Fehmarnbeltquerung: Rechnungshof kritisiert steigende Kosten

Der geplanten Fehmarnbeltquerung droht offenbar eine Kostenexplosion: Laut einem bisher unveröffentlichten Bericht des Bundesrechnungshofes soll sich die deutsche Hinterlandanbindung von ursprünglich 800 Millionen auf 2,2 Milliarden Euro verteuern. Die Rechnungsprüfer fordern jetzt eine Neuverhandlung des Staatsvertrags mit Dänemark.
Christian Hinkelmann
Regionalbahn auf der Fehmarnsundbrücke
Eine Regionalbahn vom Typ LINT auf der Fehmarnsundbrücke (Vogelfluglinie).

Die Hinterlandanbindung für den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel wird offenbar deutlich teurer als bisher geschätzt. In einem bisher unveröffentlichten Bericht kritisiert der Bundesrechnungshof, dass die Kosten von rund 800 Millionen Euro auf 2,2 Milliarden Euro steigen sollen. Das berichtet das NDR-Magazin „Panorama 3“.

Angesichts der noch nicht abgeschlossenen Planung des Projektes könne davon ausgegangen werden, dass es sich bei diesen Kosten um Mindestangaben handle, heißt es in dem Bericht laut NDR weiter.

Demnach fordert der Rechnungshof das Bundesverkehrsministerium auf, rechtlich zu prüfen, ob der Staatsvertrag mit Dänemark zur Fehmarnbeltquerung neu verhandelt werden kann.

Der Vertrag wurde 2008 von beiden Ländern unterschrieben. Er legt fest, dass Dänemark den Bau des gesamten Fehmarnbelttunnels allein zahlt und Deutschland nur die Hinterlandanbindung finanzieren muss. Dazu gehört der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Lübeck und Fehmarn und die Verlängerung der Autobahn A1 von Heiligenhafen bis Fehmarn.

Gegen den Ausbau der bestehenden Bahntrasse gab es in den Ferienorten in der Lübecker Bucht große Proteste. Die Strecke soll daher verlegt und außerhalb der Ortschaften komplett neu gebaut werden, was teure Umplanungen nach sich zieht.

Laut NDR wird sich Ende Mär…

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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4 Antworten auf „Fehmarnbeltquerung: Rechnungshof kritisiert steigende Kosten“

In der Fragestellung nach den Kosten wurde, wie so oft, erst die billigste Lösung angenommen.
Hier: Aller Güter- und Fernverkehr auf der bestehenden Strecke „durch“ die Seebäderorte. Das Ergebnis einer solchen Hauptstrecke durch alle Orte kann sich jeder auf der „Mittel-Rhein-Schiene“ ansehen oder besser ANHÖREN. Für ein Feriengebiet ist das nicht wünschenswert. mein Vorschlag: Die Herrschaften die sich über die höheren Kosten aufregen sollen einmal einige Wochen dort Urlaub machen. Dann werden sie sicher einsehen warum die Strecke nicht neben ihrem Feriendomizil vorbei führen sollte.
Eine Neubaustrecke, die auch die Anwohner berücksichtigt, ist natürlich teurer als der Ausbau der bisherigen Trasse.

@ kuddel:
DANKE für diese wohtuend sachliche Klarstellung. Leider rühren die meisten Medien die zur Verfügung stehenden Informationen immer gerne zu einer Aufreger-Pampe zusammen, weil sich die natürlich besser verkauft. Und den Mob freut das.

(Bei der Elbphilharmonie war das übrigens ganz ähnlich: Erst sollte nur ein Saal gebaut werden. Dann wurden es drei. Die Fasssade war erst glatt. Dann kamen diese charakteristischen Beulen da rein und diese Silber-Bedampfung zum Sonnenschutz. Die Erhöhung um das Vierfache von 186 Mio € (und nämlich nicht 77 Mio €!!) auf 789 Mio € (gem. wikipedia) liegt zum großen Teil genau darin begründet. Und ist – wie auch jetzt beim Fehmarn-Tunnel – völlig nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar ist die Annahme der Politik, ein solches Gebäude für die 186 Mio € bauen zu können, wo noch nicht mal eine genaue Planung vorgelegen hat.)

Die jetzt vorliegende Zahl für die Fehmarnquerung wird auch noch nicht die letzte sein…

Ist das neue Praxis, dass alles neue eine Kostenexplosion reingeklatscht bekommt? ^^

Man sollte bei Schätzungen aber schon etwas präziser werden ^^

Trotzdem sag ich, dass die Beltquerung am Ende nur Vorteile bringen kann ^^

Man darf ja bei den Dänen auch nicht vergessen, dass die Verteuerung nicht vom Himmel fiel, sondern an geänderten Plänen lag. So stiegen zum einen die Ausgaben für Naturschutz, während man sich aus ähnlichen Gründen für einen Tunnel anstelle einer günstigeren Brücke entschied. Ob man ein anderes „Produkt“ dann als Verteuerung bezeichnet, kann jeder selbst entscheiden. Beim Kfz kostet die Sportedition mit Elektromotor und allerlei individuellen Schnickschnack auch mehr als die Grundaustattung. Entscheidet man sich von letzterem zu ersteren um, hat sich der Kauf natürlich auch „verteuert“. Unerwartet vom Himmel fiel diese „Kostensteigerung“ ja aber nicht.

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