HVV schafft Bargeld in Hamburger Bussen ab – wer verliert und wer profitiert

Busfahren in Hamburg wird in Zukunft etwas komplizierter – zumindest, für die, die weder Handy noch Zeitkarten haben. Ende 2023 verabschiedet sich der HVV von Bargeldzahlungen in Bussen und setzt alternativ auf eine neue Prepaid-Karte. Das hat positive und negative Folgen.
Christian Hinkelmann
Prepaid-Karte besorgen und aufladen, im Bus Ticket auswählen und bezahlen. Ab Ende 2023 wird der spontane Fahrkartenkauf in HVV-Bussen ein bisschen komplizierter.
Prepaid-Karte besorgen und aufladen, im Bus Ticket auswählen und bezahlen. Ab Ende 2023 wird der spontane Fahrkartenkauf in HVV-Bussen ein bisschen komplizierter.
Foto: HVV

Der Hamburger Verkehrsverbund erhöht die Zugangsschwelle für bestimmte Kundengruppen – und will den Busverkehr damit gleichzeitig etwas beschleunigen.

Ende kommenden Jahres soll die Bargeldzahlung im Hamburger Busverkehr abgeschafft werden. Gelegenheitsfahrgäste, die kein Smartphone besitzen oder sich nirgendwo registrieren wollen, kommen dann an den meisten Bushaltestellen in der Hansestadt nur noch über einen Umweg an ihr HVV-Ticket: Sie müssen sich vorher eine neue Prepaid-Karte besorgen und diese mit Guthaben aufladen, bevor sie damit beim Einstieg in den Bus ihr Ticket kaufen können. Ein Schritt mehr für diese Fahrgäste, ein paar Sekunden weniger Haltezeit für die Busse und weniger Kosten für den HVV.

Wie funktioniert diese neue Prepaid-Karte im HVV genau? Wo ist sie erhältlich? Wie lange ist das Guthaben darauf gültig? Warum ist sie nicht auf allen Buslinien im HVV nötig? Wird der Busverkehr dadurch wirklich schneller? Und was wird jetzt eigentlich aus der bisherigen HVV-Card, die schon seit Jahren eine Prepaid-Funktion bietet? NAHVERKEHR HAMBURG gibt Antworten auf die zwölf wichtigsten Fragen und erklärt, wer von dem neuen System profitiert und wer verliert.

Auf welchen Buslinien wird die Bargeldzahlung Ende 2023 abgeschafft?

Nur auf den Buslinien, die von der Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) betrieben werden – und auch nur im HVV-Tarifbereich Hamburg AB. Das heißt: Im Hamburger Stadtgebiet und im direkten Umland.

In den weiteren HVV-Außenbereichen bleibt die Bargeldzahlung in Bussen auch in Zukunft bestehen, beispielsweise in Elmshorn, Geesthacht, Winsen und Buxtehude. Allerdings sind Tickets, die mit der neuen Prepaid-Karte gekauft wurden, im ganzen HVV auf allen Bus- und Bahnlinien gültig.

Warum wird die Bargeldzahlung abgeschafft?

Der HVV und die Hamburger Verkehrsbehörde argumentierten gestern auf einer Pressekonferenz, dass immer weniger Menschen mit Bargeld im Bus zahlen würden, dass digitales Bezahlen hygienischer als Bargeld sei, dass die Busse an den Haltestellen kürzer stehen müssten, dass der Verbund ohne Bargeld im Bus insgesamt Geld sparen und dass das Risiko von Raubübergriffen in Bussen …

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Der Kopf hinter diesem Artikel

Christian Hinkelmann ist begeisterter Bahnfahrer und liebt sein Fahrrad. Wenn er hier gerade keine neue Recherchen über nachhaltige Mobilität veröffentlicht, ist der Journalist und Herausgeber von NAHVERKEHR HAMBURG am liebsten unterwegs und fotografiert Züge.

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16 Antworten auf „HVV schafft Bargeld in Hamburger Bussen ab – wer verliert und wer profitiert“

Was soll das? Wer kommt auf diesen Blödsinn? Doch nur jemand, der seine Monopolstellung schamlos ausnutzen kann und dem es egal ist, wie seine Kunden an das Ticket kommen, solange es für das Unternehmen einfach bleibt. Ich finde es unbegreiflich, dass ein Unternehmen, das der Stadt gehört, mir nichts dir nichts erklären kann, dass es in 2 Jahren kein Bargeld mehr annehmen darf. Hier wir keine Rücksicht auf Ältere Menschen genommen, Touristen sollen sich halt umsehen, wie sie an die Prepaid-Karte zum aufladen kommen. Die sollen dann auch gleich noch den richtigen Tarif herausfinden und mit etwas Glück, erwischt man sie sogar beim Schwarzfahren. Gelegenheitsfahrer oder Menschen, die durch einen Notfall schnell den nächsten Bus erwischen müssen, sollen gefälligst schon mal vorher bezahlen. Kommt der Kasse zugute, solange die Fahrt nicht genutzt wird, die Karte aber schon mal gefüllt wurde. Wenn mein Bäcker oder Supermarkt sagen würden, ab morgen nehmen wir Dein Bargeld nicht mehr, aber Du kannst unsere Kundenkarte aufladen und damit den Einkauf bezahlen. Würde ich sofort das Geschäft wechseln. Von mir aus sollen sie die Prepaidkarte einführen, aber die Bezahlung mit Bargeld muss bleiben

Also, wenn man im Gegenzug nur noch mit Gutscheinkarten tanken kann, die man zuvor am HVV-Automaten gezogen hat, bin ich dafür. Wenn ich denn mal einen Mietwagen habe, nervt es sehr, dass die Zapfsäulen oft noch lange besetzt sind, von Fahrern die Bezahlen oder sogar noch mal aufs Klo gehen.

Davon gehört haben Sie aber offenbar schon einmal?
Ja, bei mir stehen seit kurzem richtige Fahrkartenautomaten. Davor gab es welche mit sehr beschränkter Auswahl. Man konnte keine eine 5er- AB-Karte aber eine 5er-Netzkarte kaufen. Aber der Automat nahm lediglich Münzen. Die Bushaltestelle hat allerdings mehr Einsteiger als viele Schnellbahn-Haltestellen.
Die Bushaltestelle an der Tankstelle hat hingegen keinen Automaten.
Tatsächlich kaufen aber trotzdem Fahrgäste Fahrkarten beim Fahrer und zwar zumeist welche, die mit dem Automaten nicht klar kommen oder keinen Plan haben, welche Fahrkarte für sie praktisch ist. Das Kleingeld ist dabei selten das Problem, es sei denn, es ist einfach zu wenig Geld da oder der Preis wird als zu hoch bewertet.

Oh, von den Automaten mit beschränkter Auswahl höre ich jetzt aber wirklich zum ersten Mal. Ansonsten sind Automaten bei uns an der 9 tatsächlich nur Hörensagen. Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt irgendeinen direkt an einer Bushaltestelle gibt, höchstens am Bahnhof Rahlstedt. Wandsbek Markt hat welche in der U-Bahn-Verteilerebene und Tonndorf die schon erwähnten zwei der DB. An jeder anderen Haltestelle Fehlanzeige. An 8, 10 und 11 ist es nicht anders.

Norrköping in Schweden vor etwa drei Jahren. Das Land rühmt sich, das Bargeld so gut wie abgeschafft zu haben. Ich möchte mit der Straßenbahn ein paar Stationen fahren. Keine Automaten, kein Bargeld, Fahrkarten nur auf einer App. Die kann man auf sein Smartphone laden – bezahlen kann man darin nur von einem schwedischen Konto aus.
Eine Fahrkarte hätte man im Kiosk im Hbf. kaufen können. Dummerweise war das mein Ziel und nicht der Start.
Ich ging dann zu Fuß.
Es muss neben der neuen Bezahlkarte auch die Möglichkeit geben, wenigstens mit einer Kreditkarte zu bezahlen. Das ist kein Hexenwerk.

Wie ich hier lese, sprechen die Meisten so ganz selbstverständlich von an den Haltestellen stehenden Fahrkartenautomaten.
Dann fahrt bitte einmal mit den Metrobuslinien 8, 9, 10 oder 11 (alles Radiallinien = Hauptlinien) und schaut mal, wo überall Fahrkartenautomaten stehen.
Den >hvv interessiert es nicht, die Bezirksversammlung vermutlich auch nicht. (Aber leider ist auch das ÖPNV-Engagement der Leute bei uns zu gering.)

Mir scheint so, als würde hier Verkauf mit Beratung vom Busfahrer zeitlich gegen den Verkauf ohne Beratung am Automaten gesetzt. Da ist völlig klar, dass der Automat schneller ist. Klar ist auch der Busfahrer schnell überfordert mit der günstigesten Fahrkarte z.B. nach Timmendorfer Strand, Bugenhagenwerk (SH-Tarif kann der Almex-Drucker in den HVV-Bussen, nur ist oft eine gebrochene Fahrkarte billiger).
Bei “2×Hauptbahnhof einfach” und 10€ auf den Tisch des Busses ist der Fahrer oft sehr schnell behilflich. Nun scheint es mir sinnvoll, so lange als Fahrgast hilflos am Automaten herum zu fummeln bis ich am Ziel angegkommen bin und dann gar nichts zahle. Dumm nur, das diese Fahrgäste nicht nur nicht zahlen, sondern zudem im Weg herum stehen.
Ganz und gar nicht gefallen will mir, dass Leute einfach nicht mehr mitgenommen werden, weil gerade keine Tankstelle in der Nähe ist und der Supermarkt 2km weiter am Sonntag leider geschlossen ist.

Natürlich ist das Bargeldhandling in den Bussen realtiv teuer. Aber die Erneuerugn der technsichen Aussattung für die Chipkarte auch! Die einfachste Variante ist ein 365 Euro Jahresticket, dann entfallen viele Barverkäufe. Ferner sollten an hochfrequentierten Busstationen Fahrkartenautomaten stehen. Und der Rest der Fahrgäste wird, wenn sich bar kein Ticket beschaffen lässt einfach Schwarzfahren. Prepaid-karten von denen etwas abgebucht wird sind die absolut schlechteste Lösung, denn was pappiert, wenn man in den Bus einsteigt und die Karte vor das Lesegeräte hält und dann nicht genügend aufgeladen ist? Das ist dann besonders in den Tagesrandzeiten, wenn keine Aufladestelle in der Nähe ist ein Problem. Insoweit wird mit den PrepaidKarten genau das eingeführt, was Banken und Sparkassen gerade wegen angeblich zu geringer Nutzung abgeschafft haben, den Geldchip auf den Kontokarten. Eine simple analoge Lösung sind Streifen- oder Mehrfachfahrkarten, wie in Belrin und andren Städten üblich. Dann müssten allerdings Entwerter in Bahnen und Bussen aufgestellt werden, das ist auch wieder mit Kosten verbunden.
So hat man mit der Abschaffung der Bargeldzahlung in Bussen die Zugangshürde zum HVVB ieder erhöht, nicht unbedingt im Sinne der Verkerhswende. Man hätte das Sxystem so lange beibehalten müssen, bis es ein bundesweites Check in/Be-out System mit Betpreisabrechnung gibt, für alle ÖPNV-Betriebe in Deutschland, ähnlich wie es in den Niederlanden schon seit Jahren der Fall ist. Oder, dass jeder Bürger für einen Festpreis eine Klimakarte kaufen kann, die ein Jahr lang zur Nutzung in allen ÖPNV-Systeme und dem gesamten Bahnnetz berechtigt, wie derzeit in Österreich umgesetzt. Aber in Deutschland liebt man lieber die Provinzlösung, halbgar und noch mit vielen Ausnahme- und Sonderregelungen, so dass keiner mehr durchblickt!

“was pappiert, wenn man in den Bus einsteigt und die Karte vor das Lesegeräte hält und dann nicht genügend aufgeladen ist?”

Was passiert denn, wenn Du in einen Bus einsteigst und nicht genug Geld im Portemonnaie hast?

“wegen angeblich zu geringer Nutzung abgeschafft haben”

Die Prepaid-Karte wird ja auch von wenigen genutzt werden und das auch nur selten. Der >hvv ist auch keine Privatbank. Für Abonnenten und App-Nutzer völlig irrelevant. Ebenso für die meisten Touristen (Kombiticket für Veranstaltung, Hamburg Card usw.). Die Fahrscheinautomaten bleiben ja vorerst auch erhalten, ebenso die Bargeldzahlung außerhalb vom AB-Bereich.

“Aber in Deutschland liebt man lieber die Provinzlösung”

Klar, so provinziell wie zum Beispiel die Suica-Karte in Tokio. Aber das kann man nicht wissen, wenn der weltmännische Horizont an der Trasse der Altona-Blankeneser Eisenbahn endet.

Meine Güte, wie haben wir vor 30 Jahren bloß die Umstellung von Geldmünzen zu Chipkarten in den Telefonzellen geschafft…

“Meine Güte, wie haben wir vor 30 Jahren bloß die Umstellung von Geldmünzen zu Chipkarten in den Telefonzellen geschafft…”

Und jetzt schaffen wir sogar die Telefonzellen auch noch ab…

Aber generell oft beobachtet: An der Haltestelle steht ein Automat und Fahrgäste kaufen trotzdem beim Fahrer ein Ticket. Dabei handelt es sich nicht mal, um irgendwelche Spezialwünsche sondern ein einfaches “Einmal 3,50€” und der Betrag ist abgezählt.

Das Bargeld muss weg. Ist eh nur was für ‘Steueroptimierer’ wie Einzelhandel, Gastro und Taxifahrer. Im Bus nervt es extrem, wenn ewig nach Kleingeld gesucht wird und man erwartet, dass der Busfahrer zugleich Berater für das billigste Ticket ist. Das kostet nur Zeit und verpasste Anschlüsse. Mit der Prepaid-Karte sollten auch Boomer und andere digitalen Analphabeten nicht überfordert sein. Die Telefonkarten kamen vor über 30 Jahren heraus.

Wenn es so gut wie nie vorkommt, wird die Abschaffung ja gar nicht auffallen. Manchmal zieht sich der Verkauf auch über mehrere Halte hin, was nur Ablenkung für den Busfahrer bedeutet und sich damit auf die Verkehrssicherheit auswirkt.

Und gehbehinderte Menschen können nichts für ihre Einschränkungen. Natürlich ist diese Warterei okay. Für gesunde Münzsammler und Klimpergeldnostalgiker nicht.

Es ist natürlich schade, dass nach wie vor vorne beim Einstieg ein Ticket auf die Karte gezogen werden muss. Das wird sich aber hoffentlich in Zukunft noch ändern und automatisiert ablaufen (Check in, be out ist ja hoffentlich auch mit dieser Karte mittelfristig vorgesehen?).
Ansonsten grundsätzlich ein absolut überfälliger Schritt.

Naja, es mag ja sein, dass dieser Schritt dort überfällig ist, wo es ein dichtes Netz an Fahrkartenautomaten gibt, also im Hamburger Westen und Nordwesten. Bei uns im Bezirk sieht das aber schon ganz anders aus. Und ganz sicher wird der Löwenanteil der 1000 Verkaufsstellen genau dort sein, wo auch der Löwenanteil der Fahrkartenautomaten steht. Dazu kenne ich meinen >hvv zu gut.
Als ich zufällig in der betreffenden Gegend war, hatte ich einmal eine Kollau-Wanderung unternommen und war ganz erstaunt, dass es selbst weit draußen im Nordwesten, an der Frohmestraße, DFI-Countdown-Anzeiger und Fahrkartenautomaten gibt. Bei uns am Bahnhof Tonndorf gibt es nicht mal an jedem Busabfahrtsstand einen Wetterschutz, geschweige denn DFIs. Und Fahrkartenautomaten gibt es hier nur zufällig, weil es die beiden der DB in der Unterführung gibt. Nur weiß das vielleicht nicht jede/r. Aber vermutlich ist das auch “so ein Tod”, den die Wandsbeker*innen bezüglich der ÖPNV-Attraktivität “sterben müssen”.

Nebenbei: Dieses ganze Vorhaben ist nicht nur unsozial, sondern auch schon wieder “hamburgisch” halbgar. Da die Betreffenden vorn im Bus abbuchen müssen und im Gegensatz zu den Busfahrer*innen Laien sind, wird es dort schöne Staus oder Gegenverkehr von denen, die an anderen Türen einsteigen und vor müssen, geben.

PS: Gestern hat bei mir ein Download einer >hvv Fahrkarte in die App sage und schreibe 20 Minuten gedauert, bei bester WLAN-Verbindung! Da konnte ich wirklich froh sein, dass ich den Kauf so zeitig angestoßen hatte, sonst wäre ich vermutlich als Schwarzfahrer bestraft worden.

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