Montagmittag vor einigen Wochen. Vollsperrung auf der AKN-Linie A1. Ein Rettungswagen war in Ellerau an einem Bahnübergang gegen die Schranke gefahren. Kein größerer Schaden, dennoch stand der Bahnverkehr mehr als eine Stunde lang still. Noch schlimmer wog aber die Kommunikation an die Fahrgäste.
Zunächst meldete die AKN online lediglich einen „Polizeieinsatz“ und kündigte Verzögerungen an. Offenbar erst nach einer Fahrgastbeschwerde wurde der Text in „Bahnübergangsstörung“ korrigiert.
Am Bahnhof Ulzburg Süd blieb es unterdessen still. Keine Durchsagen zu Verspätungen oder Ausfällen, wie ein betroffener NAHVERKEHR-HAMBURG-Fahrgast berichtete. Ein Zug, der planmäßig um 12:54 Uhr Richtung Hamburg fahren sollte, setzte sich erst rund 20 Minuten später in Bewegung.
Der Triebfahrzeugführer kündigte zunächst an, der Zug werde nur bis Ellerau fahren, dort stehe ein Bus bereit. Doch so weit kam der Zug gar nicht. Bereits am Haltepunkt Tanneneck teilte der Lokführer den verblüfften Fahrgästen mit, dass nun doch schon hier Schluss sei. Durchsagen am Bahnsteig, die in dieser unübersichtlichen Situation zumindest neue Orientierung geben könnten, gab es nicht. Auch vom Ersatzbusverkehr fehlte jede Spur. Die Fahrgäste blieben am Rande eines Industriegebiets ohne Weiterreisemöglichkeit zurück.
Ein betroffener Fahrgast beschwerte sich später bei der AKN über den Vorfall. Das Unternehmen reagierte mit einer allgemein gehaltenen Antwortmail.
Rund 2.250 Ausfälle in drei Monaten
Solche Fälle sind bei der AKN offenbar kein Einzelfall. Seit vielen Monaten erreichen unsere Redaktion immer wieder lange E-Mails von frustrierten Fahrgästen mit ähnlichen Schilderungen. Vor allem seit dem vergangenen Herbst hat die Zahl der Beschwerden deutlich zugenommen.
2.249 Fahrten sind allein zwischen Anfang November 2025 und Ende Januar 2026 auf den Linien A1, A2 und A3 ausgefallen, wie aus einer aktuellen FDP-Anfrage im Kieler Landtag hervorgeht. Das sind im Schnitt fast 25 ausgefallene Fahrten täglich.
Auffallend an den Beschwerdemails ist, dass sich die meisten Fahrgäste gar nicht über die Störungen selbst echauffieren. Dafür gibt es offenbar ein gewisses Verständnis. Der Ärger richtet sich vor allem dagegen, wie die AKN mit diesen Störungen umgeht und sie an die Fahrgäste kommuniziert. Immer wieder ist von widersprüchlichen Informationen, verspäteten App-Meldungen und fehlenden Durchsagen die Rede.
Umfrage: 61 Prozent bewerten Fahrgastinfos als schlecht
In einer aktuellen – nicht repräsentativen – Online-Umfrage von NAHVERKEHR HAMBURG bewerten 61 Prozent der insgesamt 120 Befragten die Störungsinformationen der AKN als eher schlecht bzw. sehr schlecht.
Lesen Sie in dieser Analyse, welche Kommunikationsfehler immer wieder von Fahrgästen bemerkt werden, wieso viele davon offenbar System haben und was die AKN, sowie der Verkehrsverbund NAH.SH dazu sagen.
Die Kommunikationspannen sind vielfältig
Die Fehler und Pannen bei der Fahrgastinformation, die in den vergangenen Monaten immer wieder bei der AKN beobachtet wurden, sind vielfältig. Die folgenden Beispiele stammen von Leserinnen und Lesern, aus dokumentierten App-Anzeigen und aus eigenen Recherchen der Redaktion. Sie zeigen, dass es sich offenbar nicht nur um Einzelfehler handelt.
Stundenlange Verzögerungen in den Apps: Immer wieder werden ausgefallene Züge erst mit massiver Verzögerung in die digitalen Fahrpläne eingepflegt. Ein Beispiel dafür ist der 17. September 2025: Am späten Abend fielen vier Zugfahrten auf der A1 und A2 aus. In den gängigen Apps tauchten diese Ausfälle jedoch erst am nächsten Morgen auf.
Informations-Chaos am Bahnsteig: Am 9. September 2025 kam es auf der A1 zu massiven Ausfällen. Am Bahnhof Quickborn entstand laut Fahrgästen zeitweise große Verwirrung, da die Zugzielanzeiger und Apps weiterhin reg…









6 Antworten auf „Falsche Anzeigen, fehlende Ansagen, frustrierte Fahrgäste: Das Informationsproblem der AKN“
Super Artikel – vielen Dank!
Ich kann das alles nur bestätigen.
Es gab Zeiten, wo die AKN meist als positives Beispiel im HVV auffiel. Das ist aber leider lange vorbei.
Für mich hat der Niedergang der AKN mit der Entscheidung begonnen, die S-Bahn bis Kaltenkirchen fahren zu lassen. Das haben viele (vermutlich hauptsächlich alteingesessene) Mitarbeiter der AKN wohl bis heute nicht verkraftet und sind in eine Art „Dienst nach Vorschrift“ gewechselt.
Unvergessen ein Donnerstag, als sich weit über 10 AKN-Fahrer und -Fahrerinnen gleichzeitig vormittags krankgemeldet haben. Nichts ging mehr, Kinder mussten ungeplant in Fahrgemeinschaften von den Schulen abgeholt werden.
Das Fahrten ausfallen, dafür kann ich trotzdem ein gewisses Verständnis aufbringen, jedoch nicht die miserable Informationspolitik des Unternehmens. Das ist einfach unterirdisch.
Noch eine Ergänzung zum Artikel:
Es gab eine längere Zeitspanne, als die Arbeiten rund um den zweigleisigen Ausbau Bahnübergang Ellerau bereits abgeschlossen waren und danach trotzdem wegen Mängeln am neuen Gleis nur jede zweite Bahn zwischen Quickborn und Ulzburg Süd gefahren ist.
Damals war an der Haltestelle Tanneneck nicht zu erkennen, wann eine AKN-Bahn kommt und wann der Schadenersatz-Bus. Die fuhren immer im Wechsel. Es wurden einfach alle Fahrten am Bahnsteig-Anzeiger und in der HVV-App als normale Fahrten (Busse kamen nicht vor) ausgewiesen, und dieses über Wochen.
Daher war es notwendig, sich am Bahnsteig so zu positionieren, dass man schnellen Schrittes oder eher im Laufschritt zu Bushaltestelle erreichen konnte, wenn gerade der Bus an der Reihe war.
Absurde Situationen sind dadurch entstanden, fast wie bei der ARD-Sendung „Versteckte Kamera“ – die älteren erinnern sich.
Situationskomik – aber nicht lustig, wenn man dafür bezahlt.
Besonders in Richtung Ulzburg Süd war für ältere und eingeschränkte Personen dieser „Wettkampf“ nicht zu gewinnen.
Die AKN scheint so zu tun, als sei Reiseninformationen und Steuerung der Fahrzielanzeiger an den Bahnhöfen eine neuartige Technologie, bei der es die üblcihen Kinderkrankheiten gibt. Nein, hier scheint Mangementinkompetenz vorzuliegen und ein mangelnder Wille zu bestehen, den häufigen Fehlern abzuhelfen. Wie wäre es, wenn man die gesame Fahrgastkommunikation im HVV Gebiet bei diesem konzentrieren und auf einer einheitlichen technischen Plattform abwickeln würde, damit sich die unterschiedlichen technischen Standards bei Hochbahn, DB, AKN und den Busbetreibern nicht dauernd in die Quere kommen. Dann gäbe es auch keine wechselseitigen Schuldzuweisungen mehr. Aber die Falschanzeigen zeigen auch: flächendeckende Digtalsierung löst entgegen den Träumen mancher Politiker und Manager nicht alle Probleme. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, als Konsument/Fahrgast und als Beschäftigter in den Verkehrsleitzentralen und Werkstätten.
Das Problem ist bei den Anzeigen der VTA und an den Bahnhöfen, dass die Systeme komplett veraltet sind und nur noch sehr umständlich bespielt werden können. Die AKN hat quasi für jedes Rad ein eigenes System, die nicht miteinander können, und jedes System muss einzeln bespielt werden. Da kommt keiner hinterher. Die DB und andere EVU haben das schon lange erkannt und ihre Systeme überarbeitet und modernisiert. In den DB-Systemen muss nur einmal etwas eingetragen werden. Das ist dann sofort überall sichtbar. Klar gibt es auch hier immer wieder mal Probleme. Aber das sind Kleinigkeiten. Bei der AKN sind es grundsätzliche Probleme.
Das Ding ist auch, dass die AKN bis heute nicht einsieht, dass sie ein großes Problem hat. Sie redet sich immer mit den üblichen Begründungen heraus, u.a. mit dem Verweis auf Personalmangel und IT-Probleme. Nur: Diese Probleme haben alle anderen Bahnunternehmen auch, nur bekommen sie das Thema Informationen besser geregelt als die AKN. Selbst die Information über geplante Bauarbeiten ist extrem ausbaufähig. Oftmals kommen Informationen über Bauarbeiten erst nach Beschwerden auf die Homepage.
(Editierhinweis des Admin: Rechtschreibkorrektur)
Danke für den Artikel. Das Fehler überall passieren können ist unstrittig. Bedenklich ist die Häufung insbesondere vor dem Hintergrund der laufenden Bauarbeiten. Gerade in Zeiten, in denen der Betriebsablauf häufigen Abweichungen unterworfen ist, sind Fahrgäste auf korrekte Störungsmeldungen angewiesen. Fun-Fact am Rande. Die VTA schildern nach wie vor „AKN Eisenbahn AG“, obwohl die Gesellschaft seit Jahren als GmbH geführt wird.😉
Könnte es auch sein, dass es die Menschen heutzutage verlernt haben mitzudenken und sich alles haarklein erklärt haben möchten? Das begegnet mir auch immer wieder in anderen Situationen.
Wenn ich z.B. auf dem Bahnsteig stehe, auf dem es nur eine einzige kleine Laufzeile gibt und diese erst „voraussichtlich 5 Minuten verspätet“ anzeigt, dann kurz darauf „voraussichtlich 10 Minuten verspätet“, weiß ich, dass ich jetzt zur Bushaltestelle gehen muss. Und das Ganze ohne mich beim „3S-Service“ (oder wie das heißt) zu beschweren.
Die AKN ist ein so tolles Unternehmen, mit dichtem Takt, das außerdem seine Projekte im Zeitrahmen einhält. Verspätungen, die es gibt, sind auf externe Probleme zurückzuführen (Erzwingung von ESTW-Neubauten, Lieferprobleme bei der Ausstattung des Urw). Ich beneide jeden, der (wenn schon keine U- oder S-Bahn) eine AKN in der Nähe hat.
BTW: Die Katze ist aus dem Sack.
15. Mai ist mir aber trotzdem zu spät. Die Entscheidung war aber schon längst gefallen…
https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/65769-deutsche-bahn-inbetriebnahme-hamburg-berlin-in-zwei-stufen-fern-und-gueterverkehr-erst-ab-14-juni.html