Fotostrecke: Die erste Spundwand für die S4 steht

So sieht es aktuell auf der Baustelle für Hamburgs neue S-Bahnlinie aus, diese Maßnahmen sind in den nächsten Wochen geplant und diese rätselhafte Rolle spielt ein längst vergessenes Gleis dabei.
Die erste Spundwand für die S4 am Bahnhof Hasselbrook ist bereits gesetzt. Hier wird in den nächsten Wochen eine provisorische Straßenbrücke für Baumaschinen über die Güterumgehungsbahn führen. Der Gleisstummel im Bildvordergrund gibt Rätsel auf.
Die erste Spundwand für die S4 am Bahnhof Hasselbrook ist bereits gesetzt. Hier wird in den nächsten Wochen eine provisorische Straßenbrücke für Baumaschinen über die Güterumgehungsbahn führen. Der Gleisstummel im Bildvordergrund gibt Rätsel auf.
Foto: Christian Hinkelmann

Seit nun schon zwei Monaten laufen in Wandsbek die Bauvorbereitungen für die geplante neue S-Bahnlinie S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe. Zeit für einen kleinen Spaziergang über die Baustelle des größten aktuellen Bahnbauprojekts im Norden.

Was beim NAHVERKEHR HAMBURG-Ortsbesuch in der ersten Januarwoche sofort auffällt: Die Spuren für die künftige S4 sind zwischen den Bahnhöfen Hasselbrook und Wandsbek bereits deutlich sichtbar. Kleinere Bäume und Büsche entlang der künftigen Trasse wurden schon großflächig gerodet, eine Kleingartensiedlung, über deren Gelände die neuen S4-Gleise verlaufen sollen, steht inzwischen leer und wartet auf ihren Abriss.

Auch die erste Spundwand wurde bereits gesetzt. Sie hat allerdings nur indirekt mit der neuen S-Bahnlinie zu tun, wie NAHVERKEHR HAMBURG von der Deutschen Bahn erfuhr. Und dann ist da noch die Sache mit einem längst vergessenen Gleis in Hasselbrook, das Rätsel aufgibt.

Karte: Diese Maßnahmen sind im ersten Planfeststellungsabschnitt zwischen Hasselbrook und Wandsbek geplant
DB Karte: Unsere Fototour beginnt im Gleisdreieck rechts des Bahnhofs Hasselbrook.
Visualisierung: So soll die neue S4 in Hasselbrook aus dem Hamburger S-Bahnnetz ausfädeln und entlang der Fernbahngleise Richtung Ahrensburg führen
Deutsche Bahn Visualisierung: In diesem Gleisdreieck sollen die neuen Gleise der S4 aus dem bestehenden S-Bahn-Netz ausfädeln.

Aber der Reihe nach. Unsere Fototour über die S4-Baustelle beginnt zwischen dem S-Bahnhof Hasselbrook und der Hammer Straße. Hier – in einem Gleisdreieck zwischen der S-Bahn-Strecke nach Poppenbüttel, der Fernbahnstrecke nach Lübeck und der Güterumgehungsbahn – sollen die beiden neuen Gleise der S4 aus dem bestehenden S-Bahn-Netz ausfädeln und entlang der Bahnstrecke Richtung Lübeck verlaufen.

Dazu muss in dem Gleisdreieck ein so genanntes Überwerfungsbauwerk errichtet werden, damit die S4-Züge später kreuzungsfrei aus der S1-Strecke aus- und wieder einfädeln können. Dieses Überwerfungsbauwerk wird die erste wirkliche Neubaumaßnahme für die S4 sein.

Der Bau soll bereits ab Ende März beginnen – früher als ursprünglich geplant, erklärt Bahn-Sprecher Peter Mantik auf NAHVERKEHR HAMBURG-Nachfrage. Demnach laufen derzeit noch die Ausführungsplanungen für das Bauwerk.

Bau einer provisorischen Straßenbrücke läuft bereits

Im Moment befindet sich auf der Fläche der geplanten S4-Ausfädelung noch eine alte Kleingartensiedlung. Seit Ende November vergangenen Jahres sind die Lauben gekündigt, wie aus dem Planfeststellungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der S4 hervorgeht (siehe hier).

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6 Antworten auf „Fotostrecke: Die erste Spundwand für die S4 steht“

Das “geheimnisvolle” Gleis am Gleichrichterwerk diente ursprünglich sicherlich zum Antransport der sehr schweren Gleichrichter / Trafos mit ihren oft vekehrsbehindernden Abmessungen, zumal, wenn eine Straßenanbindung fehlt. Es ist in solchen Fällen nicht ganz unüblich, die Anschlußweiche nach Gebrauch wieder auszubauen, eh sie jahrzehntelang ungenutzt da liegt, aber teuer unterhalten werden muss und bei Bedarf kurzfristig wieder einzubauen.

Traurig wie Nahverkehr den Abriss der Kleingartenanlagen für den Bau einer umstrittenen Güterverkerhstrasse, die als S4 getarnt wird, abfeiert. Nochmals eine dringend notwendige Verbesserung des Nahverkehrs im Hamburger Osten ließe sich auch auf den bestehenden Gleisanlagen erreichen, wenn man den Fehmarnbelthinterland-Güterverkehr auf einer neuen Trasse parallel zur Autobahn A1 bündeln würde. Und die neue S4 wird ein Danaergeschenk: Eine Bahn vom Hauptbahnhof bis Bad Oldesloe ohne Klo!!!

Die S3 fährt von Pinneberg bis Stade ohne Toilette, und es wurde bisher nicht gehäuft von verrichteten Notdurften in den Bahnen berichtet, daher bin ich vorsichtig optimistisch gestimmt, dass auch die S4-Ost ohne Toilette funktionieren wird. Auch die S-Bahnen der BVG oder des RMV haben keine Toiletten und ebenfalls lange Fahrtzeiten – ich denke, Sie unterschätzen da das Durchhaltevermögen der Fahrgäste.

In der Tat sind Kleingärten einerseits als Naherholung und aus Klimagründen wertvoll, aber in diesem Fall wiegt das Interesse der ÖPNV-Nutzer nun m.E. doch höher, als das Interesse der Kleingärtner, zumal denen meines Wissens Ausgleiche angeboten wurde.

Hallo DirkHamburg,

es ist schon eigenartig: Sobald es um die S4 geht, kommen das “Toiletten-Thema”, die angeblich unkomfortablen 490er, genau, wie die ebenso angebliche Fahrzeitverlängerung. Bei der S3 stört sich da eigenartigerweise niemand daran.
Als ob die vielleicht 3-4 Minuten längere Gesamtfahrzeit OD-HH so schlimm wäre und die künftige gute Erschließung von bisher abgehängten Gegenden aufwiegen würde! Und wer es nicht glauben sollte, dass trotz vieler neuer Halte die Fahrt kaum länger sein wird, sollte sich mal einen Wettkampf S1/S11 mit BR 474 gegen RB81 mit BR 112 und Bombardier-Dostos in Hasselbrook ansehen: RB81 kommt an den Bahnsteig herangeschlichen, steht eine Minute rum und setzt sich dann ganz, ganz sachte wie ein schwerer Güterzug in Bewegung. Während dessen kommt die S-Bahn mit Tempo an, macht den notwendigen Fahrgastwechsel und ist schon wieder fort. 😉
Und wer es schneller und mit WC haben möchte, nimmt ab Bad Oldesloe den zweimal pro Stunde fahrenden RE und nicht die einmal in der gleichen Zeit verkehrende S4. (Ganz genau wie von Stade aus mit der “Start Unterelbe”).

Früher hatte ich mich immer über Kommentare, wie die von Herrn Jung, geärgert. Jetzt sage ich mir nur: “S4 geht los!” 😉

Michael Junk: Ihr Desinteresse für immerhin demokratische Entscheidungen ist ja nun ausreichend erörtert worden: Was die Kleingärten angeht: Ich empfinde es als eine Unsitte, daß in Hamburg z.b in Barmbek an der S Bahn nach Ohlsdorf oder auch im Bereich Horner Rennbahn immer noch Kleingärten existieren. Diese Freizeitbeschäftigungsbereiche gehören nicht in die Nähe von Schnellbahnen, sondern dort sollten Wohnungen und Arbeitsstätten sein. Von daher ist der Abriss der genannten Kleingärten keineswegs zu beklagen. etwas off topic: Es ist ja auch geplant, in Ahrensburg West einen S-Bahn Haltepunkt einzurichten, zum Übergang zur U Bahn. Wie soll das eigentlich genau gestaltet werden? Wird der U Bahnhof verlegt oder bleibt alles wie es ist und die Leute müssen zwei Strassen queren für den Unstieg?

Lieber Herr Hinkelmann, Ihnen und Ihrem Team ein gutes Jahr 2021 und vor allem Gesundheit (auch für die Mitdiskutanten, egal, wie sie zur S4 stehen) und vielen Dank für diese ausführliche Reportage! Dadurch bewahren Sie mich vor einem Fehler. Denn in meinem Übereifer für die S4 hatte ich die Spundwände am alten Gleichrichterwerk (Gw) und die am Hang gegenüber stattfindenden Fundamentierungen schon zu Arbeiten für das Überwerfungsbauwerk der S4-Richtung Rahlstedt-Hbf erklärt. 😉 Aber es sind ja erst einmal Vorbereitungen für die benötigte Baustraßen-Brücke.

Das Anschlussgleis am Gw endete vor den auf mehreren Bildern in Textmitte erkennbaren vier Nischen, in denen die Umspanner standen und diente, wie schon Herr Spliedt geschrieben hatte, dem Austausch dieser Trafos, sowie der Quecksilberdampfgleichrichter ( https://de.wikipedia.org/wiki/Quecksilberdampfgleichrichter ). Eine noch in Betrieb stehende ähnliche Anlage mit vorhandenen Trafos befindet sich am Berliner Tor und kann vom Bahnsteig der S21 aus betrachtet werden.
Ich hoffe sehr, dass sich die DB für einen Erhalt und eine Sanierung dieses Denkmals aus den Anfängen des Gleichstrombetriebs bei der Hamburger S-Bahn entscheidet, zumal es ja auf den Visualisierungen zur S4 (wie hier auf Bild 3) weiterhin erkennbar ist. In diesem Gebäude könnte die S-Bahn GmbH eine Art “S-Bahn-Museum” mit der Präsentation der historischen Technik betreiben, zumal die Lage auch sehr zentral und verkehrsgünstig erreichbar ist. (Heutige Gw mit Halbleitertechnik sind dagegen völlig unspektakulär in Containerbauweise untergebracht.)

Was die Nutzung des Gleisrumpfes für den Antransport des Baumaterials und der Maschinen betrifft, so könnte auch ein flexibles Überwerfungsgleis von der Güterumgehungsbahn aus gelegt worden sein. So ähnlich, wie bei einer Verladung von Schienenfahrzeugen auf Transportwaggons.

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