Hamburg hat einen ersten Popup-Radweg – aber nur bis heute Abend

An der Alster ist seit gestern eine Autospur vorübergehend zum Radweg umfunktioniert – gegen den Willen der Stadt und nur bis heute Abend. Das steckt hinter der Aktion und das sind die ersten Nutzungszahlen.
Schon kurz nach Eröffnung wurde der neue Popup-Radweg An der Alster gestern Mittag rege genutzt.
Foto: Christian Hinkelmann

Nach Berlin, Paris, New York, Washington, Wien, Barcelona, Mailand, Budapest, Dublin, Edinburgh, Glasgow, Mexiko City, Montreal, Bogotá, Kansas City, Lima, Minneapolis, Montpellier, Ottawa, Cleveland, Portland, Calgary, Austin, Auckland, und zahlreichen weiteren Metropolen weltweit hat jetzt auch Hamburg einen Kurzzeit-Radweg auf einer vorübergehend gesperrten Autospur.

Seit gestern Mittag ist auf der vier- bis sechsspurigen Hauptstraße „An der Alster“ eine Autospur für Radfahrer reserviert, damit Fußgänger und Radfahrer am Alsterufer den geforderten Corona-Sicherheitsabstand von 1,5 Metern besser einhalten können.

Radfahrerverband ADFC steckt hinter Popup-Radweg

Allerdings: Der so genannte „Popup-Radweg“ existiert nur bis heute Abend um 18 Uhr – und er ist nicht vom rot-grünen Senat, bzw. der SPD-geführten Verkehrsbehörde angelegt worden, die weiterhin keinen Bedarf dafür sieht, Radfahrern und Fußgängern in der Corona-Krise mehr Platz im Verkehrsraum zuzugestehen (siehe hier).

Hinter dem Radweg steckt vielmehr der Radfahrerverband ADFC, der die Autospur im Rahmen einer Demonstration gestern und heute sperren ließ und somit einen kurzen Praxistest mit solchen temporären Corona-Radwegen in Hamburg erzwingt.

„Weltweit liefern sich Städte gerade eine Art Wettkampf, wer mehr Platz für die Menschen auf den Straßen während und nach der Corona-Pandemie schafft, damit sie die empfohlenen Sicherheitsabstände einhalten können. Nur in Hamburg tut sich nichts, sondern es werden die Be…

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8 Antworten auf „Hamburg hat einen ersten Popup-Radweg – aber nur bis heute Abend“

Da wird ja mal wieder herrlich demonstriert was für ein Quatsch das ist. Wenn ich auf einem Radweg hinter einem anderen Fahrrad fahre schaffe ich es gar nicht dem Mindestabstand von 1,50 zu unterschreiten. Stattdessen sieht man jetzt wie Fahrradfahrer neben einander fahren und keinen ausreichenden Abstand einhalten. Damit reiht sich der ADFC in die Gruppen ein, die die Krise nutzen wollen um ideologische Partikularinteressen durchzusetzen.
Und knapp 400 Räder je Stunde wo sonst 2.000 Kfz je Stunde zeigt ja deutlich die Unverhältnismäßigkeit einer solchen Maßnahme.

Es gibt Hinweise, dass man beim Hintereinanderfahren eher 3 Meter und mehr Abstand halten sollte. Nebeneinander reicht 1, 50 Meter wegen der Schlangenlinien, die Radfahrer fahren, gerade so.

Sind das Abstände, die aufgrund der Verkehrssicherheit einzuhalten sind, oder ist das der “Corona”-Abstand?

Es handelt sich überwiegend um Sicherheitsabstände aus verkehrlicher Sicht. 3 Meter hintereinander ist bei 10 km/h gerade noch vertretbar, wenn man nur nach vorne sieht. Ich würde etwas mehr vorschlagen, wenn die Strecke nicht tiptop übersichtlich ist. Relaistisch gehe ich von mehr als 5 Meter aus, wenn 15 km/h erreicht werden – eine Geschwindigkeit, die ich mir persönlich auf dem Radweg östlich der Alster kaum vorstellen kann, weshalb ich dort schon an schönen Sommertagen in der Hauptverkehrszeit auf die Fahrbahn ausweiche. Coronaabstände werden aber realistischerweise ähnlich zu bemessen sein.

Nur falls Sie sich fragen, ob die “Schlangenlinien” alkoholbedingt sind: sie entspringen der Physik des Radfahrens. Jeder pendelt rund 50 cm, Zusätzlich muss man noch den Einfluss von Seitenwind, insbesondere Fahrten in den bzw. aus dem Windschatten berücksichtigen.

Meines Wissens fahren jetzt mehr Radfahrer, weil der ÖPNV gerade nur ungerne genutzt wird. Und damit wird es östlich der Alster sicher eng für Radfahrer. Die Aktion ist also o.k.

Am Montagmorgen sind pro Fahrspur fast genauso viele Radfahrer gefahren, wie Autos. Und das bei einer kurzzeitigen Aktion. Was ist daran Unverhältnismäßig?

Wenn das Abstandsgebot anders nicht einzuhalten ist, müssen Radfahrer und Fußgänger m.E. ohnehin auf die Fahrbahn wechseln. Denn die Fuß- und Radwege sind oft so gebaut, dass zwei Verkehrsteilnehmer einander gerade so begegnen könne. Das reicht jetzt nicht, jedenfalls bei hohem Aufkommen von Radfahrern bzw. Fußgängern.

Pop-up bike Lanes ein netter Begriff für eine verkehrspoltiische absolut relevante Angelegenheit, und zwar nicht nur in Corona-Zeiten. Hier geht es um die Umverteilung des öffentlichen Raums zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs (MIV) und zugunsten des Umweltverbundes Rad, Fuss, ÖPNV. Mit vorübergehend abmarkierten mindestens 2,50 m breiten Radwegen kann man mit geringsten Kostenaufwand Wegeführung und Akzeptanz brauchbarer Radwege längs der Hauptverkehrsachsen, aber nicht nur dort, testen, bevor die schwerfällig Hamburger Planungs- und Baumaschinerie angeworfen wird. Was andere Städte kreativ und aus eigener Initiative machen, muss in Hamburg quasi als politisch anzumeldende Demonstration (geplant waren 14 Tage, von der Versammlungsbehörde wurden nur 2 Tage genehmigt) initiiert werden. Wann endlich begreift Hamburg Radfahren und Radfahrer als einen wesentlichen Teil der Lösung des Verkehrsproblems und nicht als eine ungeliebte Interessensgruppe, die man mit ein paar hingeworfenen Geldbrocken befrieden kann. Alle Radler haben die Alster Bikelane begrüßt – es geht halt flotter und weniger gefährlich als auf dem viel zu engen holperigen Radweg – und waren enttäuscht, dass dies nur eine 2-Tages Demonstration war. Wann endlich haben Hamburger Politiker, und dazu zählen auch die Grünen, mal den Mut den MIV in seine Schranken zu weisen?

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