Das sind die Hintergründe für den Fehlstart der neuen HVV-App

Tausende Negativ-Bewertungen in App-Stores und kritische Nachfragen im Verkehrsausschuss. Hochbahn erklärt Hintergründe für App-Fehlstart. Verkaufszahlen sind trotz Pannen stark gestiegen. Diese neuen Funktionen sind in den nächsten Wochen geplant.
Von Christian Hinkelmann
Ein U-Bahnzug vom Typ DT5 an der Haltestelle Landungsbrücken
Ein U-Bahnzug vom Typ DT5 an der Haltestelle Landungsbrücken
Foto: Christian Hinkelmann

Abstürze beim Fahrkartenkauf, Zugverbindungen, die gar nicht existieren und gern genutzte Funktionen, die einfach abgeschaltet wurden: Auch einen Monat nach Veröffentlichung der neuen HVV-App reißt der Ärger der Nutzerinnen und Nutzer nicht ab.

Allein im App-Store von Apple gingen seit der Veröffentlichung Mitte Oktober weit mehr als 700 negative Bewertungen ein. Im App-Store von Google waren es noch mehr. Dort ist die Bewertung der App inzwischen auf nur noch 1,4 von 5 möglichen Sternen gefallen. „Absolute Katastrophe“, „unbrauchbar“ und „qualitativ minderwertig“ sind noch die harmlosesten Äußerungen, wenn man sich durch die Rezensionen der letzten Tage scrollt (siehe hier und hier).

Inzwischen ist auch die Politik auf das Thema aufmerksam geworden. Am vergangenen Freitag mussten sich der HVV und die Hochbahn vielen kritischen Fragen im Verkehrsausschuss der Bürgerschaft stellen. „Der Start der neuen App sei „maximal negativ“ gewesen, räumte Dirk Bestmann von der Hochbahn dort auch unumwunden ein und versprach Besserung.

Warum kein Massentest vor Veröffentlichung?

Das grundsätzliche Problem, dass in den Tagen nach Veröffentlichung der neuen App immer wieder zu Totalabstürzen führte, war, dass die neue App hohe Lasten auf den Hintergrundsystemen verursachte, die dafür nicht genügend Kapazitäten hatten. Das führte dann zu Überlastungen und Abstürzen. Erst später konnten diese Systeme entsprechend verstärkt werden.

Warum die Systeme nicht von Anfang an stärker ausgelegt worden waren, konnte Bestmann im Ausschuss auf Nachfragen nicht sagen. Er verwies an technische Partner die diese Frage bisher nicht zufriedenstellend beantwortet hätten.

Die ungläubige Frage vonseiten der Ausschussmitglieder, warum so eine Massen-App vor Veröffentlichung nicht auch einem Massentest unterzogen wurde, bleib unbeantwortet. Derzeit lässt die Hochbahn untersuchen, ob es im Programmcode der neuen HVV-App möglicherweise Fehler gibt, die mehr Last auf den Hintergrundsystemen verursachen als nötig. Strafen gegen externe Softwareprogrammierer seien bislang nicht erhoben worden.<…

Auch interessant

6 Antworten auf „Das sind die Hintergründe für den Fehlstart der neuen HVV-App“

Wenn man sich zu wenig Zeit für die Planung nimmt, zum Beispiel weil ein bestimmtes Release-Datum (hier: ITSWC) erreicht werden soll, dann muss man damit leben, dass eine Lösung bei der Inbetriebnahme nicht zu 100% perfekt ist, sondern nur 99%. Ist beim BER ja nicht anders. Nachbessern und gut ist.

Na gut, da bin ich ja einer von den Glücklichen, bei denen die App noch nicht beim Fahrkartenkauf abgestürzt ist. (Das wäre ja mal ein tolles Geschäftsmodell: Fahrkarte abbuchen und dann abstürzen lassen! 😄)
Dass mir zwar immer noch nicht in Tonndorf die RB81 als “Abfahrt in deiner Nähe” angezeigt wird, wäre Jammern auf hohem Niveau. Aber ist auch nicht anders vom >hvv zu erwarten, war es auch nicht beim HVV. Es gibt ja dort auch keine Fahrplanänderungen zu dieser Linie.

Aber ganz im Ernst: Nicht nur der Start der neuen App ist „maximal negativ“ gewesen, auch der Start von Frau Korbutt.

Für die RB81 benutze ich zur Auskunft sowieso nur die DB-App, und für die Verbindungssuche bei anderen Linien gehe ich entweder nach Gefühl bei dichtem Takt (plus natürlich entsprechender Netzkenntnis) oder weiß bei schlechterem Takt (z.B. Linie 167) die Abfahrtszeiten. Dann reicht mir die Information ganz klassisch am Haltestellenaushang der 167 in Farmsen aus, dass auch bei dieser Linie nach Tonndorf die Kurzstrecke gilt, um mir in der App ein Ticket zu kaufen und nicht mit der 27 und jeder Menge Leute mitzufahren, die sich nicht an die Maskenregeln halten. Auch wenn mir die >hvv App niemals die 167 als Verbindung anzeigt.
Bei größeren Touren z.B. am Wochenende lohnt sich meist sowieso schon das 9-Uhr-Tagesticket.

Dass die einen oder andere Software wie Bananen erst beim Kunden “reift”, ist für jeden ITler ein alter Hut – aber dass ein App-Relaunch so schlecht läuft, ist schon bemerkenswert (und in diesem Artikel incl. der Stellungnahmen vom HVV sehr freundlich beschrieben). Die immer noch fehlenden Funktionen (Zwischenhalte, Verbindungen speichern, Anzeige von anstehenden Umstiegen, Kauf von mehreren Fahrkarten / Ergänzungstickets zu einer Verbindung, … die Liste lässt sich beliebig fortsetzen), sind sicher keine, die nur von Hardcore-Usern benötigt werden, sondern sie sind so grundsätzlicher Natur, dass man sich schon fragen muss, aus welchem Personenkreis sich die 50 Tester:innen, die die App für gut befunden haben, zusammensetzen.
Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass der Fahrgastbeirat hier dran beteiligt war. (Wenn doch, wäre es ein Armutszeugnis mindestens für die institutionellen Vertreter in dem Beirat).

Auch die Barrierefreiheit wurde wohl nur bedingt berücksichtigt – zum (ebenfalls verunglückten) UX-Design der App gibt es schon einen entsprechenden englischsprachigen Artikel, der im Netz zu finden ist.

Und nicht zuletzt: Es geht hier nicht um Raketentechnik, sondern um eine Fahrplanauskunft mit Ticketshop. Da hätte ein Blick in die Apps, PlayStore-Bewertungen und Community-Foren der anderen Verkehrsverbünde und Bahn-Anbieter gereicht, um sich dort Anregungen zu holen, welche Funktionen so von den Kunden gewünscht sind.

Gibt es irgendetwas (wesentliches), was an der neuen App besser ist als an der Alten???
“Das grundsätzliche Problem, ….. war, dass die neue App hohe Lasten auf den Hintergrundsystemen verursachte, die dafür nicht genügend Kapazitäten hatten.”
Frage eines Laien: Wie kann eine, in ihren Funktionen, ganz erheblich abgespeckte App, plötzlich höhere Rechnerauslastung verursachen???
Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals das Update irgendeiner Anwendersoftware darin bestand, die Hälfte der Funktionen zu eliminieren!
Und dann wird damit geworben, wie chic das neue Design ist.
Was machen die Verantwortlichen eigentlich beruflich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.