Die Hamburger S-Bahn steht vor der größten Veränderung seit Jahrzehnten – allerdings nicht sichtbar im Streckennetz oder in den Zügen, sondern im Hintergrund.
Die Verkehrsbehörde will offenbar künftig deutlich mehr Einfluss auf die Struktur des S-Bahn-Betriebs nehmen – und zugleich erstmals echte Konkurrenz auf der Schiene ermöglichen.
Auslöser ist die Beschaffung der nächsten Fahrzeuggeneration. Die neue „Baureihe 491“ soll im kommenden Jahrzehnt die ältesten Fahrzeuge der Baureihe 474 aus den 1990er-Jahren ersetzen und spätestens bis 2037 vollständig im Netz im Einsatz sein.
Bislang war die Rollenverteilung eindeutig: Die Deutsche Bahn beschafft die Fahrzeuge selbst und betreibt die S-Bahn im Auftrag der Stadt Hamburg und der beteiligten Umlandkreise im Rahmen eines Verkehrsvertrags.









7 Antworten auf „Hamburger S-Bahn: Behörde plant offenbar historischen Kurswechsel“
Ich finde das unsozial. Denn nicht nur die Züge sind Spezialanfertigungen, sondern auch die Fahrer sind Spezialisten. Will man also von denen verlangen, zu einem Billiganbieter mit unter Umständen sehr viel schlechteren Arbeitsverträgen zu wechseln?
Ähnlich wie Michael Jung sehe ich als großes Problem nicht den Betrieb der Züge durch die S-Bahn-Hamburg-GmbH, sondern Unterhalt und Betrieb des Fahrweges durch die DB-InfraGO-AG.
Es hat sich doch in den letzten Jahrzehnten deutlich gezeigt dass die Trennung von Netz und Betrieb vielleicht bei Regionalverkehren funktioniert (die halt nicht speizialisert sind und die die Streckenkapazität generell nicht ausschöpfen), aber bei Metronetzten halt nicht. Bei der Hamburger S-Bahn kann man täglich sehen das die Trennung ein großes Problem ist – und bei der Hamburger U-Bahn wie ein integriertes Unternehmen sichtbar besser arbeitet. Frankfurt und London hatten beide bei ihren U-Bahn Betrieb und Netz getrennt, und es beide wieder rückgängig gemacht. Die allermeisten anderen Metros haben es aus guten Gründen nicht gemacht. Ich glaube also eher nicht dass die Stadt Preis- und Leistungsanforderungen stärker über den Wettbewerb steuern kann als bisher.
Aber dass die Stadt die Züge selbst kaufen will halte ich trotzdem für eine gute Idee. Wenn man ausschreiben will wird das sicher einfacher, und wie CT glaube ich dass die Finanzierung dann günstiger wird.
Wobei, London Overground ist eine Metro wo der Betrieb ausgeschrieben wird, die Strecken einer staatlichen Netzagentur gehören, und dass anscheinend ganz gut funktioniert. Aber ich denke mal das TfL politisch sehr in der Lage ist Network Rail dazu zu bringen zu tun was TfL will – der ex-Chef von TfL ist mittlerweile britischer Eisenbahnminister…
Wenn schon der jetzige Vertrag ein Recht für die Stadt enthält, die Züge am Vertragsende zu übernehmen, dann ändert sich ja an der Marktsituation nicht viel.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Stadt günstiger finanzieren kann.
Sind die Werkstätten eigentlich im Eigentum der S-Bahn-Hamburg? Wenn ja, sitzt die S-Bahn ja an einem ziemlich starken Hebel. Aufgrund der Stromschiene muss man die ja zwangsläufig nutzen und kann als anderer Betreiber nicht mal so ohne weiteres die Wartung woanders durchführen.
Sicher kann man über die Eigentümerschaft an den Fahrzeugen die DB unter Druck stzten. Aber ob externe Betreiber, die dann auch noch irgendwelchen Hedgefonds aus dem Ausland gehören, den Betrieb besser auf die Reihe bekommen, ist mehr als fraglich. Der Betrieb der S-Bahn hakt ja weniger an den Fahrzeugen, als an der Infrastruktur. Und diese bleibe nach wie vor bei der DB InfraGO! Zudem ist es ohnehin fraglich, warum schon wieder eine neue Baureihe bestellt wird, anstatt entsprechend den Abgängen und zusätzlichem Bedarf von der bewährten letzten Baureihe weitere Fahrzeuge nachzuordern. Ferner ist die Qualität von der Fahrzeugwartung abhängig. Und die machen Menschen und keine Roboter. Wenn dieses Fachpersonal nicht auf die Stadt übergeht, dass ist alles eine Milchmädchenrechnung. Und wenn der S-Bahnbetrieb auf eine dritte Gesellschaft übergeht, kann die DB InfraGO dem neuen Betreiber – der ja auch erst einmal gefunden werden muss – bei der Nutzung von Strecken außerhalb des dezidierten S-Bahnnetzes gezielt Ärger bereiten. Eine Möglcihkeit ist sicher S-Bahn Hamburg und Hamburger Hochbahn zu fusionieren, aber das dürfe aufgrund der unterschiedlichen Unternehmenskulturen ein schwieriger Prozess werden. – Wie gesagt die mangelnde Performance der S-Bahn kommt von der Infrastruktur. Da wäre das öffentliche Geld besser bei der Netzinstandhaltung aufgehoben als bei den vom Verkehrssenator bevorzugten Digitalsierungsspielchen. Das dort verschwendete Geld in die Netzinstandhaltung gesteckt und die Performance der S-Bahn wird auch ohne die Gedankenspiele mit einer Fahrzeugvorhaltegesellschaft besser. Ganz abgesehen davon, dass Hamburg angesichts anderer fragwürdiger Megaprojekte wie Elbtower, Kühne Oper und Olympiabewerbung nicht die Milliarden hat, die neuen S-Bahnfahrzeuge zu beschaffen.
Man hat in 2012 bereits eine Gesellschaft für Schnellbahnfahrzeuge, als Tochterunternehmen der städtischen Hochbahn, gegründet. Was ist daraus eigentlich geworden? Link zum Artikel von damals: https://www.nahverkehrhamburg.de/hochbahn-gruendet-s-bahn-fahrzeuggesellschaft-1346/