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Fahrpreiserhöhungen in Corona-Zeiten: Experte schlägt andere Lösungen vor

„Der öffentliche Verkehr nutzt nicht viel, wenn er immer teurer wird und dadurch Fahrgäste abschreckt.“ Politikberater und Verkehrsexperte Bernhard Knierim kritisiert geplante Fahrpreiserhöhungen und rät im Interview zu Alternativen.

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Menschen steigen in eine U-Bahn am Hauptbahnhof in Hamburg
Menschen steigen in eine U-Bahn am Hauptbahnhof in Hamburg

Es mutet etwas seltsam an: Den öffentlichen Verkehrsunternehmen sind in der Corona-Krise scharenweise die Fahrgäste weggelaufen, die bis heute nicht vollständig wieder zurück sind – sei es wegen Homeoffice, Ansteckungsangst oder der Maskenpflicht. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, sagt: „Das eigene Auto geht als deutlicher Gewinner aus der Corona-Krise hervor, der öffentliche Verkehr als Verlierer. Der Weg zur Verkehrswende ist dadurch weiter geworden“ (siehe hier).

Und trotzdem kündigen ausgerechnet in dieser Zeit immer mehr Verkehrsverbünde und Mobilitätsunternehmen in Deutschland an, ihre Preise erhöhen zu wollen. Vergangene Woche beispielsweise der HVV: Plus 1,4 Prozent im Schnitt (siehe hier), gestern die Deutsche Bahn: Plus 1 Prozent im Fernverkehr (siehe hier) und 1,5 Prozent im Nahverkehr (siehe hier). Stammkunden werden hier besonders zur Kasse gebeten: Streckenzeitkarten und die BahnCard100 sollen sich im Dezember um überdurchschnittliche 1,9 Prozent verteuern.

Der Politikberater (LINKE), Buchautor und Sprecher des Bündnisses „Bahn für Alle“, Bernhard Knierim, befürchtet Imageverluste für Verkehrsverbünde und Mobilitätsunternehmen und lässt deren Argumente für höhere Preise in der Corona-Krise im NahverkehrHAMBURG-Interview nicht gelten. Stattdessen rät er ihnen zu anderen Lösungen.

„Der ÖPNV hat derzeit ein Problem: Das Auto“

NahverkehrHAMBURG: Herr Knierim, sind diese Preiserhöhungen derzeit das richtige Signal an die Menschen, wieder mehr mit Bus und Bahn zu fahren?

Bernhard Knierim: Nein, das ist zur jetzigen Zeit das völlig falsche Signal, denn der gesamte Öffentliche Verkehr und die Bahn haben im Moment wirklich ein Problem: Das Auto! Das ist derzeit für viele Menschen wieder vermehrt das Mittel der Wahl. Und vor diesem Hintergrund sind steigende Preise im öffentlichen Verkehr wirklich falsch.

Dazu kommt noch ein weiteres Problem, und das betrifft die so genannten Flexpreise der Deutschen Bahn, also Fahrkarten ohne Zugbindung. Diese Tickets sind jetzt sowieso schon sehr teuer und werden es in Zukunft noch mehr, während die Sparpreise unverändert niedrig bleiben. Damit drängt die Bahn ihre Kundinnen und Kunden dazu, möglichst früh zu buchen und die Sparpreise „mitzunehmen“, was speziell jetzt in Corona-Zeiten eigentlich keine gute Idee ist.

Besser wäre es für Fahrgäste, wenn sie ohne Zugbindung flexibel bleiben könnten, weil man nie weiß, wann und wo wieder ein lokaler Lockdown sein könnte. Das ist derzeit schwer abschätzbar. Viele Menschen schätzten eigentlich die Flexibilität der Bahn. Das ist ein großer Vorteil, den sie gegenüber anderen Verkehrsmitteln hat. Und dass sie sich genau diese Flexibilität mit ihrer Fokussierung auf Sparpreise wieder kaputtmacht, halte ich für einen großen Fehler.

„Preiserhöhungen sind nicht das Mittel, um Fahrgäste anzulocken“

NahverkehrHAMBURG: Es fällt auf, dass die Bahn gerade bei ihrer Stammkundschaft besonders zulangt und ausgerechnet die Preise für die treuesten Kunden erhöht, indem Zeitkarten und die BahnCard 100 überdurchschnittlich teurer werden. Warum müssen ausgerechnet diese Kundinnen und Kunden künftig so viel mehr zahlen?

Knierim: Auch das halte ich für ein falsches Signal, ausgerechnet die Stammkundschaft stärker zur Kasse zu bitten, die ja der Bahn – trotz der schwierigen Zeit und obwohl kaum Reisen möglich waren – oft die Treue gehalten hat. Ich glaube, dass sich das langfristig für die Bahn nicht auszahlen wird.

NahverkehrHAMBURG: Was wäre denn aus Ihrer Sicht das richtige Signal an die Fahrgäste?

Knierim: Ich würde mir eher wünschen, dass man die Treue der Kundinnen und Kunden belohnt. Wahrscheinlich wäre…

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Christian Hinkelmann, Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG

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