Verliert die Verkehrswende in Hamburg an Bedeutung? Eine Initiative befürchtet, dass der Hamburger Senat das Thema seit einigen Monaten deutlich weniger energisch vorantreibt als in den vorherigen Jahren.
Per WeAct-Petition fordert sie wieder mehr Tempo und Einsatz für die Verkehrswende. Mehr als 11.900 Hamburgerinnen und Hamburger haben bereits unterschrieben.
Unterstützt wird die Initiative um den Software-Ingenieur Tilo Schmidtsdorff unter anderem vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und Parents for Future (P4F).
NAHVERKEHR HAMBURG hat mit dem Initiator Tilo Schmidtsdorff, mit Cajus Pruin vom Vorstand des ADFC Hamburg und mit Mareike Pruin von P4F Hamburg über ihre Forderungen gesprochen, warum sie dem Senat vorwerfen, deutlich weniger für die Verkehrswende zu tun, als rechtlich möglich wäre, und wer bei dem Thema aus ihrer Sicht auf der Bremse steht.
NAHVERKEHR HAMBURG: Hamburg gilt bundesweit als einer der Vorreiter der Verkehrswende. Was war Ihre Intention, trotzdem eine Petition zu starten, die noch mehr fordert? Was war der konkrete Anlass?
Tilo Schmidtsdorff: Der Kipppunkt war für mich im Sommer 2024 spürbar. Wir hatten 2020 mit der Gründung der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende einen echten Aufbruch. Da stand das Ziel ja endlich im Namen. Doch dann kam der Wahlkampf zur Bürgerschaftswahl im Februar 2025: Statt die bisher erreichten Erfolge der Mobilitätswende zu feiern, drehte sich die öffentliche Debatte im Wahlkampf fast ausschließlich um Parkplätze. Das war populistisch getrieben und aus meiner Sicht völlig überspitzt. Was mich aber am meisten störte: Niemand hat wirklich widersprochen. Auch der Widerspruch von grüner Seite war mir viel zu leise. Als SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf im Abendblatt-Interview den Autoverkehr in den Vordergrund seiner verkehrspolitischen Bemühungen stellte und fast zeit…









10 Antworten auf „„Die Zeit der Diplomatie ist vorbei““
Wenn ich mir die Situation in Farmsen an sehe, wo Rücksichtslose Radfahrer immernoch die Fahrgäste der Buss bedrohen, denn da unter der U-Bahnbrücke wo die Radfahrer durch Wartende Fahrgäst brettern. Seit Jahren soll diese Stelle entschärft werden, aber passiert ist bis Haute nichts und Farmsen ist nich der einzige Punkt wo sich die Radfaherer sich daneben benehmen. Denn wie oft muss man als Fußgänger fast in die Büsche springen müssen weil Radfaherer auf engen Fußwegen der Meinug sind, sie haben vohrfahrt, aber diese Themen werden gerade vom ADFC Hamburg verschwiegen, kommisch?
Hallo Susi Norgall,
das ist leider oft auch meine Erfahrung bei mir an der Haltestelle Friedhof Tonndorf. Dort endet links und rechts der Busbucht der mit roten Steinen markierte Radweg (auf gleicher Ebene wie der Fußweg). Theoretisch müssten also die Radfahrer sogar absteigen und schieben. Das verlangt ja auch niemand. Aber noch zuvor kräftig in die Pedale treten und sich sein „Anrecht“ durch die wartenden Busfahrgäste kämpfen, das muss wirklich nicht sein. Wo steht, dass ich als Wartender „gehorsam“ an der Grundstücksmauer zu stehen habe, damit „freie Schussbahn“ ist?
Schönes Wochenende!
eigentlich benehmen sich in Farmsen vor allem die Fussgänger daneben, die rennen Richtung Rahlstedt ohne nach links zu sehen über den Radweg usw. Ja das muss entschärft werden, aber was Radfahrer machen ist eine reine Selbstverteidigung.
Selbstverteidigung? Finden Sie nicht auch, dass dieser Begriff unpassend ist, wenn es um den Straßenverkehr geht?
Ich zitiere hier mal den §1 der Straßenverkehrsordnung:
(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Von einem Straßenkampf und Selbstverteidigung ist dort nicht die Rede.
In diesem Artikel stören mich ein paar Dinge:
1. Das Foto ganz oben: Ja, ja, die bösen Autofahrer, die den Radweg versperren. Aber Fakt ist, dass viele Radfahrende auch zu Verkehrsverstößen neigen. Ganz oben auf der Liste steht das rücksichtslose und gefährdende Verhalten gegenüber Fußgängern. Dazu gehört das unangekündigte Vorbeifahren in einem Abstand von deutlich weniger als einem Meter auf gemeinsam zu nutzenden Wegen. Ich erlebe das ständig.
2. Die Aussage von Herrn Schmidtsdorff: „Viele Hamburgerinnen und Hamburger wollen mehr Verkehrswende“: Mag sein, aber ich gehe mal davon aus, dass noch mehr Hamburgerinnen und Hamburger nicht mehr Verkehrswende wollen. Und das wird von den Interview-Partnern auch indirekt zugegeben an den Stellen, wo von Populismus die Rede ist.
3. Die Forderung „dichtere Takte, dichteres Netz“ vom selben Herrn: Ich bekomme heute schon das Weinen, wenn ich immer wieder die fast leeren Busse am Stadtrand fahren sehe. Was für eine Verschwendung und unnötige Umweltbelastung?!
4. Und überhaupt klingt es so, als ob das Radfahren das Allheilmittel sei. Radfahren ist die gefährlichste Art der Fortbewegung. Daran sind bei weitem nicht nur die Autofahrenden schuld. Und das lässt sich kaum ändern. So halte ich es für höchst bedenklich, ausgerechnet das Radfahren so in den Vordergrund zu stellen.
Volle Zustimmung. P4F? Noch nie von gehört. Was kommt jetzt? F4F (Fussgänger for Future)? Im Übrigen: müsste das Kfz-Kennzeichen auf dem Bild nicht verpixelt sein? Datenschutz?
Ein paar Dinge stören mich an diesem ideologischen Kommentar:
1. Täter-Opfer-Umkehr, symbolpolitischer Kulturkampf und faktenfreier Whataboutism. Wenn Autofahrer aus Bequemlichkeit oder Egoismus die Verkehrsregeln missachten, gefährden sie andere. Radfahrer, die sich nicht daran halten, gefährden sich in erster Linie selbst. Daher ist eine Gleichsetzung von stärkeren und schwächeren Verkehrsteilnehmern Quatsch. Ebenso das wirre Erwähnen von gefährdeten Fußgängern. Wenn Du Fakten haben möchtest (was ich sehr bezweifle, aber dafür vielleicht andere):
https://transport.ec.europa.eu/news-events/news/road-safety-european-commission-rewards-effective-initiatives-and-publishes-2020-figures-road-2021-11-18_en
Man schaue sich nur an, wie viele Fußgänger von Kfz und wie viele durch Fahrräder getötet werden. Diesen Konflikt überhaupt hochzustilisieren, sollte ein Grund sein, mal ganz tief in sich zu gehen und sich zu fragen, ob man nicht Scheuklappen hat. Davon abgesehen kriegen viele (vorwiegend ältere) Autofahrer dauernd Schnappatmungen von vermeintlichen Regelverstößen durch Radfahrer, die gar keine sind, z.B. bei der Nutzung der Fahrbahn, Befahren von Einbahnstraßen in Gegenrichtung oder vermeintlich roten (Fußgänger-)Ampeln, die gar nicht für sie zählen. Die Verkehrsgesetze haben sich halt geändert seit man in den 70ern den Lappen nachgeschmissen bekam.
Zudem sind rund drei Viertel der Unfälle zwischen Rad- und Fußverkehr auf Radwegen. Sprich, Fußgänger, die auf falschen Infrastrukturen laufen. Aber meistens bleibt es bei leichten Verletzungen. Als Petrolhead die Fußgänger daher als gefährdete Spezies und Radfahrer als die großen Gefahren zu stilisieren, ist schon sehr abenteuerlich.
2. Davon kannst Du gerne ausgehen. Oder von einer flachen Erde.
3. Genau, der ÖPNV ist grundsätzlich eine Umweltbelastung und lieber fahren wir mit 1,2 Personen pro Pkw zu jeder Ecke der Stadt, die nur aus Wohldorf-Ohlstedt besteht und die tatsächliche Besetzung von Bussen keine Rolle spielt. Mal ehrlich, diese Stammtischparole („leere Busse, also ÖSPV runter“) zieht doch nicht einmal mehr in der Heide. Selbst als Carbrain sollte man ein Interesse an jeder Person haben, die nicht ins Auto springt, um mit einem im Stau zu stehen und Parkplätze zu suchen.
4. Ein Fahrrad ist in erster Linie ein Verkehrsmittel, welches sich für diverse Wege am besten eignet und für andere nicht. Ganz undogmatisch und die Entscheidung zigtausender Bürger jeden Tag. Und natürlich lassen sich Gefahren ändern. Zum Beispiel durch bessere Infrastrukturen, Gesundheitschecks für Senioren und eine Polizei, die ihrer Arbeit in der Gefahrenabwehr nachkommt statt sich als politische Anwälte eines jeden Parkplatzes zu verstehen.
Eigentlich interessieren mich Petitionen nie, aber jetzt habe ich sie dann doch mal unterschrieben. Danke für die Motivation.
Wir sind unterschiedlicher Meinung und das ist völlig in Ordnung. Es gibt bei Meinungen kein Richtig und kein Falsch. Meinungen hängen von persönlichen Interessen, von der Lebenssituation, von Erfahrungen und vielen anderen Dingen ab.
Aber was ich nicht mag, das ist ein herabwürdigendes Du – so nach dem Motto: „Du bist anderer Meinung als ich, also bist du unwissend wie ein Kind. Und daher duze ich dich auch wie ein Kind.“
Bitte ganz schnell abgewöhnen!
Wenn nun selbst Bauvorhaben gestoppt werden, die komplett durchgeplant und -finanziert sind, nur weil man nochmal „prüfen“ will, ob nicht doch noch Parkplätze erhalten bleiben können, dann geschieht das nicht aus rationalen, sondern rein ideologischen Gründen – siehe Wrangelstraße, Rellinger Straße…
Und es ist tatsächlich absurd, wenn die Polizei bei jeder Baumaßnahme Veto einlegen kann und die Verkehrsbehörde damit auflaufen lässt.
Man kann nicht sagen, dass hier in der Stadt nichts passiert — aber wenn man weiß, welches Tempo Vorhaben bekommen, wenn sie nur politisch gewollt sind, dann sieht man, dass hier in Hamburg moderne Verkehrspolitik eben gerade nicht politisch gewollt zu sein scheint.
Und das in einer Stadt, in der die Grünen seit 2008 fast ununterbrochen mit an der Regierung beteiligt sind.
Und in den meisten Bezirken sieht es ja nicht besser aus. Hier in Wandsbek spielen Fußgänger und Fahrradfahrer, wenn man in den Wandsbeker Koalitionsvertrag schaut, keine Rolle mehr, und der ÖPNV auch nur Dank des Einsatzes von Herrn Buschhüter. Über die nicht vorhandenen Radweg-Konzepte wurde hier auf NahverkehrHamburg Seite zuletzt im Mai berichtet (und vom damals für Sommer 2025 angekündigten Konzept aus Altona ist weiter keine Spur. Immerhin Mitte hat im Herbst sein Konzept fertiggestellt.).
Zwölf Morde…Tote in 2025 durch Autofahrer an Radfahren und der Senat schweigt dazu. Eine Stadt, die praktisch live an Lebensqualität verliert, weil sie ihren öffentlichen begehbaren Platz überwiegend an die Autogesellschaft verschwendet. Und eine Stadt, die zwar nur 2. Mio Einwohner hat aber fast 900.000 zugelassene Autos, in London mit fast 9 Mio sind es gerade einmal 2.5 Mio. Was nützt der Ausbau von Radwegen, wenn es letztlich auf Kosten der Fussgänger geht, was nützt das Deutschlandticket, wenn die Leute trotzdem weiter in ihrem Blecheimer unterwegs sind, was nützt die U5, wenn die Planungszeiten 15 Jahre und die Bauzeit 10 Jahre beträgt und die vor allem auch überhaupt nicht das Ziel hat, den Autoverkehr zu reduzieren. Nein, wer die Verkehrswende will, braucht Fahrverbote (zu denen es in den 30iger Jahren eh kommen wird), Maut in die City, die Veringerung von Parkflächen und Erhöhung der Betriebskosten wie z.b KfZ Steuer: Autofahren muß so teuer werden, daß sich Viele das eben nicht mehr leisten kann. Sozialismus für die Automobilität ist kein sinnvolles politisches Ziel.
Vor allem braucht es endllich ein Einsehen, daß man in einer modernen Stadt kein Auto braucht. (Die E-Mobilität ist nur eine Illusion, die die zivilisatorischen Probleme der Automobilität nur etwas menschlicher macht aber das eigentliche Problem eben nicht löst.)