Experte: „Das könnte für Moia der Anfang vom Ende sein“ 

Widersprüchliche Signale rund um den Fahrdienst Moia sorgen für Unruhe. Tech-Experte Mario Herger erklärt im Interview, welche Warnsignale er derzeit sieht, was sie bedeuten und was er der Verkehrspolitik in Hamburg dringend rät.
Christian Hinkelmann
Da schien die Welt noch in Ordnung: Präsentation des ersten serienreifen fahrerlosen Moia-Shuttles im Juni in Hamburg.
Da schien die Welt noch in Ordnung: Präsentation des ersten serienreifen fahrerlosen Moia-Shuttles im Juni in Hamburg.

Der Plan ist ambitioniert: Schon in wenigen Jahren sollen zig autonome Shuttles vom On-Demand-Shuttledienst Moia ein zentraler Baustein für den geplanten Hamburg-Takt sein. Erst vor wenigen Wochen hat das Tochterunternehmen von Volkswagen seinen ersten serienreifen selbstfahrenden Kleinbus in der Hansestadt präsentiert. In Kürze sollen die ersten Testfahrten mit „echten“ Passagieren beginnen. 

Verkehrssenator Anjes Tjarks von den Grünen rechnet fest damit, dass der ID.BUZZ AD von Volkswagen und Moia das erste selbstfahrende Fahrzeug in der EU sein wird, das eine Level-4-Zulassung bekommt und dann regulär ohne Fahrerinnen und Fahrer auf den Straßen unterwegs sein könnte. Der Stolz, es den Konkurrenten aus den USA und China zu zeigen, ist riesig. 

Doch in den vergangenen Tagen kamen Störsignale auf. Völlig überraschend und ohne Vorankündigung stellte Moia in der vorvergangenen Woche seinen Betrieb in Hannover komplett ein. Zudem gibt es Berichte, dass Volkswagen einen Teilverkauf seiner Moia-Anteile erwägt

Beobachter sind alarmiert. Der österreichische Tech-Experte Mario Herger, der im amerikanischen Silicon Valley lebt, geht noch weiter und bezeichnet die bisherigen Zeitpläne für autonome Shuttles von Moia in Hamburg als unrealistisch. 

Im NAHVERKEHR HAMBURG-Interview erklärt er, welche Warnsignale er derzeit bei Moia sieht, wo das Unternehmen nach seiner Einschätzung derzeit wirklich steht und was er der Verkehrspolitik in Hamburg dringend rät. 

NAHVERKEHR HAMBURG: Herr Herger, wie schätzen Sie die Meldungen über den Moia-Rückzug aus Hannover und den möglichen Anteile-Verkauf durch den Mutterkonzern Volkswagen ein? Was hat das alles zu bedeuten? 

Mario Herger: Wir sehen hier eine Reihe von Signalen, die zusammen ein beunruhigendes Bild ergeben und auf eine fehlende mittel- und langfristige Bestandsgarantie für Moia hindeuten. Den Shuttlebetrieb in Hannover einzustellen, anstatt ihn als Basis für das autonome Testen zu nutzen, ist aus strategischer Sicht schwer nachvollziehbar. Moia hatte dort eine komplette Infrastruktur aufgebaut: Depots, Teams, behördliche Kontakte. Die Konzentration allein auf Hamburg reicht nicht, um einen On-Demand-Shuttledienst mit selbstfahrenden Fahrzeugen alltagsreif zu machen. Volkswagen und Moia brauchen für die Entwicklung Daten, Daten, Daten.

Jede Fahrt, jedes Szenario, jede Wetterbedingung trainiert das System. Es geht einzig und allein darum, Kilometer zu sammeln, die au…

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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