Krise panisch vom Acker macht, wurde abgewendet.

Es mehren sich die Stimmen, dass die Hochrisikogruppe (HRG) unbedingt geschützt werden muss, auch im Hinblick darauf, dass sich das Leben irgendwann schrittweise wieder normalisieren wird. Dieser Schutz für die HRG kann auch Dauer nicht so aussehen, dass manche Menschen für Monate zur Quarantäne verdonnert werden, bis endliche eine wirksame Therapien bzw. ein sicher Impfstoff zur Verfügung steht, sondern doch nur so, dass die Öffis auch von der HRG gefahrlos benutzt werden können.

Vorschläge:
– Mundschutz-Pflicht im ÖPNV.
– Einrichtung von HRG-Abteilen in allen Zügen, jeder 2. Sitzplatz wird gesperrt, kein Rumstehen im Gang.
– auf überfüllten Buslinien Einsatz von MOIA für HRG-Fahrgäste; Freigabe der Busspuren für MOIA, Anweisung an die Busfahrer die MOIAs bei passender(!) Gelegenheit überholen zu lassen.
– Ausrüstung der HRG-Bereiche mit modernen Klimaanlagen (Luftbefeuchtung / Virenfilter).
– Statt Kurzarbeiter-Geld an Taxifahrer zu verteilen, sie vorübergehend an MOIA ausleihen.
– Beförderung des med. Personals durch MOIA oder Taxen oder Überlassung eines Mietwagens, wenn anderweitig keine rasche und risikofreie Fahrt zur Arbeit möglich ist. Dabei geht es auch darum, zeitraubende Fahrten für das ohnehin hochbelastete Personal zu vermeiden, denn es kommen viele Überstunden auf diese Beschäftigten zu und die schlechte Bezahlung erlaubt oft nicht den Besitz eines Autos, während die Mietwagen der großen Verleiher derzeit ohnehin nur rumstehen.


Auch der Spiegel nimmt sich des unverantwortlichen Treibens im ÖPNV an:
„Ansteckungsgefahr im ÖPNV
Abstand halten – nur hier nicht
Der ÖPNV hat sein Angebot massiv reduziert, das Ergebnis sind volle Züge und Busse. Sanktionen drohen den Verkehrsunternehmen wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos nicht – anderen Betrieben schon. …“ ( https://www.spiegel.de/auto/corona-krise-so-werden-bus-und-bahn-zur-virenschleuder-a-97898f5b-e3f3-4154-91ce-111383f03226#kommentare) .

Bleiben Sie gesund!

Durch die Einstellung der S11 LInie ab Morgen müssten doch genügend Züge dann vorhanden sein.

Vieleicht sollte man doch darüber nachdenken die S3 vielleicht doch nur bis Neugraben oder Buxtehude fahren zu lassen und das Unternehen Start von der DB dahinter an alle anderen Statonen zu bedienen, damit man Langzüge auf der S3 fahren lassen kann.

Die von der Stadt HH bestellten und bezahlten Langzüge auf der Strecke der S3 sind nie kontinuierlich gefahren, weder morgens noch nachmittags/abends. Sie jetzt ganz zu streichen und das als gute Leistung zu vermarkten ist dreist.

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