Grüne Welle: 60 Ampeln in Hamburg kommunizieren jetzt mit Autos

In Hamburg kommunizieren ab sofort 60 Ampeln mit Autos und zeigen den Fahrern an, wie schnell sie fahren müssen, damit sie eine grüne Welle bekommen.
Stau auf Hamburgs Straßen
Stau auf den Straßen in Hamburg durch immer mehr Autos

Autofahrer in Hamburg können sich jetzt im Wagen anzeigen lassen, wie lange die nächste Ampel noch rot ist, bzw. wie schnell sie im Stadtverkehr fahren sollten, damit sie eine grüne Welle bekommen.

Dazu hat die Stadt zusammen mit den Unternehmen Audi, HERE Technologies und Swarco 60 Ampeln entlang einer Teststrecke im Stadtgebiet mit Datensendern ausgerüstet.

SWARCO erstellt aus diesen Daten individuelle Prognosen und HERE übermittelt diese Datenpakete dann zusammen mit Stadtkarten über eine Schnittstelle an die Audi-Flotte, so sie dem Fahrer zur Verfügung gestellt werden.

System ist bereits erfolgreich getestet

Dieses System sei inzwischen erfolgreich getestet worden und soll den Verkehrsfluss verbessern, teilte die Hamburger Verkehrsbehörde heute auf einer Pressekonferenz mit.

Ampel-Rohdaten sollen Jedermann zur Verfügung stehen

Ab sofort sollen die Rohdaten der Ampeln nicht nur Audi, sondern allen Interessierten diskriminierungsfrei über eine spezielle Plattform zur Verfügung gestellt werden, sodass schon bald die ersten Apps auf den Markt kommen könnten, hofft die Behörde. Auch Radfahrerinnen und Radfahrer sollen künftig von dem Prognosedienst profitieren.

“Die Ampelzeitprognose im Fahrzeug ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass unsere Kooperationen mit Industriepartnern auf Augenhöhe genau die richtige Wahl sind: Jeder …

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15 Antworten auf „Grüne Welle: 60 Ampeln in Hamburg kommunizieren jetzt mit Autos“

War schon eine nette Demonstration heute Mittag. Die Übertragung lief unerwartet schnell und das Beispiel mit dem Fußgänger, der an einer LSA den Bettelknopf bedient, war auch interessant. Aber es war eben eine vorab ausgewählte/ausgedachte Demonstration. Mal sehen, ob die breite Masse mit der Funktion umgehen kann und nicht manch einer glaubt, er sei so pfiffig und müsste nun etwas Gas geben. Von den ÖPNV-Nutzern im Westen Hamburgs haben wir ja schon gelernt, dass es Milieus in der Stadt gibt, die mit drei Farben bereits große Probleme haben. Und dass der Durchschnittsautofahrer mit seinem Mopedführerschein aus den 70ern sich für einen Professor sämtlicher Verkehrswissenschaften hält, ist auch kein unbekanntes Phänomen. Man darf gespannt sein.

>> Von den ÖPNV-Nutzern im Westen Hamburgs haben wir ja schon gelernt, dass es Milieus in der Stadt gibt, die mit drei Farben bereits große Probleme haben.

Wie ist das denn bitte gemeint ?

Mein Fehler im Eifer des Gefechts. Bei den preußischen Städten kommt man schon mal durcheinander, da sich Wandsbeker und Altonaer wohl nicht viel nehmen. Gemeint war der Osten.

“Wie ist das denn bitte gemeint ?”

Ich (ein “Wandsbeker Milieumensch”) übersetze das mal.
Unser aller L* meint die schief gegangene Abstimmung zur Platzampel in Wandsbek Markt. Tja, in Wandsbek möchten die Leute eben weniger Spielereien als vielleicht eher mal bessere Schienenanbindungen. (siehe dazu z.B. das folgende Thema auf der Startseite dieser Homepage)

Kurze Einmischung:
Diese Abstimmung ist doch nicht schief gegangen. Diese Abstimmung kam zu einem Ergebnis. Gut, dass die Hochbahn nachgefragt hatte, bevor sie eine solche Investition getätigt hat.

Es ist schön, dass der Verkehrsfluss verbessert werden soll. Ich hoffe weiterhin, dass auch der Verkehrsfluss des Fußgängers mal in den Blick gerät und berücksichtigt wird. Da nahezu alle ÖPNV-Nutzer auch zu Fuß Ampeln queren, ist dies auch für die ÖPNV-Nutzung relevant.

Es gibt diverse Bettelampeln, die unerträglich lange und dann Wartezeiten haben (bis zu 2 Minuten, und oft dann extrem kurze Querungszeiten), auch wenn kaum oder kein querender KFZ-Verkehr vorhanden ist. Besonders absurd und eindrücklich wird dies in Phasen, an denen relativ viele Fußgänger, aber wenig KFZ unterwegs sind (etwa bei schönem, oder an einem Samstagmorgen oder an einem verkaufsoffenen Sonntag vor einem Einkaufszentrum etc.).

Die (auch in diesem Thema aufscheinende) Fokussierung auf die KFZ-Durchlassmenge ist verkehrspolitisch ein Fehler. Ich hoffe, dass die jünsten Erkenntnisse (KFZ Modalsplit Rückgang, auf nur noch 36 %) hier zu einem Umdenken führt.

Ach, und der Radverkehr ließe sich auch an den Ampeln stark verbessern: Separate Fahrradlichtsignale mit auf die Räumzeiten von Radfahrern abgestimmte Schaltungen anstelle der kombinierten Scheiben für Fußgänger/Fahrradfahrer würden die Querungszeiten an zahlreichen Ampeln um ein zwei- bis dreifaches erhöhen. Aber das ist natürlich low tech ist und ist nicht so schick für Pressemitteilungen zu gebrauchen. Schade.

Wieder so eine Schickimickitechnik-Blase, die von notwendigen Lösungsmöglichkeiten (Ausbau des ÖPNV und Einschränkung des MIV) ablenkt. Sollen die Autofahrer sich dann mit diesen Apps auf ihrem Handy beschäftigen, anstatt vorausschauend zu fahren? Die regelmäßigen Pendler wissen ohnehin, wie die grünen Wellen laufen und wie sie fahren müssen, um das nächste grün/gelb/dunkelgelb noch zu erwischen. Im Zweifelsfall kurz auf 69 km/h beschleunigen.

Zwei Worte genügen eigentlich: Autostadt Hamburg

Könnte die Hitzewelle, die uns in den nächsten zwei Wochen wieder überrollen wird, vielleicht doch etwas mit der Hamburger Verkehrspolitik zu tun haben?

Rolle des Nahverkehr:
Tatsächlich hat Senator Horch auf dieser Pressekonferenz zum Thema Ampel-Vorschau noch einmal intensiv und ausführlich die Notwendigkeit und Bedeutung von Bus und Bahn als leistungsfähiges Rückgrat für den Verkehr hervorgehoben! Wurde kaum berichtet, hat aber den Gesamtzusammenhang noch einmal deutlich gemacht: das eine ist ohne das andere gar nicht denkbar.

Autonomes Fahren:
Vertreter der Technikfirmen wiesen darauf hin, dass die Hamburger Technik das Kommunizieren mit den Ampeln (LSA) in Echtzeit ermöglicht und diese Technik ein nächster Schritt hin auf noch mehr Assistenzsysteme und auch auf das autonome Fahren ist. Nicht zu vergessen, dass in Hamburg eine Texststrecke für autonomes Fahren bei den Messehallen eingerichtet wird.

Schickimickitechnik-Blase?
Das autonome Fahren ist nicht mehr aufzuhalten und wenn Deutschland dann nicht wieder das Betriebssystem in Kalifornien oder Asien zukaufen soll (wie Smartphones), dann müssen wir uns extrem anstrengen. Denn anderswo ist man schon sehr viel weiter!

Darum ist es gut, dass Hamburg den Versuch schon bis Ende 2020 auf die Mehrzahl aller 1750 Ampeln in Hamburg ausdehnen will. Darum ist es genauso gut, dass die Digitalisierung der S2/S21 nach Bergedorf gleich als Blaupause für den Nahverkehr in ganz Deutschland gedacht wird. Darum ist es gut, dass man mit Shuttles in Osdorf und Lurup Erfahrungen sammelt, die direkt in den ÖPNV eingebunden sind.

Fußgänger:
Warum sollte es nicht auch eine App für Fußgänger geben? Die Fußgänger schauen doch ohnehin ständig auf ihr Smartphone…

Radfahrer:
Sollen auch eine App bekommen. Warum noch separate Rad-Signale aufstellen, wenn man in einigen Jahren das Befolgen der Anzeigen auf der App verpflichtend machen könnte?

Autonomes Fahren nicht mehr aufzuhalten? Ist das ein Naturgesetz? Dann brauchten “wir” uns auch nicht anzustrengen, um dabei zu sein.
Ich bin übrigens technikaffiner als Sie vielleicht denken. Nur vertrete ich, dass Technik den Menschen dienen soll – nicht umgekehrt und auch nicht nur der Minderheit der Autofahrer.

Sie unterliegen da meiner Ansicht nach einer falschen Hoffnung.

Wie man vielfach sehen kann, haben in den letzten Jahren diejenigen die Standards gesetzt, die als erste den Massenerfolg hatten, und nur selten die, die die besseren Lösungen hatten. (Ernsthafte Musikfreunde werden Ihnen z.B. bestätigen, dass die Schallplatte immer noch der beste Tonträger ist.) Gerade wenn Sie und ich (!) wollen, dass die Technik tatsächlich den Menschen dient und nicht nur dem Gewinn eines ausländischen Konzerns, muss Deutschland diese Technik selbst entwickeln und ganz vorne mit dabei sein, so dass man z.B. weltweit an Datenschutzstandards nicht vorbei kommt!

Das autonome Auto wird sich auf absehbare Zeit nur lohnen, wenn es in geteilten (Shared) Flotten eingesetzt wird. In diese Richtung gehen die Planungen derzeit, in diese Richtung läuft der Probebetrieb in Kalifornien auch. Die Fahrzeuge müssten den größten Teils des Tages fahren und nicht parken, wie die heutigen Autos. Dann sind günstige Fahrpreise möglich, außerdem entfällt die Parkplatzsuche. Aber damit sinkt auch der sog. Raumwiderstand! Mobil zu sein, wird noch viel einfacher als heute mit dem Auto oder dem ÖPNV. Das autonome Auto wird dann gerade auch für Fahrgäste des ÖPNV attraktiv, die heute mit umständlichen Umsteigeverbindungen fahren….

Die Frage ist nur, ob man das den Markt regeln lässt. Man könnte es auch aktiv gestalten, aber ganz sicher nicht, in dem man die Entwicklung anderen überlässt.

„Warum sollte es nicht auch eine App für Fußgänger geben?“ Daraus schließe ich: Nichts geplant, bisher ist für Fußgänger keine Besserung in Sicht.

Vergleich London:
„Transport for London hat den Auftrag, den Anteil von Fuß, Rad und ÖPNV von 63 auf 80 % zu steigern. So sollen 2024 eine Million Wege mehr gelaufen werden.“
„Wichtiges Element ist die Verkürzung der Wartezeit an Lichtsignalanlagen. So sollen Fußgänger maximal 40 Sekunden warten müssen, an wichtigen Kreuzungen soll die Dauer des Rotlichts dynamisch des Fußverkehrsaufkommen angepasst werden (Split Cycle Offset Optimisation Technique).“
„An zehn Lichtsignalanlagen sollen Fußgänger künftig Dauer-Grün bekommen. Dieses wird nur unterbrochen, nachdem kreuzende Fahrzeuge über einen Detektor Grünzeit für sich angefordert haben.“ vgl. https://twitter.com/zukunftmobil/status/1021689194329133056?s=20 ff. (
Zukunft Mobilität ist übrigens insgesamt sehr lesenswert)
_Das_ ist zukunftsorientiert.

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