Fahrplanwechsel bringt viele Verschlechterungen im Norden

Nachdem das HVV-Angebot in den vergangenen Jahren in großen Schritten verbessert wurde, fällt der diesjährige Fahrplanwechsel enttäuschend aus: Auf zahlreichen Strecken ist das Angebot spürbar schlechter geworden. Um diese Linien geht es.
Christian Hinkelmann
Regionalexpress (Hamburg - Lübeck) in Wandsbek
Ein Regionalexpress der Deutschen Bahn mit Doppelstockwagen auf der Strecke Hamburg - Lübeck bei Hamburg-Wandsbek
Foto: Christian Hinkelmann

Seit gestern gilt im HVV ein neuer Fahrplan. Und während das in den vergangenen Jahren immer bedeutete, dass sich das Angebot bei Bahnen, Bussen und Fähren substanziell verbessert, fällt der große Wurf in diesem Jahr aus. Corona lässt grüßen. Neben einigen wenigen Verbesserungen verschlechtern sich die Fahrpläne auf zahlreichen Linien und Strecken im HVV und im schleswig-holsteinischen Nachbarverbund NAH.SH sogar spürbar.

Die Angebots-Verschlechterungen sind teilweise gravierend: Auf einer vielgenutzten Regionalbahnlinie ab Hamburg verlängert sich die Fahrzeit teilweise um eine halbe Stunde, auf einer anderen Pendlerstrecke sind die Züge ebenfalls langsamer unterwegs, weil die Bahn die Ausfälle ihrer hochmodernen Triebzüge offenbar nicht in den Griff kriegt, die Ostseeinsel Fehmarn ist ab dem kommenden Jahr gar nicht mehr per Bahn erreichbar, in Hamburg streicht der HVV auf einer hochbelasteten Metrobusstrecke ein Drittel aller Fahrten ein und auf einer AKN-Strecke wurden einige Frühzüge gestrichen und durch Busse ersetzt.

Lesen Sie hier, auf welchen Strecken Bahn- und Bus-Fahrgäste jetzt länger unterwegs sind und auf welchen Strecken sich das Angebot erwähnenswert verbessert hat.

Das ist im neuen Fahrplan besser geworden

Schnellbuszuschläge entfallen

Der HVV hat zum diesjährigen Fahrplanwechsel die letzten zuschlagpflichtigen Schnellbuslinien abgeschafft und weitgehend durch andere Buslinien ersetzt, in denen keine Zuschläge mehr gezahlt werden müssen.

Kreis Steinburg ist jetzt im HVV

Wer aus Glückstadt, Wrist und Kellinghusen Richtung Hamburg und zurück pendelt, fährt ab dem Jahreswechsel meist deutlich günstiger. Grund: Der Landkreis Steinburg wird komplett in den HVV integriert. Dann gelten dort auf allen Linien die HVV-Preise, die meist günstiger als der bisherige NAH.SH-Tarif sind.

AKN fährt öfter

Nachdem sich die Fahrpläne der AKN in den vergangenen Jahren eigentlich nie größer verändert haben, kommen zum aktuellen Fahrplanwechsel gleich zahlrei…

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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14 Antworten auf „Fahrplanwechsel bringt viele Verschlechterungen im Norden“

AKN fährt öfter/ Längere Wartezeiten beim Umstieg zur AKN

Die Einführung des 30-Minuten-Taktes auf den AKN-Linien A1 und A2 ist ein Projekt, dass von der AKN schon länger verfolgt worden ist. Somit muss dem HVV bewusst gewesen sein, dass hinsichtlich der Neuordnung der Anschlusssituation zwischen den AKN-Linien A1 und A2 und den weiteren Linien Handlungsbedarf besteht.

Chaos-Fahrplan auf Strecke nach Sylt

Der Jahresfahrplan 2022 unterscheidet sich eigentlich nicht grundsätzlich vom Jahresfahrplan 2021. Der wesentliche Unterschied ist, dass samstags und sonntags im Frühjahrs-, Sommer- und Herbstfahrplan eine Fahrt Westerland – Niebüll und eine Fahrt Niebüll – Westerland entfallen und der Regionalexpress ab Hamburg-Altona um 09.40 Uhr neu um 09.37 Uhr verkehrt.

Die mit dem Intercity-Zugpaar Westerland -/ Dagebüll Mole – Hamburg – Berlin verbundenen Konflikte mit den Fahrplanlagen der Regionalexpress-Linien 6 sowie den Regionalbahn-Linien 61 und 62 haben auch im Jahresfahrplan 2021 bestanden, allerdings in einer um 60 Minuten späteren Fahrplan-Lage.

Bahnfahrten nach Kiel dauern länger

Der Einsatz der lokbespannten Garnituren mit 6 Doppelstock-Wagen hat seine Ursache unter anderem in dem immer noch fehlenden Doppelstock-Triebwagen (Unfall in Alt Duvenstedt) und dem umlaufbedingten Fahrzeugmehrbedarf auf den Regionalexpress-Linien 7 Flensburg -/ Kiel – Neumünster – Hamburg und 70 Kiel – Neumünster – Hamburg.

Der Einsatz der lokbespannten Garnituren mit 6 Doppelstock-Wagen auf der Regionalexpress-Linie 70 Kiel – Neumünster – Hamburg bietet zudem den Vorteil, dass dort montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit auf allen 4 Umläufen 700 Sitzplätze angeboten werden können.

Naja ist akzeptabel, solange nicht, wie bisher oft üblich, die Dosto-Garnituren von der RB81 abgezogen werden und dort dann Fahrten ausfallen.

Das Abschneiden der Urlaubsinsel Fehmarn vom Bahnverkehr für sage und schreibe 8 Jahre ist ein Skandal erster Güte! Da die DB die Bahnlinien der Fehmarnbelthinterlandanbindung sowieso komplett neutrassiert (einschließlich Ersatz der Fehmarnsundbrücke durch einen Tunnel), besteht überhaupt kein Grund eine der wichtigsten Urlauberinseln Deutschlands für einen unglaublich langen Zeitraum vom Bahnverkehr abzuschneiden. Was haben die DB und die Schleswig-Holsteiner Politik hierbei gedacht? Das ist ein vorsätzliches Programm ganze Regionen von der Bahn zu entwöhnen! Die Staus auf der Autobahn A1 an Wochenenden und in der Urlau bszeit werden noch länger! Mit Verkehrwende hat das gar nichts zu tun sondern befördert eher den Klimawandel weiter! Zur gleichen Kategorie von Unsinnsmaßnahmen und eng mit dem Ausbau der FBQ zusammenhängend, zählt die Stilllegung des Wandsbeker Bahnhofs.

was die Fehmarngeschichte angeht, ist Ihnen voll zuzustimmen, was aber den Bahnhof Wandsbek angeht, ist wohl die S4 Abneigung Ihr Hauptansatzpunkt: Beim Planfeststellungsverfahren ist festgestellt worden, daß der jetztige Standort nicht besonders frequentiert ist und daher eine Alternative geboten. Man kann keinen Haltepunkt aufrecht erhalten, wenn der zum einen im Weg steht und zum anderen kaum “Kunden” hat.

Ich finde es ziemlich schlecht, wie hier die Mobilitätswende teilweise konterkariert wird. Und es geht mal wieder immer nur um die Kosten. Aber über die Kosten, die durch den vermehrten Autoverkehr entstehen redet wieder mal niemand. Und klar, wenn wenig Fahrgäste fahren, dann streichen wir halt mal eine Verbindung. Ist doch ein tolles Signal. So gewinnt der ÖPNV sicher keine Fahrgäste zurück, eher im Gegenteil.

Da haben Sie allerdings nicht ganz sorgfältig recherchiert, wenn sie sagen dass der Wechsel von 173 zur Metrobuslinie 18 eine Verbesserung darstellt. Das kann man vielleicht für den Streckenabschnitt Barmbek bis Hbf. sagen – nicht jedoch für den Part zwischen Barmbek und Bramfeld. Gerade dort wo kein Bahnanschluss besteht (Bramfeld) wird der schlechte Fahrplan des 173 eins zu eins für den 18 übernommen – d.h. bereits kurz nach 19 Uhr beginnt weiterhin der 20 Minuten-Takt – und das auf einer METROBUS-Linie! Nur in den Hauptverkehrszeiten wird ein 5 Minuten-Takt gefahren (quasi die Integration der Linie 166 mit leichter Strecken-Verlängerung bis zum Bramfelder Dorfplatz). Die Linie 173 war bisher bereits recht voll – nun fallen jedoch alle Fahrten der Schnellbus-Linie 37 ersatzlos weg (denn hier wurde KEIN Expressbus geschaffen) – diese müssen nun auch in den 18er steigen. Durch die Schaffung einer Zuschlags- und Umsteigefreien Verbindung bis Hauptbahnhof werden sicherlich aber auch noch zusätzliche Fahrgäste generiert – UND, da der 18 sehr viel schneller am Hbf ist als der Metrobus 17 werden in Bramfeld sicher auch Fahrgäste vom 17 in den 18 wechseln. Und das alles bei einem (durch den Wegfall des 37) verringerten Fahrtenangebot mit kleinen Solobussen. Ganz klasse Planung! und sicher KEINWE Verbesserung.

Die 155 kann ja auch kaum als Verbesserung angesehen werden. a) fernab der Wohngebiete (~1,2 bis 1,5 km zu Fuß vom Mittelpunkt des Reiherstiegviertels), b) deutlich langsamer als der 34 durch die vielen Haltestellen (inkl. Busanlage Veddel) und c) nur bis zu den Elbbrücken, wenn man von den vier Shopping-Fahrten außerhalb der Hauptverkehrszeit absieht. Somit verliert Wilhelmsburg eine Verbindung in die Stadt ersatzlos. Wenn man den Schnellbus streicht, kann man natürlich stolz mitteilen, dass es keinen Zuschlag mehr gibt.

Seit 1899 gab es eine Straßenbahn zwischen Hamburg und dem Reiherstiegviertel. Es gab, seit die Straßenbahn eingestellt wurde, den Schnellbus, der weitgehend die ehemalige separate Straßenbahntrasse nutzte. Seit dieser letzte Woche eingestellt wurde muss man umsteigen, um ins Reiherstiegviertel zu kommen.
Dabei wäre der zuschlagfreie 34er eine gute Alternative zur S-Bahn, bei der viel versprochen wurde, wie die Kapazität erhöht werde, aber nichts gehalten wurde. Die S3 fährt derzeit nur noch mit Vollzügen und morgens auch eher unabhängig vom Fahrplan und die S31 fällt immer aus. Natürlich ist es nicht sehr sinnvoll, einen Bus parallel zur Schnellbahn zu fahren, aber immer nur vorausgesetzt, die Schnellbahn hat tatsächlich freie Kapazität.

Schön, dass der Kreis Steinburg jetzt auch im >hvv ist. Wann wird endlich Lübeck bezüglich der Bahn auch in den >hvv aufgenommen? Es sind wirklich nur 3 (in Worten: drei) Stationen, die dazu kommen müssten, zwei davon ausschließlich an einer Nebenlinie. Aber das würde viel bringen.

29: Es ist aber auch vorgesehen, irgendwann (nächster Fahrplanwechsel?) den Zweig nach Tonndorf einzustellen.

155: Ein erster “Testbericht” steht im “Bahninfo-Forum”. Es ist wohl der blanke “Schuss in den Ofen”.

Auf dem Noch-Bahnhof Wandsbek war am Samstag Nachmittag übrigens großes Fotoshooting zum Abschluss einer Ära angesagt.

Zu guter Letzt: Die Twindexx-Katastrophe hält also weiter an. Wenigstens ist die Bahn inzwischen so schlau geworden, dass sie für die RE Richtung Lübeck KISS-Triebzüge von Stadler bestellt hat.

Lübeck wird ziemlich sicher gar nicht in den HVV integriert. Größtes Problem wäre dabei ziemlich sicher, dass dann ähnliche Stimmen aus Bad Schwartau kämen, wie jetzt aus Lübeck. Wird jedoch Schwartau Teil des HVV, kommt der Rest Ostholsteins wahrscheinlich direkt hinterher. Irgendwo muss man nunmal die Grenze ziehen.

Im Übrigen hat Lübeck nicht drei, sondern neun Bahnhalte: Hauptbahnhof, Hochschulstadtteil, Flughafen, Dänischburg IKEA, Kücknitz, Skandinavkenkai, Travemünde Hafen, Travemünde Strand, St. Jürgen.

Naja, das wäre nicht verwunderlich. In SH ist es halt wie in HH: Im Westen ist alles möglich und wird alles gemacht. Beim Osten wird sich geziert, wie es nur geht. Das merkt man auch hier oder im Bahninfo-Forum an so manchen Kommentaren zur S4, oder dass, als nach vielen, vielen Jahren endlich Samstag wenigstens bis Farmsen auf der U1 im 5-Minuten-Takt gefahren wird, gleich die Forderung aufkam, jetzt müsse es aber auch einen 5-Minuten-Takt bis Ochsenzoll oder am besten gleich bis Norderstedt geben. Dabei muss bei uns erstmal ein ÖPNV-Defizit aufgeholt werden.

Dass der Kreis Steinburg, der ebenfalls nicht an HH grenzt, aber schon “sehr weit draußen” liegt, in den >hvv kommt, aber ein wichtiger Bahnknoten wie Lübeck Hbf nicht, kann ich nicht nachvollziehen. Es geht mir auch nur um die >hvv Strecken RE8 und RE80 bis Lübeck Hbf und RE83, die deswegen bisher tariflich gebrochen werden müssen. Alle Busse und weitere Bahnlinien soll es gar nicht betreffen. In Niedersachsen geht das z.B. ja auch.
Jetzt ist man immer gezwungen, für die eine Station Lübeck Hbf den besonders überteuerten nah.sh Tarif zu zahlen. Das betrifft auch viele Pendler*innen nach HH. Wenigstens war man zum Schluss in den vielen Jahren, in denen im “Bahnrückbauland” Mecklenburg-Vorpommern die Strecke über Schwerin gesperrt war, so “gnädig”, das MV-Ticket auch über Lübeck gelten zu lassen. Das hatte aber auch sehr lange gedauert und wurde auch nur “verdeckt” kommuniziert.

In Schleswig-Holstein gibt es so ein West-Ost-Gefälle doch eher in Gegenrichtung: Die Marschbahn im Westen ist eine absolute Katastrophe, das Netz Mitte schlägt sich mit Müh und Not durch, aber keine Hauptstrecke ist so zuverlässig wie die zwischen Lübeck und Hamburg.
Lübeck tariflich zu trennen widerspricht ja im Übrigen genau den tariflichen Prinzipien des HVV und NAH.SH ebenhalt keinen Unterschied zwischen Bus und Bahn oder verschiedenen Stadtteilen zu machen. Ja, vom Kreis Steinburg im HVV halte ich auch nicht viel, vielleicht ist das eine krampfhafte Entgegnung auf die letzte Südausweitung des HVV, von der ich noch weniger halte. (Denn das HVV-Light-System in den Ringen G und H ist ja genau das, was man 2002/2003 im mittelalten HVV der Ringe C-E beenden wollte.) Womöglich hängt diese Nordausweitung auch mit dem immer wieder auftretenden Schreckgespenst einer S4-West nach Kellinghusen und Itzehoe zusammen.
Ich bin im Grunde ein Befürworter jener Situation, wie es sie in Hamburg und Schleswig-Holstein zwischen 2008 und 2019 gab: Ein Tarifmodell für den urbanen Raum der Metropole und ihres UNMITTELBAREN Umlandes und ein Landtarif für das Flächenland, der auch Fahrten nach Hamburg zulässt. Mit dem NAH.SH hat Schleswig-Holstein ja bewiesen, dass es anders als Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern dazu in der Lage ist, den Nahverkehr im Lande unter einem Dach zu organisieren und einen einheitlichen Tarif auf die Beine zu stellen. Sicher, über die Fahrpreise kann man sich streiten und auch der NAH.SH ist nicht perfekt, aber er beweist, dass SH den beiden Nachzüglern NDS und MV mittlerweile um gut 20 Jahre voraus ist.

Die Verschlechterungen sind natürlich keine guten Nachrichten… Besonders die z.T. jahrelangen Bahnsperrungen sind 1. unschön für Pendelnde und bergen 2. immer das Risiko, dass die Fahrgäste in dieser Zeit merken, dass die Bahn obsolet ist und es bessere Alternativen (z.B. einen eigenen PKW) gibt und sie dann nicht wieder zur Bahn zurückkehren…

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