„Treppe des Grauens“, „Horror“, „Albtraum“, „Vollkatastrophe“ – die sozialen Netzwerke kennen viele Namen für den gewaltigen Holzturm am Bahnhof Berliner Tor. Keiner davon schmeichelt.
Mehr als 90 steile Holzstufen trennen die S-Bahn von der Bushaltestelle, über 60 sind es beim Umstieg zwischen S2 und U-Bahn. Schwer atmende Menschen, ältere Leute, die auf halber Höhe Pause machen müssen, und fluchende Touristen mit Gepäck gehören zum Alltag. Rampen? Rolltreppen? Fahrstühle? Fehlanzeige.
Seit mehr als viereinhalb Jahren steht dieses Provisorium – mitten in Hamburg, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Ursprünglich gebaut, weil der bisherige Zugang zum S2-Bahnsteig einer Brückenbaustelle im Weg war, die aber seit Jahren abgeschlossen ist. Beseitigt wurde der temporäre Turm aber bis heute nicht.
Es ist eine der nervigsten Dauerbaustellen im Hamburger Bahnnetz. Und es gibt wohl nur wenige Orte in Hamburg, an denen der politische Anspruch an einen einfachen und bequemen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr und die Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen wie hier.
Was helfen Ticket-Apps, Echtzeitdaten und eng getaktete Verbindungen, wenn die Menschen das Angebot kaum erreichen, weil zwischen ihnen und der S-Bahn ein nahezu unüberwindbarer Stufenturm steht?
Die schlechte Nachricht für Fahrgäste: An diesem Zustand wird sich so schnell nichts ändern. Bis der Treppenturm verschwindet und alle S-Bahnen am Berliner Tor barrierefrei erreichbar sind, soll es noch Jahre dauern. Bis zum möglichen Ausbau des Bahnhofs zum Regionalzughalt sogar Jahrzehnte.
NAHVERKEHR HAMBURG zeigt, wie es am Berliner Tor weitergeht, welche Zeitziele es aktuell gibt und wann der Bahnhof wohl endgültig fertig wird.
Warum dieser Bahnhof so wichtig ist
Schön war er nie, aber er ist bedeutend: Rund 53.000 Menschen steigen täglich an den S-Bahnlinien S1 und S2 am Berliner Tor ein oder aus. Hinzu kommen knapp 125.000 Fahrgäste auf den U-Bahnlinien U2, U3 und U4.
Damit ist Berliner Tor der zweitmeistgenutzte U-Bahnhof Hamburgs und der viertwichtigste Halt der S-Bahn. Vor allem Pendler aus dem Hamburger Osten nutzen ihn, um den völlig überlasteten Hauptbahnhof zu umgehen.
Doch bequem ist der Umstieg hier noch nie gewesen. Die Bahnsteige liegen auf mehreren Ebenen, weit voneinander entfernt. Schon vor dem Bau des provisorischen Treppenturms mussten Fahrgäste zwischen S2 und U-Bahn rund 200 Meter zurücklegen und dabei zahlreiche Stufen überwinden.
Der provisorische Turm, der die Situation seit dem Frühjahr 2021 noch verschlechtert, sollte ursprünglich 2023 wieder verschwinden. Doch die Frist wurde mehrfach verschoben, weil die Deutsche Bahn mit dem Wiederaufbau des ursprÃ…









16 Antworten auf „Dauerbaustelle Berliner Tor: Endausbau dauert noch Jahrzehnte“
Ist das nicht wieder Schimpfen auf hohem Niveau? Andere Städte haben überhaupt keine S- und U-Bahnen. Die Menschen dort würden dafür auch gern mal ein paar Treppen mehr laufen. Und überhaupt soll Treppensteigen doch gesund sein.
Nahverkehrhamburg.de ist ein typisches Beispiel dafür, dass man mit schlechten Nachrichten einfach mehr Geld verdienen kann als mit guten. Die Leute wollen halt nur schlechte Nachrichten hören und sich darüber auslassen.
Leider betrifft das auch die Bundespolitik. Was musste unser alter Bundeskanzler und nun der aktuelle alles einstecken? Nur die schlechten Leistungen wurden/werden herausgekehrt. Und wem nützt das alles? Ja, den Extremisten. Und sollten diese an die Macht kommen, dürfte der Journalismus in der Tat nur noch über sehr viel erfreulichere Dinge berichten. Aber nicht, dass das Leben dann besser wäre! Nein, kritischer Journalismus wäre dann verboten. Also bitte reizt es nicht aus!
Hallo,
ich kann nicht bestätigen, dass schlechte Nachrichten bei uns besser funktionieren würden. Was aber zu unserer DNA gehört: Wir sind wirklich große Fans des Öffentlichen Nahverkehrs in Hamburg – deswegen kritisieren wir ihn, wenn es Anlass zur Kritik gibt. Damit er besser werden kann.
Beste Grüße
Christian Hinkelmann
Dieser Kritik („mit schlechten Nachrichten Geld verdienen“) möchte ich mich nicht anschließen.
Trotzdem habe ich auch eine Kritik. Ich finde, dass leider die – ich möchte das mal so nennen – Luxusperspektiven von Menschen, die einen optimalen ÖPNV in ihrem Umfeld vorfinden, zunehmen. Das betrifft z.B. Diskussionen zu Verspätungen bei der S-Bahn oder Unzulänglichkeiten bei der Fahrradinfrastruktur. Mir fehlt zu wenig die Perspektive aus und auf die Teile Hamburgs, die nicht so gut angebundenen sind. Da finde ich mich oftmals in Berichten und Sichtweisen nicht wieder, da ich ganz andere Erfahrungen mache.
Prinzipiell bin ich auch der Meinung, dass viele Leute gerne Dinge künstlich schlecht machen und beim kleinsten Anlass sofort den Untergang des ganzen Landes herbeireden. Aber ich finde gerade NVHH ist da immer noch sehr sachlich in der Berichterstattung. Ganz im Gegensatz zu manchen Stammgästen im Kommentarbereich.
Natürlich gibt es Städte ohne SPNV oder mit schlechtem als bei uns. Aber z.B. in München kann man ein sehr dichtes U-Bahnnetz erleben, das die gesamte Stadt abdeckt und das prima mit den in Hamburg so verteufelten Straßenbahnen verflochten ist. Sowas haben wir nicht. In Berlin kann man bestaunen, wie ein Netz von Bahnhöfen über die Stadt verteilt, ÖPNV und FV dezentral abwickeln kann. In verschiedenen Städten kann man S-Bahn-Stammstrecken sehen, die nicht mit 18 Zügen pro Stunde und Richtung schon nahe der Überforderung laufen (z.B. Frankfurt, München)…
Wir haben weder ein besonderes dichtes U- noch S-Bahnsystem und wenn dann einer der wichtigsten Knotenpunkte über Jahre derart eingeschränkt wird, ist das schon ziemlich blöd und meiner Meinung nach ist die Stadt da mit der DB noch viel zu gnädig.
Lieber Herr Hinkelmann, meine gestrigen Worte an Sie erscheinen mir zu hart. Dafür möchte ich mich entschuldigen. In einer Wohlstandsgesellschaft wie unserer ist es nun mal so, dass die Menschen sich von guten Nachrichten gelangweilt fühlen. Und Sie als Journalist möchten natürlich das bieten, was Ihre Leser wollen. Das ist verständlich.
Ich wollte nur grundsätzlich auf das Problem hinweisen, dass diese vielen schlechten Nachrichten in den meisten Medien ein verzerrtes Bild der Realität vermitteln, was zu Unmut und Verdruss in der Bevölkerung führt und dem Extremismus einen Nährboden bereitet.
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Lieber Herr Ruge, zu Ihrem Jenfeld: Ich bin in Rahlstedt aufgewachsen und musste damals rund 20 Minuten mit dem Bus nach Wandsbek fahren, um die U-Bahn zu erreichen. Der Bahnhof Rahlstedt mit seinem unregelmäßigen Zugverkehr war schon damals keine Alternative. Aber ich habe es nie als lästig empfunden. Ich denke, dass die allermeisten ÖPNV-Nutzer, welche in den äußeren Stadtteilen wohnen, mit dem Bus fahren müssen, nicht nur die Jenfelder!
Herr Hinkelmann, lassen Sie mich noch hinzufügen, dass es auch aus meiner Sicht zu Ihrer Aufgabe gehört, auf die Missstände hinzuweisen. Das schrieben Sie ja bereits in Ihrer Antwort.
Ich rechne damit, dass diese Treppenanlage in nächster Zeit unter Denkmalschutz gestellt wird, dann werden die Karten wieder neu gemischt!?
Wer weiß, vielleicht besteht ja tatsächlich noch Hoffnung auf das Schiene-Plus-Konzept des VCD.
Ich versteh die ganze Aufregung über die Verzögerungen nicht. Wir haben doch von unserem ex-Kanzler das modernste Bussystem Europas bekommen (und als Bonbon sogar noch einen zweiten Hafengeburtstag). Das sollte ja wohl reichen, mit den Bussen kommt man jederzeit total bequem vom Startort zum Zielort und später wieder genauso bequem zurück. Weitere S-Bahnen, U-Bahnen oder gar Stadtbahnen sind daher vollkommen überflüssig. Die Projekte sollten alle vollständig eingestampft werden, Ausnahme: Diebsteich muss auf jeden Fall gebaut werden. Die eingesparte Kohle sollte für den Ausbau von Autobahnen, den Erhalt von Parkplätzen und den Neubau von Parkhäusern verwendet werden. Oder für den Elbtower.
Verdienstvoller Artikel! Die unfertige Station Inkompetenz oder Absicht? Argumente zu finden,warum was nicht geht, und warum man erst noch dies und das abwarten muss bevor man bauen kann, wird man immer finden. Auch wenn das zweite Gleis zwischen Ankelmannplatz und Rothenburgsort noch nicht fertig ist, aber lt. Bahn jetzt relativ schnell gebaut werden soll, ist das kein Argument dafür die Regionalbahnsteige nicht fertigzustellen. Der Bau von 250 Metern Bahnsteigkante ist nun wirklich kein technisch hochanspruchsvolles Unterfangen. Und die mangelnde Barrierefreiheit der angeblich zweitmeist frequentierten S-Bahnstation Hamburgs nicht innerhalb eines Jahres herzustellen, ist ein Schlag ins Gesicht Behinderter, mobilitätseingeschränkter Reisenden oder Familien mit Kinderwagen etc. Da verblassen alle Sonntagsreden von der inclusiven Stadt ganz schnell. An fehlendem Geld sollte es auch nicht liegen. Da werden mal eben 600 Mio. Euro für einen automatischen S-Bahnbetrieb auf der Strecke nach Bergedorf rausgehauen, der für die Fahrgäste keinen oder bestenfalls minimalen Nutzen hat. Hier könnte man das Geld holen, um den Kreuzungsbahnhof Belriner Tor beschleunigt fertigzustellen. Warum verhandelt die Stadt nicht mit der DB einen festen, eng getakteten Fahrplan zur Fertigstellung der Station. Schlimmstenfall sollte man der DB den Betrieb der S-Bahn wegnehmen und diesen auf die Hochbahn übertragen. Dann sollte man mal sehen, wie schnell die DB ins Laufen kommt!
Ich bin auch der Meinung, es ist Zeit, dass die Stadt ernsthaft mit der Bahn verhandelt. Ziel sollte es Inder Tat sein, dass die Stadt der Bahn das weitere Geschäft entzieht und der Hochbahn überträgt. An allen Ecken der Stadt – Bahnhof Bahrenfeld, Einbau von Treppen am Hauptbahnhof, Bergedorf, Diebsdeich, Elbbrücken, Instandhaltung von Aufzügen, hat die Bahn immer wieder sehr nachhaltig bewiesen, dass sie es nicht kann. Die Aufzählung lässt sich leicht verlängern. Nun steht die nächste Katastrophe, der sog.. Umbau am Hauptbahnhof vor der Tür. Nach der Vorstellung im MKG vor einigen Wochen muss nun auch dem / der Letzten klar sein, das dies das Verkehrsproblem der Schiene keinesfalls löst. Was mit Altona geschieht dürfte auch noch einiges an Fragen aufwerfen . Als Nordsee-Urlauberin mit Fahrrad wird mir da ganz schlecht.
Es ist eine schwierige Situation an dem Knotenpunkt, ohne Frage. Leider zeigt sich aber auch hier, die Bahn kann es nicht. In einer Diskussion zum Umbau des Hauptbahnhofes hat ein Diskussionsteilnehmer sinngemäß gesagt, der Senat darf es zukünftig nich mehr zulassen, das Planung und Umsetzung im ÖPNV/ Schienenverkehr für Hamburg durch die Bahn erfolgen . Dem stimme ich zu, zumal wir in Hamburg mit der Hochbahn einen kompetenten und verlässlichen Partner für derartige Bauvorhaben haben.
Die Bahn kann schon, sie will aber nicht. Es gibt im Management kein Verständnis darüber was agiles Planen und Bauen bedeutet, dann interessiert man sich mehr für den Ausbau seines Real Estate Geschäftsfeldes als für die Aufgabe, Leute von A nach B zu bringen. Daran wird auch die neue Wichtigtuerin an der Spitze nichts ändern. Solange die Bahn nicht wieder als Bundesbehörde geführt wird, wird der Wahnsinn so weiter gehen. Und Deutschland gibt sich weiter der Lächerlichkeit preis und die Politik schnarcht weiter durch.
Warum kommt unser sportbegeisterter Innensenator nicht auf die Idee, Hamburgs Olympiabewerbung mit dem Ausbau solcher Katastrophenstellen im ÖPNV zu verbinden?München hat das schon 1972 erfolgreich getan und macht es jetzt wieder. So könnte er vielleicht noch auf ausreichend Zustimmung auch aus dem nicht so sportbegeisterten Teil der Bevölkerung kommen. Man müsste nur mal über den Tellerrand schauen – der in diesem Fall aber offenbar eine Suppenschüssel ist.
Ich weiß, dass Aufregen hier gar nichts bringt; deswegen stelle ich mir nur die Frage: warum? Warum braucht man für die neue Brücke zur S2 so lange? Warum kommt sie nach x Jahren noch nicht mal mit Aufzügen? Warum verzichtet man auf ein neues Empfangsgebäude, wo doch zwischen U- und S-Bahn schon nur für ein, zwei Kiosk-/Imbissbuden Platz ist? Warum ist ein weiterer Ausbau mit den Regiobahnsteigen erst nach dem Ausbau der S4 und der Berliner Bahn möglich? Usw… Ich verstehe es einfach nicht…
Und da der Ausbau der S4 wohl erst zum St. Nimmerleinstag kommen wird, dann kommt der Ausbau von Berliner Tor natürlich erst danach.
Jedenfalls haben die schönen kleinen Lindenbäumchen an unseren Bahnbrücken eine verlängerte Gnadenfrist bis zum Winter nach diesem Winter bekommen.
Sozusagen für die DB u.a. win-win-win-…-Situation.🤓