Hochbahn rüstet erste Busse mit Abbiegeassistenten aus

Hochbahn will bis Ende 2022 alle Busse mit Abbiegeassistenten ausrüsten und kommt damit einer neuen EU-Pflicht zuvor. So funktioniert das System.
Von Christian Hinkelmann
Ein Radarsensor an einem Hochbahn-Bus erfasst beim Abbiegen bewegliche Objekte neben dem Fahrzeug.
Ein Radarsensor an einem Hochbahn-Bus erfasst beim Abbiegen bewegliche Objekte neben dem Fahrzeug.
Foto: Hochbahn / Marc-Oliver Schulz

Rechtsabbiegende Lastwagen an Kreuzungen sind eine der größten Gefahrenquellen für Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland. In Hamburg kam es in solchen Situationen in den vergangenen Jahren immer zu tödlichen Unfällen.

Hier könnten so genannte Abbiegeassistenzsysteme helfen, solche Unfälle zu vermeiden. Doch noch gibt es in Deutschland keine Pflicht, diese elektronischen Warnsysteme in Lastwagen zu installieren.

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, hatte der Hamburger Senat in den vergangenen Jahren freiwillig 870 städtische Lastwagen über 7,5 Tonnen mit solchen Systemen ausgerüstet. Die rund 1.500 Linienbusse in der Stadt waren davon aber bisher ausgenommen.

Bis Ende 2022 sind alle Hochbahn-Busse ausgerüstet

Das soll sich jetzt ändern. Die Hochbahn startet nun nämlich ebenfalls damit, ihre Busse mit Abbiegeassistenten auszurüsten, die per Radarsensor Radfahrende neben dem Bus erkennen und beim Rechtsabbiegen entsprechend warnen.

Bis Ende Juni will die Hochbahn die ersten 200 Fahrzeuge damit ausgerütstet haben. Bis Ende kommenden Jahres sollen alle mehr als 1.000 Busse über einen Abbiegeassistenten verfügen.

Nachdem im vergangen Jahr verschiedene Technologien eingehend getestet wurden, setzt die Hochbahn auf ein radarbasiertes Abbiegeassistenzsystem als Mittel der Wahl. Das System sendet elektromagnetische Wellen aus und wertet das Echos aus. So können Abstand, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung eines sich nähernden Objekts bestimmt und vor einem drohenden Zusammenstoß gewarnt  werden.

Konkret erfasst ein Sensor an der rechten Außenseite des Busses einen Schutzraum von drei Metern Breite und zehn Metern Länge. Sobald Fahrerinnen und Fahrer den Blinker setzen, um einen Abbiegevorgang zu starten, schaltet das System in einen Warnmodus. Befinden sich bewegende Verkehrsteilnehmer:innen, wie Radfahrende, Fußgänger:innen oder E-Scooter im Schutzraum, erhält das Fahrpersonal im Bus ein akustisches sowie optisches Signal.

Die Abbiegeassistenten warnen die Busfahrer:innen, falls sich beim Rechtsabbiegen ein bewegliches Objekt rechts neben dem Bus befindet.
Hochbahn / Marc-Oliver Schulz Die Abbiegeassistenten warnen die Busfahrer:innen, falls sich beim Rechtsabbiegen ein bewegliches Objekt rechts neben dem Bus befindet.

Abbiegeassistenten sind ab 2024 in Bussen Pflicht

“Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind Profis auf der Straße. Ein Assistenzsystem ist aber eine willkommene Ergänzung zum vorausschauenden Fahren – gerade in herausfordernden Abbiegesituationen”, so Claudia Güsken, die Hochbahn-Vorständin für Betrieb und Personal. “Mit der Ausrüstung unserer Flotte leisten wir einen wichtigen Beitrag, um das Zusammenspiel von Bus und Fahrrad in der Stadt weiter zu verbessern.“

Abbiegeassistenzsysteme sind für Stadtbusse laut EU-Verordnung ab dem Jahr 2024 bei Neuzulassungen verpflichtend. Die Hochbahn nimmt für die vorzeitige Ausrüstung rund 2,5 Millionen Euro in die Hand.

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7 Antworten auf „Hochbahn rüstet erste Busse mit Abbiegeassistenten aus“

Na das nenne ich doch mal ‘ne geile Kiste!

Da sieht man mal wieder, wie flexibel das System ist. Nicht grundlos hat der sonst eher bahnlastige VDV kürzlich demütig eingestanden bzw. verkündet, dass wir im Jahrzehnte des Busses leben. Wer soziale und ökologische Mobilität wünscht, kommt nicht dran vorbei. Und jeder Euro in die Verkehrssicherheit ist sinnvoll investiert.

Es gibt ja auf der Straße in manchen Städten auch ein schienengebundenes Verkehrssystem, das keine Gnade und es leider immer wieder zu schlimmen Unfällen mit schwächeren Verkehrsteilnehmern kommt. Die hanseatische Weitsicht hat sich gelohnt und dürfte mittlerweile auch den letzten ewiggestrigen Spötter zum Schweigen gebracht haben.

Und glaubst Du ernsthaft, dass Menschen, die freiwillig das Fahrzeug steuern, auf so etwas Acht geben würden? Ich habe da meine berechtigten Zweifel. Mir ist da mal so einer in einer Ostberliner Spelunke begegnet und auch da gilt ja: kennste ein’, kennste alle. Safety first!

Das Sie als geistiger Enkel dieses unseligen Beton Ede (der dann mit Kahrs auch noch einen Studienversager und Stalker hochgepuscht hatte in den neunziger Jahren) in typischer Hanseatischer Sozialdemokratie Busse als “Weitsicht” betrachten, überrascht ja nicht, aber das Sie das auf die Sicherheit im Straßenverkehr beziehen, das hat schon was.

Naja, Kahrs hat an der Uni Hamburg studiert und das 1. Staatsexamen erfolgreich absolviert. Welchen akademischen Abschluss hast Du vorzuweisen, wenn Du das als Versagen siehst? Lass mich raten: Gar keinen?!

Lieber Lokstedter,
mit dem Sender Eriwan gesprochen würde ich zum “Jahrzehnt des Busses” sagen: Im Prinzip ja, wenn es eine radikale Bevorrechtung des Busses gäbe und wenn Senat, HVV und Verkehrsunternehmen eine lautstarke Kampagne für mehr Respekt dem ÖPNV gegenüber ins Leben rufen würden. Doch beides ist in unserer schönsten Stadt der Welt politisch nicht gewollt. Wichtig ist hier nur, nach außen hin als Umwelthauptstadt Europas dazustehen. Nach innen werden der ÖPNV und vor allem die Busse als etwas für Sozialfälle und unverbesserliche Ökos wahrgenommen. Im Mittelpunkt steht in Hamburg wie eh und je das Auto. Am besten einfach mal in meinen Stadtbezirk fahren und sich anschauen, wie die Busse hier vom MIV ausgebremst werden. Allein deswegen bin ich schon dolle froh, dass wir jetzt endlich so eine prima Bahnanbindung bekommen. 😃

Lieber Jens Ruge,

das bezieht sich ja nicht nur auf den Ist-Zustand 2021, sondern aufs Soll bzw. Ziel bis zum Ende des Jahrzehnts: https://www.vdv.de/210316-pm-busgutachten-das-jahrzehnt-des-busses-praesentation.pdfx

Selbstverständlich ist da nicht nur Luft nach oben, sondern dort sollten plietsche Verkehrspolitiker gezielt investieren.

Dass noch mehr Bevorrechtigungen, Busspuren usw. von Nöten sind, wird ja niemand bezweifeln. Und dass da nicht nur intern (hallo Polizei bzw. Straßenverkehrsbehörde) einiges noch getan werden muss, sondern auch nach außen, versteht sich von selbst.

Das Thema Umwelthauptstadt ist zum Glück Vergangenheit. Dieses dunkel-grüne Kapitel, dessen Erbe wir leider tragen müssen, sollte man zu den Akten legen und höchstens in den Geschichtsbüchern mahnend erwähnen. Jetzt ist die Zeit der future-shaper und decision-maker.

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