Gratis-Fahrten auf “stillgelegter” Bahnstrecke nach Geesthacht

63 Jahre nach dem letzten planmäßigen Personenzug fahren am kommenden Wochenende wieder moderne Triebwagen auf der weitgehend brachliegenden Bahnstrecke zwischen Bergedorf und Geesthacht. Hintergrund ist eine Feier zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt Geesthacht, bei der auch die Eisenbahnanbindung gefeiert werden soll.
Haltepunkt "Geesthacht Freibad"
Haltepunkt "Geesthacht Freibad" an der stillgelegten Bahnstrecke Bergedorf-Geesthacht

Eingesetzt wird ein erst wenige Monate alter Dieseltriebwagen der AKN. Er pendelt am Samstag und Sonntag mehrmals zwischen dem Bahnhof Bergedorf Süd, Geesthacht und Krümmel. Die Fahrten sind kostenlos und ein Geschenk des schleswig-holsteinischen Verkehrsverbundes NAH.SH sowie der Stadt Geesthacht.

Die Organisation für die Aktion liegt bei den Naturschutzverbänden NABU und BUND. Sie wollen mit den Gratisfahrten nicht nur auf die Verkehrsgeschichte der Stadt Geesthacht hinweisen, sondern auch einen Ausblick in die Zukunft geben. Seit vielen Jahren wird nämlich eine Reaktivierung des Personenverkehrs auf dieser Strecke diskutiert.

Viel Hoffnung gibt es derzeit aber nicht. Das Projekt steht lediglich als mögliche Zukunftsvision im Landesweiten Nahverkehrsplan des Landes Schleswig-Holstein. Das heißt, es ist weder durchgeplant noch finanziert aber grundsätzlich realisierbar.

Vorgeschlagen wird demnach eine Reaktivierung der Strecke mit Hamburger S-Bahnen im 20-Minuten-Takt von Geesthacht bis nach Altona.

UPDATE: Hier sehen Sie Fotos von den Sonderfahren nach Geesthacht und Krümmel und lesen eine Einschätzung, warum die Chancen auf eineRreaktivierung der Bahnstrecke zuletzt gestiegen sind.

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18 Antworten auf „Gratis-Fahrten auf “stillgelegter” Bahnstrecke nach Geesthacht“

Der Vorschlag, hier eine S-Bahn verkehren zu lassen, zeugt von der üblichen Hamburger ÖPNV-Blindheit. Eine S-Bahn Geesthacht-Altona würde den stark frequentierten Bahnhof Bergdorf und viele neue Potenziale links liegen lassen.
Besser wäre es, die U3 unterirdisch über Lohbrügge und Bergedorf bis Bergedorf-Süd zu führen und dort in die bestehende Trasse nach Geesthacht einzufädeln. Das hätte neben der wünschenswerten Anbindung der Nachbarstadt an Bergedorf plötzlich auch eine bessere Netzwirkung zur Folge, da sich endlich mal zwei Äste außerhalb der Innenstadt kreuzen würden.

In welcher anderen mitteleuropäischen Metropole wäre es denkbar, dass eine Stadt von der Größe Geesthachts im unmittelbaren Einzugsbereich von einer Schienenanbindung abgekoppelt wird? Selbst das winzige Altomünster im Großraum München ist da besser dran. Für eine reine Pendlerautobahn zwischen Hamburg und Geesthacht hat es gereicht, nicht aber für einen S-Bahn-Anschluss. Befremdlich!

Die Ausweitung der S-Bahn bis nach Gesthacht ist eine gute Idee, sinnvoll und da eine Bahnlienie existiert, sicher auch mit geringem Aufwand umsetz- und finanzierbar. Es bleibt unverständlich, wieso naheliegende Maßnahmen – Geesthacht ist denkbar schlecht mit der Hamburger Innenstadt verbunden – nicht realisiert werden, stattdessen der Senat sein Geld für kaum finanzierbare Megaprojekte wie die U5 oder die völlig sinnlose Verlegung des Bahnhofs Altona nach Diebsteich verausgabt. Hier sind die Nahverkehrsgesellschaften gefordert. Denkbar wäre auch – auch aus Kostengründen – die Linie nach Gessthacht als Straßenbahn einzurichten, ein Anfang für den Wiederaufbau eines Straßenbahnnetzes in Hamburg

Es wäre doch schon toll, wenn ein moderner Dieseltriebwagen von Nettelnburg mit S-Bahnanschluß nach Geesthacht pendeln würde. In Nettelnburg ist eine Umsteigemöglichkeit durchaus technisch realisierbar – man muß aber politisch wollen!

Es wäre doch schon toll, wenn ein moderner Dieseltriebwagen von Nettelnburg mit S-Bahnanschluß nach Geesthacht pendeln würde. In Nettelnburg ist eine Umsteigemöglichkeit durchaus technisch realisierbar – man muß aber politisch wollen!

@ Josef: Der Vorschlag hat Charme. Für den oberirdischen Abschnitt mit seinen bestehenden Bahnübergängen finde ich das Konzept “Albtalbahn” günstig: Elektrifizierung mit Oberleitung 750 V, Beschaffung von Fahrzeugen mit zusätzlichem Dachstromabnehmer und EBO-Zulassung. Das sollte die Zusatzkosten in erträglichem Rahmen halten. Bei Bergedorf-Süd Wechsel von Stromschiene auf Oberleitung, bis dorthin auch hohe Taktung mit Standardfahrzeugen, danach nur 20-minütig. Problematisch dürften die Bahnsteige sein, die nicht in das Lichtraumprofil der Güterzüge von Krümmel ragen dürften; wie breit Spaltüberbrückungen ausgelegt und realisiert werden dürfen, kann ich nicht einschätzen. Obwohl im Abschnitt bis Bergedorf vermutlich gut ausgelastet, dürften wie immer die Baukosten zu hoch sein.
Das Modell “Albtalbahn” ist auch mein Favorit zur Verlängerung der U1 bis Ulzburg Süd, wird aber kaum diskutiert. Was ist der Pferdefuß, den ich nicht erkenne?

“Das Modell “Albtalbahn” ist auch mein Favorit zur Verlängerung der U1 bis Ulzburg Süd, wird aber kaum diskutiert. Was ist der Pferdefuß, den ich nicht erkenne?”

Bei der U-Bahn passt das Dachstromabnehmer nicht ins Profil.

@ Max:
Der Pferdefuß ist die ÖPNV-Blindheit an der Elbe zusammen mit dem Fehlen eines durchsetzungsstarken Fach-Gremiums. Man bekommt das Gefühl, dass niemand das Heft in die Hand nimmt, alle durcheinanderreden (dabei kommt, wie auch hier im Forum schön zu sehen, ziemlich viel Unsinn zusammen) und am Ende irgendein dämlicher Kompromiss rauskommt.

Eine neue S-Bahnlinie wäre eher nicht realisierbar. Mit der S4 und der S32 ist der Hauptbahnhof, der Citytunnel und die Verbindungsbahn zur HVZ voll und hat keine weiteren Kapazitäten. Die neue Linie müsste also entweder den Hauptbahnhof umfahren (z.B. indem die Linie nach Harburg geführt oder ein Halbkreis um den Hauptbahnhof geführt werden), oder mit einer bestehenden Linie flügeln.

Bei letzterem jedoch ist in der HVZ das Problem, dass schon ab Bergedorf Vollzüge nötig sind. Es müsste ein Kurzzug nach Nettelnburg sich mit einem Vollzug aus Bergedorf vereinigen und damit einen Langzug bilden. Das ist an sich sogar keine schlechte Idee, schließlich steigen gerade in Nettelnburg viele Fahrgäste ein. Meist ist es auch problemlos, die Bahnsteige entsprechend zu verlängern.

In der Nebenverkehrszeit hingegen kann man aus Bergedorf durchaus mit einem Kurzzug fahren und in Nettelnburg dann zu einem Vollzug vereinigen.

Den Fernbahnhof Bergedorf selber kann man aus Geesthacht entweder durch einen aufwendigen Streckenneubau oder durch eine Lokalbahn, also innerhalb Bergedorfs eine Straßenbahn, außerhalb eine S-Bahn, erreichen. Eine vollwertige S-Bahn hingegen ist jedoch für Geesthacht sinnvoll. Wie man am Busverkehr sieht, ist dort ein ziemliches Potenzial vorhanden.

Eine zusätzliche Linie für Geesthacht ohne Umfahrung des Hauptbahnhofs hingegen würde einen sechsgleisigen Ausbau des S-Bahnteils erzwingen und eine dritte Stammstrecke.

@ JP Mittmann :
Die Situation auf der Strecke ist nicht mit Dachau-Altomünster sondern Gotteszell-Viechtach (Regentalbahn)vergleichbar, wenn man schon Strecken aus Bayern zitiert.
In beiden Fällen “fährt noch was” neben einem Museumsbahnbetrieb, die Gleise sind nicht hinüber aber in beiden Fällen liegt der Bahnhof unten aber das Stadtzentrum leider oben. Und einen Fluß gibt’s da auch…In beiden Fällen könnte es eine Reaktivierung im Pv. geben wobei man in Bayern vor dem Probebetrieb steht, also erheblich weiter ist.

Bei einer Reaktivierung müsste man erst einmal das Fahrgastpotential zwischen Geesthacht und Bergedorf einerseits und Geesthacht – Hamburg andererseits ermitteln. Für die erste Gruppe dürfte die Bahn uninteressant sein.
Ich tippe mal auf 2/3 zu 1/3 zugunsten von Bergedorf.
Die BGE wurde für den Gv. ( Munitionsfabrik Krümmel inkl. Pendlerverkehr dorthin ) gebaut, nicht für die Geesthachter Bürger.
Aber da die beteiligten BL Hamburg und SH aktuell wohl erst einmal 5 Mrd.€ für die HSH Nordbank-Geschäfte (Schrottpapiere) abdrücken müssen dürften solche Projekte wohl ins Reich der Fantasie gehören es sei denn man betreibt erneut Schattenhaushalte wie zur Zeit der unseligen Hamburger Vorgängerregierung…
Da hilft es auch nicht wenn Geesthacht als reichste Stadt SH’s mitfinanzieren könnte.
Eine Reaktivierung der Streckenstummel Wrist-Kellinghusen oder UeEB wäre m.E. pragmatischer umzusetzen.

Das Thema Geesthacht ist mehrfach angegangen worden. So zeigt das Zukunftsnetz der S-Bahn Hamburg, dass alle Wünsche nur mit der sehr teuren Nordanbindung der Strecke über Wentorf (Tunnel) optimal realisierbar sind.

Es ist heute nur eine Anbindung an Nettelnburg möglich. Der eigene Bahnsteig dafür müsste südlich der Berliner Fernbahn liegen. Das ist unattraktiver als Eidelstedt. Größtes Problem wäre aber, dass die Geesthachter so nicht ins Bergdorfer Zentrum fahren würden, die Buslinie also bestehen bleiben müsste. Eine Direktverbindung nach Hamburg ist mit der Linie S2 machbar, die aber auf jeden Fall den Bahnhof Bergedorf anfahren muss, weil sie viele Fahrgäste von dort hat. Seit der Damm für die Verbindungskurve von Bergedorf-Süd in den Bahnhof Bergedorf abgetragen wurde, gibt es keine einfachen Lösungen für Geesthacht mehr. Für den Holsteiner Nahverkehrsplan hat sich gezeigt, dass die einfache Reaktivierung der Strecke ab Nettelnburg keine Option ist. Ein Tunnel unter Wentorf klingt auch nicht realistischer.

@Josef,

Bergedorf muesste ueberhaupt nicht liegengelassen werden, man koennte schon ab Bergedorf Sued eine (wohl eingleisige) Kurve bauen und dann mit Kopfmachen in Bergedorf einfaedeln. Wuerde zwar etwas kosten, waere aber meiner Meinung nach es wert.

Falls die Trasse wieder für den ÖPNV frei gegeben wird vermute ich, dass es eine S-Bahn wird. Denn, für eine AKN-Linie wäre es etwas schwierig von Kaltenkirchen bis nach Bergedorf zu fahren denn, sie müsste über das DB-Netz der Deutschen Bahn fahren somit wird dieses Feeling nur an diesem Wochenende möglich sein dort mit einer AKN die Strecke zu befahren.

Auch mit der U3 wird es nichts werden – so wie es bereits von einem Kommentator vorgeschlagen wurde.
Diese Linie soll irgendwann mal als reine Ringbahn von Barmbek über die Innenstadt und zurück bis Barmbek fahren derzeit fährt sie mit einem Knick von Barmbek über Habichtstraße bis Wandsbek-Gartenstadt dies könnte von der zukünftigen U5 übernommen werden.

Mit dem Thema Straßen- oder Stadtbahn brauch ich erst gar anzufangen – es wird vermutlich die ”S-Bahn”.

Eine Verbindung von Geesthacht nach Altona hat wenig Nutzen. Besser wäre eine Regionalbahn von Geesthacht nach Bergedorf. Dort bestehen Umsteigemöglichkeiten zur Regional- und zur S-Bahn nach Hamburg, ebenfalls gibt es Fernverkehr.
Man muss nur die Verbindung von Bergedorf-Süd nach Bergedorf-Bahnhof wieder aufbauen.

@ Christian Schmidt:
Kopfmachen in Bergedorf? Und dafür vorher noch großartig eine Verbindungskurve buddeln?! Wenn man schon so viel Geld ausgibt, sollte das Ergebnis doch wenigstens betriebstechnisch praktikabel sein.

@ Kevin:
Entschuldigung, mein Kommentar von weiter oben meinte eine Verlängerung der U2 ab Mümmelmannsberg unter Lohbrügge, S-Bergedorf und Fußgängerzone. Und dann ab auf die bestehende Strecke. Damit wäre deutlich mehr Potenzial gehoben als mit einer S-Bahn von Geesthacht nach Nettelnburg.

@Josef:

Das macht auch Sinn die U2 von Mümmelmannsberg über Lohbrügge- Bergedorf und dann die oberirdische Trasse weiter bis Geesthacht. Zumal man tatsächlich die U2 in östlicher Richtung von Mümmelbg. nach Bergedorf irgendwann verlängern will.

Ist da noch Güterverkehr?
Was spricht sonst dagegen, die Strecke als Basis für eine Bergedorfer Stadtbahn zu nehmen? Ab Bergedorf-Süd als normale Straßenbahn ins Bergedorfer Zentrum, am Bahnhof vorbei und ggf. weiter Richtung Mümmelmannsberg. An das Netz könnte man Glinde mit anschließen, dort die letzten paar Meter wiederum als Straßenbahn.

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