„Wir werden an jeder Haltestelle einen Hamburg-Takt haben, der darin besteht, dass wir alle fünf Minuten sicher sein können, dass wir abgeholt werden.“
Es ist Ende März 2019, als Peter Tschentscher auf einem Landesparteitag der Hamburger SPD diesen Satz spricht. Die neue Idee soll groß werden. „Hamburg-Takt“ – noch klingt der Begriff neu. Wenige Monate später wird er ein verkehrspolitisches Markenzeichen seiner Amtszeit sein.
Im Dezember 2019 tritt Tschentscher erneut vor die Kameras, dieses Mal flankiert von den Spitzen des HVV. Das Projekt nimmt nun offiziell Gestalt an. „In der gesamten Stadt soll man vom frühen Morgen bis in die Abendstunden innerhalb von fünf Minuten ein öffentliches Nahverkehrsangebot erreichen können“, verkündet…








5 Antworten auf „Hamburg-Takt: Wie der Senat sein 5-Minuten-Versprechen umdeutet“
Das Problem ist wohl nicht, dass die versprochenen Maßnahmen bisher nicht vollständig umgesetzt worden sind, sondern dass das Versprechen nicht gehalten worden ist. Denn nur daran wird man in der Regel gemessen.
Wir alle wissen, dass sich das Versprechen nicht realisieren lässt. Es fehlen Fahrzeuge, Personal und Geld. Und mal ganz ehrlich: Ist hier im Hamburger Stadtgebiet wirklich jemand unzufrieden mit dem Takt des ÖPNV? * Und würde der ÖPNV wirklich nennenswert mehr Fahrgäste durch eine Taktverdichtung bekommen?
* Herrn Ruges RB81 nehme ich davon mal aus. Ich appelliere an seine Geduld. Es sollen ja schon einzelne Bäume am Rande der Strecke gefällt worden sein.
Ein Lob, dass Nahverkehr die blumigen Versprechen des Senats mal genauer unter die Lupe nimmt. Es wäre schön, wenn sich der Senat von seinen Wolkenkuckucksheim-Projekten verabschieden und der tristen Realität zuwenden würde. D.h. angesichts knapper Haushaltskassen sind alle Projekte wie autonomes Fahren und Digitalisierung von S- und U-Bahnen einzustellen, die U-Bahn-Neubauprojekte, sofern sie nicht schon im Bau sind einzustellen, die Straßenbahn als das Mittel der Wahl zur Beschleunigung und Kapazitätssteigerung in des Hochbahn-Verkerhssystem einzufügen. Eine moderne Straßenbahn kann soviele Passagiere fassen wie drei Gelenkbusse. Straßenbahnfahrer lassen sich einfacher finden, als Busfahrer, weil der Job nicht so stressig ist und die Betriebskosten einer Straßenbahn liegen bei 10% der einer U-Bahn. Anstatt z.B. in Altona neue Illusionsprojekte über die künftige Umgestaltung des Altonaer Bahnhofs aufwendig medial in Szene zu setzen, wäre es vernünftig, den Busbahnhof entsprechend den Vorschlägen der Studie von Doege & Ode zu erweitern und zu modernisieren. Die Ergebnisse der Studie sind auf der Website von Prellbock-Altona (www.prellbock-altona.de) einsehbar. Mit weniger Geld mehr Fahrgastnutzen zu generieren muss das Leitbild einer verantwrtungsvollen, umweltgerechten Verkehrspolitik sein.
Kleine Nebenbemerkung: Ich finde es übrigens bedauerlich, dass es die Bürgerschaftsverwaltung nicht schafft, die Antworten auf die SKA gleichzeitig mit der Ausgabe an die Fragende online zu stellen. Während Frau Sudmann und die Medien die schon haben, stehen in der Parlamentsdatenbank nur die Fragen. Bei der Interpretation der Antworten würde ich mir gerne ein eigenes Bild machen und mich nicht auf die Interpretation der Opposition verlassen.
Einer Antwort an anderer Stelle entnehme ich, dass die RB81 (die einzige RB-Linie, die innerstädtische Erschließungsaufgaben übernehmen muss) für den „Hamburg-Takt“ nicht mit in Betracht gezogen wird, da man auf Godot, pardon, die S4, wartet. Das wird jedoch, wenn überhaupt, irgendwann zwischen 2030 und 2035 sein. Leider entspann sich zu dem Zeitungsartikel, der das erwähnte, weder hier noch woanders eine Diskussion dazu, noch wurde das irgendwie als „Donnerschlag“ wahrgenommen.
Übrigens: Der Haltestellenabstand zwischen „Bahnhof Tonndorf (Tonndorfer Hauptstraße)“ und der nächsten Haltestelle stadteinwärts beträgt weiterhin rund 780 Meter.
Ich beschränke mich einmal auf den wohl jetzt aufgegebenen 5-Minuten-Takt aller U-Bahn-Linien im Hamburger Stadtgebiet: Dass man das ersichtlich nicht mehr umsetzen will, ist wirklich enttäuschend.
Die U-Bahnen sind während des gesamten Tages eigentlich immer sehr gut ausgelastet (U1 zwischen Ochsenzoll und Ohlsdorf nach meinem Eindruck). Vollkommen unverständlich ist das auch, da die U5 ja gerade deshalb fahrerlos sein soll, um einen 90-Sekunden-Takt anbieten zu können?
Und: Wie will man den Klimaentscheid in Hamburg umsetzen, wenn man es noch nicht einmal hinbekommt, die U-Bahnen im 5-Minuten-Takt fahren zu lassen? Es wird auch immer frustrierender zu beobachten, dass der Verkehrssenator offensichtlich an seinem Job kein Interesse mehr hat. Aus seiner Behörde kommt ja schon seit Jahren keine Initiative mehr – außer dem unseligen Parkplatzmoratorium.