Datenanalyse: Das verrät der Autobesitz über das Olympia-Abstimmungsverhalten in Hamburg

Wie ein Stadtteil beim gescheiterten Olympia-Referendum abgestimmt hat, hängt auch damit zusammen, wie viele Menschen dort ein eigenes Auto besitzen. Bei der HVV-Nutzung sieht die Sache dagegen anders aus. Eine Analyse.
Christian Hinkelmann
Die Straßen in Hamburg sind auch Tage nach dem gescheiterten Referendum noch mit Ja-Plaketen gepflastert. (Foto: Christian Hinkelmann)
Die Straßen in Hamburg sind auch Tage nach dem gescheiterten Referendum noch mit Ja-Plaketen gepflastert. (Foto: Christian Hinkelmann)

Nicht nur das Einkommen, das Alter und die Wohnsituation haben beim gescheiterten Olympia-Referendum das Ergebnis bestimmt, sondern offenbar auch das Mobilitätsverhalten.

Stadtteile, in denen der Autobesitz hoch ist, haben überwiegend für Olympia gestimmt. Wo nur wenige Menschen ein eigenes Auto besitzen, war die Ablehnung dagegen groß.

Diesen Trend hat eine Auswertung auf Basis von Daten des Statistikamts Nord ergeben. Je mehr Autos die Bewohner eines Stadtteils haben, desto höher der Ja-Anteil. Autoreiche Stadtteile stimmten also eher für Olympia.

Der Hamburger Informatiker Kyle Kreuter hat diese Daten in eine interaktive Hamburger Stadtteilkarte übertragen und damit vergleichbar gemacht.

Autoreiche Viertel stimmten für die Spiele

Spitzenreiter in diesem Vergleich ist der Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt. 57,1 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen dort am vergangenen Sonnt…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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3 Antworten auf „Datenanalyse: Das verrät der Autobesitz über das Olympia-Abstimmungsverhalten in Hamburg“

Hier bei nahverkehrhamburg.de geht es primär um den ÖPNV. Und daher drängt es sich auf, einen Zusammenhang zwischen der Olympia-Abstimmung und dem ÖPNV zu suchen.

Ich glaube aber nicht an einen Zusammenhang, jedenfalls nicht an einen direkten. Ich denke, entscheidend ist das Einkommen. Wer viel Geld hat, könnte sich eine Eintrittskarte leisten. Wer wenig Geld hat, müsste draußen bleiben und würde sich nur von diesem ganzen Zirkus in der Stadt eingeschränkt fühlen.

Und klar, wo das Einkommensniveau niedrig ist, ist auch die Quote der Autobesitzer niedriger. Aber hier könnten wir auch jeden anderen Luxus-Artikel heranziehen. Also wo mehr teure Markenkleidung getragen wird, wurde auch mehr für Olympia gestimmt. Oder wo mehr Hummer und Kaviar gegessen werden, wurde mehr für Olympia gestimmt etc.

„Stadtteile, in denen der Autobesitz hoch ist, haben überwiegend für Olympia gestimmt.“

Und jetzt werde ich mal ganz ketzerisch und beginne noch eine Stufe zuvor.
Warum ist der Autobesitz in bestimmten Stadtregionen so hoch? Weil es alles „bequeme Klimaverächter“ sind?
Eben nicht, sondern ganz sozialistisch (DDR) gesehen „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ oder ganz kapitalistisch (BRD) gesehen „Die normtive Kraft des Faktischen“.
Also muss es wohl (auch) am Zustand des ÖPNV in der betreffenden Region liegen, also vor allem: Gibt es Schnellbahnen in der Nähe, wie ist der Takt, wie lange die Fahrzeit usw.

Dazu passt wunderbar meine heutige ÖPNV-Erfahrung:
Die RB81 fährt in der HVZ jetzt wenigstens wieder im Halbstunden-Grundtakt. Ich war so startbereit, dass ich (leider) den Oldesloer Zug (7:36 ab Tonndorf) und nicht den Bargteheider erwischt hatte. Doch das „Leider“ hatte sich gleich wieder erledigt, denn das befürchtete „voll bis in den Türbereich“ (wie früher gelegentlich) gab es nicht. Der Zug war nicht viel anders gefüllt, als üblich. Dafür war die Autoschlange, die an der Einmündung der Tonndorfer Hauptstraße in die Stein-Hardenberg-Straße wartete, umso länger. Das deckt sich alles mit meinen RB81-Erfahrungen im Hochbahnstreik am Jahresanfang, und lässt nur den Schluss zu, dass sich immer mehr Menschen von der RB81 abwenden und (auch) auf das eigene Auto umsteigen.
Ob man diese Menschen irgendwann für eine irgendwann fertig gestellte S4 (zurück)gewinnen kann? Viele sind dann inzwischen auf teure E-Autos umgestiegen, die sie sicher nicht gleich wieder abschaffen wollen.

Und dann kommt noch „wie gerufen“ die heutige Meldung im Newsletter hinzu, dass die Stadt EU-Fördergelder für die S4 zurückzahlen muss. Das wird diesem Projekt „das Genick brechen“. Frau Karam wusste schon, warum sie (für mich damals völlig unerwartet) das „Handtuch geworfen“ hatte.
Und nein, es gibt weiterhin keinen Fortschritt bei den Bauarbeiten.

Moin, danke für die weitere Analyse. Ich würde mich der These anschließen, dass wichtiges Kriterium für die Ablehnung von Olympia war, auf den ÖV angewiesen zu sein. Allerdings scheinen mir die Daten von Kyle Kreuter den Autobesitz als weniger signifikant auszuweisen. Spannend ist aber, dass gerade der Ausbau des ÖVs vom Senat als Grund für Olympia angeführt wurde. Und in dieser Differenz wird es spannen, wobei ich so gar nicht glaube, dass die Bürger mal wieder zu dumm waren, sondern auch z.B. diejenigen sind, die in solchen Bauprojekten usw. arbeiten und die sich Ausreden anhören müssen, warum etwas nicht geht. Siehe Zusammenhub.

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