Fahren U- und S-Bahnen bald im Zwei-Minuten-Takt?

Die seit Jahren stark steigenden Fahrgastzahlen im Hamburger Verkehrsverbund steuern auf einen neuen Rekord zu. Erstmals in der HVV-Geschichte werden in diesem Jahr 717 Millionen Passagiere erwartet. Das entspricht einem Plus von 20 Millionen gegenüber dem Vorjahr, berichtet das Hamburger Abendblatt.
Christian Hinkelmann
U-Bahn auf Viaduktstrecke am Rödingsmarktl in Hamburg
Eine U-Bahn der Linie U3 auf der bekannten Viaduktstrecke am Rödingsmarkt in Hamburg mit dem Michel im Hintergrund

Die Hamburger Hochbahn will darauf nun reagieren. Laut der Zeitung sollen ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember auf der U-Bahn-Linie U1 im Berufsverkehr zusätzliche Verstärkerzüge in Richtung Innenstadt fahren. Außerdem überlegt das Unternehmen, die alten U-Bahn-Züge, die eigentlich bis 2015 durch Neubauten ersetzt werden sollten, erst einmal doch nicht zu verschrotten (NahverkehrHAMBURG berichtete).

Bei der S-Bahn sind dagegen erst einmal keine Angebotserweiterungen möglich, weil es zu wenig Reservezüge gibt. Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhoff im Abendblatt: “Hier müssen Lösungen gefunden werden”.

Abhilfe ist wohl erst in sechs Jahren in Sicht. Dann beginnt ein neuer Verkehrsvertrag zwischen der Stadt Hamburg und einem neuen S-Bahn-Betreiber. Darin fordert die Stadt eine Vergrößerung der S-Bahn-Flotte um acht Züge. Welches Unternehmen den S-Bahn-Verkehr in Zukunft übernimmt, wird sich schon bald klären. Rieckhoff im Abendblatt: “In der nächsten Woche erwarten wir das Angebot der Bieter. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.”

Steigen die Fahrgastzahlen künftig so deutlich weiter, wovon der HVV ausgeht, hält der Verkehrsverbund drastische…

Hat Sie der Artikel weitergebracht?

Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

Auch interessant

5 Antworten auf „Fahren U- und S-Bahnen bald im Zwei-Minuten-Takt?“

Ich denke, vom zu erwartenden Fahrgastandrang her sollte in den nächsten Jahren ein sehr viel dichterer Takt und dann auch ausschliesslich mit Vollzügen gefahren werden. Acht neue S-Bahnzüge wären da nur ein Tropfen auf den heissen Stein… erforderlich dürfte eher die doppelte bis dreifache Anzahl werden! Schliesslich braucht man auch genügend Puffer für Wartungen und Reparaturen, damit Schadzüge nicht gleich wieder zum Fahrplanproblem werden!

Für die S3/S31/sowie evtl. S32 sehe ich in den nächsten Jahren Mo-Fr von 5-20 Uhr folgenden Bedarf als Mindestangebot, um die weiter steigenden Fahrgastzahlen abdecken zu können: zwischen Stade und Buxtehude alle 15 Min, zwischen Buxtehude und Pinneberg alle 7-8 Min. und schliesslich zwischen Neugraben und und Elbgaustrasse alle 2-3 Minuten!

Auf dem Korridor Neugraben – Hauptbahnhof wird man nicht ohne Weiteres im 2.5 min-Takt fahren können. Erstens ist dann zu wenig Kapazität für die anderen S-Bahnkorridore vorhanden (z.B. S4 soll auch noch hinzukommen) und zweitens lassen die Sicherungsanlagen zwischen Neugraben und Hauptbahnhof höchstens einen 3-4 min-Takt zu. Wenn man von einem 15min-Grundtakt ausgeht (was im HVV ein Novum wäre) würde man 16 Züge / Stunde durchbringen (=3.75min-Takt), wenn man vom bestehenden 10min-Grundtakt ausgeht, 18 Züge / Stunde (3.33min-Takt).

Zudem muss der Langzugeinsatz (~200m) in der HVZ Standard werden und die nicht dafür ausgelegten Bahnsteige verlängert werden. (insbesondere der S1 / S11-Korridor betroffen), ansonsten “verschenkt” man glatte 33% Kapazität. Dass man für die künftige S4 die Bahnsteige erst einmal nur für Vollzüge auslegen will, halte ich für wenig vorausschauend. Kurz nach der Inbetriebnahme dieser Linie werden die Züge schon aus allen Nähten platzen.

Bei der S-Bahn sollte man sich auch Überlegungen hinischtlich beschleunigter Linien machen (z.B. in Richtung Wedel, Stade, Bad Oldesloe, Kaltenkirchen), um die Fahrzeit für äussere Stadtteile und das Umland wenigstens um einige Minuten zu verkürzen und die Züge gleichmässiger auszulasten. (siehe z.B. S-Bahn Kopenhagen) Will man z.B. in Veddel in einen aus Stade kommenden Zug einsteigen, ist der schon massiv überfüllt. Das ändert sich auch nicht wesentlich durch Taktverdichtungen.

In Hamburg hat man das Glück, noch stille Kapazitätsreserven auf dem S- und U-Bahnnetz zu haben, die durch punktuelle Infrastrukturausbauten (Bahnsteigverlängerungen, Signalblockverdichtungen) optimal genutzt werden könnten.

…Die Hamburger Hochbahn will darauf nun reagieren. Laut der Zeitung sollen ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember auf der U-Bahn-Linie U1 im Berufsverkehr zusätzliche Verstärkerzüge in Richtung Innenstadt fahren…

???

Im neuen Fahrplan ist davon leider nichts zu lesen ? Auch auf HVV.de gibt es hierzu keine aktualisierte Information.

Mehr Fahrgäste => Mehr Fehrten => Mehr Fahrzeuge

Die S-Bahn darf sich nicht auf der anstehenden Ausschreibung ausruhen. Zusätzliche Fahrzeuge müssen JETZT bestellt werden; denn nach der Bestellung dauert es noch Jahre bis sie auch zum Einsatz kommen. Hinzu kommt noch dass dir BR472 ein Auslaufmodell ist. Wo sollen die Fahrzeuge für die S21 herkommen, wenn die Baureihe ausgemustert wird???

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.