Best-of: Die Geschichte von den Lastwagen-Güterzügen in Ottensen

Wer mit offenen Augen durch Ottensen und Bahrenfeld läuft, hat sie vielleicht schon mal gesehen: die vielen alten Gleisreste in Straßen und Industriehöfen. Was viele nicht wissen: Auf ihnen rollte noch bis 1981 eine Art Güterstraßenbahn. So sah der Betrieb damals aus.
Christian Hinkelmann
Heute kaum vorstellbar: Im Frühjahr 1976 wurde dieser Eisenbahnwaggon von einem Lastwagen auf einem schmalen Gleis über die Kreuzung Barnerstraße/Bahrenfelder Straße mitten in Ottensen (bei der FABRIK) gezogen. Das markante Eckgebäude steht immer noch und soll demnächst abgerissen werden. (Foto: Rainer Dodt)
Heute kaum vorstellbar: Im Frühjahr 1976 wurde dieser Eisenbahnwaggon von einem Lastwagen auf einem schmalen Gleis über die Kreuzung Barnerstraße/Bahrenfelder Straße mitten in Ottensen (bei der FABRIK) gezogen. Das markante Eckgebäude steht immer noch und soll demnächst abgerissen werden. (Foto: Rainer Dodt)

Wer heute durch Ottensen schlendert, sieht Cafés, kleine Läden, Kopfsteinpflaster – und mit etwas Aufmerksamkeit auch Spuren von Schienen in diversen Hinterhöfen und Grundstückszufahrten.

Die meisten Hamburgerinnen und Hamburger gehen achtlos vorbei, aber diese Gleisreste erzählen eine spannende Geschichte – von einer Art Güterstraßenbahn, die sich auf Schmalspurgleisen durch die engen Gassen schlängelte. Die breiteren Güterwagen der Bundesbahn wurden dafür huckepack genommen. Was die Bahn besonders machte: Aus Kostengründen hat man auf Lokomotiven verzichtet. Die Züge wurden stattdessen von Lastwagen gezogen.

Ehemaliges Gütergleis auf einem Gewerbegrundstück an der Borselstraße. (Foto: Christian Hinkelmann)
Ehemaliges Gütergleis auf einem Gewerbegrundstück an der Borselstraße in Hamburg-Ottensen. (Foto: Christian Hinkelmann)

Hier erzählen wir die Geschichte dieser kuriosen Ottensener Industriebahn und zeigen viele einzigartige Fotos von einst und heute.

Kohlensäure fährt im Bahnwaggon durch Ottensen

Ein Frühjahrstag 1976 in Hamburg-Altona an der Barnerstraße, Ecke Bahrenfelder Straße, nahe dem Kulturzentrum FABRIK. Der NAHVERKEHR HAMBURG-Leser Rainer Dodt steht als junger Student vor dem Schnapsladen Fölsch. Aushilfsweise fährt er für den Besitzer Waren aus.

Kurz vor Feierabend kommt es zur Zufallsbegegnung: Ein Mann sichert plötzlich mit einer Flagge in der Hand die Barnerstraße ab und kurz danach rumpelt ein riesiger Eisenbahn-Tankwaggon vom Gelände der FABRIK auf die Straße. Der Wagen wird von einem roten Lastwagen an einer Stange gezogen und ist deutlich höher als normale Eisenbahnwaggons. Er steht aufgebockt auf Schmalspurrädern, denn das Gleis, das sich durch die Barnerstraße zieht, ist mit einer Spurweite von nur einem Meter deutlich schmaler als normale Bahngleise.

Geistesgegenwärtig zückt Dodt seine Kamera, die er an diesem Tag zufällig dabei hat. Und so hält er für die Nachwelt fest, wie das…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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Eine Antwort auf „Best-of: Die Geschichte von den Lastwagen-Güterzügen in Ottensen“

Eine meiner schönnsten Kindheitserinnerungen war zu Mamma Mia zu gehen (in dem markante Eckgebäude das mitlerweile abgerissen ist) und dann draussen eine Zugmaschine mit Güterwagen zu sehen.

Bei Zeise kann man übrigens auf Industriebahngleisen essen (zumindest wenn’s wärmer ist).

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