Heute vor 150 Jahren: Erste Straßenbahn in Hamburg eröffnet

Vor genau 150 Jahren ist die erste Straßenbahn durch Hamburg gefahren. Offiziell gefeiert wird das nicht. Nur ein Supermarkt in Winterhude lädt ein.
Von Christian Hinkelmann
Hamburger Straßenbahn auf einem Supermarktplarkplatz in Winterhude
Eine alte Hamburger Straßenbahn auf einem Supermarktparkplatz am Krohnskamp in Winterhude

Heute vor genau 150 Jahren ist in Hamburg die erste Straßenbahnstrecke eröffnet worden. Damit begann in der Hansestadt das Zeitalter des Massen-Nahverkehrs.

Offizielle Feierlichkeiten von HVV, Hochbahn oder Politik sind allerdings nicht geplant. Lediglich ein Rewe-Supermarkt in Winterhude lädt heute und am kommenden Samstag zu einer kleinen Feier in sein Parkhaus ein. Dort steht seit einigen Monaten ein originaler alter Hamburger Straßenbahnwagen, den der ehemalige Tram-Schaffner Ingo Naefcke mit Hilfe des Supermarkt-Besitzers und ex St. Pauli-Trainers Holger Stanislawski im vergangenen Frühjahr vor dem Verfall gerettet hatte. Der Supermarkt befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahndepots Krohnskamp (mehr dazu hier).

Hamburg hatte eines der größten deutschen Tram-Netze

Die Hamburger Straßenbahn war eines der ältesten und größten deutschen Straßenbahnnetze.

Am 16.8. 1866 fuhr die erste Pferdebahn vom Rathausmarkt ins benachbarte Städtchen Wandsbeck. Das neue Verkehrsmittel wurde bald erweitert, bot es doch eine ideale Lösung für die damaligen Verkehrsbedürfnisse: Hamburgs Stadterweiterungsgebiete lagen im Norden und waren mit Pferdebahnen in akzeptabler Zeit mit dem Centrum verbunden. Durch die „Elektrisierung“ konnte sich die Straßenbahn ab 1894 mit größeren Fahrzeugen und Anhängern an die steigende Nachfrage in der rasant wachsenden Stadt anpassen.

Für die planmäßige Stadtentwicklung zur Millionenstadt waren die privaten Straßenbahngesellschaften eher ein Hemmnis. Die strategisch wichtige frühzeitige Anbindung von neuen Wohngebieten versprach eben keine Gewinne und für die Erschließung damals abgelegener Gebiete (z.B. Alsterdorf, Ohlsdorf, Langenhorn) brauchte man auch schnellere Verkehrsmittel…

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13 Antworten auf „Heute vor 150 Jahren: Erste Straßenbahn in Hamburg eröffnet“

Das kannman doch verstehen, daß dieser Feiertag nicht gefeiert wird, stellt sich die Politik damit doch ein ganz schlechtes Zeugnis aus. Überall (Paris, London u.v.a.) werden neue Straßenbahnlibneien gebaut, nachdem man schon vor dem Krieg die Straßenbahnen aus dem Stadtbild verschwinden ließ. Jetzt sieht man “überall” ein, daß das ein Fehler war.

Ich finde es aus heutiger Sicht sehr sonderbar, dass man um 1975 herum noch so dogmatisch die Abschaffung forcierte. Einerseits gab es eine erste große Finanzkriese und man konnte die umfangreichen U-Bahnpläne nicht mehr weiterverfolgen. Andererseits fuhren in Hannover die ersten – damals hochmodernen – Stadtbahnen. Eine Modernisierung der Linie 2 mit neuen Fahrzeugen wäre schließlich viel günstiger geworden, als die 10 Jahre später realisierte U-Bahn nach Niendorf Markt. Bis heute fährt hier die U-Bahn an der eigentlichen Verkehrsachse vorbei, während auf der Grindelallee die Busse alle 2 MInuten fahren müssen.

Man müsste die damaligen Entscheidungen von Politik und HVV untersuchen und hinterfragen.

Abgesehen davon könnte seit Jahren auf der Grindelallee bis Nedderfeld wieder eine “e-mobile” Straßenbahn fahren, und man hätte jährlich Unmengen an CO2 Ausstoß einsparen können. War Hamburg nicht irgendwann mal Umwelthauptstadt? Tatsache ist hingegen, dass auf den Linien 4 und 5 bis heute nicht ein einziger Hybridbus, geschweige denn E-Bus eingesetzt wird.

“Bis heute fährt hier die U-Bahn an der eigentlichen Verkehrsachse vorbei, während auf der Grindelallee die Busse alle 2 MInuten fahren müssen.”

Da kann man sich noch heute bei der FDP bedanken, die wollten diese Art der Anbindung für die Niendorfer.
Übrigens ist es auch hauptsächlich der FDP zu verdanken, dass Osdorf bis heute über keinen U-Bahn-Anschluss verfügt.

Das kenne ich noch aus der DDR. Da wurden auch unliebsame Jahrestage, Personen etc. schön “umschifft” bzw., wenn es nicht anders ging, auf Sparflamme gehalten.
Zum Glück habe ich mir noch die Fähigkeit zum “Zwischen-den-Zeilen-Lesen” erhalten, die ist heute auch ganz nützlich.

Übrigens wundert es mich nicht wenig, dass die HOCHBUS auf ihrer Werbung sogar den 150. Jahrestag als Jahrestag des Betriebshofs Wendemuthstraße begeht. Und noch mehr war ich erstaunt, dass sie sogar von PferdeBAHN schreibt und nicht von PferdeOMNIBUS. Die elektrische Straßenbahn wird natürlich nicht erwähnt. Soweit geht die Liebe nun wiederum nicht.

Die Einstellung war ein Fehler, ist ein Fehler und wird immer ein Fehler bleiben bis der erste Zug einer modernen Straßenbahn durch Hamburg rollt.

@Moddel: Niemand ahnte 1974, dass die Finanzproblemen bis ca. 2010 dauern würden! Man glaubte, man müsse ein paar Jahre kürzer treten und danach ginge es weiter.

Das immer klamme Hamburg investierte in den U-Bahnbau, weil man mit der attraktiven U-Bahn am meisten Bürger vom Autofahren abhalten konnte! So wollte man sich viele oder alle (!) Stadtautobahnen sparen! (Was zum Glück tatsächlich gelang.)

Die Straßenbahn war 1974 schon 15 Jahren lang nur noch minimal unterhalten worden. Wäre die letzte Linie wie geplant bis 1980/83 gefahren, hätte sie wohl ausgesehen, wie ein DDR-Betrieb zur Wende!

Wenn die Straßenbahn weiter fahren sollte, waren große Investitionen notwendig und das hieß beim Sparkurs: auf Kosten des U-Bahnbaus. Aber der war unverzichtbar (s.o.). 1974 glaubte man auch, die Ersatz-U-Bahnen (alte U4!) würden ab ca.1980 doch noch gebaut.

Für langfristigen Erhalt der Straßenbahn hätte man ab 1974 Gleise, Depots und Fahrzeuge komplett neu bauen müssen. 20 Jahre wäre kein U-Bahnbau mehr leistbar gewesen. (Dass es später trotzdem so kam, lag am Einwohnerrückgang und der immer schlechteren Haushaltslage. Das ahnte aber 1974 niemand.)

So bewegte man damals hauptsächlich nur die Alternative, die Straßenbahn durch lebensverlängernde Maßnahmen bis ca. 1995 weiter zu erhalten. Der Busbetrieb war billiger als die nötigen Investitionen für die angenommene Übergangszeit (!). Und dann konnte man die Bahn auch früher als 1980 einstellen.

Nicht die Dogmatiker waren damals das Problem sondern die fehlende Alternative! Wäre es nur um ein paar neue Wagen gegangen, wäre 1977 vielleicht anders entschieden worden. Vor allem, wenn man die finanzielle Zukunft realistischer eingeschätzt und gewusst hätte, dass man auf die U-Bahnen 50 Jahre warten musste!

Ab Mitte der 60er und in den “goldenen” 70ern war der absolute Autohype angesagt und das Umweltbewusstsein nur wenig ausgeprägt.
Die Straßenbahn war langsam außer wo sie wie bei den Elbbrücken auf eigener Trasse fuhr.
Die V7-Triebwagen waren trotz Modernisierung veraltet, Ersatz auf dem Markt gab es nicht.
Natürlich war die Einstellung ein Fehler im Nachhinein betrachtet.
Aber auch heute werden wieder Fehler gemacht : Die Verlegung des Fernbahnhofes Altona zum Beispiel.
Politiker und Bürger sind eben immer auch Kinder ihrer Zeit.
Heute verbietet die finanzielle Situation der Stadt einen Wiederaufbau. Das “Vermögen” der HGV, wozu ja auch die Hochbahn gehört, habe ich dabei mit eingerechnet…

@Kasimir: ich muss Dir widersprechen. Eine Modernisierung der Straßenbahn ab 1975 wäre ja sukzessive über viele Jahre erfolgt. Da hätten sich die Kosten verteilt – und wären allemal niedriger gewesen als z. B. der U-Bahn-Bau nach Niendorf Nord. Hannover hat ja auch sukzessive seine Straßenbahn zur Stadtbahn umgebaut. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat die Stadtbahn Hannover heute mehr Fahrgäste als die Hamburger U-Bahn.
@Gonger: Sorry, es ist ein Märchen, dass die alte Straßenbahn langsam war. Vergleich mal einen Fahrplan von 1973 und heute. Beispiel: Rathausmarkt – Trabrennbahn (einst Linie 11, heute Linie 3): Die Straßenbahn brauchte 26 Minuten, der Metrobus braucht 30 Minuten. Auf der Grindelallee kommt man heute erst durch die teure Busbeschleunigung wieder an Fahrzeiten der Anfang 1970er heran.

Diese Frage stellte sich DAMALS (leider) überhaupt nicht: Die Option der Erneuerung des Restnetzes blieb zu abstrakt. Als attraktiv für eine langfristige Lösung galten 2,65m breite Wagen, für die zuerst das ganze Netz umzubauen und die Fahrleitungsanlage vom Rollensystem auf Bügel umzustellen gewesen wäre. * Technisch wäre das ohne linienweisen Umbau nicht zu machen gewesen! Neue Fahrzeuge wären erst weit nach 1980 möglich gewesen. Der dann erforderliche lange Weiterbetrieb der alten, kurzen Wagen war unattraktiv und kostete viel Geld. (Bei 50 Mio. Mark Einsparungszwang für den HVV waren 3,5 Mio. Mark an jährlichem Einsparungspotential durch Bus mit sofort neuen Fahrzeugen daher verlockend – das entspricht heute ca. 4,5 Mio. Euro.)

1975 war das wichtigste Hauptargument für Fortbestand und Erneuerung der Straßenbahn gewesen, dass keine U-Bahnen mehr als Ersatz gebaut würden. Die U-Bahn war Grundlage der Verkehrskonzeption und einigen Stadtteilen auch konkret zugesagt. Es drohten nun unerwünschte Forderungen nach zusätzlichen Straßen!

1976 kam der Durchbruch. Nun sollte doch eine U-Bahn gebaut werden und zwar nach Niendorf. Nach DAMALIGEN Maßstäben würde damit für die wichtigste Straßenbahnlinie 2 nicht nur im Süden durch die S3 sondern auch im Norden durch die U2 ein attraktiver Ersatz geschaffen werden! Weitere U-Bahnstrecken waren außerdem wieder denkbar. Aus Sicht von 1977 stand damit nicht mehr die Zukunft eines halbwegs lebensfähigen Straßenbahn-Restnetz zur Debatte, sondern nur noch das Schicksal der Linie 1 nach Winterhude. Deren Fahrgastzahlen waren niedrig, der Bau der Ersatz-U4 also aufschiebbar. Nicht einmal die kampfeslustige CDU-Opposition stellte da noch Fragen nach einer Konkretisierung der Straßenbahnoption. Und so war die Bürgerschaftsmehrheit 1977 überzeugt, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

Für die aus HEUTIGER Sicht größte Fehleinschätzung (dass die Linie 2 durch U2 und S3 eben nicht ausreichend ersetzt werden würde), fehlte DAMALS schlicht das Problembewusstsein. Auch wurden damals die Problematik des Bevölkerungsrückgangs nicht ernst genommen und die kommenden Finanzprobleme unterschätzt. (Beides sollte bald den U-Bahnbau bis 2008 unterbrechen.) Nur die betroffenen Bürger verstanden die negativen Auswirkungen besser – aber erst wenige Wochen vor dem Ende der Linie 2 wurde ihr Protest so laut, dass einige Politiker im letzten Moment doch noch Zweifel beschlichen.

*) Die Umstellung in Hannover ist nicht vergleichbar. Die dortigen Stadtbahnwagen waren nur fünf Zentimeter breiter als die normalen Straßenbahnen, ansonsten voll kompatibel.

Zitat: “Für die aus HEUTIGER Sicht größte Fehleinschätzung (dass die Linie 2 durch U2 und S3 eben nicht ausreichend ersetzt werden würde), fehlte DAMALS schlicht das Problembewusstsein.”

Das gibt’s heute aber mindestens leider noch ganz genauso, nur nennt sich sowas heute “Kannibalisierung” oder ganz modern “bessere Netzwirkung erzielen” !

Zitat: “Beides sollte bald den U-Bahnbau bis 2008 unterbrechen.”
Naja, ganz so schlimm ist es doch nicht, denn immerhin gab es neben Niendorf (1985 und 1991) auch noch eine Verlängerung nach Mümmelmannsberg (1990) und zum Flughafen hätte es durchaus auch fast einen Abzweig bzw. evtl. auch sogar mit zusätzlicher nördlicher Wiedereinfädelung der U-Bahnlinie 1 gegeben ! Doch die Entscheidung fiel dann bekanntlich jedoch auf den Anschluss durch eine S-Bahn. In Schleswig-Holstein kam darüber hinaus auch noch die Verlängerung der U1 bis Norderstedt-Mitte.

Doch, die Aussage ist korrekt: Die U-BahnPLANUNG wurde 1987 offiziell als Teil des harten Sparpakets der Stadt eingestellt! Das war die U-Bahn nach Bramfeld. Die Verlängerung von Norderstedt war schon Sache des nördlichen Nachbarn.

Mit der Flughafen-S-Bahn gab es zwei Mal einen Ersten Spatenstich. Zwischenzeitlich wollte die GAL ja lieber eine Stadtbahn bauen. Aber die Planung für die S-Bahn war fertig und eine Stadtbahn hätte man erst nach 2001 fertig geplant gehabt. Wie man heute weiss, wäre die dann doch eingestampft worden. Baubeginn war dann tatsächlich noch 2001, der Bau dauerte aber wegen Einwohner-Einsprüchen auch noch sieben Jahre.

Die Niendorfer U-Bahn ist eine frühere Planung und es gab zahlreiche Fürsprecher dafür. Auch das Abendblatt und in früheren Jahren die Verkehrsamateure. Die Verlängerung nach Niendorf-Nord ist auch eine ältere Planung.

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