Hochbahn-Chef Henrich – ein Abgang, der Fragen aufwirft

Nach nur zweieinhalb Jahren lässt der Hochbahn-Vorstandsvorsitzende Robert Henrich seinen Vertrag auslaufen und wird sofort beurlaubt. Was die Gründe dafür sein könnten und was das für die geplante Max-App bedeuten könnte.
Christian Hinkelmann
Der Hochbahn-Vorstandsvorsitzende Robert Henrich. (Foto: Hochbahn)
Der Hochbahn-Vorstandsvorsitzende Robert Henrich. (Foto: Hochbahn)

Das kam überraschend: Hochbahn-Chef Robert Henrich hört auf. Zum Jahresende lässt er seinen Vertrag auslaufen. Das teilte der Mobilitätsmanager laut Hochbahn gegenüber Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) mit, der den Aufsichtsrat des Verkehrsunternehmens leitet.

De facto ist die Hochbahn aber schon ab sofort ohne Führung. Henrich wurde umgehend von seinen Aufgaben entbunden, wie das Unternehmen gestern Nachmittag mitteilte.

Bereits am Vormittag nahm Henrich schon nicht mehr an einer Landespressekonferenz zum aktuellen Planungsstand der neuen U-Bahn-Linie U5 teil. Eigentlich sollte er dort auf dem Podium sitzen.

Eine persönliche Entscheidung – laut Pressemitteilung

Gründe für das plötzliche Abtreten nach nicht einmal zweieinhalb Jahren nennen weder die Hochbahn noch die Verkehrsbehörde. Laut Pressemitteilung war es eine persönliche Entscheidung Henrichs. „Die Entscheidung, meine Tätigkeit an der Spitze der Hochbahn zu beenden, ist mir …

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Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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4 Antworten auf „Hochbahn-Chef Henrich – ein Abgang, der Fragen aufwirft“

Könnte es auch sein, dass der Hochbahnchef in Kenntnis der Finanzlage und der objektiven Vorteile sich vielleicht intern für einen Straßenbahn ausgesprochen hat, über die auf Anweisung des Senators ja nicht gesprochen werden darf? Da ja angeblich auf einer Dienstreise nach Oslo, wo es ein gut funktionierendes U-, S- und Straßenbahnsystem gibt, das Zerwürfnis zwischen dem Senator und dem Hochbahnchef seinen Höhepunkt errreicht hat, ist die Vermutung naheliegend. Ein Mann wie Herr Hennrich dür fte schnell einen neuen Job finden. So reiht sich der Abgang des Hochbahnchefs ein in die Flops die die BVM bisher produziert hat.

Halte ich für unwahrscheinlich, dass die beiden in Oslo um Straßenbahn gestritten haben. Herr Henrich ist Spezialist für autonomes Fahren und Robotaxis. Da gelten Straßenbahnen als überholt.

Ich erinnere mich, dass es schon bei Henrichs Berufung zurückhaltend und warnend hieß, er habe anders als sein Vorgänger kaum Erfahrung mit Schienenverkehrsmitteln.

Nötig ist jetzt einen Fachmann, der endlich klar ausspricht, wie unrealistisch Hamburgs Bahnpläne geworden sind, und der eine krisensichere Vision entwickelt, was sich noch finanzieren und halbwegs als „Verkehrswende“ verkaufen lässt.

Ich finde das immer interessant, dass gerade die ÖPNV-affinen Kreise immer von selbst drauf hinweisen, dass man aufgrund der Finanzlage doch auf teure Infrastrukturvorhaben verzichten soll (so interpretiere ich Hamsters Kommentar). In einem Bundeswehrforum schreibt doch auch keiner: „Wir können uns nur Panzer oder neue Flugzeuge heißen.“ sondern „zur Verteidigung brauchen wir beides. Dann muss das Geld woanders bspw. im Sozialbereich gespart werden.“ Bei den Linken heißt es auch nicht „sparen wir beim Wohngeld, um das Bürgergeldniveau nicht abzusenken“ sondern „keine Kürzungen, Vermögenssteuer hoch“. Nur hier im Bus-/Bahnbereich verzwergen wir uns und spielen Verkehrsprojekte (noch nichtmal Staßenbauprojekte) gegeneinander aus. Warum denn nicht „U5 und Straßenbahn! Wir brauchen beides!“

Das Problem des Hamburger ÖPNV besteht darin, dass man immer „alles“ haben wollte und dann eine Krise darüber hinwegfegte, weil man keine Minimallösung planerisch berücksichtigt hatte. So planen, dass man bei Geldmangel nicht stecken bleibt, aber z.B. beim Fund eines großen Gallium-Vorkommens im Stadtpark auch ganz schnell skalieren kann.

Das heutige Hamburger U-Bahn-Netz stünde viel besser da, wenn Hamburg so geplant hätte, dass man man über mehrere Jahrzehnte nur einen Kilometer pro Jahr hätte bauen können. Die U-Bahnen nach Bramfeld und Lokstedt oder die alte U4 scheiterten, weil die finanziell damals machbaren Stummel nur bis Schwalbenplatz oder St. Georg alllein nicht über 1,0 kamen.

Nürnberg war bescheidener: Nur je eine Station planen, bauen und durchfinanzieren. Dann den nächsten Kilometer anpacken. So hätte Hamburg auch ab 1995 wenigstens im Schneckentempo weiterbauen und ab 2011, als wieder Geld da war, sofort den Turbo anwerfen können. Stattdessen hat man alles gewollt und fast nichts gebaut. Die jetzige Planung wiederholt diesen Fehler.

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