Es ist ein bekanntes Muster in der Politik: Wenn ein Ziel nicht mehr ohne Weiteres erreichbar erscheint, wird nicht immer offen darüber gesprochen – stattdessen verschieben sich Begriffe, Maßstäbe und Bezugsgrößen. Genau dieser Eindruck entsteht derzeit beim Hamburg-Takt.
In der vergangenen Woche hatte das Hamburger Abendblatt berichtet, der Hamburg-Takt sei gescheitert – Rot-Grün breche damit sein größtes Versprechen in der Verkehrspolitik. Im Kern des Berichts: Das Versprechen von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) aus dem Jahr 2019, dass alle Hamburgerinnen und Hamburger in der ganz…









5 Antworten auf „Hamburg-Takt: Das Versprechen gilt – nur welches?“
Also der sogenannte Hamburg-Takt war doch von Anfang an hauptsächlich ein Gimmick, und kein ordentlicher Plan. Das fängt ja schon mit dem Namen an – Takt hat nun mal im ÖPNV eine ziemlich genaue Bedeutung (die auch von den meisten Nutzer verstanden wird!), aber hier wurde plötzlich was ganz anderes gemeint…
Und es ist natürlich schon tragisch wenn gerade ein Senat der, wie in ihrem Artikel vom 2. April beschrieben durchaus Fortschritte erziehlt, diese nicht ordentlich erklären kann weil aus politischen Gründen immer noch der sogenannte Hamburg-Takt bejubelt werden muss.
Andererseits, sie schreiben „Gerade wer täglich auf Bus und Bahn angewiesen ist, braucht keine semantischen Verschiebungen, sondern überprüfbare Antworten“. Ich denke mal wer täglich auf Bus und Bahn angewiesen ist braucht vor allem einen Senat und eine Bundesregierung die was liefern. Und ich denke der jetzige Senat tut nun wirklich mehr als alle Vorgänger der letzten 50 Jahre, ebenso hat die letzte Bundesregierung mit dem D-Ticket einen absoluten Gamechanger eingeführt
Eigentlich ein Trauerspiel, wie der Senat unrealistische Ziele vorgibt, daran scheitert, aber dies nicht öffentlich zugeben will / kann. Ein Teil des Scheiterns sind die immens teuren und mit langen Ausreifungszeiten verbundenen Schnellbahnprojekte (U5, S6, S4 Ost jenseits von Rahlstedt), die, weil nicht finanzierbar, zeitlich immer mehr gestreckt werden. Hinzu kommt, dass Schleswig-Hosltein nicht das Geld hat auf den neuen Strecken ausreichend Verkehre (5 Minuten Takt) zu bestellen. Nach dem Abgesang auf den Hamburg-Takt wäre jetzt auch das Eingeständnis des Senats fällig, dass die überteuerten Schnellbahnprojekte massiv eingedampft werden müssen. Dies wird vermutlcih erst nach der Olympia-Abstimmung am 31.5.26 erfolgen. Dafür muss – dazu schweigt leider auch dieser an sich gute Artikel – die Straßenbahn kommen. Nur so lässt sich schnell, bezahlbar und realistisch eine signifikante Verbesserung des ÖPNV-Angebots in Hamburg erreichen.
Leider muss ich sagen, dass die ersten beiden „aus Fahrgastsicht drängenden praktische Fragen“ wieder nur die Befindlichkeiten von Menschen wiedergeben, die schon immer eine optimale Schienenanbindung haben („City“, Altona, Eimsbüttel, Eilbek etc.). Wo ich wohne, werde ich NIE eine S-Bahn-Anbindung im 5-Minuten-Takt bekommen. Und der vierte Punkt ist eher etwas für einen Niederelbe-Törn nach Finkenwerder. Das einzige, was mein Wohnumfeld zugute kommen KÖNNTE, wären (wieder mal) die zusätzlichen Busse.
Danke für diese gute und scharfsinnige Analyse.
Man kann es auch so zusammenfassen: Politisch wird der Hamburg-Takt eingehalten, inhaltlich ist der Kern tot.
Traurig, dass der Senat erst nach Medienberichten dazu Stellung nimmt. Das sagt viel über sein Transparenzverständnis.
Falls sich jemand fragt, woher Politikverdruss und Demokratiemüdigkeit kommen: von sowas!
Vielen Dank für diese hervorragende Recherche!
Der Artikel zeigt einmal mehr, wie wenig ambitioniert und planlos die Verkehrspolitik in Hamburg ist. Insbesondere der Verkehrssenator gibt dabei ein trauriges Bild ab.
Anstatt den Verkehr nach modernen Gesichtspunkten zu planen und weiter zu entwickeln, gibt es in Hamburg ein leidiges Parkplatzmoratorium, Bauverzögerungen insbesondere bei den Projekten der Deutschen Bahn werden vom Senat widerspruchs- und klaglos hingenommen, und es wird gefühlt einfach nur der Status quo weiterverwaltet.