Jeden Morgen Verspätungen auf dem Weg in Richtung Innenstadt, Taktausdünnungen im Berufsverkehr, spontane Streckensperrungen und unklare Informationen: Wer aktuell mit der Hamburger S-Bahn unterwegs ist, braucht starke Nerven. Kaum ein Tag vergeht ohne größere Störungen. Kommen Kälte und der erste Schnee hinzu, gerät der Fahrplan vielerorts komplett aus dem Takt.
Die NAHVERKEHR HAMBURG-Redaktion erhielt in den vergangenen Tagen ungewöhnlich viele Zuschriften von Leserinnen und Lesern, die von massiven Einschränkungen berichten. Die Wahrnehmung ist eindeutig: Die Qualität des Betriebs wirkt schlechter als lange nicht.
Ein Blick in die Langzeitstatistik bestätigt diesen Eindruck. Die Hamburger S-Bahn ist so unzuverlässig wie nie seit der Netzreform im Dezember 2023 – obwohl das neue Linienkonzept eigentlich Pünktlichkeit und Übersichtlichkeit verbessern sollte.
Lesen Sie in dieser Analyse, was hinter diesem Einbruch steckt, wie die Verkehrsbehörde die Lage bewertet und welche (auch unpopulären) Maßnahmen jetzt denkbar wären.
Wirklich alles Easy Peasy?
Vor zwei Jahren warb die S-Bahn offensiv für ihr neues Liniennetz. „Easy Peasy“ lautete das Versprechen: weniger Linien, weniger Verspätungen, mehr Zuverlässigkeit. Die Kampagne war omnipräsent – im Kino, auf Plakaten, in sozialen Medien, an Bahnsteigen.
Und tatsächlich: In den ersten Monaten nach der Umstellung erreichte die Pünktlichkeit im Frühjahr 2024 einen Spitzenwert von 96,9 Prozent – ein Wert, der vorher lange nicht mehr erreicht worden war.
Der statistische Absturz
Ab Mitte 2024 begann ein neuer Abwärtstrend. Erst langsam, seit Anfang 2025 jedoch deutlich. Im Sommer verschärfte sich die Lage erneut: Im August und Oktober fiel die Pünktlichkeit auf nur noch 91,4 bzw. 91,5 Prozent – neue Negativrekorde.
Das hat eine NAHVERKEHR HAMBURG-Langzeitauswertung von Pünktlichkeitsdaten ergeben, die der HVV regelmäßig auf seiner Website veröffentlicht. Demnach ist die Hamburger…








5 Antworten auf „Easy Peasy? S-Bahn so unzuverlässig wie seit Jahren nicht mehr“
Da diese Statistik aus den offiziellen Daten abgeleitet ist, ist sie leider nur wenig aussagekräftig. In einem System wo alle 5 Minuten ein Zug fahren soll ist die Verspätung der einzelnen Züge beinahe egal – so lange etwa alle 5 Minuten ein Zug fährt. Viel interessanter ist die Verspätung der einzelnen Fahrgäste – und die ist vor allem abhängig von ausfallenden Zügen. Diese bleiben in der offiziellen Verspätung aber unberücksichtigt, da ein ausfallender Zug per Definition nicht verspätet sein kann.
Hier müsste dringend in den Verkehrsverträgen nachgebessert werden.
Vielleicht haben Sie auch noch die Möglichkeit eine Statistik unter Berücksichtigung der Ausfälle zu erstellen?
Hallo Herr Steinau,
die Ausfallquoten finden Sie ebenfalls in einem eigenen Diagramm oben im Artikel. Sie haben sich – im Vergleich zu den Verspätungen – seit der Liniennetzreform allerdings kaum verändert.
Mit den Metropolregionen gut 2,2 Millionen Bewohner. Eine reiche Stadt, einen grünen Verkejrssenator, im Wahlkampf ( gerade mal 9 Monate her ) viele Vetrsprechungen. „Wir bauen 35 neue Bahnhöfe. Eine verschwiegene DB Infra GO und S-Bahn Hamburg. Mindestens 10 S-Bahnhöfe, die seit Jahren Baustellen sind. Da kannst du dich für diesen Senat und dieser Hamburger Bahn-top Manger nur schämen. Und dann iost da theoretisch das Dialogforum Schien Hamburg Altona. Senat, bahn, VCD HH. Das dümpelt mit 900.000 € Zuschüssen vor sich hin. Letzte Infoveranstaltung vor einem Jahr. Letztes internes Plenum am 30.05.21024. letzter Eintrag zu S-Bahn 16.02.2024. letzte Pressemitteilung: 30.09.2021 . Es wäre j e t z t wichtig: Ein öffentlicher runder Tisch zu S-Bahn. Ach und dann dümpelt ja auch der HVV-Fahrgastbeirat ebenfalls vor sich hin………
Die Bahn hat bekanntermaßen 4 Feinde, Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Letztere schlagen im Moment zu. Laub auf den Gleisen, bekannt, kommt ja regelmäßig vor – und offensichtlich gewollt, wenn man sich den famosen Grünbewuchs im Gleisbett ansieht! Bei angekündigter Schneefront die Weichenheizungen auszuschalten klingt schon fast nach Sabotage, oder zeigt mittlerweile die Wurschtigkeit, die bei Mitarbeitern der DB eingekehrt ist, angesichts der Geldabgreife im DB-Vorstand und der ständigen MIßachtung der Bedürfnisse der Beschäftigten. Natürlich wird als Allerheilmittel für alle S-Bahn-Probleme die Digitalisierung und das automatische Fahren gepriesen. Die 600 Mio. Euro, die die Digitalisierung der S2-Strecke nach Bergedorf kosten soll, wäre besser bei der Instandhaltung des Netzes aufgehoben. Und als Abhilfe für die Unpünktlichkeit der S-Bahn ein Taktausdünnung vorzuschlagen, grenzt ans Absurde. Fährt die Bahn alle 5 Minuten, dann ist es doch völlig egal ob der Zug 20 Minuten Verspätung gegenüber dem Plan hat, fährt er nur noch alle 20 Minuten (Flughafen-S-Bahn), dann bleiben die Fahrgäste weg. Das Kuppeln in Ohlsdorf wird seit 15 Jarhen praktiziert, warum es jetzt nicht mehr funktioneiren soll, ist nicht einsichtig.- Was leider nicht erwähnt wird, ist die grundlegende Fehlkonzeption des S-Bahnnetzes in Hamburg, dass alle Linien zwanghaft über die Hauptbahnhof geführt werden. Die Nutzung der Güterumgehugnsbahn für den S-Bahnverkehr ist seit mehr als 5 Jahren in der Diskusison, die entsprechende Studie dazu schlummert seit bald drei Jahren in den Schubladen der Behörden. Aber man will ja so super sein und leitet mit der S4 ja noch eine S-Bahnlinien zum Hauptbahnof, welche garantiert das Chaos dort weiter vergrößern wird. Vieelleicht ein Glück, dass diese Linie nicht vor 2030 kommt, vielleicht hat man dann die andren Probleme besser im Griff. – Weiteres Ungemach droht den S-Bahnfahrgästen in den kommenden 15 Jahren. Kurzfristig durch cie Ttoalsperrungen auf der Verbindugnsbahn wegen der Bauarbeiten für die Schanzenbrücken und die Sternbrücke, längerfristig bei der Erneuerung der Elbbrücken. Eine Verlängerung der U4 über die Elbe bis nach Harburg bekommt der Senat auch nicht rechtzeitig hin, um die zu erwartenden Störungen bei der Elbbrückenerneuerung zumindet abzufedern. Lieber faselt man weiter über autonomes Fahren – gegen die Wand?
Bahnchefin Palla sagte kürzlich „Wir müssen uns endlich ehrlich MACHEN“. Die schlimmen Wahrheiten kommen also noch.
„Ehrlich machen“ in Hamburg heisst einsehen, dass die Zweisystem-S-Bahn eine aus der Zeit gefallene Idee ist! Wenn das Konzept schon auf der lächerlich gering belasteten Strecke nach Stade nicht funktioniert, wie soll die S4 dann je auf einer hochbelasteten trans-europäischen Strecke funktionieren? Das wurde in den 1990er erdacht, als keiner an überfüllte Strecken, hybride Kriege oder Verkehrswende dachte.
Mit S4 wären keine Reserven mehr im Netz. Heute helfen die S4- (und S6-)Slots noch der Betriebsleitung dabei, Staus vorm Hauptbahnhof abzubauen. Das ist dann weg. Die KI-Steuerung kann keine Ursachen beheben, weil KI keine zusätzlichen Gleise oder Bahnsteige baut.
Ohne eigene Gleise bis Oldesloe für die S4 und bis Stade für die S5 wird die S-Bahn nie wieder pünktlich. „Ehrlich machen“ heisst: vor 2050 kommt das nicht. Entweder die S4 in Ahrensburg enden und die S5 bis Neugraben zurückgenommen oder die S-Bahn unpünktlich bleiben.
Stattdessen die AKN komplett elektrifizieren und mit der S-Bahn zu einem unabhängigen Netz zu vereinnen. Das könnte störungsfrei funktionieren.