HVV und Behörde haben wenig Interesse an Corona-Zähler im ÖPNV

Nach Corona-Zählung durch Datenaktivist:innen in Berliner U-Bahn mit selbstgebauten Controllern sehen die Verkehrsbehörde und der HVV keinen Nutzen in der Technik – aus diesen Gründen.
Von Christian Hinkelmann
Menschen steigen in der Corona-Krise in eine S-Bahn in Hamburg
Menschen steigen in der Corona-Krise in eine S-Bahn in Hamburg
Foto: Christian Hinkelmann

Diesen Text schenken wir Ihnen. Normalerweise sind unsere Berichte kostenpflichtig. Hier können Sie unsere Arbeit per Abo unterstützen.

Nach einem Interview von NAHVERKEHR HAMBURG mit Datenaktivist:innen, die mit selbst gebauten Messgeräten in der Berliner U-Bahn Corona-Infizierte gezählt haben (hier Interview lesen), haben die Hamburger Verkehrsbehörde und der HVV zurückhaltend auf die Idee reagiert.

„Das Gerät geht aus unserer Sicht an der entscheidenden Frage des Ansteckungsrisikos vorbei, denn es misst eben nicht, ob ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt (wie es beispielsweise klinische Tests in anderen Städten es getan haben), sondern gibt letztlich nur einen Statistik-basierten Überblick über die aktuelle Inzidenz“, erklärte der Pressesprecher der Verkehrsbehörde, Dennis Heinert gegenüber NAHVERKEHR HAMBURG. Die Verwendung der Corona Warn App erscheine der Behörde daher „für jeden einzelnen sinnvoller“.

Auch der HVV sieht in den Corona-Messgeräten der Datenaktivist:innen „keinen nennenswerten Nutzen“, da aus Sicht des Verkehrsverbunds für die Fahrgäste nicht die Anzahl von Infizierten entscheidend sei, sondern die Frage, ob es ein erhöhtes Infektionsrisiko im ÖPNV gebe.

Tatsächlich können die Messgeräte des Kollektivs, das sich „Zerforschung“ nennt (siehe hier), lediglich Corona-Infizierte in ihrer Nähe zählen, indem sie eine Funktionalität der Corona-Warn-App nutzen. Sie geben aber keine Hinweise darauf, wie hoch das Infektionsrisiko ist, dass von diesen Personen ausgeht.

Anders sieht die Interessenslage in Bezug auf einen Fahrgastzähler aus, der ebenfalls privat entwickelt und unter Open-Source-Lizenz ins Internet gestellt wurde und mit dem in Echtzeit der Fahrgastandrang in Bussen und Bahnen gemessen werden kann. „Grundsätzlich ist das ein sehr interessantes Thema, mit dem sich der HVV auch beschäftigt“, erklärte Verbundsprecher Rainer Vohl gegenüber NAHVERKEHR HAMBURG.

Wie hilfreich ist dieser Artikel für Sie?

Mit Ihrer Bewertung helfen Sie uns, unsere Berichte besser an Ihre Bedürfnisse anzupassen.

Empfehlen Sie diesen Bericht auch gerne an Bekannte und Kolleg:innen weiter, von denen Sie glauben, dass er ihnen helfen könnte.

Bislang gibt es für diesen Artikel noch keine Bewertungen

Schade, dass Sie diesen Bericht nicht hilfreich fanden

Lassen Sie uns diesen Artikel gemeinsam besser machen

Mögen Sie uns kurz sagen, wie wir diesen Bericht für Sie lesenswerter machen könnten?

Auch interessant

Auto, Hamburg, Individualverkehr, Parken, Parkplatz

Bundestagswahl: Das versprechen die Parteien für den Autoverkehr

Autofreie Innenstädte? Tempolimits? Führerschein mit 16? Carsharing auf dem Land? Im vierten Teil unserer Wahlcheck-Serie analysieren wir, wie sich die großen Parteien die Zukunft des Autoverkehrs in Deutschland vorstellen. Die Positionen gehen weit auseinander.

3 Antworten auf „HVV und Behörde haben wenig Interesse an Corona-Zähler im ÖPNV“

….dass aber schon kein Risiko bestünde, wenn in der Bahn/Bus keine Infizierten säßen, kann der HVV doch nicht bezweifeln.
Und mehr geben die Zähler eben auch nicht her, aber auch nicht weniger.

Mal abgesehen von der Corona Geschichte: Wenn es mit so billiger Technik erstaunlich einfach machbar ist, die Anzahl der Menschen in einem U-Bahn-Waggon jederzeit, also live (und nicht anhand von Hochrechnungen / Statistiken), zu ermitteln – warum wird diese Technik dann nicht längst überall eingebaut? Mit den Daten könnten man doch vieles steuern, neben Einsatzwagen, Fahrplanänderungen auch indirekte personalgetriebene Themen wie vielleicht Reinigungszyklen, Bestreifung, Ticketkontrollen etc.; und man könnte den Fahrgästen jederzeit vor Antritt einer Fahrt ein genaues Bild darüber geben, wie voll es jetzt gerade ist – und nicht nur wahrscheinlich sein könnte.

Grundsätzlich stimmt die Argumentation ja. Wenn man die Technik aber etwas ausfeilt, und die regulären Infektionszahlen als Vergleichsgröße heranzieht, könnte man schon herausfinden, ob das Risiko in Bus&Bahn größer ist als anderswo.
Allerdings würde das von allen erwartete Ergebnis natürlich ein schlechtes Licht auf den ÖPNV werfen, und da diese Studie somit nur ein Risiko für die Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel darstellt, hat man logischerweise kein Interesse daran. Selbst wenn rauskäme, dass das Risiko geringer ist – auch das müsste erstmal vermarktet werden, ankämpfend gegen die allgemeine Coronaangst. Da können HVV & Co. nur verlieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.