HVV-Preise seit 1993 viermal stärker gestiegen als Parkgebühren

Die Fahrkartenpreise im HVV sind in den vergangenen 23 Jahren viermal so stark gestiegen wie die Parkgebühren in der Hamburger Innenstadt. Das hat das Hamburger Beratungsunternehmen Civity herausgefunden und fordert eine bessere Abstimmung der Preise für verschiedene Verkehrsmittel. Zustimmung dafür kommt von ganz unerwarteter Seite.
Von Christian Hinkelmann
Fahrkartenautomat an Bushaltestelle in Hamburg
Ein Fahrkartenautomat an der Bushaltestelle "Bezirksamt Eimsbüttel" in Hamburg.

Die Fahrkartenpreise für Busse und Bahnen in Hamburg sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen – die Parkgebühren für Autofahrer in der Innenstadt dagegen kaum.

Seit 1993 haben sich die HVV-Ticketpreise nahezu verdoppelt (Einzelkarte Großraum: +84%, CC-Abo Großbereich: +112), die Parkgebühren sind dagegen 23 Jahre lang unverändert geblieben – unabhängig von der regierenden Partei. Erst jetzt zum Jahresbeginn wurden die Parkgebühren erstmals erhöht: um moderate 22 Prozent.

Das geht aus einer Analyse des Consultingunternehmens Civity hervor – ein Beratungsunternehmen für Öffentliche Dienstleistungen mit Sitz in Hamburg und Berlin.

Inflationsbereinigt sind die Parkgebühren in der City demnach heute sogar günstiger als im Jahr 1993, während die HVV-Preise im selben Zeitraum um 30 Prozent gestiegen sind. Hätte Hamburg die Parkgebühren im selben Maße erhöht, wie ein HVV-Einzelticket (Großbereich), dann müsste eine Stunde Parken heutzutage rund 3,80 Euro kosten. Tatsächlich sind es aber nur 2,50 Euro (siehe hier).

“Die Preis-Schere zwischen den Parkgebühren und dem Öffentlichen Nahverkehr geht nicht nur in Hamburg immer weiter auseinander, sondern in der ganzen Republik – aber in der Hansestadt fällt der Effekt besonders deutlich auf”, so Civity-Mitbegründer und Autor der Analyse, Stefan Weigele, zu Nahverke…

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4 Antworten auf „HVV-Preise seit 1993 viermal stärker gestiegen als Parkgebühren“

Man kann den Eindruck nicht loswerden, dass dahinter natürlich politisches Kalkül steht. Ich zitiere mal aus einem Zeitungsartikel von 2012:

“Schon seit 2007 fordern die Haushaltsprüfer [des Hamburger Landesrechnungshofs] die verschiedenen Senate auf, dieses Potenzial [Vervierfachung der Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung durch angemessenen Kontrolldruck] auszuschöpfen. Tatsächlich prellen schätzungsweise 80 Prozent der Autofahrer zumindest gelegentlich die Gebühren auf kostenpflichtigen Stellflächen komplett oder überschreiten die bezahlte Parkzeit teils um Stunden. ”

http://www.shz.de/regionales/hamburg/meldungen/senat-will-falschparkern-an-den-kragen-id241605.html

Fakt: Die Schwarzparkquote lag damals offenbar bei über 50 %, obwohl die Parkgebühren seit 20 Jahren nie angehoben wurden und schon 1993 eher moderat waren. Das wusste JEDER in Hamburg und es wurde so von der Politik bewusst toleriert, während die HVV-Kunden als neue Goldesel entdeckt waren, denen man jährlich den “Strukturzuschlag” in nunmehr zweistelliger Millionenhöhe auf die Preise drücken konnte.

Grundsätzlich sind sich alle einig: Hamburg will mehr ÖPNV-Verkehr und weniger KFZ-Verkehr, insbesondere im Innenstadtbereich. Da liegt es nahe: Kosten für ÖPNV-Tickets mithilfe von Einnahmen aus Parkgebühren verbilligt. Das ist der denkbar einfachste Lenkungseffekt.

Man kann das auch langfristig kommunizieren: Wir verteuern (z.B.) die nächsten zehn Jahre jedes Jahr die Parkgebühren um (z.B.) 10 %) und verbilligen die Ticketpreise entsprechend und/oder bauen Fahrradwege damit aus. Damit können die Betroffenen sich darauf einstellen. Das ist im Interesse der ganzen Stadt im Blick auf Gesundheit, Lebensqualität, Verkehrsdichte usw. usf.

Das sollte doch für die Politik einer Großstadt machbar sein. Noch dazu für eine Umweltstadt und Fahrradstadt …

Aus der “Zeit”.
“Der Umgang mit Falschparkern, räumt Thomas Adrian von der Behörde für Inneres und Sport ein, der die Knöllchen-Truppe vorher betreute, “ist für die Politik ein Drahtseilakt”. Durch jahrelange bad practice geriet das Empfinden vieler Autoparker so in Schieflage, dass viele es für ihr gutes Recht halten, andere behindern und gefährden zu dürfen. Und wer belangt wird, fühlt sich im Nu stigmatisiert, diskriminiert und abkassiert ”

Wenn so in HH gedacht wird, wundert einen gar nichts.
P.s. Herr Adrian ist nebenbei noch SPD Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung Altona.

Mit vermehrten Aufschreiben wurde in der City begonnen. Wahrscheinlich hat die Handelskammer bei Herrn Scholz angerufen, damit noch mehr Autos durch die City geschleust werden können und er hat wieder gespurt.
In den hochverdichteten Wohngebieten wie z.B. Eimsbüttel, Eppendorf und Winterhude ist dagegen Wildwest. Autos parken nach Belieben auf Fuß- und Radwegen und man sieht keine Knöllchen an den Windschutzscheiben.

Das Ganze passt zur Verkehrspolitik in HH, Auto, Auto und nochmal Auto.

Hamburg, deine Falschparker. Das gehört hier einfach dazu, weil es anders halt nicht geht.

Stichwort: Wiesendamm, wo sogar die örtliche Polizeiwache versucht(e), die Falschparkplätze vor einem Umbau zu retten. Bislang erfolgreich, als Radfahrer hat man in der Straße die Wahl zwischen Schieben auf dem “Radweg” (lange nicht benutzungspflichtig) und Angehupt werden auf der schmalen Restfahrbahn der zweispurigen Straße.

Stichwort Mühlenkamp, wo der HVV seinen 6er auf Joggingtempo herunterdrehte, weil vor lauter Zweite-Reihe-Parkern kein Durchkommen war.

Stichwort Jarrestadt, wo in Sichtweite des Polizeireviers die Wagen mitten in der Kreuzungen geparkt werden.

Stichwort Grindelallee, wo gestern geschlagene fünf Falschhalter ihren Wagen nicht auf der Autospur, sondern auf dem Radstreifen abstellen mussten. Dauerzustand.

Diese Stadt hat fertig.

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