Deswegen hat die HVV-App tagelang falsche Pünktlichkeitsdaten angezeigt

HVV-App hat in der vergangenen Woche verspätete Bahnen als pünktlich angezeigt und damit Fahrgäste verwirrt. Der Verbund hat offenbar lange nichts bemerkt. Das waren die Gründe und so kommen die Verspätungsanzeigen zustande.
Lars Hansen
Die HVV-App am U-Bahnhof Landungsbrücken in Hamburg.
Die HVV-App am U-Bahnhof Landungsbrücken in Hamburg.
Foto: Christian Hinkelmann

Verdutzt schaute NAHVERKEHR HAMBURG-Leser Henning Schwarz am 2. März am Bahnhof Tonndorf auf sein Handy: 10 Minuten Verspätung sollte sein Zug zum Hamburger Hauptbahnhof haben.

Das war aber nicht der Grund für seine Verwunderung. Als regelmäßiger Pendler der berüchtigten Regionalbahnlinie RB81 ist der 39-jährige Bildingenieur, der täglich zu seinem Arbeitsplatz bei Studio Hamburg pendelt, Verspätungen und Ausfälle gewohnt.

Vielmehr irritierte ihn ein anderes Detail: Während die zehnminütige Verspätung in der App der Deutschen Bahn korrekt angegeben wurde, zeigte die HVV-App die Fahrt als pünktlich an. Auf der Echtzeitanzeige stand eine grüne Null – für null Minuten Verspätung.

Zwei weitere Male sei ihm das Problem in den Tagen zuvor schon einmal aufgefallen, erklärte der Pendler gegenüber NAHVERKEHR HAMBURG.

Screenshots aus der  DB-App (links) und der HVV-App (rechts) mit Fahrten vom 02.03.2021
Henning Schwartz Screenshots aus der DB-App (links) und der HVV-App (rechts) mit Fahrten vom 02.03.2021

Tatsächlich gab es in den vergangenen Tagen in sozialen Netzwerken ähnliche Beobachtungen von weitere verwirrten HVV-Fahrgästen.

Auch in den Bewertungen der HVV-App im App-Store von Google zeigt sich seit Ende vergangenen Jahres Unmut. Ein Nutzer berichtete, dass die Echtzeitangaben mit der Realität nicht übereinstimmen würden. Er könne sich in letzter Zeit immer schwieriger auf die HVV-App verlassen. Ein weiterer Nutzer warnte während des starken Wintereinbruchs Anfang Februar sogar vor der App: „Keine aktuellen Störungen werden gemeldet! Selbst der Ausfall des ganzen Streckennetzes (wegen ganzen 20cm Neuschnee) wurde nicht angezeigt.“ Der Nutzer kam zu dem Urteil: „Reine Schönwetter- Fahrplanauskunft“.

Wie konnte es zu diesen Falschinformationen bei der Echtzeitanzeige in der HVV-App kommen? Wie groß war das Ausmaß? Wie werden falsche Daten geprüft? Und vor allem: Funktioniert die App inzwischen wieder zuverlässig? NAHVERKEHR HAMBURG hat beim HVV nachgefragt.

Unvollständige Datenübertragung

Und dort wurden die beobachteten Falschinformationen in der App nach Nennung konkreter Beispiele auch bestätigt. Demnach seien mindestens am 2. und 3. März nicht alle Verspätungsdaten in der HVV-App richtig angezeigt worden.

Demnach seien Verspätungsdaten von Zügen der Deutschen Bahn – unter anderem der Regionalbahnlinie RB81 und allen S-Bahnlinien – nur unvollständig übertragen worden. Da jedoch nur ein Teil der Verspätungsdaten fehlte, sei dieser Fehler aber zunächst nicht aufgefallen.

Ob es auch in den Tagen und Wochen davor zu solchen Falschanzeigen in der HVV-App kam, wollte der Verkehrsverbund auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage nicht explizit ausschließen. Allerdings lägen ihm dazu keine genauen Informationen vor, hieß es.

Grundsätzlich werden die Verspätungsdaten der Verkehrsunternehmen, wie von der Deutschen Bahn, nicht direkt an die Hochbahn als Betreiber der HVV-App übertragen. Stattdessen werden jegliche Echtzeit-Daten von de…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Lars Hansen wuchs im ländlichen Raum nahe der dänischen Grenze auf. Daher kann er sehr gut nachvollziehen wie sich ländliche Mobilität ohne Auto anfühlt. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Transformation der Mobilität und studierte interdisziplinär Philosophie, Politik, Wirtschaft und Informatik in Hamburg, München und London.

Auch interessant

Ein U-Bahnzug vom Typ DT5 auf der Linie U3 an den Landungsbrücken in Hamburg mit Bewegungsunschärfe

Hochbahn: Fahrgäste kommen schneller zurück als gedacht

Fahrgastzahlen liegen seit vergangener Woche wieder auf Vor-Corona-Niveau. Dafür waren die finanziellen Verluste im vergangenen Jahr bei der Hochbahn so schlimm wie seit langem nicht mehr. Das sind die Zahlen im Detail – und die geplanten Zukunftsprojekte.

S-Bahnen am Hauptbahnhof in Hamburg.

S-Bahn baut Liniennetz um: S1 bis S5 ab Dezember 2023

Drei Liniennummern fallen weg, eine kommt neu dazu, Direktverbindung von Stade zum Jungfernstieg wird abgeschafft, dafür aber längere Züge nach Harburg. Die S-Bahn baut ihr Liniennetz im Dezember kommenden Jahres komplett um. So sieht es aus und das ändert sich alles für Fahrgäste.

Menschenmassen warten im Sommer auf S-Bahn im Hamburger Hauptbahnhof

Jahresabo-Verlosung und weitere Sonder-Angebote: HVV will Erfolg des 9-Euro-Tickets fortsetzen

Der HVV hat gestern zusammen mit Hamburgs Verkehrsbehörde eine sehr positive Zwischenbilanz zum 9-Euro-Ticket gezogen und zwei eigene neue Marketing-Maßnahmen vorgestellt – die Verlosung von 999 Jahresabos zum Monatspreis von 9 Euro bis zum 21. August und ein 36 Euro-Profi-Monatsticket für Neukunden bis Ende des Jahres. Verschwiegen obwohl schon beschlossen: Weitere Ticket-Sonderangebote hat NAHVERKEHR HAMBURG auf der HVV-Website versteckt gefunden.

3 Antworten auf „Deswegen hat die HVV-App tagelang falsche Pünktlichkeitsdaten angezeigt“

Daher finde ich es gut, wenn mein Zug mit +1 angezeigt wird.
Dann weiß ich wenigstens dass die Echtzeitanzeige funktioniert.

Im Fall von Störungen (z.B. bei Stürmen oder Wintereinbrüchen) ist es doch eigentlich für Fahrgaste ganz einfach. Alles was mit +0 angezeigt wird, fährt irgendwann oder fällt aus. Jeder wirklich fahrende Zug hat dann realistischerweise mindestens eine kleine Verspätung.

Die Argumentation “keine neue Meldung kann auch bedeuten, dass alles problemlos läuft” kann ich nicht nachollziehen. Es müsste doch auch gehen, dass sich jeder Zug bei einer Verspätungsänderung, mindestens aber alle x Minuten, meldet. Jeder Zug, der mehr als x Minuten keine Aktualisierung geschickt hat, wird als Ausfall angezeigt.

Das wäre dann zwar immer noch nicht perfekt – aber zumindest würde man nicht mehr am Hauptbahnhof zu einer S-Bahn rennen, die vor 10 Minuten schon nicht in Altona abgefahren ist.

Das war auch genau der Grund, warum ich auf ein “arbeitsteiliges Verfahren” umgestiegen bin:
In der DB-App lasse ich mir jetzt immer die Bahnverbindung zwischen Hbf und Tonndorf und in der HVV-App nur noch die Busse und U-Bahnen anzeigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.