Feldstraße & Pferdemarkt: Bushalteinsel und neue Radspuren

Heute starten die Busbeschleunigungsarbeiten in der Feldstraße. Die Busse halten künftig noch näher an der U-Bahn. Im kommenden Frühjahr soll dann der benachbarte Neue Pferdemarkt komplett umgekrempelt werden. Der eigentliche Gewinner dabei sind die Radfahrer: Noch nie wurde Ihnen so viel zusätzlicher Platz eingeräumt, wie dort.
Von Christian Hinkelmann
Auch hier ist die Haltekante abgesenkt: Haltestelle Feldstraße Richtung stadteinwärts

Der Hamburger Senat packt das nächste Großprojekt im Rahmen seines Busbeschleunigungsprogramms an: Seit heute Morgen sind in der Feldstraße und im Neuen Kamp die Bagger unterwegs und verlegen die Bushaltestellen noch näher an die U-Bahn-Station.

Im kommenden Frühjahr ist dann der benachbarte Neue Pferdemarkt dran. Er soll komplett umgekrempelt werden. Unter anderem sollen die Busse der Metrobuslinie 3 künftig teilweise in der Straßenmitte halten und Busbuchten sollen verschwinden. Außerdem wird eine mögliche Verlängerung der Metrobuslinie M6 zur Sternschanze baulich vorbereitet.

Der eigentliche Gewinner des zweiteiligen Großumbaus sind allerdings die Radfahrer. Noch nie hat der SPD-Senat dem Fahrradverkehr so viel zusätzlichen Platz zugesprochen wie hier – durchaus zum Nachteil des Autoverkehrs. Hier fallen mehrere Spuren weg. Die vielen neuen Radfahrstreifen machen die Verkehrsführung allerdings auch sehr komplex.

NahverkehrHAMBURG erklärt, welche Umbauten im Detail geplant sind:

Bauarbeiten Neuer Kamp und Feldstraße:  27. Oktober 2014 bis Ende April 2015
Bauarbeiten Neuer Pferdemarkt: ab Mai 2015
Kosten: 3,2 Millionen Euro

Die aktuelle Situation

Auch interessant

ARGO AI-Deutschlandchef Dr. Reinhard Stolle, Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei der Nutzfahrzeugsparte von VW und Moia-Chef Robert Henrich (v.l.n.r.)

In diesen Stadtteilen will Moia künftig autonom fahren

Der Fahrdienst Moia will noch in diesem Jahr mit den Vorbereitung für einen fahrerlosen Betrieb starten. Dazu hat sich die VW-Tochter ein ambitioniertes Testgebiet ausgesucht. Mit welchen Herausforderungen Verkehrssenator Tjarks rechnet und was mit dem bisherigen Moia-Dienst passiert.

Neue Mobilität: Zwei E-Scooter-Fahrer stehen an einer Ampel in Hamburg-EImsbüttel. Im Hintergrund ein Bus des Ridesharing-Anbieters Moia

Bundestagswahl: Diese Verkehrswende-Versprechen machen die Parteien

Autonomes Fahren, Mobility-Hubs, Sharing-Portale, Ladesäulen-Infrastruktur, digital vernetzte Mobilitätsangebote – was versprechen die großen Parteien zur Bundestagswahl konkret im Bereich der neuen Mobilität? Wir haben die einzelnen Wahlprogramme analysiert.

12 Antworten auf „Feldstraße & Pferdemarkt: Bushalteinsel und neue Radspuren“

Tja, das sind massive Eingriffe contra MIV. Mal sehen, ob und inwiefern sich da Widerstände bilden. Der Stadtteil selbst ist ja seit Jahrzehnten unter Volllast. Hier wird man den MIV aber nur schwer klein kriegen. Die Strese ist eine wichtige Hauptachse und alternative Ausweichrouten gibt es nicht oder sind ebenfalls sehr schnell zugelaufen. Stadtfremde LKW-Fahrer bleiben ohnehin auf der Hauptroute. Der Pferdemarkt ist schon jetzt ein Nadelöhr. Auch die Feldstraße ist nicht ohne, sodass ich mich frage, wie der MIV da zur Verkehrsspitze abfließen soll. Vielleicht muß man aber auch hier und da eine klare Kante zeigen um die Leute in den ÖPNV zu drücken…oder auf das Fahrrad.
Will jemand mein Auto kaufen? 🙂

Hamburg macht hier also den zweiten Schritt vor dem ersten: Erst wird der MIV abgewürgt, und dann – vielleicht – in 15 Jahren, vielleicht aber auch erst in 25 Jahren, oder nie gibt es echte Alternativen in Form leistungsfähiger Schienenbahnen (U- oder Stadtbahn sei jetzt einmal dahingestellt).

Hat übrigens schon jemand einmal darüber nachgedacht, was die meisten der mehr oder weniger freiwilligen zehntausende Umsteiger auf das Fahrrad an einem regnerischen Tag, oder bei strengen Minusgraden machen werden? Da kann die Hochbahn sich schon einmal reine Stehbusse beschaffen!

“Hat übrigens schon jemand einmal darüber nachgedacht, was die meisten der mehr oder weniger freiwilligen zehntausende Umsteiger auf das Fahrrad an einem regnerischen Tag, oder bei strengen Minusgraden machen werden?”

Was machen die meisten mehr oder weniger freiwilligen zehntausenden Autofahrer bei Glatteis? Eben.

Ich war vor einiger Zeit das erste Mal in Kopenhagen. Kurz nach Neujahr, 3. Januar. Ich schaut frierend einem Radaufkommen zu, das ich in Hamburg an der Alster im Sommer nicht beobachten konnte. Waren Sie auch mal da? Hamburg diskutiert über Hättewärekönnte, während um Umkreis einer Tagesreise längst funktioniert, was an der Elbe niemals klappen können soll.

Bin ich eigentlich als einziger Begriffsstutzig.
Die Bauen jetzt an der Haltestelle Feldstraße für viele hunderttausend Euro die ganzen Bushaltestellen ab, gießen Betonfundamente auf der Straße von 51 Metern, um dann mit dem Winterfahrplan da nur noch mit halber Frequenz vorbeizufahren, da die 6 verschwenkt wird Richtung Sternschanze.
Neue Fahrbahnmarkierungen für Radfahrer u. Abbiegespur OK. Aber ganze andere Humbug…
Kann man nicht mal ein Gesetzt machen, dass nur noch Leute Politiker werden dürfen, die nicht beim Staat angestellt sind, wg. Interessenskollision, dann wären wir schonmal mindestens zu 80 % die die Theoretiker von Grünen- und SPD-Fraktion aus der Bürgerschaft los, die die Steuergelder nur so raushauen.

@Steuerzahler
Begriffsstutzig ? Ja, denn an der Haltestelle Feldstraße wird weiterhin der Metrobus 3 halten; dieser fährt in der HVZ alle 5 Minuten.

Das der 6-er jetzt testweise von der Budapester Straße kommend -statt zur Feldstraße- bis zur Sternschanze verlängert wird, halte ich für gut. Wer vom 6-er in die U-Bahn U3 umsteigen will, kann dies bereits kurz vorher an der U-Bahn St.Pauli tun; dies gilt ebenso für die eine Haltestelle in der Budapester Straße.
Die Verlängerung zur Sternschanze bringt hier gleich mehrere Umsteigemöglichkeiten: U3 / S-Bahn / Bus 181.

So groß sind die Eingriffe in den MIV m.E. im Rahmen der Gesamtbetrachtung nicht. Es werden lediglich die heutigen Realitäten (zweite-Reihe-Parker), die eine durchgehende 2-Spurigkeit – insbesondere in der Feldstraße – bereits größtenteils faktisch ausschließen sowie der tatsächliche Kapazitätsbedarf des MIV auch in der Realität abgebildet. Die Leistungsfähigkeit des MIV leidet zusammenfassend nicht. Diese Planungsmaxime der ÖPNV-Beschleunigung zieht sich auch hier durch.

Zur Erläuterung: Die Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte (Engpassorte, auf die es im Rahmen der Gesamltleistungsfähigkeit eines Straßenzugs ankommt) bleibt voll und ganz erhalten. Nur als Beispiel: Der Verkehr von der Stresemannstraße stadteinwärts ist durch den Engpass Sternbrücke auf zwei schmale Spuren begrenzt und weitet sich heute am Pferdemarkt auf vier Spuren auf. Diese Verdopplung der Kapazität wird nicht gebraucht (Wo soll der zusätzliche Verkehr denn mit einem mal herkommen?), so dass der Wegfall einer Spur (neue Haltestelle in Mittellage) keine negativen Konsequenzen haben wird. Der Linksabbieger in die Feldstraße bleibt weiter 2-spurig. Vor diesem Knotenpunkt ist heute wie auch zukünftig der Stauraum der Fahrzeuge angeordnet. Auf der “freien Strecke” im weiteren Verlauf der Feldstraße wird die Spurenanzahl über einen begrenzten Abschnitt reduziert (heute eh Einschränkung durch Rechtsabbiegerverkehr). Im nächsten Knoten Glacischaussee ist die 2-Spurigkeit bereits wieder hergestellt.

Eine wirkliche Reduzierung der MIV-Kapazität würde durch eine durchgehende Busspur in der Stresemannstraße erreicht. Das hat man sich nicht getraut. Inkonsequent ist auch die Busbucht auswärts für die Linie 3, wo doch im weiteren Verlauf der 3er an der Bernstorffstraße sowieso auf der rechten Spur zum Halten kommt und somit die Kapazität begrenzt. Naja, die Haltestelle Pferdemarkt war wohl zu dicht hinter dem Knotenpunkt, so dass man Rückstaus in den Kreuzungsbereich befürchtete. Gegen eine Verlegung der Haltestelle in stadtauswärtige Richtung spricht die Erschließungswirkung sowie der Abstand zur Folgehaltestelle. Also: Busbucht bleibt im Sinne des Verkehrsflusses mit allen Nachteilen für den ÖPNV bestehen.

Zu begrüßen ist die deutliche Aufwertung des Radverkehrs, der heute in diesem Bereich katastrophal geführt wird.

Dennoch bleibt auch nach Anpassung in diesem Bereich eine Asphaltwüste ohne Aufenthaltsqualität zurück. Eine Aufwertung wäre eine Stadtbahn mit Rasengleis … Wenigstens kommt man als Busfahrgast und Radfahrer zukünftig schneller durch diesen unwirtlichen Bereich ;-).

Also für mich (Ingenieur mit Vertiefungsrichtung Stadt- und Verkehrsplanung) wird immer mehr klar, daß zumindest die Umbaumaßnahmen innerhalb des sog. “Busbeschleuningungsprogramms” eine Neugliederung des Straßenraums bzw. der Knotenpunkte bedeutet und grundsätzlich keinen Bezug zur Betriebsverbesserung des Busverkehrs im eigentliche Sinne zur Folge hat:
Das Kasseler Sonderbord schont höchstens die Reifen, aber nicht die Nerven der unkomfortablen Reisenden in Deutschlands zweitgrößter Stadt.

Anders gesagt:
Man paßt Knotenpunkte an die aktuellen Erfordernisse der Verkehrströme (ÖPNV, MIV, UMIV!) an. Sonst nichts.
Dennoch gut, daß es gemacht wird. Aber bitte das Kind dann beim Namen nennen.

Echte Verbesserung (zumindest bei den Metrobussen):
– Zahlen bei Fahrer abschaffen.
– 12m Busse mit drei Türen (nicht zwei), einfache Gelenkbusse mit vier Türen (nicht nur drei), usw.
– Breitere Inseln bei Mittellage und besser Erschließung dieser (Hoheluft ist zB der Horror, die Insel mittig unter die U-Bahn schieben wäre schon viel Wert – so laufen alle nur von Süden auf die viel zu enge Insel).
– Vorrangschaltungen und Busspuren soweit es geht.

@oepnv.nutzer

Das K-Sonderbord soll ja auch nicht die Busse beschleunigen, sondern den Einstieg erleichtern ( Barrierefreiheit). Das gehört zu einem Optimierungsprogramm dazu. An vielen Haltestellen dieser Art können manche Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe ein-und aussteigen und dadurch spart man ja auch Zeit beim Fahrgastwechsel.
Die Neugliederung des Straßenraums ist zwingend erforderlich für die Effektivität der Vorrangschaltungen. Eine Haltestelle vor der Kreuzung macht da keinen Sinn-ist aber mitunter nicht zu vermeiden- und ein langer Stau vor der Busspur ebenso nicht. Insofern haben diese Maßnahmen nicht nur direkten Bezug zur Betriebsverbesserung der Busse, sondern sie sind Grundvoraussetzung dafür. Hier wurde im Übrigen von Anfang an das Kind beim Namen genannt. Das sind ja genau die Argumente, die die Gegener des Busbeschleunigungsprogramms nicht widerlegen können.In Einzelfällen ist eine andere Planung sicherlich hier und da zuzulassen (zB Uhlenhorst)
Das Zahlen beim Fahrer ist in der Tat nicht zielführend und für die Reisegeschwindigkeit kontraproduktiv, das sehe ich genau so. Mehr Automaten sollen dazu beitragen, dass das Fahrpersonal entlastet wird. Für das E-Ticket sehe ich allerdings schwarz. Hier ist man offenbar wenig entschlossen, das durchzuziehen, denn die Ersten kommen schon wieder mit dem “Kostenproblem” um die Ecke.
Die Türen der Busse: die Hochbahn will zukünftig 3-Türer Solo und 4-Türer Gelenkwagen beschaffen. Ich kann allerdings aus meiner Erfahrung heraus sagen,dass das wenig bis gar nichts an Zeit reinholt. Für manche Fahrgäste mag es den Komfort etwas heben,aber die Wende bringt das auch alles nicht.
Was die Inseln auf dem Grindel anbelangt, so kann ich Ihnen nur zustimmen. “Grindelhof ” ist in der Tat schlecht geplant. Nur woher will man die Breite nehmen?
Die Vorrangschaltungen werden aber sicherlich auch in Zukunft nicht konsequent und kompromisslos aufgeschaltet sein, um einen Ausgleich zu den Interessen des MIV zu schaffen. Spätestens ab Mitte Dezember werden wir auf der M5 sehen, was das Programm dort bringen wird. Aus internen Quellen weiß ich, dass man das Ganze noch bis ca Frühjahr 2015 optimieren will. Ich schätze, dass man zum Fahrplanwechsel 8-10Min Fahrzeit auf der M5 einsparen wird. Das wären also im Optimalfall 20%. Wenn man das erreichen würde, wäre das ein gutes Ergebnis.

Ich verstehe nicht, wie hier die Veränderungen für den Radverkehr bejubelt werden:
1,6m Radstreifenbreite entsprechen dem zulässigen Minimum – empfohlen sind 1,85m Breite, in Niederlande sind es 2,5m.
Auch die ~40cm Abstand zu längsparkenden Autos sind unzureichend, teilweise scheint gar kein Abstand vorgesehen zu sein: Als Radfahrer sollte man 1,5m Abstand halten, um Unfälle sicher auszuschließen. Damit ragt man als Radfahrer bei Korrekter Fahrweise ca. 40cm bzw. 90cm auf die Autospur. Bei einer Fahrzeugbreite von 2,2m und einer Fahrbahnbreite von 3,15m werden (nach meiner Erfahrung) die KFZ mit zu geringem Abstand (d.h. unter 1,5m) überholen, was für ein schlechtes Sicherheitsgefühl beim Radfahren sorgt. Eine Spurbreite von 3m in beiden Richtungen würden für ein paar centimeter mehr Reserve sorgen und überhöhten Geschwindigkeiten entgegenwirken.
Bisher habe ich da (fahre da abends gelegentlich lang) eine Spur quasi für mich. Zudem vermisse ich schmerzlich eine Linksabbiegespur für Radfahrer zur Feldstraße – da ist immerhin ein Nahversorgungszentrum und eine U-Bahn-Station. Auch sollte da unbedingt eine Stadtradstation hin – wenn der Platzcharakter erhalten bleiben soll dann wenigstens in direkter Nähe.
Warum muss eigentlich neben dem größten Parkplatz in Hamburg noch Straßenparken angeboten werden? Sonst könnte man den Straßenzug aufwerten, das Anreisen per U-Bahn mit schönerem Fußweg attraktivieren und hätte eine Gefahrenquelle für den Radverkehr eliminiert.

Die eigentlichen Gewinner der Planung sind weniger die Radfahrer, sondern vor allem die Fußgänger. Dies vor allem im Verlauf von Neuer Kamp und Feldstraße. Für Fußgänger war dort kaum Platz vorhanden, und das angesichts Hamburger Dom, Fußballspielen, Public Viewings, Messen, Flohmärkten, U-Bahnstation und einem großem Einkaufscenter. Fußgänger haben sich all die Jahre regelwidrig verhalten und sind auf den Radwegen rumgeturnt, die alllerdings schon seit einigen Jahren NICHT BENUTZUNGSPFLICHTIG sind, entgegen des Artikels oben. Die Gehwege waren faktisch viel zu schmal für den Fußgägerverkehr – ein Skandal. Nun regen sich manche Leute auf über die notwendige Neuverteilung des Straßenraums, und betrachten dies einzig aus Windschutzscheibenperspektive. Als wenn Straßen ausschließlich für Autofahrer eingerichtet sind . . . .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.