Hamburgs Berufsverkehr am Limit: Ein Minutenprotokoll

Die Verkehrssysteme in Hamburg sind am Limit. Jeden Morgen, wenn zehntausende Menschen einpendeln, droht die Stadt zu ersticken. Ein Minutenprotokoll.
Von Christian Hinkelmann

Hamburgs Verkehr ist am Limit: Jeden Morgen quälen sich zehntausende Menschen per Auto, Bus oder Bahn in die City. Schon kleine Störungen können das fragile System zusammenbrechen lassen. Gefühlt wird die Situation zunehmend ernster.

NahverkehrHAMBURG hat den “ganz normalen Wahnsinn” auf Schienen und Straßen einen Morgen lang protokolliert und dafür die wichtigsten Social-Media-Meldungen von vorgestern früh ausgewertet.

Die folgenden Zeilen erheben zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit und mögen sicher nur ein kurzes Schlaglicht auf das Geschehen werfen – aber sie vermitteln ein Gefühl dafür, mit welchen Zuständen die Pendler in Hamburg Tag für Tag konfrontiert werden.

Das Minutenprotokoll vom 5. Oktober 2016

5.30 Uhr: Hamburg wacht auf. Die ersten Pendler machen sich per Auto oder mit Bussen und Bahnen auf dem Weg zur Arbeit. Die Lage ist noch entspannt.

5.48 Uhr: Die erste Störungsmeldung aus dem Bahnverkehr: Der Metronom twitte…

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21 Antworten auf „Hamburgs Berufsverkehr am Limit: Ein Minutenprotokoll“

Danke für diese schöne Zusammenstellung! Ich fänd als nächste Folge in dieser Reihe mal interessant, wie es eigentlich den Pendlern in der inneren Stadt (sagen wir: wer morgens nur innerhalb vom Ring 2 von A nach B muss) geht, mit besonderem Blick auf die Auslastung der Fahrradinfrastruktur im Berufsverkehr. Als Pendler zwischen Eimsbüttel Süd und der Neustadt erlebe ich, dass es bereits nach 7h30 schon an vielen Stellen voll auf den Radwegen ist. Zwischen 8h und 9h30 vermeide ich es inzwischen, mich mit dem Rad (bzw. überhaupt) von A nach B bewegen zu müssen. Habe ich mal kein Fahrrad (bei mehreren, die ich nutzen kann, äußerst selten), sind die Alternativen Stadtrad (jeweils zwischen 100m und 200m zu Stadtrad-Stationen an Start und Ziel, aber oft ist kein Stadtrad da) und U2 (ziemlich genau dieselben Geh-Distanzen). Die Fortbewergung mit dem Auto im Berufsverkehr wäre für mich ein Horror, ich weiß nicht, warum Menschen so etwas tun!

Nebenbei sei noch die Bemerkung erlaubt, dass in Niedersachsen, das Bundesland, aus dem viele nach Hamburg pendeln, gerade Ferien sind.

Wen wundert es? Wenn eine Millionenstadt mit einem ÖPNV-Anteil von 18 Prozent auszukommen meint, dann ist ein zäh fließender Verkehr die logische Folge. Der Anteil am Gesamtverkehr (“Modalsplit”) stagniert sogar in Hamburg, früher waren es mal 19 Prozent. Da dürfen auch die absoluten jährlichen HVV-Steigerungen nicht hinwegtäuschen, da der gesamte Verkehr auch ansteigt. Wien hat z. B. 38 Prozent, Berlin 26 Prozent Nahverkehrsanteil, dementsprechend sind da wengier PKW unterwegs.
Ein weiteres Problem ist, dass es für den Nahverkehr nur eine einzige Schienenverbindung über die Elbe in den Süden gibt. S-Bahn und Regionalbahn fahren über die Elbbrücken und es gibt keinerlei Alternativen. Kein Wunder, wenn viele lieber mit dem PKW fahren.

…. für mich nur die Bestätigung, dass Hamburg noch eine Autostadt im Stil der 60er Jahre ist – alles fährt mit dem Auto bis ins Wohnzimmer, sechsspurige Straßen in der Innenstadt und die Straßenbahn abgeschafft. Wann begreift man endlich, dass ein Verkehrskonzept die Autos aus der Innenstadt fernhalten muss? Wann begreift man endlich, dass ein Bussystem ohne eine Stadtbahn als zentrales Verkehrssystem an der Oberfläche kläglich versagt? Viele Hamburger resignieren schon, wie ich bei Gesprächen anläßlich eines Besuchs in Hamburg erfahren habe. Die Hochbahn ist bereit, eine Stadtbahn aufzubauen. Die einzigen, die wieder einmal blockieren, sind unfähige Politiker. Gebt endlich den Weg frei für ein vernünftiges Verkehrskonzept mit Stadtbahn und baut nicht Elbphilharmonien und U-Bahnen, die die Kosten für ein komplettes Grundnetz inklusive Infrastruktur verschlingen, ohne einen entsprechenden Nutzen in kurzer Zeit zu bringen.

Tatsächlich sind sogar recht viele Politiker durchaus für ein Stadtbahn-System. Nur leider unser Rathaus-Napoleon nicht – und der stammt ja aus der Riege der “Basta!”-Politiker.

An dem Tag, als die S-Bahn nicht fuhr, habe ich in Altona gefragt, ob die ICE – Züge oder IC Züge freigegeben sind. Die Antwort war nein. Hätte man die Fernverkehrszüge freigegeben, dann hätte sich zumindest der Menschenauflauf in Altona etwas reduziert. Die Fernverkehrszüge fuhren pünktlich und hätten zumindest die Menschen mitnehmen können die zum Dammtor oder Hauptbahnhof müssen.
Was lernen wir daraus? Die Strafen für Verspätungen sind gegenüber der DB viel zu gering, sonst hätte die DB Regionalverkehr mit der DB Fernverkehr, bei solchen Situationen, schon längst einen Vertrag abgeschlossen,

schönes – wie schon geschrieben – Schlaglicht auf den täglichen Wahnsinn. Dabei ist die Frage doch – berechtigterweise – wie mit einer solchen Situation umgeht. Und dies ist hier schön illustriert und mit einem Wort zu beschreiben: katastrophal!

Klar über Nacht kann man die Situation nicht wirklich entzerren (neue Straßen und Gleise bauen), was man allerdings quasi über Nacht herstellen könnte ist Transparenz und Informationen in dem mal konsequent über die Lage informiert. Dabei leistet der Twitteraccount „HVV Störungsmeldung“ wirklich ganze arbeit. Der Service der Verkehrsunternehmen ist was dies angeht wirklich unterirdisch. Dem “Otto Normal ÖPNV Fahrer” interessiert höchstwahrscheinlich (und dem Sporadischen Fahrer, Touristen, … definitiv nicht), ob er gerade in der U-Bahn oder S-Bahn (aber auch Metronom, NOB, DB Regio) unterwegs ist. Sondern bei Problemen eine zentrale Auskunftsfunktion wo er über die Situation Informationen bekommt. In dieser hinsicht ist der HVV wirklich kein VerkehrsVERBUND. Auch macht die U-Bahn über Lautsprechern nur Informationen zur U-Bahn Situation und die S-Bahn nur über die S-Bahn (etc…). Selbst an Knotenpunkten wird nicht darauf hingewiesen wenn eine Linie des “Konkurrenten” nicht dort fährt, sondern fröhlich “Übergang zur XX” angesagt.

Eine “Leitstelle” für Störungen würde Helfen. Auch Anzeigen z.b. auf dem U-Bahn TV oder an den Digitalen Anzeigen an einigen Bahnhöfen (Hbf Süd, Berliner Tor,…) könnten Texte anzeigen, zeitlich mit den Ansagen (und diese am besten automatisiert angesagt, damit man sie auch versteht)

In Hamburg müsste es im Speckgürtel einfach mehr P&R geben. Jeden Morgen das gleiche:

Norderstedt Mitte überfüllt, dort werden bereits Wiesen zugeparkt.

Ochaenzoll, kaum noch Parkmöglichkeiten. Die vorhandenen sind ab 7 Uhr voll belegt. Selbst Abbruchgelände werden beparkt

Kiwittsmoor gibt es bis Ende 2017 nicht, die Anwohner bekommen tagsüber keine Parkplätze da die Pendler alles zu parken.

Langenhorn Nord das gleiche.

Also bleibt Langenhorn Markt, das ist relativ leer welches aber eben auch an den P&R Kosten liegt.

Schade, ich denke es würden viel mehr umsteigen wenn sie eine Möglichkeit hätten.

Ich fahre seit 3 Monaten täglich mit dem Metronom ab Buchholz zum Hamburger HBF: Völlig stressfrei, freundliche Mitreisende, bequem und pünktlich! Nie würde ich auf die Idee kommen, mir diese Strecke mit dem Auto anzutun.
Das Hauptproblem in Hamburg ist, dass Politik, Medien und Prominenz über Jahrzehnte dem Autoverkehr den roten Teppich ausgerollt haben. Jetzt steht man vor den Trümmern dieser Politik.

Gerne bitte auch den Abend dieses als Beispiel genommenen Mittwochs als zweiten Teil ergänzen. Erneute Vollsperrung des HBF ab 17:30, Fullstopp aller S-Bahnen und ungefähr 5 Totalausfälle der Metronome ab HBF. Lief für mich eigentlich ganz gut, aber es hilft dann leider nichts mehr, wenn Facebook-Tussies und Smombies die Rolltreppen blockieren und nur auf Arschtritte reagieren. Half nichts wieder eine zusätzliche halbe Stunde Verspätung…

Was mich immer so fassungslos macht, ist die Gleichgültigkeit gegenüber den zigtausend Fahrgästen insbesondere bei der S-Bahn. Als Durchsage kam die ersten 15min nur, dass sich eine Person am Hbf im Gleis befände. Das ist zwar nicht falsch, aber die Information, dass diese Person unter der S-Bahn liegt, hätte mich frühzeitig auf ein Stadtrad gebracht.
Ich verstehe auch nicht, warum die S-Bahnen in dieser Situation über Gleis 3 nach Jungfernstieg bzw. Dammtor fahren können und Richtung Hasselbrook die Züge mit über Gleis 4 fahren. Wenn man nicht bösen Willen unterstellen möchte, so bleibt nur die Vermutung, dass es nicht genug oder nicht ausreichend Qualifizierte Fahrdienstleiter bei der S-Bahn gibt, um so einer Situation effizient begegnen zu können.
Gruß, Mathias

“Was mich immer so fassungslos macht, ist die Gleichgültigkeit gegenüber den zigtausend Fahrgästen insbesondere bei der S-Bahn.”

Mich auch!
Wie kann es sein, dass es bei der S-Bahn keinen Hinweis auf eine günstige Umsteigemöglichkeit zu einem SEV gibt (es sei denn der Zugführer hat Lust zu einer Ansage)?
Wie kann es sein, dass die S-Bahn fast zehn Jahre nach anderen Städten die Anzeige der Zugfolgen an den Bahnsteigsanzeigern einführt? Immerhin: das hat sie schön geräuschlos gemacht und nicht als super Innovation gefeiert.
Wie kann es sein, dass die S-Bahn JEDEN Werktag beim Nachmittagsbetrieb der S2 in Bergedorf immer so um die 30 Fahrgäste durch irritierende Anzeigen verarscht und diesen Zustand über Jahre aufrecht erhält? Und tatsächlich auch nach der Einführung der neuen Anzeigen immer noch nicht abstellt?

Der metronom war durchaus eine Alternative, denn es ist nur der Pendelzug des RE5 zwischen Harburg und Hbf und ein Einsetzer der RB41 ausgefallen. Alle anderen Linien des metronom, also RE3, RE4, RB31 und RB41 fuhren. Es gab also 4-5 Fahrten in der Stunde des metronom nach Hamburg an diesem Tage…

Die in den Bezirken tätigen Politiker erhalten neben einer Aufwandsentschädigung auch einen Fahrtkostenzuschuss von etwa 50 € für ihre Tätigkeit. Ersatzweise können Sie sich auch eine HVV-Abo-Karte (hat sogar einen höheren Wert als 50 €) aushändigen lassen.

Ich erlebte einen wahren “Shitstorm” der anwesenden Mitglieder der Bezirksversammlung Eimsbüttel, als ich in der dortigen Bürgerfragestunde die Mitglieder fragte, ob sie nicht grundsätzlich statt der 50 € Fahrtkostenzuschuss die HVV-Abo-Karte nehmen sollten. Dann könnten sie Erfahrungen mit dem ÖPNV in Hamburg machen, Schwachstellen beseitigen und als Vorbild vorangehen.

Unglaublich, was mir alles als Begründung für die Unverzichtbarkeit aufs Auto genannt wurde.

Dabei gibt es dort sogar schon Bezirkspolitiker, die auf die Nutzung des eigenen KFZ weitestgehend verzichten.

Warum muss der S-Bahnbetrieb am gesamten Hauptbahnhof eingestellt werden, wenn ein Gles durch einen Unfall blockiert ist. Es gibt bei der Blockade eines Gleises maximal in einer Richtung ein Problem, dass die Züge, die jetzt z.,T. parallel abfahren dann hintereinander abfahren müssten. Da ja angeblich noch soviel Puffer im S-Bahnbetreib sei (den soll ja die S4 nutzen) kann man sicher den Betrieb zeitweilig auch über ein Gleis in einer Richtung abfertigen. Aber hier blockiert sich die DB AG mit irgendwelchen Schwachsinnsdienstregelungen mal wieder augenscheinlich selber, zum Nachteil der Fahrgäste.
In der Tat ist die Einführung einer Straßenbahn auf eigenem Gleiskörper das Einzige, was schnell und relativ preiswert gegen im Stau blockierte Busse hilft.

“Warum muss der S-Bahnbetrieb am gesamten Hauptbahnhof eingestellt werden, wenn ein Gles durch einen Unfall blockiert ist.”

Weil das immer schon so war. Und weil der Hamburger S-Bahn Betrieb so träge ist wie ein Igel im Winterschlaf wird das auch so bleiben.

Das ist doch – entschuldigt die Wortwahl – Quatsch.

Es ist ja gerade nicht bekannt, wo im Gleis die Person genau ist. Die läuft da nämlich rum. Und um die da rauszuholen, sind auch noch Sicherheitskräfte im Gleis. Und wenn ein Mensch im Gleis ist, sollte auch im Nebengleis kein Zug fahren (außer, wenn wie bei Baustellen das Gleis gesichert wird. Aber bis das fertig ist, ist die Person im Gleis schon lange weg). Und genau deswegen wird dann der ganze Zugbetrieb eingestellt.

Meckern auf die S-Bahn ist hier nun wirklich fehl am Platz. Meckern auf die Deppen, die (meistens im Suff) nicht verstehen, dass man im Bahngleis nichts zu suchen hat, passt schon eher.

Wenn es ein “Unfall” war, findet dieser nicht plötzlich auch auf einem anderen Gleis statt. Das ist etwas anderes als eine rumlaufende “betriebsfremde Person”. Es wurde aber an jenem Tag ein “Unfall” durchgegeben, also ist eher von einem ortsfesten Ereignis auszugehen. Außerdem sind alle vier Gleise am Hbf. baulich getrennt, so dass am Nebengleis eigentlich trotzdem Züge fahren könnten. Also passt Ihre Einlassung nicht so ganz.

Allerdings – und das ist meine Kritik an der S-Bahn – ist die Stromschaltung offenbar so, dass im Hbf. nicht gleisweise abgeschaltet werden kann. Was die S-Bahn ziemlich unflexibel macht. Meine Befürchtung ist, dass die Elektroschaltung seit dem Untergang der Titanic so geblieben ist. Und eben auch immer so bleiben wird, so lange es diesen Hbf. gibt. Und so lange die S-Bahn so träge bleibt.

Stadtverdichtung muss gestoppt werden. Nahverkehr, als auch Strassen, schaffen dies nicht mehr aufzunehmen. Dezentralisierung ist die Lösung: Sehenswürdigkeiten, Shows etc. müssen raus aus dem Zentrum und ab in den Nahbereich wie Pinneberg, Barmbek oder noch weiter raus.

Warum sollen die Sehenswürdigkeiten gerade in Pinneberg angesiedelt werden. Von Wandsbek oder Berne nur besch… erreichbar. Die Kirch sollte man schon im Dorf lassen.

Die Arena in Farmsen wäre vermutlich besser erreichbar gewesen mit dem ÖPNV als die am Volkspark, aufgrund einer Leistungsfähigen U-Bahn die auch fast die BAB1 am Endpunkt Großhansdorf erreicht. Veddel bietet auch ein relativ großes Parkhaus.

Konsequente Parkraum Bewirtschaftung mit Preisen die den ÖPNV zur alternative machen. Dabei moderat vorgehen, Erstmals Preise erhöhen, das Geld für alternativen ausgeben. Natürlich muss es auch eine Entflechtung geben. Die Bezirkszentren und Stadtteilzentren müssen sich attraktiv präsentieren und eine alternative für den täglichen und den daraus gehenden Bedarf sein. Ottensen ist dafür ein überwiegend gelungenes Bespiel.

Die Arbeitsplätze waren überwiegend schon vorhanden. Viele wollten dann nur ein Häuschen im Grünen, anstatt im Mümmelmann oder Born zu wohnen.

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